Guatita llena, corazón contento!

Nach 2 Wochen, nein eigentlich einem ganzen Monat, ab dem Tage meines Ausbruchs aus meinem bekannten, vertrauten und gemütlichen „alten Leben“, wird es jetzt endlich Zeit, euch ein paar Eindrücke aus der neuen Welt, in die ich hineingeschlüpft bin, zu vermitteln.

Wer hätte es gedacht; nach diesen 30 Tagen, in denen ich von Buxtehude nach Berlin, wieder zurück nach Hause, dann weiter nach Buenos Aires und schließlich zu meiner Endstation La Unión gereist bin, immer ein bisschen unter Anspannung und natürlich ohne Verschnaufspausen; fällt es mir jetzt doch nicht so einfach hiermit den Versuch zu starten, den Roman meiner Erlebnisse mit euch zu teilen; auf einer Seite, wohlgemerkt.

Da ich den Trubel des Vorbereitungsseminars am Werbellinsee nicht besser in Worte fassen könnte, als andere Freiwillige, die diese Erfahrung schon auf ihren Blogs geteilt haben, werde ich mir nun die Freiheit nehmen, alles zu ignorieren, was ich in 12 Jahren Schule gelernt habe und einfach mittendrin mit dem Erzählen anfangen.

Nach einiger Zeit des Nachdenkens und großer Verwunderung habe ich festgestellt, dass ich mir hier in nur 2 Wochen, eine Zahl mit der ich niemals die Möglichkeit eines völlig neuen Wohlfühlzuhauses verbunden hätte, schon mein kleines Nest gebaut habe.

Besser gesagt, es mir in meinem Nest gemütlich gemacht, denn die Voraussetzungen dafür wurden mir quasi auf dem Silbertablett serviert.

Schon bei meiner Ankunft war ich hin und weg von der Freundlich- und Selbstverständlichkeit, mit der ich empfangen wurde. Meine liebe Ansprechpartnerin Andrea, die mich am Terminal de Buses abholte, hat mir sofort das Gefühl gegeben, hier sehr willkommen zu sein und mich dann in meine WG geführt, in der (tadaa) bereits ein Kuchen und eine ziemlich süße Notiz meiner Mitbewohnerinnen auf den Tisch lagen.

Nach diesem ersten Gerührtheitsschub und einer lang ersehnten, warmen Dusche war ich also bereit, das erste Mal in meiner neuen Arbeitsstelle, dem Colegio Alemán, herumzuschnüffeln. Da hier in Chile am Wochenende um den 18. September ausgiebig der Nationalfeiertag zelebriert wurde, bekam ich dann in den nächsten Stunden nicht etwa einen ungefähren Eindruck von dem Schulalltag, der mich im nächsten Jahr tagsüber auf Trab halten wird, sondern wurde prompt mit einer Riesenansammlung chilenischer Kultur konfrontiert.

Statt der Schuluniformen trugen die Kinder traditionell bunte Trachten, in der Sporthalle wurde der Nationaltanz Quechua sehr lebhaft vorgeführt und das gesamte Gebäude roch nach Anticuchos, Fleischspießen, die hier zu den Spezialitäten gehören und für mich als Vegetarierin natürlich ein besonderer Genuss in der Nase waren. Um es nicht zu sehr nach einer Beschwerde klingen zu lassen, sollte ich vielleicht hinzufügen, dass mir auch an jeder Ecke, mit der herzlichen Vorstellung eines neuen Kollegen, unglaublich leckere und klebrige, keksartige Süßigkeiten angedreht wurden, die mit dem hier vergötterten Manjar (ähnlich wie Nutella) gefüllt sind und den Namen Alfajores tragen, den ich mir dann nach dem 30. Mal Nachfragen auch merken konnte.

Zurück in der Wohnung war ich demnach schon sehr berauscht von den Traditionen und selbstverständlich auch dem Essen, woraufhin es direkt mit Pizzabacken mit meinen WG- Mitbewohnerinnen weiterging. Zwar ist es ziemlich verlockend jetzt weiter vom hiesigen Essen zu erzählen, da es sowohl köstlich, als auch allgegenwärtig und verführerisch ist (daher der Titel „Guatita llena, corazón contento“- ein chilenisches Sprichwort, welches mir sehr ans Herz gewachsen ist, da es sinngemäß besagt, dass man mit vollem Magen ein ziemlich Glücklicher Mensch ist und dies rückblickend meine prägendste Erfahrung aus den letzten Wochen ist), jedoch möchte ich die nächsten Zeilen lieber meinen Mitbewohnerinnen und den anderen tollen Menschen hier widmen.

Denn in La Unión habe ich bisher nur sehr positiv erlebt, wie überaus freundlich die Menschen auf einen zukommen, einen mit Küsschen und lieben Worten überschütten und generell sehr interessiert an Fremden sind, Aber auch meine beiden WG- Partnerinnen Simone und Mira, sind sehr cool drauf und haben immer ein offenes Ohr, obwohl sie kein chilenisches Blut haben, sondern wie ich aus dem, nicht für Überschwänglichkeit bekannten, Deutschland kommen. Gemeinsam kochen wir häufig ausführlich und sitzen dann noch mehrere Stunden zusammen, quatschen und lachen, was extrem heimwehminimierend und einfach total schön ist, schließlich hat man so auch direkt nette Leute, mit denen man Chile erkunden kann.

Zu entdecken gibt es hier scheinbar schon im Umkreis mehr als genug, auch wenn die Kleinstadt La Unión tatsächlich manchmal ein bisschen verschlafen ist und sich gar nicht so riesig von meiner Heimatsstadt unterscheidet.

Beispielsweise waren wir bereits in der nächstgrößeren Stadt hier, Osorno, shoppen, haben schon einige schöne Spaziergänge unternommen und mit dem Direktor der Schule einen wundervollen Ausflug an den Pazifik gemacht, von dem ich noch einige Bilder anhängen werde, die meine Begeisterung vielleicht am besten verdeutlichen.

Um mich nicht als faulen Menschen darzustellen, der nur seinen Urlaub genießt, werde ich jetzt dazu übergehen, noch ein paar Worte zum Schulleben und somit meinem Arbeitsalltag zu sagen. Nach leichter anfänglicher Orientierungslosigkeit habe ich, mithilfe von Andrea, sehr schnell alle Lehrer kennengelernt und herausgefunden, in welchen Kursen Hilfe benötigt wird, sodass ich jetzt im Deutsch-, Englisch- und Musikunterricht gelandet bin und mein Bestes geben werde, dort zu unterstützen.

Die Arbeit gefällt mir bisher auch wirklich super, da die Kinder und Jugendlichen zumindest das Bild vermitteln, dass sie begeistert sind, mich dabeizuhaben und gerne von mir Hilfe erhalten, aber auch die deutsche Kultur ein wenig besser kennenlernen möchten. So wird man teilweise von einem aufgeregt auf Spanisch schreienden Kinderschwarm umarmt, dem man in der nächsten Stunde versucht, die Essensbegriffe zu vermitteln und kann dann in einer anderen Stunde mit Schülern zusammenarbeiten, die schon sehr gute Sprachkenntnisse besitzen und sich gerne mit einem unterhalten.

 

Wie sich das Ganze noch so entwickelt und ich vielleicht noch auf einige kleine Kulturschocks treffe, werde ich versuchen, mit euch in verschiedenen Blogeinträgen zu teilen, aber für heute war es das erstmal, da keiner, der auf meinen Blog stößt hiermit gelangweilt werden sollte und es dort draußen letztlich auch immer noch viel Neues für mich zu entdecken gibt.

Liebe Grüße und bis bald, eure Janneke          

 

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