Reisenostalgie

Nach glücklichem Familienurlaub hielt ich mich zuerst noch ein paar Tage in Santiago und Umgebung auf, ohne Frage einen Besuch wert.

Dieser Aufenthalt setzte sich aus ruhigen Stunden im grünen Paradies „Cerro Santa Lucia“, dem abendlichen(dezent verstörendem) Freilichttheater „Tito Andronico“ in der Poblacion „Recoleta“, ersten begeisternden Wellenritten im Pazifik am Strand „Con Con“ in der Nähe von Vina del Mar und ein wenig Dekadenz in der „Mall Araucano“ mit anschließendem Kinovergnügen, zusammen.

Die nächste Station war ein Theater- und Sprachcamp in Limache, auf welches ich schon lange hin fieberte, um das erste Mal in die (fürwahr anstrengende, dennoch umso prägendere) motivierende Trainerrolle zu schlüpfen. Im Versuch, das einseitige Berichten einzugrenzen, gebe ich zu, dass es nicht immer leicht war, die Kids aus ihrer Zurückhaltung zu locken und vorhandenes Potenzial herauszukitzeln. Doch die Resultate waren in meinen Augen außergewöhnlich und der Weg dahin voller Kreativität und Freude am gemeinsamen „Lernen“. Spielerisches Lernen war theoretisch Hintergedanke dieses campamentos und erzielte auch praktische Erfolge, viel bemerkenswerter war allerdings für mich, mit welchem Enthusiasmus sich die Gruppe zusammenschloss und, auch im Rahmen des harmonischen Zusammenlebens mit der Natur, diese Woche mit Ideen und Leben füllte.

Der tägliche Ausruf „einen Kreis, einen Kreis, einen Kreis….“ und die sich gegenseitig anstachelnden Elementegruppen gehen mir nachhaltig nicht aus dem Kopf, genauso wenig wie ein Lagerfeuerabend, an dem zwei Stunden lang ein Song nach dem anderen im Gruppenkonzert geschmettert wurde, eine finale Medaillenverleihung aus Eigeninitiative der Schüler, herzliche Zuneigungsbekundungen, immer wieder gesuchte Gespräche…

Kaum bestärkender hätte diese Woche für mich in meinem Wunsch sein können, Lehrerin zu werden und derart weiterhin Teil dieser belebenden Gruppenmagie zu bleiben, die ich in der Woche kontinuierlich erfahren habe.

Wer es ganz genau wissen möchte, kann sich weitere Infohappen und Bilder auch unter folgendem Link angucken: http://www.pasch-net.de/de/mag/akt/20912785.html

Weiter ging die Reise nach Pichilemu, wo ich einige sehr entspannte Tage mit meiner Mitbewohnerin verbrachte. Das Wellenreiten nahm ich dort nur einen Tag wieder auf, obwohl der Ort absolut bekannt und begünstigend dafür ist; stattdessen ließen wir uns am Strand vom erbarmungslosen Wind und Sand panieren, unternahmen einen abendlichen Sonnenuntergangsausritt und genossen, dass unser Hostel sozusagen im Meer lag. Einmal mehr verliebte ich mich in das Hostelfeeling: die Chilenismen an der Wand, die kreativen Upcycling- Möbel, die Farbenfrohheit, das liebevolles Frühstück (mit Melone!!-Vorzüge eines zweiten Sommers) und herzliche, offene Menschen, mit denen wir uns häufig stundenlang verquatschten…

Nach zwei Seetagen am Lago Ranco, in unserer chilenischen Heimat um die Ecke, führte uns (nun wieder vereint mit allen Mitbewohnerinnen-eine kleine Familie) das Reisefieber nach Pucón.

An dieser Stelle zitiere ich gerne einen Lonely Planet Reiseführer: „Pucón is firmly positioned on the global map as a mecca for adventure sports, its setting on beautiful Lago Villarica under the smoldering eye of the volcano of the same name sealing its fate as a world-class destination for adrenaline junkies“. Derart trainierten wir unseren Gruppenzusammenhalt (jaa, die Lehrermentalität dringt langsam vor) beim “Rafting Alto” an Stromschnellen und unverständlich zugebrüllten Anordnungen. Zwei meiner Lieblingskulturweitlinge Chiles waren zufällig auch ganz in der Nähe, sodass wir uns einen großen Traum erfüllten und auf den Vulkan Villarica, ein 2.847 Meter hohes Prachtstück, kraxelten. Um, mit Atemmasken bewaffnet, einen Blick in die gemächlich spuckende Lava werfen zu können, legten wir einige Anstrengungen in Schnee, Steinen und Eis unter vielen anderen Vulkanspannern hoch. Umso witziger war es, auf dem Popo rutschend den Abgang zu machen, ein schwungvoller Abschluss einer abenteuerlichen Tour.

Abends drehten wir auch eine Runde im Kayak über den Lago Villarica, äußerst empfehlenswert angesichts des Panoramas. Ebenso attraktiv ist Pucón generell für Feinschmecker (besonders Vegetarier) und Menschen, denen Holzfassaden und ein gepflegt gemütliches Kleinstadtbild zusagen.

Mir fehlte es an kaum etwas in diesen privilegierten Tagen, außer vielleicht an Zeit zur Verarbeitung tausender Sinneseindrücke, Luxusprobleme…

Liebe Grüße und ganz viel Dankbarkeit für alle Erlebnisse!!

Sprach- und Theatercamp Limache 2017


Erste Surferfahrungen in Con Con sammeln


Dem Gas entgegen auf dem Vulkan Villarica


Pure Lebensfreude!!


Pichilemu

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Ein Kommentar zu Reisenostalgie

  1. Helmut und Heike Campen sagt:

    He Du, ich / wir sehen, dass der weitere berufliche Weg nun wohl tatsächlich vorgezeichnet ist.
    „Kaum bestärkender hätte diese Woche für mich in meinem Wunsch sein können, Lehrerin zu werden und derart weiterhin Teil dieser belebenden Gruppenmagie zu bleiben, die ich in der Woche kontinuierlich erfahren habe.“
    Ich habe das Gefühl, dass Du Dich von der gleichen Sehnsucht treiben lässt, wie ich es in den 80zigern bei meiner Heike kennengelernt habe.
    Aber Du hast es besser. Diese Sicherheit auf einer so tollen Reise zu erfahren ist wohl durch gar nichts zu ersetzen.

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