Disfrutar de la vida!!

Ohne angeben zu wollen, hatte ich in der letzten Woche wirklich keine Zeit und Muße, hier einen Einblick in die vergangenen, unglaublichen Tagen des Kulturweit-Zwischenseminares zu geben, da mich neue Erlebnisse vollkommen in Anspruch nahmen, die vielleicht ein anderes Mal Platz auf dieser Website finden.

Doch nun werde ich einmal versuchen, das für mich Unbeschreibliche in Worte zu fassen.

Für mich startete die Reise nicht erst am Seminarort in „Punta de Tralca“, sondern bereits vier Tage vorher in der Küstenstadt „Viña del Mar”, in der ich, mit drei anderen Kulturweitlern aus Chile, ein Hostel gebucht hatte. Am Samstag widmeten wir uns Viña und waren auch durchaus angetan von der Urlaubsstimmung, die durch die gepflegte Umgebung, die vielen Palmen, schicken Cafés und Restaurants, aber vor allem den kilometerlangen, berühmten Strand entstand.

Hellauf begeistert waren wir dann allerdings von der historischen Hafenstadt Valparaiso, die wir, erst bei Nacht in einem coolen Club (durch die vielen Studenten ist dort immer Party angesagt!!) und anschließend auch bei Tage, bestmöglichst erkundeten.

Schon bei unserer Tour auf eigenen Faust verliebten wir uns in die, von kunterbunten Häusern übersäten, Hügel, die Streetart und die, urige Bars und Ateliers enthaltenden, kleinen Gassen. Einen noch tiefgehenderen Eindruck erhielten wir jedoch am Montag, als wir eine “Free Walking Tour” unternahmen. Diese würde ich jedem ans Herz legen, der die Gelegenheit bekommt, Valparaiso einen Besuch abzustatten, denn auf Basis eines “Tips” statt einer Bezahlung wird man so von jungen Guides drei Stunden lang durch die Straßen geführt. Dadurch kann man nicht nur Ecken entdecken, die einen während reiseführergestützten Touren verwehrt bleiben würden, sondern erhält ebenso ein, für die kurze Zeit recht weit gefächertes, Wissen über die Geschichte dieser Stadt, die nicht zu Unrecht als “Juwel des Pazifiks” bekannt ist. Jenes wird einem nicht nur in Form von klassischen Monumenten, sondern ganz besonders durch die aufwendigen Wandmalereien in den “Cerros” vermittelt. Bejahrte, wie auch viele moderne Kunstwerke bereichern gleichwohl durch bloße Farbenpracht, Humor und Schönheit, wie Gesellschaftskritik, die in unzähligen Gassen ein Gesicht bekommt.

Unsere “Wally”-Guides erklärten uns, auf welche Weise sich die Werke ständig erneuern, weiterentwickeln und dabei größtenteils von der Bevölkerung Valparaisos nicht nur akzeptiert, sondern stark unterstützt werden. Schon aus dem einfachen Grund, dass die inspierierenden Malereien hingerissene Touristen wie uns in der Stadt halten und verleiten, unser Geld in den derart geschmückten Cafés und Restaurants zu lassen; solch einem Genuss für Leib und Seele verfällt man gerne.

Schweren Herzens verabschiedeten wir uns dann dienstagmorgens von Viña& Valparaiso und zogen nach Punta de Tralca weiter.

Dieser Ort, auf dessen Nennung wir von chilenischen Bekannten nur fragende Blicke ernteten, setzte dann wider Erwarten dem bisher Erlebten noch die Krone auf.

Nachdem wir unsere Koffer über staubige Schotterpisten zogen, konnten wir unser Glück kaum fassen, denn die „Casa de Ejercicios“, unsere Herberge für die nächsten Tage, lag direkt am Strand und bot einen überwältigenden Blick auf den Pazifik. Folglich hatten wir kaum unsere Sachen abgestellt, als wir schon den, für mich ersten, Badegang in den Pazifik wagten. Zugegebenermaßen hielt es mich nicht länger als zwei Minuten im eiskalten Wasser, doch dafür würdigte ich den wunderschönen Zugang zum Ozean anschließend an der Spitze einer felsigen Landzunge, von der aus der Blick im 200° Winkel durch absolut nichts außer dem Horizont begrenzt war.

Die folgenden Tage verbrachten wir dann durchgängig ähnlich staunend, jedoch nicht nur aufgrund der Landschaft, die wir in jeder kleinen Pause, bei Spaziergängen und nächtlichen Lagerfeuern am Strand genossen. Denn während der „Arbeitsphasen“ reflektierten wir unseren Alltag in den verschiedenen Arbeitsstellen, redeten über angedachte Projekte und, was mir besonders wichtig war, die chilenische Geschichte, wie auch deutsch-chilenische Beziehungen in den letzten 150 Jahren. Die Präsenz der deutschen Einflüsse ist wohl jedem aufmerksamen Beobachter in Chile schon aufgefallen, alleine durch den Anteil des Wortes „Aleman“ in Straßennamen, Restaurants, Läden…, doch während des Seminars sind wir noch auf viele, weniger offensichtliche, Einwirkungen gestoßen und haben teilweise neue Blickwinkel auf unsere Position in diesem fremden Land bekommen, das vielleicht doch gar nicht so fremd ist, wie augenscheinlich.

Indes wir tagsüber sehr interessante Ausflüge zum Haus Pablo Nerudas auf der Isla Negra, der Gedenkstätte „Londres 38“ in Santiago und dem Projekt „Chigol“ unternahmen, schauten wir uns abends Dokumentationsfilme zur Aufarbeitung chilenischer Geschichte an, die für mich persönlich sehr bewegend waren.

Der Höhepunkt aber war für viele von uns fürwahr der Besuch „Chigol“´s.

Dieses Nachbarschaftsprojekt verfolgt das Ziel, die Kinder aus den sozial benachteiligten Vierteln Santiagos durch unterschiedliche Aktivitäten, wie zum Beispiel gemeinsames Fußballspiel nach ganz besonderen Regeln, zu vereinen und ihnen Kompetenzen wie Teamwork und Fairness nahezulegen, dabei jedoch nicht über die Instanz Schule arbeitend.

Es war ziemlich beeindruckend, dort eingeladen zu werden, das Konzept vorgestellt zu bekommen und dann sogar selbst noch eine Partie Fußball, nach Art „Chigol“, zu spielen.

 

Am Samstag kam dann die ernüchternde Einsicht, dass unser außergewöhnliches Seminar tatsächlich schon vorbei sein sollte und wir nun, angeregt von den vielen unterschiedlichen Eindrücken und letzten lieben Worten der Gemeinschaft, den Rückweg zu unseren Einsatzstellen antreten mussten. Jetzt soll natürlich nicht der Anschein nachwirken, dass ich nicht gerne an meiner Schule arbeiten würde, denn eigentlich stehe ich jeden Morgen motiviert auf, doch nach so einer Woche liegt es wohl in der Natur der Dinge, noch nicht wieder Abschied nehmen zu wollen.

Unsere Wally-Guide

Unsere Wally-Guide

 

Le petit prince- Streetart <3

Le petit prince- Streetart <3

 

Meine Mädelsgruppe auf der escala piano, calle Beethoven

Unsere Mädelsgruppe auf der escala piano, calle Beethoven

 

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Apropos disfrutar de la vida

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Tage am Strand mit dieser tollen Gruppe...

Tage am Strand mit dieser tollen Gruppe…

 

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3 Kommentare zu Disfrutar de la vida!!

  1. Christiane Meyners sagt:

    Liebe Jani,
    Mit großer Begeisterung las ich Deinen Bericht, so als ob ich fast „dabei“ gewesen bin.
    Danke, dass Du Dir die Mühe machst und wir „Alten“ dadurch große Anteilnahme empfinden.
    Christiane und Eckart Meyners aus Lüneburg

    • Liebe Christiane und Eckart,
      ich freue mich riesig über die positive Rückmeldung! Durch meine Einträge habe ich nämlich genau das im Sinn, andere Menschen ein wenig an meinen Reisen teilhaben zu lassen und mich wiederum von weiteren Blogs inspirieren zu lassen.
      Einen schönen Frühlingsanfang, Janneke

  2. Wilfried Campen sagt:

    Hallo Janni,
    es ist so spannend !!!! deine Blogeinträge zu lesen!
    Schreibe bitte weiter. Falls es noch junge Menschen gibt, die darüber nachdenken, vielleicht ein Auslandsjahr zu verbringen, lieferts du alle Argumente.
    Wer das liest und nicht gleichzeitig seine/ihre Koffer packt, hat selber schuld…
    Schöne Grüße sendet dein Papa

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