Versuch ein erstes Fazit zu formulieren

Und wieder vergehen die Wochen wie im Flug und bevor ich es so richtig realisieren kann neigt sich der April und damit mein zweiter Monat hier in Sarajevo (!) auch schon wieder dem Ende zu. Ich habe viel spannendes erlebt:

  1. Osterbesuche und Überraschungen von meiner Familie <3
  2. Klassenfahrt mit 3 ersten Klassen nach Travnik mit anschließender Übernachtung in den Bergen um Sarajevo herum (Vlasic)
  3. Super coole Projekte mit den ältesten Klassen und mein erster eigener Unterricht bei ihnen

Ich könnte jetzt jede Menge berichten und es gibt sicherlich auch mindestens 3 Blogeinträge füllendes Erzählenswertes. Aber ich möchte das jetzt mal anders gestalten – Ich habe mich diesen Monat, konkreter durch den Besuch von meinen Eltern und meiner Schwester, zum ersten Mal so richtig damit beschäftigt, was mich an Sarajevo beeindruckt und was ich an meine Besucher weitergeben möchte.

Das hier ist nicht direkt ein Reiseführer oder so, vielmehr möchte ich mein persönliches Fazit für meine ersten Monate hier in Bosnien formulieren. Folgendes beeindruckt mich, lässt mich staunen, bringt mich zum Nachdenken, …

1. Die Stadt an sich

Hier einmal  die Maršala Tita Ulica (Straße des Marschalls Tito) und die Goldschmiedgasse in der Altstadt zu sehen. Erstere nach Österreich-Ungarischem Beispiel gestaltet und zweitere durch den ottomanischen Architekturstil geprägt. Mir gefällt es unglaublich gut, in einer so vielseitigen Stadt zu leben und besonders fasziniert mich, wie beide Stadtteile aneinander angrenzen und ohne ineinander überzugehen einfach beginnen. Außerdem gibt es auch typische kommunistische Bauwerke und modernste Einkaufszentren, die alle  so dicht beieinander und nebeneinander vorzufinden sind.

I really love how there are like many cities in one“ – Adéle, meine Mitbewohnerin

2. Das Wetter

Zwei Fotos von mir, die innerhalb von 4 Tagen aufgenommen wurden. Bevor das erste Bild entstanden ist war ich mit einigen Freunden in einem Restaurant essen. Es hatte vorher nicht geschneit und als wir nach Hause gehen wollten lagen auf einmal 20 cm Schnee!


Im Hintergrund die vom Schneesturm und starkem Regen braun gefärbte Miljacka. Heute haben wir übrigens wieder sonnige 20°!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3. Der Umgang mit Geschichte

Rosen von Sarajevo – Gedenkstätten im Straßenbild der Stadt. Zu sehen sind Kraterspuren, markiert mit rotem Harz um daran zu erinnern, dass an diesen Stellen zahlreiche Bewohner zur Zeit der Belagerung durch die Serben ums Leben kamen.

 

/UN/involved in peace – Plakate in einem Café in der Stadtmitte. Wut und Unverständnis für die gescheiterte (?) Konfliktlösung der UNO

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und natürlich hat die Stadt auch unglaublich gute Museen zu bieten, nach deren Besuch ich wenigstens versuchen kann, zu verstehen wie schwierig es für die Bewohner sein muss, die den Krieg (1992-95) miterlebt haben. Auch neben der Kriegsgeschichte gibt es hier viel interessantes zu lernen – über das Ostomanische Reich, Österreich-Ungarn und natürlich das sozialistische Jugoslawien (alle lieben Tito!).

4. Die Sprache

Das wird für dich als Deutsche sicher nicht so schwierig, ihr habt ja auch Deklinationen„, jeder, immer

Naja klar ist es vielleicht ein Vorteil, dass wir im Deutschen auch deklinieren, Amerikaner haben es da sicherlich schwieriger als ich. Trotzdem bin ich eben 4 verschiedene Fälle gewöhnt. Das man hier neben Nominativ, Akkusativ, Dativ und Genitiv auch Vokativ, Lokativ und Instrumental gebraucht macht die Sache um eeeeiniges schwieriger. Hier ein Beispiel, wie im Bosnischen/ Kroatischen/ Serbischen auch Namen durchdekliniert werden:

Natürlich werden beide Geschlechter unterschiedlich dekliniert. Hier am Beispiel Lara


Deklinieren eines männlichen Vornamens – am Beispiel von Faris. Wenn ich also von „Edina“ lese kann es sich je nach Kontext um Edin (m.) oder Edina (w.) handeln

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5. Die Mentalität der Menschen

Im Restaurant noch einen Nachtisch dazu bekommen, einfach so. Von einer Mutter einer meiner Schülerinnen ein selbstgemachtes Bild von der Baščaršija (Zentrum Altstadt) geschenkt bekommen, obwohl ich sie selbst noch nie getroffen habe. Oder auf dem Rückweg des Klassenausflugs spontan auf einem Bauernhof anhalten, weil eine der Lehrerinnen die Tochter der Besitzerin kennt. Also steigen ca 60 Schüler und Schülerinnen, sowie die Lehrkräfte und ich aus. Uns wird aber nicht nur der Hof gezeigt – schneller als ich kucken kann sind Tische und Bänke aufgebaut. Außerdem wird warmes, frisch gebackenes Brot mit selbstgemachter Marmelade (pekmez od šliva <3 ) und hofeigener Travniker Käse (ähnlich wie Feta) serviert. So sitzt mal eben noch eine gute Stunde da, isst gutes Essen und plaudert ein bisschen.

Wie ihr seht habe ich schon einiges erlebt und bin voller Vorfreude diesen Ort noch besser kennenzulernen, hoffentlich meine Sprachkenntnisse deutlich verbessern zu können und auch die nächsten Reisepläne stehen schon fest! Ab Samstag geht es für mich 4 Tage lang nach Kotor und Umgebung (->  Montenegro), danach melde ich mich hoffentlich wieder.

Vidimo se!

4 Gedanken zu “Versuch ein erstes Fazit zu formulieren

  1. Hallo Lara,
    bin zufällig auf deinen Blog gestoßen und finde ihn sehr spannend und interessant und dass liegt nicht nur an Bosnien ;-). Bin gespannt auf deinen nächsten Bericht oder schreib mir wenn du magst auch einfach mal eine Mail. Also nochmal ein großes Lob für deinen Blog und bis hoffentlich bald.
    Chris 🙂

  2. Hey Lara 🙂
    Tolle Bilder und tolle Erlebnisse!
    Das Studium erübrigt sich für dich ja fast 😉
    Liebe Grüße
    Biggi

    • Hey Biggi!
      Freut mich ja voll, dass du auf meinem Blog vorbei geschaut hast,
      Habe grade mit deiner Tochter geskypt 🙂
      Ganz viele Grüße nach Ebersbach!

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