Reisetagebuch – mit dem Rucksack durch den Balkan

Also. Die letzten Tage, Wochen, ja sogar Monate ist so einiges passiert. Vieles davon so schnell, dass ich vielleicht zu viel damit beschäftigt war zu Erleben, um es so ganz nebenbei aufschreiben zu können. Trotzdem ist es jetzt endlich mal an der Zeit meine Gedanken ein bisschen zu ordnen. Zuerst möchte ich von den aktuellsten Erlebnissen sprechen, bevor ich dann versuche alles andere wichtige und spannende nachzuholen.

Die Tage wurden langsam aber sicher wärmer und in der Schule ging auch die Stimmung immer mehr in Richtung Sommerferien. Nach einer Weile dann die Frage: Was tun in den Sommerferien? Auf reisen hatte ich Lust so viel stand fest. Neues sehen in Bosnien und auch außerhalb, Balkan erkunden, Leute treffen. Auf dem Zwischenseminar in Mali Idjos, Serbien dann das Wiedertreffen mit den anderen Freiwilligen aus dem Raum Mittel- und Südosteuropa. Dabei dann viele Gespräche, vergleichen von Einsatzstellen und -ländern, Pläneschmieden zum gegenseitigen Besuchen, schließlich auch gemeinsame Reisepläne. Verena, momentan in Bjelovar Kroatien an der Schule erzählt mir von Ihren Überlegungen eine Balkanreise mit dem Rucksack zu machen. Ob ich denn nicht mitkommen möchte, zwei andere Freiwillige Anna und Milena von der vorherigen Ausreise sind auch dabei. Warum eigentlich nicht denke ich. Von da an geht alles schneller als erwartet, Hostels werden gebucht, Busse – soweit vorhanden – herausgesucht und dann ist Verena auch schon bei mir in Sarajevo. Theresa (Novi Sad, Serbien) ist spontan auch zu Besuch und entschließt sich noch spontaner dazu mitzufahren. Alles einfacher als gedacht. Wir treffen die anderen beiden Mädels nach der abenteuerlichen Suche eines passenden Busses schließlich in Podgorica, Montenegro und seitdem sind wir so zusammen unterwegs. Von Montenegro geht es dann nach Albanien über Shkodër nach Tirana und anschließend nach Pogradec.

So viel zur Kurzfassung – jetzt noch einmal ein bisschen ausführlicher von vorne.

3. Juli: Aufbruch mach Podgorica. Während Theresa, Verena und ich das Wochenende bei mir verbrachten und abgesehen vom wechselhaften Wetter eine super schöne Zeit hatten, in der ich noch einmal ausgiebig die Rolle des Reiseleiters ausleben konnte, machten wir uns nebenher auf die Suche nach einem Bus nach Podgorica, was sich allerdings deutlich schwieriger als erwartet gestalten sollte. Irgendwann hatten wir dann die unsichere Info das möglicherweise von Ost-Sarajevo auf ein Bus um 9 Uhr losfährt. Na gut, versuchen wir’s dachten wir und bewegten uns mit Hilfe von Google Maps im Regen und in voller Rucksackmontur Richtung Busbahnhof Ost-Sarajevo. (Wichtig: Ost-Sarajevo ist nicht gleich Sarajevo – Sarajevo ist in der Föderation Bosniens, während sich Ost-Sarajevo im Teil der Republika Srbska befindet). Glücklicherweise konnten wir den richtigen Bus an der Straße abfangen und fuhren endlich in Richtung Urlaub. Das Treffen in Podgorica mit den anderen beiden Mädels verlief super und ich war mir von Anfang an sicher, dass wir uns super verstehen würden.

Obwohl ich ja schon eine kleine Montenegro-Reise unternommen hatte und praktisch das ganze Land mit dem Auto durchquert hatte, war ich bisher nur durch seine Hauptstadt durchgefahren. „Das lohnt sich nicht.“ und „Hässlichste Hauptstadt Europas“ hatte ich mir angehört und tatsächlich unterscheidet sich Podgorica sehr von Sarajevo oder Belgrad. Man erkennt direkt, dass es eine relativ neue Stadt ist, die wahrscheinlich vor allem zweckmäßig erbaut wurde, keine wunderschöne Altstadt wie beispielsweise Kotor vorzuweisen hat und auch nicht wie Budva am Meer liegt. Trotzdem habe ich es sehr genossen mit der Gruppe die Stadt zu besichtigen, in der es immerhin einige schöne Parks und ein Flussufer zu sehen gibt. Außerdem sind wir in einem wirklich tollen Hostel gelandet, haben gemeinsam gekocht und danach auch viele interessante Gespräche mit anderen Gästen aus Taiwan, Brasilien und England geführt.

 

4. Juli: Erster Stop in Albanien: Shkodër: Nach einem ausgiebigem Frühstück und einem letzten Spaziergang ditch Podgorica ging es dann mit dem Bus nach Albanien. Shkodër befindet sich in Nähe der montenegrinischen Grenze und ist eine kleinere Stadt am Skutarisee. Hier hatten wir für eine Nacht ein AirBnb im Stadtzentrum gebucht. Schon allein die Ankunft dort lief für uns ungewohnt aber auch interessant. Bisher konnte ich nämlich in allen Ländern die ich besucht hatte mein Bosnisch anwenden und wurde einigermaßen verstanden, wenn ich ein komplizierteres Gespräch führte oder ein Wort nicht wusste habe ich einfach mit Englisch weitergemacht, wodurch es kommunikativ nie zu Problemen kommen konnte – nicht so in Shkodër! Nach einer etwas längeren Suche des Hauses (Albanische Häuser haben keine Hausnummern!) wurden wir von einem älteren Herrn empfangen, der uns die riesige Wohnung zeigte. Alles in zügigem albanisch aber mit ausreichend Handbewegungen, Mimik und sonstiger Gestik. So versuchten wir dann auch unsere Fragen zu formulieren und irgendwie ging das am Ende doch alles besser als gedacht. Die Stadt an sich hat eine wunderschöne Fußgängerzone mit Restaurants, mehr Fahrräder als Autos und Bars und Cafés auf Dachterrassen. Das Verlehrssystem wirkte für mich zuerst wie eine Wissenschaft für sich aber nach längerem Beobachten und Staunen wird mir klar, dass das System vielleicht darin besteht einfach nicht so viel nachzudenken und einfach mal zu machen. Fußgänger, Fährräder und Autos im Kreisverkehr, mal eine Spur, mal drei bis vier. Die meiste Zeit über vorwärts, wenns sein muss auch mal rückwärts, wies grade so kommt. Ein bisschen wie im Kino für mich. Apropos Kino – da Shkodër nicht der größte Ort in Albanien und auch nicht super touristisch ist und vielleicht auch weil 3/5 von uns hellblond sich waren wir so etwas wie die Attraktion des Ortes, wir wurden zwar nie auf eine unangenehme Weise angeschaut, ungewohnt war es trotzdem. Wir verbrachten den Tag damit alles zu erkunden, ein großartiges Fotomuseum zu Besuchen, Albanische Spezialitäten in einem kleinen Restaurant zu probieren und einen Cocktail auf den Dächern der Stadt zu genießen.

 

5. – 6. Juli: Ab in die Hauptstadt: Tirana:  Da unser Bus nach Tirana erst mittags losging hatten wir morgens noch genügend Zeit im Shkodërsee zu baden, genossen wunderschöne Umgebung dadurch, dass der See von lauter Bergen umgeben war und fuhren anschließend gut gelaunt in Richtung Hauptstadt weiter. Dort angekommen ging es erstmal ins Hostel und was soll ich sagen Tirana hat das schönste Hostel zu bieten in dem ich bisher je untergekommen bin (Für Tirana-Interessierte: Trip ’n Hostel). Nach einem ausgiebigem Einkauf auf dem offenen Obst- und Gemüsemarkt und einer kurzen Stadttour machten wir uns dann in der Hostelküche an unser Abendessen und verbrachten den restlichen Abend mit den Leuten aus dem Hostel und empfingen auch Besuch von Rebekka, einer der zwei Tirana-Freiwilligen. Am nächsten Tag hatten wir genügend Zeit um uns das Stadtzentrum etwas genauer anzuschauen und ich muss sagen ich bin schwer begeistert von Tirana! Einerseits eine super moderne Stadt mit beeindruckender Architektur, andererseits viele Straßenstände, an denen man alles von der gebrauchten Waschmaschine bis zur großen Auswahl an Ledergürteln vorfinden kann. Vor allem aber kam mit die Stadt vor allem durch ihre Bewohner total lebendig vor. Alle sind auf den Straßen, in Cafés, auf den Märkten und einfach den ganzen Tag über aktiv. Nachmittags machten wir uns, auch um der Hitze zu entweichen, auf den Weg ins „Bunkart 2“ Museum. Ein Museum zur Geschichte des Landes in einem riesengroßen Bunker. Meiner Meinung nach ist das Museum einen Besuch sowas von wert. Ich, die ich vorher wenig von albanischer Geschichte wusste, war beides beeindruckt und schockiert, musste nach meinem Besuch noch viel über das Gesehene und Gelernte nachdenken und finde es gleichzeitig schade darüber nie etwas in der Schule gelernt zu haben (Albanien war lange Zeit ein mit der DDR vergleichbarer Überwachungsstaat unter dem die Bürger leiden mussten). Um den Sonnenuntergang zu betrachten begaben wir uns nach dem Abendessen auf den sich im Ausgehviertel „Bloku“ befindenden „Skytower“, von dem aus wir eine tolle Aussicht über die Stadt genießen konnten. Danach trafen wir uns dann wieder mit Rebekka und ihrer Mitbewohnerin und ebenfalls Freiwilligen Jasmin, die uns ihre Lieblingscocktailbar zeigten.

 

7. – 8. Juli: Der Orhid See bei Pogradec: Aus der Hauptstadt ging es dann nach ein paar letzten organisatorischen Erledigungen wieder in ein kleineres Städtchen – Pogradec, nahe der griechischen Grenze. Wie bei allen Orten die ich bisher in Albanien gesehen habe, hinterlässt Pogradec bei mir einen total positiven Eindruck. Wieder sind wir in einem AirBnb untergekommen, wieder verliefen unsere Gespräche mit den Vermietern größtenteils pantomimisch aber funktioniert hat es immer irgendwie. Das Städtchen an sich ist wunderschön, wir verbrachten die Tage am See liegend, Karten spielend, Tretboot fahrend und im Vergleich zu Tirana eher entspannt. Mein Highlight des Aufenthalts war unser Abendessen am letzten Tag. Wir entdeckten ein kleines, eher unauffällig aussehendes Restaurant und reservierten einen Tisch. Speisekarten gibt es da zwar nicht, dafür aber einen Koch der zwischen vegetarisch, Fisch oder Fleisch wählen lässt und dann mit je nach dem was er gerade frisch da hat ein Dreigängemenü zaubert. In meinem ganzen Leben habe ich noch nie so gut und gleichzeitig so preiswert gegessen und sollte ich je nach Pogradec zurückkommen, weiß ich definitiv schon wo es zuerst hingeht. Den restlichen Abend ließen wir gemütlich am See ausklingen und dann ging es auch schon wieder raus aus Albanien!

 

9. – 10. Juli: Erkundung Thessalonikis: Nachdem uns Theresa schon nach Tirana verlassen hatte, trafen wir in Thessaloniki einerseits Philip und Milena, die uns ab jetzt begleiteten, andererseits aber auch Laura, die mit und ausgereist war und am Goethe in Thessaloniki arbeitete.

Thessaloniki beeindruckt mich sehr. Die Stadt hat einen großen Hafen und viele kleinere und größere Gassen und Straßen voller Cafés, Restaurants und Kirchen. Am Abend, nach dem wir einige Hostel bezügliche Probleme gelöst hatten, aßen wir in einem super Restaurant, dass Laura vorgeschlagen hatte. Das coole dabei war, dass die Griechen anscheinend beim Essen alles teilen, heißt man bestellt nicht direkt für sich selbst sondern einfach jede Menge und jeder nimmt sich wovon er will. Abends gingen wir dann gemeinsam noch in eine Bar und machten danach noch einen, sich länger als erwartet gestalteten Spaziergang in die Altstadt um Milena zurück zu ihrem Hostel zu begleiten, bevor es dann auch für uns ins Bett ging. Am nächsten morgen machten wir uns früh zur Free Walking Tour auf, bei der wir noch so einiges über die spannende Geschichte der Stadt lernen und nochmal ganz neue Ecken entdecken konnten. Zum Beispiel versuchen die Thessaloniken schon seit Jahtzehnten ein Metronetz aufzubauen (die einzigen momentan funktionierenden öffentlichen Verkehrsmittel sind Busse), das scheitert allerdings immer wieder aufs Neue daran, dass die Griechen bei den Bauarbeiten antike Kunst entdecken und ihren Plan verwerfen müssen. Mittagessen hatten wir dann in einem „leftist place“ Restaurant/ Café, dass uns vom Guide empfohlen wurde. Dort erwartete uns super essen zu besten Preisen und gestärkt davon machten wir uns noch auf in den kleinen Park vor dem weißem Turm, dem Wahrzeichen der Stadt, bevor wir uns auch schon wieder in Richtung Busbahnhof bewegten und nach einer kleinen geographischen Verwirrung und einer Last-Minute Taxifahrt zum anderen Busbahnhof der Stadt, saßen wir auch schon im Bus nach Metamorfosi, einem Küstenstädchen auf Sithonia, dem mittleren Finger von Chalkidiki.

10. – 13. Juli: Verenas und mein Plan war es ja eigentlich gewesen, uns von Thessaloniki aus direkt in den Nachtzug bis nach Belgrad zu setzen und schnellstmöglich wieder in Sarajevo zu sein. Dadurch, dass Thessaloniki aber auch sehr anstrengend und vor allem super heiß war klangen Annas, Philips und Milenas Campingpläne am Mittelmeer so gut, dass wir spontan ein Zelt mitbuchten und dann noch spontaner unsere Reisestrecke auch noch bis nach Mazedonien und in den Kosovo ausbreiteten – im Nachhinein die beste Entscheidung, die wir hätten treffen können. Metamorfosi war genau das, was wir brauchten: ein bisschen längerer Aufenthalt an einem Ort, Meer und ein bisschen Entspannung. Vor allem auch dafür, dass ich noch nie in meinem Leben so unvorbereitet zelten war (bei Ankunft auf dem Campingplatz dass die Erkenntnis, dass ich weder Schlafsack noch Kissen dabei hatte), habe ich die Tage sehr genossen. Unseren ersten Abend verbrachten wir mit einem ordentlichen Vesper und nach ein bisschen schwimmen im Sonnenuntergang am Strand. Ansonsten nahmen wir uns bei allem was wir taten und vorhatten viel Zeit, frühstückten ausgiebig und verbrachten die meiste Zeit im Wasser und am Strand. Am dritten Tag mieteten wir uns ein Auto, um die komplette Küste des mittleren Fingers zu erkunden, noch schönere Strände zu besuchen, an Aussichtspunkten zu picknicken und kleine Städtchen zu besichtigen, bevor es dann Abends als Abschluss ins griechische Restaurant ging. Am nächsten morgen hatten wir noch ein wenig Zeit um zum letzten Mal baden zu gehen. Anschließend ging es nämlich mit dem Bus wieder über Thessaloniki, um von dort aus den Bus nach Skopje zu bekommen.

 

 

13. – 15. Juli: Disneyland ähnliche Atmosphäre in Mazedoniens Hauptstadt: Endlich hatte auch ich die Chance mir Skopje anzusehen! Ich hatte schon so viel von meinen mazedonischen Freunden Ruzica und Dragana aus Sarajevo gehört und war super gespannt mir mein eigenes Bild machen zu können. Das Verrückte an der Stadt ist nämlich, dass im Zentrum lauter überdimensionale Statuen errichten wurden und das erst in den letzten Jahren. Und tatsächlich befindet man sich auf dem Hauptplatz, kommt man aus Stauden und Verwirrung nicht heraus – egal wo man hinschaut, egal um wie viele Ecken man geht, ständig tauchen neue Monumente im Blickfeld auf. Ein bisschen wie Disneyland, waren wir uns einig. Besonders die 20 Meter hohe Darstellung Alexander des Großen ist nicht zu übersehen. Trotzdem herrscht in diesem Teil der Stadt eine beinahe schon merkwürdige Stimmung und ich könnte den Stil des Zentrums definitiv nicht als schön bezeichnen, beeindruckend auf eine Weise definitiv, aber nicht schön. Mein Fall war schon viel eher die kleine Altstadt und die städtische Festung, die trotz des großen Erdbebens ’63 noch gut erhalten sind. Ein bisschen hat sie mich sogar an Sarajevo erinnert, da man deutlich die Spuren des osmanischen Reiches sehen kann. Ein anderes Highlight der Stadt ist für mich ganz klar der offene Markt am Ende der Altstadt, hier gibt es alles zu finden von Sportschuhen über Tomaten bis hin zu Werkzeug und der Unterschied zwischen diesem Ort voller Farben, lächelnden Menschen, die uns „weil wir ihre Sprache so gut sprechen“ auch mal zwei Tomaten extra dazu schenken, aber auch Obstständen aus Pappe und Plastik, bettelnden Menschen und Armut im Vergleich zu der grau-weißen, protzigen Innenstadt, könnte größer nicht sein. Den Abend verbrachten wir damit aus den auf dem Markt gekauften Lebensmittlen Ratatouille zu kochen und Balkanika im Fernsehen zu schauen.

 

15. – 17. Juli: Letzter Stop: Prishtina und Prizren: Da wir am Samstag erst gegen Nachmittag mit dem Zug in den Kosovo fahren wollten, hatten wir morgens noch genug Zeit uns das Skopje City Museum anzuschauen, das uns alle sehr beeindruckt hat. Wir bekamen netterweise eine kostenlose Führung und hatten dadurch Einblicke in die Geschichte der Stadt vom Mittelalter bis in die heutige Zeit und lernten einiges über das große Erbeben und auch den Zerfall Jugoslawiens. Gut gelaunt machten wir uns in Richtung Bahnhof auf um dann festzustellen, dass der Zug, nach dem wir uns am Vortag erkundigt hatten heute ausfällt. Zwei Männer kamen am Gleis vorbei und meinten nur „no train“, auf Nachfrage am Schalten erfuhren wir dann, dass die Maschine manchmal ausfällt und heute dann wahrscheinlich so ein Tag ist, wir sollten unser Glück stattdessen am Busbahnhof versuchen. Endlich im Bus sitzend wurde die Freude auf den Kosovo dann noch größer, denn Mazedonien war interessant, aber auch sehr anstrengend.

Erstmal in der Hauptstadt angekommen und nachdem wir ein bisschen mit unserem sehr netten aber auch sehr verwirrten AirBnb-Vermieter telefoniert hatten wurden wir von diesem zu unserer Wohnung gefahren. Zu 6. im Auto, mit Rucksäcken und jede Menge anderer Dinge, die sich im Auto befanden auf dem Schoß und lauter albanischer Musik. „Hey schaut mal die haben hier wohl Linksverkehr, das Lenkrad ist ja auf der falschen Seite“, meint Anna, „Nein, nein“ entgegnet unser deutschsprechender Vermieter „nur ich, so kann ich besser sehen.“. So ist uns Prishtina von Anfang an sympathisch und auch ein Spaziergang durch die Innenstadt ändert das keineswegs. Prishtina stellt sich als ziemlich coole und moderne Stadt heraus und auch wenn man bedenkt, dass sich beispielsweise Hahnenwasser im Kosovo, nicht aber in Griechenland ohne Probleme trinken lässt, wird klar wie unterschätz dieses Land von vielen (auch uns) im Vorhinein ist. Nach einem gemütlichen Abendessen und dem kleinen Stadtrundgang fallen wir abends müde ins Bett. Am nächsten morgen geht es dann mit neuer Kraft nach Prizren, eine Stadt mit kleiner Altstadt und großer Festung südwestlich von Prishtina. Vom Regen an diesem Tag lassen wir uns die gute Laune nicht verderben, ein bisschen tut er sogar gut, denn die Sonnenaussetzung der letzten Tage hatte uns vor allem in Griechenland auch ein weniger zu schaffen gemacht und nicht einmal das schlechtere Wetter lässt Prizren weniger schön erscheinen. Wir vespern (wie fast immer seit wir unterwegs sind) Brot mit Ajvar, erklimmen die Festung, hören dem Gesang des Muezins zu und genießen den wunderbaren Blick auf die Stadt. Das einzige mich ein wenig abschreckende an der Stadt und generell dem Kosovo ist die Militärpräsenz, an gefühlt jeden wichtigeren Gebäude erkennt man NATO- und Amerika-Flaggen und in der Stadt begegnen wir auch der Bundeswehr. Ansonsten fühle ich mich aber super wohl. Wir haben noch ein tolles Nachmittagsessen, bevor es dann wieder in Richtung Busbahnhof geht. Als wir uns gerade so auf den Weg dorthin machen, höre ich Verena sagen: „Hallo! Was machst du denn hier?“ und als ich mich umdrehe steht da Sören, kulturweit-Freiwilliger in Belgrad, der sich anscheinend auch gerade in Prizren rumtreibt und von jetzt an mit uns in Prishtina unterwegs ist. Da findet gerade übrigens das Prishtina Film Festival an und so schauen wir uns da am Abend noch die Dokumentation „Gaza Surf Club“ an.

Und da ist dann alles auch schon wieder vorbei. Verena und fahren über Serbien und nach einem kurzen letzten Aufenthalt in Novi Pasar , Serbien (auch eine super schöne Stadt übrigens!) geht es für uns beide wieder nach Sarajevo, wo wir schon wieder auf andere Freiwillige treffen, denen ich dann meine Stadt zeigen kann. Diese Wochen werde ich sicherlich als schöne und auch spannende Eindrücke behalten und ich hoffe jetzt schon später noch einmal die Möglichkeit bekommen, all die tollen Orte wieder einmal zu besuchen.

Balkan = Liebe 

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