Sarajevo Sommerschule 15.06.-29.06.

Viel Zeit ist vergangen seit ich mich hier das letzte Mal gemeldet habe aber jetzt ist es mal wieder soweit ein bisschen zu berichten, was ich alles so erlebt habe und mir fällt auf ich habe hier auf diesem Blog unglaublich wenig über meinen Alltag in der Schule berichtet.

Inzwischen sind die Sommerferien gekommen und alle machen Urlaub und auch ich habe die Gelegenheit ein bisschen zu reisen. Generell ist das Schuljahr wie im Flug vergangen, kaum konnte ich die meisten Namen der Schüler und Schülerinnen, gab es auch schon Zeugnisse. Rückblickend kann ich sagen, dass ich wirklich gerne ein Teil des Dritten Gymnasiums war, zwar hätte ich mir manchmal gewünscht, schon von Anfang des Schuljahres, also ab September letzten Jahres dabei gewesen zu sein und auch mehr Einblicke in den Unterricht der anderen beiden Lehrerinnen zu bekommen aber nein beschweren kann ich mich wirklich nicht. Gerne bin ich morgens auf gestanden und habe mich auf den Weg gemacht und sowohl mit Amna und Sanela, den Deutschlehrerinnen, denen ich im Unterricht assistieren konnte, also auch mit den Schülern und Schülerinnen der ersten und vierten Klasse, bei denen ich die meiste Zeit verbrachte, verstand ich mich super. Wir hatten tolle Unterrichtsstunden, haben gemeinsam für den Tag der Offnen Tür gebastelt und waren ja auch gemeinsam auf Klassenfahrt in den Bergen. Dabei ist natürlich nicht immer alles super toll verlaufen aber im Endeffekt gehe ich mit einem positiven Gefühl aus der Schule.

Als die Ferien dann aber immer näher rückten, hatte ich zunehmend das Gefühl mit meiner Arbeit in der Schule noch nicht abgeschlossen zu haben, fühlte mich, als ob ich noch nicht genug eigenständig habe umsetzen können und außerdem stand ja auch noch mein Freiwilligenprojekt aus. Um so glücklicher war ich dann als Amna mir vorschlug, ich könnte doch für mein Projekt eine Art Sommerschule auf die Beine stellen, für Erstklässler und freiwillig. Gute Idee fand ich. Wie die Schüler darauf reagieren würden konnte ich mir erst aber nicht vorstellen, immerhin bedeutete dies für sie zwei mal zwei Stunden extra Unterricht am Ferienanfang. Als sich dann auf unsere Nachfrage jede Menge Schüler aus verschiedenen Klassen meldeten konnte die Planung auch schon beginnen. Hier eine beichtartige Zusammenfassung der fünf Unterrichtsstunden:

 

Freiwilligenprojekt: Sommerschule Sarajevo

  • Erste Schritte:
  • Idee mit Amna absprechen
  • Schüler und Schülerinnen unterschiedlicher Klassen nach Interesse fragen
  • Daten und Uhrzeiten formulieren
  • SuS nach aus ihrer Sicht interessanten Themen fragen
  • Ideensammlungen für erste Stunden
  • Umstellung des Klassenraums
  • 1. Stunde: 15.06.2017 – „Liebe und Liebeslieder“
  • Übung zum Vorstellen und gegenseitigen Kennenlernen: Schüler und Schülerinnen bekommen bunte Blätter und stellen sich als Person auf diesem Papier durch verschiedene Wörter oder Bilder dar und stellen dies anschließend vor. Nach jeder Vorstellung werden die vorgestellten Papiere nach und nach zu einem großen „Patchwork-Plakat“ zusammengeklebt.

  • Einführung zum Thema Liebe: Aneignung von themenbezogenem Vokabular. Die SuS und Schülerinnen werden in zwei große Gruppen aufgeteilt und bekommen jeweils 18 Begriffe, von denen jedoch nur die Hälfte zum Thema Liebe passt. Ihre Aufgabe ist es nun die Begriffe in den Gruppen zu diskutieren und anschließend an der Tafel zuzuordnen.
  • Lückentext zu deutschem Liebeslied: SuS sehen Video zu „Liebe“ von Sido. Es wird über erste Eindrücke gesprochen, darüber welche der vorher an der Tafel zugeordneten Wörtern und Redewendungen vielleicht schon darin vorkommen und was sie sonst verstehen. Nun werden Lückentexte verteilt und die SuS können das Lied noch zwei mal anhören, während sie versuchen alle Lücken auszufüllen. Für Schüler die Hilfe benötigen werden noch englische Übersetzungen ausgeteilt.
    • Liedtext „puzzlen“ Erneut sehen Schüler und Schülerinnen ein Video. Diesmal zu „Du“ von Cro. Wieder spricht man über erste Eindrücke und darüber was durch das erste Hören schon verständlich ist. Nun wird den SuS der Liedtext ausgeteilt. Dieser ist jedoch in 15 Stücke zerschnitten und soll bei erneutem Hören wieder in die richtige Reihenfolge gebracht werden. Anschließend werden inhaltliche Unklarheiten geklärt und wir singen das Lied gemeinsam. Als Hausaufgabe überlegen sich die Schüler und Schülerinnen, was ihr Lieblingslied ist und was ihnen daran gefällt.

  • 2. Stunde: 20.06.2017 – „Orientierung in der Stadt“
  • Vorstellung der Hausaufgaben: SuS stellen ihre Lieblingslieder auf Plakaten dar, zeigen Videos und erzählen über Inhalt und darüber, was sie an den jeweiligen Liedern begeistert.
  • Einführung zum Thema Orientierung in der Stadt: Was können und kennen und können die Schüler und Schülerinnen schon? Powerpoint-Präsentation mit Wortübersichten, Buchstabensalaten und Kreuzworträtseln, die den Wortschatz wiederholen und vertiefen.

  • Verschiedene Übungen zum Thema Wegbeschreibungen: SuS arbeiten in Paaren und zeichnen beispielsweise verschiedene Schulwege auf laminierte Karten ein.
  • Es werden einige kurze grammatikalische Übungen gemacht und den Schülern und Schülerinnen wird der Unterschied zwischen formellen und informellen Wegbeschreibungen erklärt.
  • Wichtige Redemittel werden noch einmal besprochen und an der Wand für alle sichtbar aufgehängt. Anschließend werden unterschiedliche Aufgaben verteilt und die Schüler und Schülerinnen erklären sich gegenseitig den Weg von verschiedenen Ausgangspunkten zu bekannten Orten in der Stadt (z.B. „Wie komme ich von der Schule in die Baščaršija (Altstadt)?“  Zum Schluss wird als Hausaufgabe ein Arbeitsblatt aufgegeben, auf dem das Gelernte noch einmal wiederholt werden kann.
  • 3. Stunde: 22.06.2017 – „Freizeit und Hobbies“
  • Vorbereitet wurde eine siebenteilige Stationenübung zum Überthema Aktivitäten in der Freizeit. Dabei konnten die Schüler und Schülerinnen ihre Deutschkenntnisse auf verschiedene Arten verbessern.
  • Aufbau der Stunde:
  1. Kurze Wiederholung zur letzten Stunde und Möglichkeit die letzten Fragen zum Thema „Orientierung“ zu klären
  2. Lernvideo zur Wiederholung und Vertiefung zum Wortschatz „Hobbies“
  3. Aufteilung der Klasse in Dreiergruppen, die nun nacheinander die unterschiedlichen Stationen bearbeiten können. Dabei wurde der größte Fokus auf das Sprechen gelegt. Die Stationen hatten wir nach folgenden Bereichen geordnet:
  • Station 1: Leseverstehen
  • Station 2: Hörverstehen
  • Station 3: Wortschatz
  • Station 4: Grammatik
  • Station 5: Sprechen
  • Station 6: Tabu-Spiel
  • Station 7: Schreiben
  • Zusätzlich gab es noch eine Bonus-Station für besonders schnelle Gruppen.
  • Als Hausaufgabe sollen sich SuS eine kleine Präsentation zu einem Buch das sie gelesen beziehungsweise einem Film, den sie gesehen haben, einer unternommen Reise, einer Musik- oder einer Sportveranstaltung vorbereiten.

 

  • 4. Stunde: 20.06.2017 – „Die Welle“
  • Da auch deutsche Filme ein für die SuS spannendes Thema war, entschlossen wir uns ihnen den Film „Die Welle“ zu zeigen. Anschließend hatten wir noch eine Diskussion (teilweise auf Englisch) über das Ende des Films.

 

  • 5. Stunde: 20.06.2017 – „Essen und Trinken“
  • Die Stunde begonnen wir mit Memory Spielen erst zu Obst- und anschließend zu Gemüsesorten. Viele Vokabeln waren schon bekannt aber es gab auch viel neues und schwierigeres dabei.

  • Danach machten wir einige Übungen wie das Hörverstehen der Deutschen Welle zum Thema Wurst in Deutschland (http://www.dw.com/de/folge-19-wurst/l-18989684). Außerdem sprachen wir über vegetarische Ernährung und den steigenden Bio-Trend in Deutschland.

  • Zum Schluss sprachen wir noch über Ernährung in verschiedenen Ländern (z.B. Vergleich Bosnien und Deutschland), über Lieblingsgerichte und Essen, dass überhaupt nicht schmeckt, sowie Essgewohnheiten in der Familie (wird zusammen gekocht und gegessen oder nicht, …).

 

Und damit war ich dann auch schon am Ende meiner kleinen Projektreihe und kann sagen, dass auch ich dabei viel Spaß hatte! Die Schüler und Schülerinnen waren super motiviert und haben auch in dieser kurzen Zeit sprachlich schon kleine Fortschritte gemacht und sich vor allem getraut deutsch zu sprechen. Einerseits finde ich es auch super schade, nicht mehr am Dritten Gymnasium mithelfen zu können, andererseits bin ich aber auch wirklich froh hier einen so schönen Abschluss gehabt zu haben. Die Zusammenarbeit mir meiner Ansprechperson Amna hat immer super geklappt und ich werde sie und einige Schüler und Schülerinnen sicher vermissen!

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