Die Stadt der 1000 Fenster

Eigentlich war eine Übernachtung geplant. Nach 15 Minuten im Hostel wurden es dann zwei.

Schon auf den ersten Blick hat mir Berat unglaublich gut gefallen. Es ist ruhig, ein breiter Fluss fließt durch die kleine Stadt und egal wohin ich schaue sehe ich Berge. Und dazu die schönen kleinen Häuser mit ihren vielen Fenstern, die sehr typisch für Berat sind.

Genau in einem dieser Häuser liegt auch das Hostel.
Mir öffnet ein ca. 80 Jahre alter albanischer Mann die Tür und begrüßt mich mit einem zahnlosen Lachen. Es gibt weder einen Empfangsbereich, noch eine Rezeption und ich stehe direkt in einem Innenhof, der mit Wein berankt ist und einen schönen Blick auf den Fluss offenbart.

Mir wird alles gezeigt, der Mann freut sich tierisch, dass ich ein bisschen Albanisch spreche, da er kein Englisch kann und noch mehr, als er erfährt, dass ich aus Deutschland komme. Von nun an bringt er immer mal wieder Deutsche Worte, an die er sich noch erinnern kann, in seinen Sätzen unter. Wenn ich ihn richtig verstanden habe, hat er mal als Deutschlehrer gearbeitet.
Und er freut sich wie ein Kind, als er mir am Abend, beim Verlassen des Hostels, auf Deutsch eine gute Nacht wünschen kann.

Morgens bereitet seine Frau für alle Gäste ein typisch albanisches Frühstück vor, während der Sohn, der das Hostel leitet und als einziger Englisch spricht, mir eine sehr ausführliche Auskunft über Aktivitäten in und um Berat gibt.
Als ich mich entscheide aus der Stadt raus nach Bogova zu fahren, um eine Wanderung zu einem Wasserfall zu unternehmen, bringt er mich sogar zur Bushaltestelle.
Die Freundlichkeit der Menschen überrascht mich immer wieder.

Gut gefallen hat mir auch der Blick von der Burg hinab in die Stadt und den Sonnenuntergang hinter den Bergen. Während die Sonne langsam unterging füllte sich die breite Fußgängerzone Berats mit Albanern, die ihren traditionellen Abendspaziergang gemacht haben. Viele haben sich zurecht gemacht und spazieren Hand in Hand über die Straße, essen Eis, Popcorn oder gegrillte Maiskolben von einem der Straßenverkäufer und genießen die angenehmen Temperaturen.
Ich habe das Gefühl die ganze Stadt sei auf den Beinen. Am Ende der Straße gibt es sogar einige Fahrgeschäfte und eine aufblasbare Rutsche für die Kinder.

Nach diesem Abend in der Stadt ist am nächsten Tag der Kontrast zu Bogova, einem Dorf in den Bergen sehr stark. Es sind kaum Menschen auf den Straßen, geschweige denn Touristen. Während der ganzen Wanderung zum Wasserfall treffe ich kaum Menschen und genieße mal richtig die Ruhe. Am Wasserfall angekommen ist es dann nicht mehr ganz so still, jedoch bin ich immer noch die einzige Person und kann den schönen Ausblick ganz in Ruhe genießen.

Meinen Aufenthalt in Berat lasse ich mir einem albanischen Bier und gefüllter Paprika nach traditioneller albanischer Art ausklingen.

Stay tuned!

Auf den Straßen Tiranas – WM

Ganz Tirana ist im Fußball-Fieber.
Gerade jetzt, wo Halbfinale und Finale anstehen, wirbt jedes Café oder Restaurant mit einem Livestream. Viele sind mit Girlanden geschmückt und die Bürgersteige vor den Cafés sind von der ein oder anderen Leinwand zugestellt.

Auch auf dem Skanderbergplatz, dem zentralen Platz in Tirana, gibt es zu jedem Spiel einen Livestream. Und nicht nur das. Drum herum ist eine große „Tirana Fan Zone“ aufgebaut worden, die zum Public Viewing einläd. Vor einer großen Leinwand stehen Bierbänke und -tische, Essenstände und Aktivitäten von Karusellfahrten bis zu Basketballplätzen.

Beworben wird das ganze mit dem Hashtag Fußball für Alle (#futbollpertegjithe) und ich war zunächst sehr begeistert von der Idee.
Denn natürlich hat nicht jeder einen Fernseher und somit die Möglichkeit die Spiele zu verfolgen zu Hause.

Jedoch habe ich schnell festgestellt, das man auch auf dem Platz für seinen Sitzplatz mit einem Getränk o.ä. aus den umliegenden Ständen bezahlen muss. So ist es dann doch nicht für alle so einfach und leistbar, die Spiele dort zu schauen und man kann genau so gut in ein Café gehen und dabei die lokalen Gastronomen unterstützen.

Aber egal ob auf dem Platz oder in einem Café – es gefällt mir gut, dass überall in der Stadt Leute die Spiele verfolgen und egal wo hin man geht ein kleines Public Viewing stattfindet. Ohne das Albanien selbst bei der WM mitspielt und mittlerweile auch ohne die meisten anderen Favoriten der Albaner kommt so eine sehr gute Stimmung auf und bei spannenden Spielen hallt der Jubel durch die Straßen.

Stay tuned!

Mach das nie wieder…

…du kannst doch nicht alleine an den Strand fahren!

Zum ersten Mal seit einer Woche scheint wieder die Sonne, es ist richtig warm und ich habe einfach Lust auf Meer und Strand. Weil keiner meiner Freunde Zeit hatte, habe ich mich dann alleine auf den Weg gemacht – für mich kein Problem.

Für die Albaner, die ich im Bus getroffen habe, war das aber unvorstellbar. Sie waren auch sehr verwundert darüber, dass meine Eltern mich ganz alleine für 6 Monate in ein anderes Land gehen lassen. In ihren und vielen anderen albanischen Familien scheint das nicht vorstellbar zu sein.

Also haben sie mir ihre Gesellschaft angeboten und wir haben den Tag zusammen verbracht.

Im Endeffekt war das mein Glück, denn der Bus fuhr nicht direkt zum Strand wie ich das eigentlich gedacht hatte und ich konnte einfach nicht verstehen, was mir der Busfahrer mitteilen wollte.
Außerdem kannten sie Leute, die da arbeiten und so mussten wir weder für unsere Liegen am Strand, noch unsere Pizza etwas bezahlen. Besser hätte es eigentlich nicht kommen können.

Wir haben Karten gespielt und uns nett unterhalten – trotz nur mäßigen Englisch Kenntnissen waren sie sehr interessiert an mir und Deutschland.

Sie haben mir auch viel über das Leben in Albanien und die Probleme, die es gibt, erzählt. Beide hatten den Wunsch auszuwandern – nicht unbedingt nach Deutschland (zu teuer) aber irgendwo in die EU.
Trotz Universitätsabschluss haben sie in Tirana keinen Job finden können, der ihrer Qualifikation entspricht, da fast alle Arbeitgeber Arbeitserfahrung voraussetzen. So arbeiten viele junge und qualifizierte Albaner als Kellner oder in Callcentern und verdienen zu wenig Geld, um für sich und ihre Familie sorgen zu können.

Stay tuned!

Matura – Abiball auf Albanisch

Ein großes weißes Festzelt außerhalb der Stadt, ca. 350 SchülerInnen, elegante Anzüge und pompöse Kleider, Fotos mit der Direktorin – alles Dinge, die den diesjährigen Abiball der Schule auszeichnen.

Außer den SchülerInnen waren nur wir LehrerInnen da, die an einem langen Tisch mit Blick auf die Tanzfläche saßen. Auf gläsernen Tellern wurde uns das Essen serviert und die Gläser immer wieder aufgefüllt.
Das ganze Zelt war schön dekoriert und sah sehr festlich und elegant aus. Ich war sehr überrascht darüber, wie groß diese Feier hier aufgezogen wurde und wie viel Geld wohl in diesen Abend geflossen sein muss.

Hauptsächlich wurde getanzt und es wurden sehr viele Fotos gemacht. Auf den meisten Tellern blieb das Essen unberührt, während die SchülerInnen – auch mit einigen Lehrerinnen – getanzt haben. Das Verhältnis zwischen SchülerInnen und Lehrerinnen wirkte an diesem Abend fast freundschaftlich. Es wurden sich Kusshände zugeworfen, Selfies gemacht und selbst die Direktorin wurde von Schülern zum Tanzen aufgefordert.

Es war laut, die Stimmung war ausgelassen und man konnte in den Gesichtern die Freude und die Erleichterung über den Schulabschluss sehr deutlich sehen.

Das alles hat mich an meinen Abiball erinnert. Auch wenn da niemand ein Kleid mit Reifröcken oder etwas derart pompöses getragen hat – die Kleider hier waren wirklich sehr eindrucksvoll und wären bei uns mit Sicherheit nicht alle als angemessen empfunden worden.
In den Grundzügen war die Veranstaltung aber doch sehr ähnlich und ich freue mich sehr darüber, die Chance gehabt zu haben das hier mitzuerleben.

Auch wenn es durchaus ein merkwürdiges Gefühl war, die SchülerInnen vom Lehrertisch aus zu beobachten. Schließlich ist das alles bei mir selbst noch nicht so lange her und in etwa sind wir alle im selben Alter.

Stay tuned!

Von Kühen auf der Ladefläche

10 Minuten Fahrt mit dem Fahrrad später und ich bin mitten in der Natur. Vom Stadtleben keine Spur, stattdessen Blick auf die Berge, den blauen Himmel und ab und zu eine Kuh an einer Leine oder auf der Ladefläche eines kleinen Transporters.

Ich habe es vermisst Fahrrad zu fahren und trotz der Hitze konnte ich es sehr genießen. Das ein oder andere Mal hatte ich zwar kurz Panik, als mich ein schnelles Auto überholt hat, aber ich bin heile angekommen und wurde mit einer wunderschönen Aussicht belohnt. Die Mes-Brücke bei Shkodra wurde im 18. Jahrhundert gebaut und ist mittlerweile eine „große“ Touristenattraktion. Kein Wunder, bei der Aussicht.

Das hatte ich wirklich nicht erwartet, als ich mich dazu entschieden habe, das lange Wochenende in Shkodra zu verbringen.

Die Stadt hat mich in vielen Aspekten überrascht und wirkte auf mich deutlich intensiver und „albanischer“ als Tirana.
Die Armut und der Kontrast zur Fußgängerzone und zum Tourismus war viel ausgeprägter, als es mir hier aufgefallen ist.
Aber auch so wirkte die Stadt organisierter und touristischer als Tirana. Was wahrscheinlich auch der Größe geschuldet ist. Shkodra ist wirklich nicht groß und ich hatte 3 Tage Zeit, um die Stadt und seine Umgebung kennen zulernen.

So hatte ich die Möglichkeit zur „Rozafa“ Burg und zur Mes-Brücke in die Vororte zu fahren.
Außerdem habe ich einen Ausflug nach Montenegro gemacht. Von Shkodra fährt man, wenn an der Grenze alles klappt, ca. 1 1/2 Stunden mit dem Bus nach Ulqin.
Überall wurde ich mit wunderschönen Ausblicken und tollen Erfahrungen überrascht. Die Natur im Norden Albaniens ist wirklich schön und sehr erfrischend, wenn man aus der Stadt kommt.
Zwei Mal wurde ich von Lokalen interessiert angesprochen, in ein Gespräch verwickelt und zum Essen eingeladen. Und auch alle anderen Menschen, die ich getroffen habe, waren sehr freundlich. Freundlich sind die Menschen in Tirana auch, allerdings wirkten meine Bekannten in Shkodra auf eine andere Art freundlich und offener.

Gut gefallen hat mir auch das friedliche Zusammenleben der Religionen. In Tirana fallen die verschiedenen Religionen kaum auf, im Norden gibt es aber mehr Muslime und so auch mehr Moscheen, die aktiv besucht werden.
Trotzdem stehen auch in Shkodra eine Moschee, eine orthodoxe und eine katholische Kirche dicht beieinander und es gab keine – für mich ersichtlichen – Probleme.

Stay tuned!

Letzte Schultage

In großen Schritten geht es auf die Sommerferien zu.

Am Montag wollten wir in den 9. Klassen die Schülerzeitung verkaufen – kein einziger Schüler war da.

Die 12. Klassen kommen nur noch zu den „Matura“-Prüfungen (Abitur) in die Schule, die 11. kommen eher, um ihre Freunde zu treffen, als um etwas zu lernen.

Alle Lehrer sind im Korrekturstress, müssen Noten eintragen und Zeugnisse schreiben. Per Hand.
Und dazwischen sitze ich. Mit der Fertigstellung der Schülerzeitung habe ich ein großes Aufgabenfeld abgeschlossen, es lohnt nicht, vor den Sommerferien eine neue Ausgabe anzufangen. Lediglich verkauft werden muss die Zeitung noch.

Auch die deutsche Bibliothek, die sowieso nur von einigen wenigen SchülerInnen genutzt wurde, ist kaum noch von Interesse. Die SchülerInnen können nur noch an ihre Ferien am Meer denken – und das macht sich deutlich bemerkbar.

In meiner Schulzeit war ich vor den Ferien auch nicht mehr zu Höchstleistungen bereit, jedoch sind wir (fast) alle noch regelmäßig zu den Stunden gekommen, die zum Glück auch kaum noch richtiger Unterricht waren. Dadurch, dass wir unsere Zeugnisse am letzten Schultag bekommen haben, herrschte noch eine gewisse Spannung und es kam nicht in Frage, schon eine Woche vor den Ferien einfach nicht mehr zu erscheinen.
Die albanischen Schülerinnen und Schüler werden ihr Zeugnis in den Ferien bekommen. So wird jetzt noch richtig Unterricht gemacht und Stoff vermittelt, worauf die meisten sehr wenig Lust haben.

Mein Aufgabenfeld um einiges verschoben, denn bis zu meinen Sommerferien dauert es noch. Die neuen 10. Klassen müssen zusammengestellt, die Ergebnisse der DSD 1 Prüfungen abgeglichen und die Wahlbögen der 11. Klassen ausgewertet werden.
Ich verbringe meine Zeit in der Schule jetzt hauptsächlich mit dem Anlegen von Excel-Tabellen und dem Entgegennehmen von Anmeldungen.

Diesen Einblick hinter die Kulissen finde ich sehr spannend und es macht mir Spaß, so viel zu dem Organisatorischen beitragen zu können und dürfen.

Stay tuned!

„Willkommen im Land von Nikola Tesla“

Dieser Satz begrüßte mich auf einem großen Banner, als ich in Belgrad mit dem Flughafenshuttle auf die Autobahn abbog.

Vor nicht mal 10 Stunden habe ich mit meiner Familie in Tirana zu Abend gegessen, habe sie ein letztes Mal in ihre Wohnung begleitet und musste mich nach 2 wunderschönen Tagen auch schon wieder verabschieden.
Es war ein komisches Gefühl, alleine nach Hause zu gehen, nachdem ich in den letzten Nächten mein Bett mit meinen Schwestern geteilt habe.

Weil mein Flug aber mitten in der Nacht ging, hatte ich nicht viel Zeit nachzudenken und befand mich schon bald im Bus von Belgrad nach Mali Idjos, wo das Zwischenseminar stattfinden sollte. Wider Erwarten kam ich auch ohne Serbisch Kenntnisse und mit einer fremden Währung gut zurecht und kam gegen 10 Uhr am Seminarhaus an, wo die anderen schon auf mich warteten.
Es war super schön, mal aus dem – doch sehr lauten – Tirana rauszukommen, Zeit zur Reflexion zu haben und sich mit anderen Freiwilligen auszutauschen.
Einige kannte ich schon, andere noch nicht, aber trotzdem waren wir eine sehr gute Gruppe, in der die Arbeit viel Spaß gemacht hat und mit der ich mich auch gut unterhalten konnte.

Wir wohnten in einem Haus in einem sehr kleinen Ort im Norden Serbiens und wurden Morgens, Mittags und Abends von einem serbischen Pärchen bekocht. Sie beschwerten sich zwar darüber, dass vegetarisches Kochen nicht so viel Spaß mache wie mit Fleisch, verwöhnten uns aber trotzdem mit sehr leckerem serbischen Essen, Kuchen und Kaffee.

Nachts konnten wir die Frösche aus dem Teich nebenan quarken hören und tagsüber arbeiteten wir unter einem Pavillion im Garten, haben einen Ausflug nach Belgrad gemacht und konnten in einem Bäckereimuseum im Ort ein klassisches Gebäck selbst über der Glut backen.

Ich habe die Zeit sehr genossen, brauchte danach aber doch 2 Tage, um mich wieder an mein Leben in Tirana zu gewöhnen. Ohne meine Familie, ohne dauerhafte Gesellschaft und ohne jemanden, der für mich kocht.
Zum Ersten Mal ist mir so richtig bewusst geworden, dass Tirana mein Zuhause ist und, dass mir einige Dinge und Personen doch sehr fehlen.

Stay tuned!

Wiedersehen und Stadtführungen

Endlich war es so weit. Ich saß im Bus zum Flughafen und konnte es kaum erwarten „mein“ Tirana endlich mit meiner Familie teilen zu können.

Kaum angekommen, blickte ich schon in die strahlenden Gesichter meiner Eltern und Schwestern – die Wiedersehensfreude war groß. Schon auf der Busfahrt in die Stadt wollte ich so viel wie möglich zeigen und erzählen.

Die nächsten 2 Tage, die wir zusammen hatten, haben wir mit Spaziergängen durch die Stadt, gutem Essen und einem Kurztrip zum Meer verbracht.

Für mich war dabei neu, direkt als Tourist erkannt zu werden. Als Deutsch sprechende Gruppe mit mindestens einer Kamera um den Hals wird man von den Leuten doch ganz anders wahrgenommen, als wenn man alleine durch die Stadt läuft. Ich wurde bisher selten direkt auf Englisch begrüßt – mit meiner Familie zusammen wurde ich selten auf Albanisch begrüßt.

Positiv aufgefallen ist mir aber die Freundlichkeit der Menschen, vor allem von denen, die mich ein bisschen kennen.
Die Verkäuferin in der Bäckerei in der Nähe kann kaum Englisch, wusste aber immer sofort, was meine Familie kaufen wollte. Der Kellner in meinem Lieblingsrestaurant, der als Kind durchs Fernsehen Deutsch gelernt hat, hat meiner Familie nach dem 3. Besuch einen Obstteller ausgegeben. Oder auch einfach nur das freudige Lachen meines Gemüsehändlers, als ich ihm meine kleine Schwester vorgestellt habe.

Zum Glück ist Tirana nicht so groß, sodass ich genug Zeit hatte meine Lieblingsplätze mit meiner Familie anzuschauen und mitzuerleben, wie gut es ihnen gefällt. Außerdem war es sehr spannend für mich, Tirana auch mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Als Urlaubsort, aus den Augen einer 11-Jährigen und als mein Zuhause.

Stay tuned!

Ein schneller, stummer Frisörbesuch

Seit 2 Monaten wollte ich schon zum Frisör, aber ich wollte damit warten, bis ich in Albanien bin. Ein Frisörbesuch auf Albanisch gehört ja wohl dazu, wenn man das Land kennenlernen möchte. Außerdem hatte ich gehofft, vielleicht sogar ein kleines Gespräch führen zu können.

Weil meine Albanisch Kenntnisse aber zu wünschen übrig ließen habe ich es immer weiter vor mir her geschoben, einen Termin zu machen.

Und als ich dann endlich – über Instagram, weil hier alles über Instagram läuft – einen Termin machen wollte, bin ich kläglich gescheitert. Der Frisör spricht kein Englisch, ich kann kaum Albanisch und er schrieb nur sehr
umgangssprachlich, sodass ich aufgeben musste.
Dementsprechend war ich sehr dankbar darüber, dass mir eine albanische Bekannte ausgeholfen hat. Jetzt hatte ich also einen Termin.

Ich habe mir ein Foto herausgesucht, die wichtigsten Vokabeln aufgeschrieben und mich im Glauben, gut vorbereitet zu sein, auf den Weg gemacht.
Im Laden angekommen, verstand ich direkt die erste Frage nicht. Na toll.
Lauter albanische Frauen um mich herum, die mich fragend anschauen. Ich wurde auf ein Sofa verfrachtet und mein Albanisch reichte so gerade aus, um zu hören, dass sich alle über mich unterhielten.

Von da an bestand die Kommunikation, so weit wie möglich, nur noch aus Zeichensprache. Ein bisschen schade, ich wollte doch auch mein Albanisch trainieren, aber so ist wenigstens nichts schief gegangen.
Was mich im Endeffekt sehr gewundert hat, denn der Frisör fing nach einem extrem kurzen Blick auf das Foto direkt an sehr selbstbewusst und sehr schnell meine Haare abzuschneiden. Etwas kürzer, als ich es eigentlich haben wollte, ist es geworden, aber das wächst zum Glück ja nach.

15 Minuten später waren meine Haare auch schon fertig und ich war ziemlich perplex. In meinem Kopf ging einiges vor. Wieso dauert das zu Hause immer so viel länger? Was muss ich jetzt nochmal sagen? Was wird das wohl kosten?
Ich war mir nicht sicher, was so ein Haarschnitt hier so kostet und wäre also bereit gewesen zu bezahlen, was ich zuhause auch immer zahle. Zum Glück hab ich aber erst nachgefragt. Ich war mir nicht sicher, ob ich ihn richtig verstanden habe und habe ihm sicherheitshalber mal einen 5.000 Lek (ca. 40€) Schein in die Hand gedrückt. Und war ziemlich verdutzt, als ich 4.000 Lek wieder zurück bekam.

Umgerechnet habe ich jetzt also 8€ gezahlt. Etwas durch den Wind und sehr verwirrt ging ich also nach einer halben Stunde beim Frisör mit einer neuen Frisur wieder nach Hause.

Stay tuned!

Colourday und ein Kaffee am Strand

Wenn ich eins gelernt habe in Albanien, dann ist es spontan zu sein.
Es war schwer für mich sich daran zu gewöhnen, aber zu planen ist hier kaum möglich und so ist es deutlich einfacher und entspannter die Dinge einfach so zu nehmen, wie sie kommen.

Letztes Wochenende habe ich meine neu gewonnene Spontanität zusammengenommen und mir am Freitag noch ein Festival Ticket für Samstag gekauft, habe mich vor Ort mit einer Gruppe von Leuten getroffen, die ich vorher noch nicht kannte, wir sind dann doch noch einen Kaffee trinken gegangen und ich habe einfach mal jegliche Planung ignoriert.
Wir wussten alle nicht genau, wann welcher Auftritt ist, aber das war mir sowieso ziemlich egal, da hauptsächlich albanische und griechische Künstler aufgetreten sind, von denen ich nur wenige Lieder kannte.

Wir haben viel getanzt, uns mit Farbpulver beworfen, Fotos gemacht und die Stimmung genossen. Ich hatte einen tollen Tag und bin sehr dankbar für den guten Einfluss, den meine Kontakte hier bisher auf mich hatten.

Todmüde und sehr glücklich bin ich abends ins Bett gefallen und habe mir vorgenommen, den ganzen nächsten Tag dieses nicht zu verlassen.

Daraus wurde aber nichts und ich habe regelrecht gespürt, wie meine Spontanität das nächste Level erreicht hat.
“ Kim wir fahren in 20 Minuten an den Strand einen Kaffee trinken, kommst du mit?“ – Ähhm. Klar.

Also Frühstück runter schlingen, fertig machen, anziehen und los. Zum Glück werden hier die Zeitangaben nicht immer so eng genommen und eine knappe Stunde später saß ich im Auto in Richtung Norden. Wir waren ca. eine Stunde unterwegs und als wir ankamen begrüßte uns – entgegen unserer Erwartung – strahlender Sonnenschein. So wurde aus dem Kaffee am Strand ein ganzer Tag am und im Meer bei strahlendem Sonnenschein, mit guter Gesellschaft und leckerem Essen und Trinken.

Das Gefühl, sich morgens ins Auto zu setzen, an den Strand zu fahren und baden zu gehen war unglaublich. Besser wurde es noch dadurch, dass es erst Mai ist und ich hoffentlich noch viele weitere Trips dieser Art vor mir habe.
Diese Spontanität hat doch ihre Vorteile.

Stay tuned!