Das Zwischenseminar

Das Zwischenseminar ist zu Ende und es wird Zeit Bilanz zu ziehen. (Nach nur zwei Monaten kann man das Seminar zwar nicht wirklich als Zwischenseminar bezeichnen, aber ja gut.)

Das Seminar fand in der Stadt Rosario statt, die sich nördlich von Buenos Aires befindet. Vor mir lagen also gut zwei ein halb Stunden Busfahrt. Ich stieg in den Bus mit der Erwartung dort drei andere Freiwillige zu treffen. Doch scheinbar hatten diese doch einen anderen Bus genommen. Natürlich hatte ich mich vorher nicht überlegt wie ich von der Bushaltestelle zum Hostel kommen würde. “Die anderen Freiwilligen werden das schon wissen” hatte ich mir gedacht… “Nun ja, sicherlich wird der Bus mich an einem Busbahnhof herauslassen und dort gibt es dann W-LAN oder einen Informationsschalter, bei dem man nachfragen kann” – wieder hatte ich falsch gedacht. Kaum angekommen ließ der Bus mich irgendwo am Straßenrand etwas außerhalb von Rosario raus. Nun stand ich da und hatte nicht die geringste Ahnung wie ich nun zum Hostel kommen sollte. Glücklicherweise stieg der Mann, der neben mir gesessen hat während der Busfahrt an derselben Haltestelle aus. Ich nahm all meinen Mut zusammen und fragte ihn, ob er auf seinem Handy einmal nachgucken könnte wie ich zu meinem Hostel komme. Tatsächlich reagierte er sehr freundlich und konnte mir weiterhelfen. So nahm ich dann denselben Bus wie er. Der Mann stieg jedoch früher aus, sodass sich schnell eine Dame einklinkte und fragte, wohin ich denn muss. Die Frau stieg dann an derselben Haltestelle aus und begleitete mich fast bis zum Hostel.

Endlich dort angekommen gab es erstmal Kaffee und Kuchen und einen regen Austausch mit den anderen 22 Freiwilligen (nur eine davon kam aus Paraguay und zwei aus Uruguay. Der Rest wohnte in Argentinien). Kurz darauf begann das Programm, dass wie wir schnell feststellen mussten sehr auf Eigenarbeit basierte.

Am nächsten Tag machten wir einen kleinen Ausflug in die Stadt und hörten uns einen Vortrag über Transgender an, der leider nicht für uns als Zielgruppe geeignet war.

Auch das restliche Programm war nicht sonderlich spannend. Es wurde von zwei deutschen Kulturweit Mitarbeitern geleitet, die extra für das Seminar eingeflogen worden sind. Dies entspricht überhaupt nicht dem Konzept der Nachhaltigkeit, dass Kulturweit (meiner Organisation) so wichtig ist. Schließlich wird ja in jeder E-Mail betont, dass wir nachhaltig reisen sollen. Außerdem zweifelt damit Kulturweit etwa die Kompetenz der Leute vor Ort an? Meiner Meinung nach wäre es nämlich deutlich besser gewesen deutschsprachige Personen, die in Argentinien wohnen, zu finden. Diese hätten uns wenigstens etwas über das Land erzählen können und wären nicht selbst Touristen mit Safarihüten gewesen.

Rosario als Stadt hat seine netten Plätze, aber ich war trotzdem froh wieder nach Buenos Aires zu fahren.

Wirklich positiv hervorzuheben ist nur der Austausch mit den anderen Freiwilligen und das Essen im Hostel (wirklich großartig!).

Grüße aus Deutschland, Party, Natur und Schlafentzug

Asados Grill auf dem Dach

3/5 meiner Mitbewohner und ich beim Asados essen

Der Recoleta Friedhof

Das Ateneo

San Isidro Landschaft

Letzten Freitag beschlossen wir, als WG auf unserem Dach Asados zu machen (zur Erinnerung: Asados ist wie ein großes argentinisches Barbecue). Alle halfen mit bei den Vorbereitungen. Und was herauskam war ein wirklich schöner Abend mit meinen Mitbewohnern unter Sternenhimmel.
*zu dem Foto: Normalerweise wird nicht auf dem Boden gegessen. Aber unser Tisch hatte eine paar Probleme mit seinen Standbeinen nach dem letzten Gewitter, weshalb wir kreativ werden mussten.
Am letzten Wochenende habe ich auch zum ersten Mal Besuch aus Deutschland bekommen. Eine Flugbegleiterin und Freundin meiner Mutter war dank ihrer Arbeit für insgesamt gut 2 Tage in Buenos Aires. Den Sonntagnachmittag und Abend verbrachten wir zusammen und ich konnte ihr einige schöne Ecken in Buenos Aires zeigen.
Zunächst einmal gab sie mir jedoch die Sachen, die meine Eltern ihr für mich mitgegeben hatten:
– Selbstgemachte Marmelade (ich bin ziemlich verwöhnt was Marmelade angeht, da es jahrelang immer nur selbstgemachte Marmelade meiner Mutter zum Frühstück gab)
– Lindt Schokolade (Schokolade ist in Argentinien nicht nur verdammt teuer, sondern schmeckt auch noch nicht besonders gut)
– Einen Adventskalender (diese gibt es in Argentinien nämlich nicht)
– Und das allerwichtigste deutsches BROT (gutes Dunkles Vollkornbrot gibt es nun mal nur in Deutschland)
Sie übergab mir die Sachen und wir zogen los zu einem Markt in meinem Viertel. Dort suchten wir erstmal einige Zeit eine typisch argentinische Tasche für einen ihrer Freunde in Deutschland. Nach dem Gesuche hatten wir uns dann erstmal eine Pause verdient und ließen deshalb bei Starbucks nieder. Nachdem wir uns gestärkt hatten, ging es auf zum Recoleta Friedhof (dieser befindet sich direkt neben dem Markt). Dort spazierten wir im kühlen Schatten der teilweise halb zerfallenen Gruften. Anschließend machten wir uns auf dem Weg zum „Ateneo“, auch bekannt als der schönste Buchladen der Welt. Er wurde in einem alten Theater gebaut und zählt heute zu einer der berühmtesten Attraktionen in Buenos Aires.
Am Abend gingen wir dann zusammen in ein kleines typisch argentinisches Steakrestaurant und aßen hervorragend. Wir verbrachten fast drei Stunden dort, viel länger als ich geplant hatte, sodass ich mich zu meiner nächsten Verabredung sehr beeilen musste. Doch bevor ich dazu komme: Ich fand es wirklich sehr, sehr schön jemanden mal Buenos Aires zu zeigen, etwas über die Stadt zu erzählen und sich auszutauschen. So freue ich mich schon sehr auf noch mehr Leute, die mich besuchen kommen und denen ich ebenfalls diesen besonderen Ort zeigen kann.
Doch nun wieder zum Rest des Abends. Nachdem ich mich von der Flugbegleiterin verabschiedet hatte und schnell geduscht hat, machte ich mich auf den Weg in einer Bar bei mir in der Nähe. Dort wollte ich mich eigentlich mit zwei anderen Kulturweit Freiwilligen treffen. Ich fand jedoch nur einen auf. Der andere verspätete sich um mehr als eine Stunde… Verkehr in Buenos Aires eben. Wir tauschten uns über unsere bisherigen Erlebnisse in der Stadt und in der Schule aus (diese waren sich überraschender Weise sehr ähnlich). Dann machten wir uns auf den Weg zu einem Club am Rande der Stadt. Dort feierte nämlich die 12. Klasse meiner Schule ihre Abschlussparty. Ich war vorher mehrmals vorgewarnt worden, dass die Partys in Argentinien etwas anders waren als die in Deutschland. Also machte ich mich auf alles gefasst. Wir betraten die große Halle, die zugegebener Maßen sehr kunstvoll von den Schülern dekoriert worden war, und uns schallte überlauter Reggaetón (das ist die Musikrichtung, die die Jugendlichen in Lateinamerika überwiegend hören) entgegen. Der nächste kleine Schock kam, als ich feststellen musste, dass alle Mädchen der 12. Klasse lediglich mit BH und kurzem Rock begleitet waren und die meisten Jungs keine Hemden trugen. Na gut, so wurde ihnen wenigstens nicht zu heiß. Wir hatten zu dritt trotz allem unseren Spaß (Vorfalles dabei die anderen irritiert zu beobachten). Das Highlight war eine Kugel an der Decke, die irgendwann anfing eine Menge Schaum zu produzieren. Nass wurden wir also auch noch.
Am Montag um 4:30 (eigentlich ein wenig zu früh um eine argentinische Party zu verlassen) machten wir uns dann auf den Heimweg. Um 6:00 (nach einigen Umwegen, wie zum Beispiel: Bus in die falsche Richtung) kam ich dann bei mir zu Hause an. Dort duschte ich mich erstmal und legte mich dann erschöpft schlafen. Um acht Uhr morgens hieß es jedoch gleich wieder aufstehen. Immerhin war ja Montag und ein ganz normaler Schultag. Wahrscheinlich hätte ich gar nicht kommen müssen, aber ich hatte es irgendwie geschafft mich, als Begleiterin für eine Exkursion zu melden.
Mit den achten Klassen und drei weiteren Lehrern machte ich mich also auf den Weg in das Landschaftsschutzgebiet San Isidro. Im Nachhinein hatte sich der kurze Schlaf dafür wirklich gelohnt! Es war sehr spannend was der Guide so alles über die Natur erzählen konnte und es war außerdem das erste Mal, dass mir wirklich auffiel, dass ich in Lateinamerika bin. So eine Natur hatte ich vorher noch nie gesehen.
Nach der Exkursion schickte mich meine Ansprechpartnerin nach Hause und ich schlief bis zum Abend.

Was ist in der Zwischenzeit denn so passiert?

Asadosgrill

Deutscher Apfelstrudel

Ich habe mich ja nun wirklich lange nicht mehr auf meinem Blog gemeldet und mir deshalb gedacht erstmal ein kleines Statusupdate zu machen:

Es gab mal wieder Mitte Oktober einen Feiertag, an dem ich keine Schule hatte (das war der Tag der kulturellen Vielfalt).

Ich war nun schon zweimal zu einem Sprachtandem. Das bedeutet: man trifft sich in einer Bar, bekommt nette kleine Schildchen, wo drauf steht welche Sprachen man spricht und dann unterhält man sich bei etwas zu trinken mit anderen Leuten in der Sprache, die man gerne lernen möchte. Ich persönlich finde die Idee ziemlich gut und es hat auch beide Male sehr viel Spaß gemacht. Man muss sich nun eben erst überwinden fremde Leute anzusprechen…

Des Weiteren kann ich nun zwei weitere typisch argentinische Aktivitäten von meiner Todo Liste streichen. Zum einen habe ich für eine Mahlzeit mein „Vegetarier sein“ aufgegeben und habe mit Freunden bei einer zu Hause „Asados“ gegessen. „Asados“ ist was man in Deutschland einen Grillabend nennen würde. Es gibt sehr viel unterschiedliches Fleisch, Salat, Reis und natürlich Kuchen zum Nachtisch. Ich bin ja jetzt nun wirklich kein Experte, was Fleisch angeht, aber alle meine argentinischen Freunde, die schon einmal in Deutschland waren, haben mir bestätigt, dass argentinisches Fleisch viel besser schmeckt als deutsches. Die zweite Aktivitäten war es Mate zu trinken. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass Mate Tee einfach furchtbar schmeckt. Keine Ahnung, ob ich mich jemals daran gewöhnen werde. Hauptsache ich sage keinem Argentinier, dass Mate scheußlich ist. Immerhin ist Mate Tee hier fast heilig.

Außerdem gab es bei mir an der Schule einen Tag der offenen Tür oder wie er hier wörtlich übersetzt genannt wird „einen Tag der Familie“. Natürlich haben die Schüler am Freitag davor freibekommen, um alles für den Samstag vorzubereiten. Am späten Nachmittag bis frühen Abend kamen dann unzählige Eltern und Schüler in die Schule um sich diese anzusehen. Es wurde sehr viel Kuchen verkauft und Musik gespielt. Einige Schüler gaben einen Crashkurs in Deutsch, ein paar präsentierten ihre Vorträge, die sie beim Deutschen Sprachdiplom gehalten hatten und die 12. Klasse sang 99 Luftballons. Das Beste war jedoch der deutsche Apfelstrudel, den ein deutscher Vater einer Schülerin gebacken hatte. Die ganze Deutschabteilung war hoch erfreut und geschmeckt hat er dann sogar auch noch!

An demselben Wochenende war ich leider auch sehr erkältet, weshalb all meine Pläne für dieses Wochenende ins Wasser fielen und ich mich darauf konzentrieren musste gesund zu werden. Deshalb hoffe ich, dass ich von meinem nächsten Wochenende ein paar mehr Dinge zu berichten habe.

 

Deutsche Kultur am anderen Ende der Welt

Als ich nach Buenos Aires geflogen bin, konnte ich mir bei bestem Willen nicht vorstellen am anderen Ende der Welt etwas von „deutscher Kultur“ wiederzufinden. Doch in Argentinien leben immerhin rund 300.000 Deutsche. Das bekommt man vor allem in Buenos Aires selbst sehr gut zu spüren. Es ist eine Einwandererstadt, in der sich verschiedene Kulturen der ganzen Welt vermischen – eben auch die Deutsche.

Hier ein paar Beispiele:

Der 03. Oktober, Tag der deutschen Einheit, wurde selbst hier gefeiert. An dem Tag fand ein Ausflug der Schule mit ein paar Schülern zum „Plaza Alemania“ (Platz Deutschlands) unternommen. Der Platz war mit deutschen und argentinischen Flaggen dekoriert worden. Außerdem war eine argentinische Blaskapelle, Vertreter des Militärs und natürlich Diplomaten anwesend. Zuschauer waren vor allem deutsche Schule und Sportvereine, von denen es in Buenos Aires gar nicht so wenige gibt!
Es gab einige Reden über die Zusammenarbeit zwischen Argentinien und Deutschland und ein Schulchor hat spanische und deutsche Lieder gesungen.
Zum Abschluss hat jede Schule eine Kiste mit Saft und Alfarores (eine argentinische Süßigkeit) für die anwesenden Schüler geschenkt bekommen – das war nun schon wieder nicht mehr ganz so deutsch.

Wie ich bereits erwähnt habe, gibt es hier einige deutsche Einwanderer. Dementsprechend habe hier viele Leute deutsche Vorfahren. So auch eine Freundin von mir: Mariá Sol Pönicke. Ihre Oma kommt aus Deutschland, hat einen Argentinier geheiratet und ist nach Buenos Aires gezogen. Dementsprechend gibt es bei Ihnen zu Hause manchmal sogar Spätzle mit Gulasch!! Die Zutaten dafür kann man hier in einem bestimmten Supermarkt problemlos kaufen, kostet nur eben ein bisschen mehr.
Dieses Wochenende wurde ich zu Sol’s Familie nach Hause eingeladen. Es war einfach unglaublich, wie herzlich eine Familie seien kann. Ständig bekam man etwas zu Essen angeboten! Am Abend bin ich dann mit Sol und einer anderen Freundin zu einer Bar gefahren. Als ich diese betrat, musste ich erstmal schmunzeln. Im „Beerhouse“ liefen alle Kellner mit grünen Hüten und Federn herum. Das war also ihre Vorstellung davon, wie wir Deutsche herum laufen… Als wir Getränke bestellen wollten, konnte ich mich bei der großen Auswahl gar nicht entscheiden. Deshalb brachte mir der Kellner einfach jedes Bier in einem kleinen Shotglas, sodass ich probieren und mich für eins entscheiden konnte. Als ich mich dann entschieden hatte, ging dieses Bier auch noch aufs Haus, denn ich war Deutsche und hatte mich so nett verhalten – wie der Kellner meinte. Also wenn es um Bier geht, ist man hier wirklich zuvorkommend zu den Deutschen! 😀

P.S.: Ich habe heute mal wieder frei, da Tag der kulturellen Vielfalt ist und ich bin sicher, dass es deswegen Morgen eine Veranstaltung in der Turnhalle geben wird, während der die Schüler keinen Unterricht haben. ((:

Schule mal etwas anders…

Deutsche und argentinische Flaggen findet man viel an der Schule

Ein Klassenzimmer

Der Mate Tee ist natürlich immer und überall dabei

Die Grundschüler auf dem Pausenhof

Einer der zwei Schulkiosk

Alle Klassenzimmer sind von den Schülern kreativ dekoriert worden.

Wie die meisten von euch ja bereits wissen arbeite ich hier in Buenos Aires an einer Schule.
In den letzten drei Wochen konnte ich so einen guten Einblick in die Klassenzimmer bekommen. Dabei sind mir einige Dinge aufgefallen, die aus deutscher Sicht ziemlich merkwürdig sind. Deshalb möchte ich euch nun mal einen kleinen Eindruck vom Schulleben an meiner Schule vermitteln.

Zunächst aber etwas Allgemeines über die Cangallo Schule. Sie ist eine Privatschule, dies ist in Buenos Aires aber nichts Besonderes, da circa die Hälfte aller Schulen privatisiert sind. Die Schule enthält einen Kindergarten, die „Primaria“ (1 bis 7 Klasse) und die „Secundaria“ (8 bis 12 Klasse). In der Secundaria wählen die Kinder einen Zweig (Geisteswissenschaften, Technik, etc.). Deutsch kann hier von den Schülern als zweite Fremdsprache gelernt werden. Nach dem Beenden der 12. Klasse !sollten! sie das Niveau B1 in Deutsch haben. Die Schüler können außerdem das deutsche Sprachdiplom ablegen (kurz DSD). In diesem Fall das DSD 1 auf dem besagten Niveau B1. Dies ist möglich da die Cangallo Schule eine PASCH – Schule ist (bedeutet soviel wie Partnerschule) und deshalb von der deutschen Bundesregierung gefördert wird.

Nach dieser kurzen Einführung nun aber zum praktischen Schulleben:
Der Tag beginnt für die Schüler bereits um 7:20. Viele Schüler wohnen in der Nähe, da Buenos Aires aber so riesig ist, gibt es auch einige Schüler die über eine Stunde in die Schule brauchen.
Wie in vielen deutschen Schulen geht auch hier eine Schulstunde anderthalb Stunden. Theoretisch. Praktisch ist es jedoch so, dass die Lehrer beim Klingeln zu Unterrichtsbeginn noch ganz entspannt ihren Kaffee zu Ende trinken und sich dann erst langsam auf den Weg zum Klassenzimmer machen. Eine Lehrerin meinte mal zu mir: „Eigentlich beginnt der Unterricht zwanzig nach, aber ich komme immer erst halb. Die Schüler sind ja eh immer zu spät.“
Befindet sich der Lehrer dann endlich im Klassenzimmer wartet dort schon etwas, was man in deutschen Schulen eher seltener vorfindet. Hier wird geduzt. Die Schüler sprechen alle ihre Lehrer mit Vornamen an. Außerdem kommt es häufig vor, dass Lehrer und Schüler sich mit einem Küsschen auf die Wange begrüßen. Ich muss zugeben, dass dies eine angenehme freundschaftliche Atmosphäre schafft. Nun könnte man sich fragen, ob die Schüler dann überhaupt noch Respekt vor den Lehrern haben? Ich würde sagen, dass viele Schüler temperamentvoller sind als ich es gewohnt bin aus deutschen Klassenzimmern. Man redet lauter und häufiger. Aber ich kann nicht behaupten, dass die Schüler hier respektlos gegenüber ihren Lehrern sind. Oder zumindest nicht häufiger als deutsche Schüler…
Es gibt noch etwas, was man aus deutschen Klassenzimmern nicht kennt: Mate. Fast immer packt im Unterricht ein Schüler seinen Mate Tee aus und trinkt ihn aus einem „Calabaza“ (Mategefäß, traditionell aus Kürbis hergestellt) mit einem „Bombilla“ (eine Art Strohhalm, meistens aus Metall). Der Mate Tee wird dann herumgereicht und jeder, der möchte, kann davon trinken. Natürlich wird auch dem Lehrer etwas angeboten. Mate ist eben ein sehr geselliges Getränk.
Der Unterricht endet täglich zu unterschiedlichen Uhrzeiten. Einmal in der Woche haben die Schüler um 14:00 Schluss, die anderen Tage häufig erst um 17:00 Uhr (die Secundaria). Zehn Stunden in der Schule würde ich zugegebener Maßen auch nur mit ganz viel Ruhe und Gelassenheit überstehen.

Die erste Woche in Buenos Aires

Die erste Schulwoche ist um und es wird Zeit einmal Bilanz zu ziehen. Aber fangen wir lieber erst ganz von vorne an.

Am Montag kam ich natürlich ganz pünktlich um halb zehn in die Schule und fand niemanden im Deutschlehrerzimmer vor. Nach ein paar Minuten kam dann eine Lehrerin rein und erklärte mir, dass es eine Veranstaltung in der Turnhalle gibt und dort alle versammelt sind. Also folgte ich ihr in die Turnhalle und fand dort circa 200 Schüler auf dem Boden sitzend, während die Lehrer auf Stühlen daneben saßen. Alle blickten nach vorne, wo drei Flaggen aufgestellt waren, die Argentinische, die von Buenos Aires und die der Schule. Auf einmal erhoben sich alle und begannen die argentinische Nationalhymne zu singen. Auf irritierten Gesichtsausdruck hin, wurde mir versichert, dass so etwas nicht jeden Montag stattfindet. Die Veranstaltung hatte den Anlass, dass am Sonntag „Tag des Lehrers“ gewesen ist. Anschließend sangen ein paar Kinder etwas vor und andere trugen selbstgeschriebene Gedichte vor. Nach der Veranstaltung stellte sich dann heraus, dass meine Ansprechpartnerin heute gar nicht an der Schule sein würde. Deshalb konnte ich danach nach Hause gehen und mein erster „Arbeitstag“ endete um halb zwölf.

Am Dienstag begann dann mein Tag an der Schule sogar erst um halb elf. Diesmal nahm mich eine Lehrerin in den Deutschunterricht ihrer elften Klasse mit. Die Klasse bestand aus sechs/ sieben Schülern (die Kurse werden an der Schule nochmal nach Deutschniveau aufgeteilt, sodass es insgesamt sechs verschiedene Deutschklassen in jeder Stufe gibt). Die Schüler waren alle sehr interessiert und stellten mir viele unterschiedliche Fragen über mich und Deutschland. Gegen Mittag waren dann ein paar Verwaltungsaufgaben dran. Am Nachmittag jedoch sollte ich zusammen mit einer anderen Lehrerin ein paar Schüler auf das Deutsche Sprachdiplom (kurz DSD) vorbereiten. Dies wird nun jeden Nachmittag nach der Schule stattfinden, wurde mir gesagt. An diesem Nachmittag saß ich jedoch mehr daneben und verfolgte aufmerksam wie die Lehrerin ein paar grammatikalische Sachen erklärte, von denen ich persönlich noch nie etwas gehört hatte. Am Abend hatte ich mich dann für eine Hypnoseshow im internationalen Studentenhaus eingetragen. Tatsächlich schaffte der Mann es sechs Leute gleichzeitig zu hypnotisieren und ließ sie verschiedene Dinge tun. Beispielsweise einen Hamburger essen, Zeichensprache sprechen, einen lustigen Film ansehen, etc. Es war wirklich wahnsinnig witzig sich dies anzusehen!

Am nächsten Tag schlenderte ich ganz unschuldig zum Deutschlehrerzimmer, als mir meine Ansprechpartnerin entgegenkam und ganz aufgeregt meinte: „Es fehlen drei Deutschlehrer! Könntest du, die achte Klasse schnell mal für anderthalb Stunden übernehmen?“ Natürlich stimmte ich zu und wurde so gleich von der Deutschlehrerin zum Klassenzimmer der Achten geführt. „Also ich bin hier gleich gegenüber. Wenn etwas sein sollte, dann kommst du einfach vorbei.“ meinte sie und verschwand in ihre eigene Klasse. Nun stand ich da vor zwanzig vierzehnjährigen Schülern, die mich mit großen Augen ansahen. Nachdem ich mich kurz vorgestellt hatte (auf Spanisch natürlich, da das Deutschniveau der Schüler sehr niedrig war), erklärte ich den Schülern, dass wir nun Galgenmännchen auf Deutsch spielen werden. In diesen anderthalb Stunden kramte ich mein komplettes Unterrichtsspiele Repertoire heraus. Man muss allerdings sagen, dass argentinische Schüler um einiges lauter sind. Doch meistens konnten sie sich selbst wieder beruhigen. Am Ende der Stunde hatten die Schüler dann noch einige Fragen über das deutsche Schulsystem, welches sich doch stark von dem argentinischen unterscheidet. Am Nachmittag hatte ich dann noch Hospitanz bei einer zwölften Klasse (ah … Wie ruhig die doch sind!). Danach ging nach Hause um mich noch am selben Tag bei einem Ruderverein vorstellen zu können. Tatsächlich fand ich einen und mir wurde gesagt, ich könnte gleich am nächsten Tag wieder kommen, um mitzutrainieren.

Der Donnerstag war dann ein sehr entspannter Tag, da die Schule aufgrund des „Tags des Schülers“ geschlossen hatte. Also fuhr ich nur zum Ruderverein und traf dort auf wirklich sehr nette Trainer und Sportkollegen. (Deshalb freue ich mich schon sehr darauf am Sonntag dort wieder zu trainieren und hoffe sehr, dass dies regelmäßig klappt.)

Auch Freitag war ein eher ruhiger Tag, da die Schüler bereits um elf nach Hause gehen konnten. Sie hatten eine Veranstaltung in der Turnhalle (da der Tag davor ja der „Tag des Schülers“ war) und hatten danach keinen Unterricht mehr. Ja, die Logik am Tag nach dem unterrichtsfreien Tag Unterrichtsausfall aufgrund des unterrichtsfreien Tages zu haben leuchtet mir absolut ein …

Dennoch war es alles in allem eine sehr ereignisreiche Woche und freue mich schon sehr darauf nächste Woche wieder in die Schule zu gehen. Die Lehrerkollegen sind alle wahnsinnig nett und die Schüler (eigentlich) auch ganz lieb.

 

Das Logo der Schule

Ein kleiner Ausschnitt des Schulgebäudes

Ankunft in Buenos Aires

Als mein Flugzeug Donnerstagmorgen in Buenos Aires landete, war ich vor allem eins: ziemlich müde. Dennoch blieb ich vor der Passkontrolle natürlich nicht verschont. Die kleinen Zettel, die wir dafür ausfüllen mussten, lösten erstmal bei uns Freiwilligen eine menge Verwirrung aus. Doch Gott sei Dank hatten wir eine Stunde Wartezeit, in der wir die Zettelchen entschlüsseln konnten. Als ich dann endlich mit der Passkontrolle dran war wurde ich Routine mäßig gefragt, was ich denn in Buenos Aires so vorhabe und wie lange ich bleiben möchte. Kaum erzählte ich dem Beamten, dass in ein Jahr ein freiwilliges soziales Jahr machen werde, wurde er hellhörig. Er fand es eine richtig gute Sache und stellte mir gleich noch mehr Fragen. Wo genau ich das Jahr mache? Was meine Aufgaben dort sind? etc. …

Eine gute Stunde später und immer noch nicht wirklich wach stand ich vor der nächsten großen Aufgabe: Ein Taxi bestellen. Mit zwei Koffern und einem Rucksack kämpfte ich mich durch die Menschenmengen am Flughafen. Mehrmals musste ich nach dem Weg fragen, um dann endlich eine Bank zu finden, bei der ich mein Geld wechseln konnte (aufgrund des schlechten Kurses des argentinischen Pesos konnte ich in Deutschland kein Geld wechseln). Bis ich dann endlich argentinische Pesos in der Hand hielt verging noch eine Stunde. Doch nun konnte ich mich erleichtert auf zum offiziellen Taxistand am Flughafen machen. Dort gibt man der Frau am Schalter die Adresse, zu der man fahren möchte, dann bezahlt man direkt die entsprechende Summe und wird dann zum Taxi gebracht.
Vom Flughafen aus brauchte das Taxi gut eine Stunde zu der Wohnung. Schon auf der Fahrt fiel mir die Verkehrslage auf… Häufig fuhren die Autos dreispurig wo es nur zwei Spuren gab, rote Ampeln wurde des Öfteren mal übersehen und wirklich absolut jeder hupte bei jeder Kleinigkeit.
Irgendwann kam ich dann endlich an der Wohnung an, wo mich meine Vermieterin (eine freundliche, alte Dame) schon ganz aufgeregt erwartete. Sie führte mich in ihre Wohnung im ersten Stock und zeigte mir mein Zimmer. Es ist sehr gut beleuchtet durch die großen Fenster und man hat den besten Ausblick auf den Tumult auf der Straße. Danach ging es erstmal ans Koffer auspacken, duschen und schlafen.
Später am Nachmittag nahm mich meine Vermieterin dann mit zum Einkaufen. Ich würde sagen, dass man hier im Schnitt so das Dreifache für Lebensmittel ausgibt wie in Deutschland – außer für Milch und Eier, das ist beides verdammt billig.

Am nächsten Tag hieß es dann um acht aufstehen und ab in die Schule, ganz wie in den guten alten Zeiten… Oder auch nicht. Ich lief von der Wohnung gut dreißig Minuten zur Schule und war natürlich ganz pünktlich um halb zehn dort, und natürlich verspätete sich meine Ansprechpartnerin. Als sie dann kam, führte sie mich direkt in das Lehrerzimmer für Deutsch. Wir besprachen einige organisatorische Dinge. Unter anderem meine Arbeitszeiten: „Du musst doch so sechs bis acht Stunden am Tag arbeiten, oder?“ meinte sie. Ich nickte nur. „Okay, dann arbeitest du sechs Stunden am Tag. Acht Stunden in dieser Schule, das ist nicht gesund.“ – Die Argentinier haben das Arbeiten bestimmt nicht erfunden (um meine Mutter mal zu zitieren) *zwinker* .

Kurze Zeit später stand schon das Wochenende vor der Tür. Den Samstag verbrachte ich mit einer Sightseeingtour. Zuerst ging es zum Teatro Colon, das mit seiner Architektur wirklich punkten kann. Anschließend lief ich zum Obelisk von Buenos Aires. Über diese Skulptur scheiden sich ja bekanntlich die Geister. Naja, wirklich schön fand ich den Obelisk jetzt nicht so.. aber die Hecke davor war echt cool! (Seht selbst^^) Danach ging es zum Plaza de Mayo und zum Casa rosada (dem Präsidentenpalast). Den Palast fand ich wiederrum durchaus beeindruckend.
Am Samstagabend nahm ich dann an einem kleinen Tanzkurs der Organisation „Buenos Aires International Students“ teil. Dieser begann natürlich, typisch argentinisch, eine halbe Stunde als geplant. Dennoch hat es sehr viel Spaß gemacht!
Nun freue mich ich schon sehr auf Montag, wenn mein Arbeitsalltag dann endlich beginnt.

P.S.: Ich habe ja beim letzten Mal erwähnt, dass wir auf dem Vorbereitungsseminar von der Taz „interviewt“ wurden. Nun wurde der Artikel dazu veröffentlicht. Das ist der Link: http://www.taz.de/Identitaetssuche-und-Definitionsversuche/!165049/#2

Der Obelisk von Buenos Aires

Plaza de Mayo

Casa Rosada / der Präsidentenpalast

Teatro Colon

Das Vorbereitungsseminar

Ich hievte meinen Koffer mühsam die Stufen hinauf. Oben auf dem Gleis wartete bereits Annie und Karl kam wenig später hinzu. Alle drei hatten wir dasselbe Ziel: von Dresden aus ging es für uns nun zum Werbellinsee, in der Nähe von Berlin. Dort erwartete uns das zehntägige Vorbereitungsseminar von Kulturweit, bevor wir ausreisten.

Die kompletten zwei Stunden der Zugfahrt verbrachten wir damit über unzählige Themen zu reden und uns aufgeregt über alles was uns wohl erwarten könnte auszutauschen. Dementsprechend war die Zugfahrt schnell vorbei und nur kurze Zeit später fand ich mich in einem der Kulturweit Reisebusse zum Werbellinsee wieder. Vor uns lag nun noch eine anderthalbstündige Busfahrt.

Irgendwann kamen wir dann endlich an der europäischen Jugendbegegnungsstätte (EJB) an und es gab Gott sei Dank direkt etwas zu essen. Ich habe noch nie so viele Leute innerhalb einer Stunde kennengelernt. Man kam mit den (wie wir sie nannten) „drei Standardfragen“ direkt ins Gespräch:

  1. Wie heißt du?
  2. Wohin gehst du?
  3. Welche ist deine Partnerorganisation?

Am Nachmittag gab es dann eine offizielle Begrüßung, bei der sich das komplette Team vorstellte und wir in unsere „Homezones“ eingeteilt wurden. Meine „Homezone“ hatte die Nummer 1 und bestand ausschließlich aus Leuten, die nach Argentinien ausreisen werden. Eine „Homezone-Einheit“ dauerte drei Stunden und sie waren über die ganzen zehn Tage verteilt. Wir besprachen dabei unsere Erwartungen an das Auslandsjahr, beschäftigten uns aber auch mit Ängsten und Zweifeln.

Neben den „Homezone-Einheiten“ gab es auch Workshops, bei denen allgemeinere Themen, wie zum Beispiel „Gesellschaftliche Machtstrukturen“ oder „Geschichte, Gesellschaft, Politik“, besprochen wurden.

Am vierten Tag des Seminars ging es für uns nach Berlin, wo ich eine sehr interessante Führung über alternative Projekte in Kreuzberg mitgemacht habe. Am sechsten und siebten Tag waren dann die sogenannten „Partnertage“. Bedeute für mich konkret, dass mein Programm die zwei Tage vom PAD (Pädagogischer Auslandsdienst) und ZfA (Zentralstelle für Auslandsschulwesen) gestaltet wurde. Auch dies war sehr, sehr interessant.

Zwischendurch besuchten uns auch Vertreter der argentinischen Botschaft in Berlin und wir konnten sie mit Fragen löchern. Des Weiteren kamen am letzten Tag TAZ- Reporter zu uns und debattierten mit uns über die Frage „Was ist Deutsch?“.

Nun könnte man sich noch fragen, was ich in meiner Freizeit dort so veranstaltet habe… Es gab Volleyballfelder, man konnte baden gehen, Kekse essen, Kaffee trinken, etc…. aber ehrlich gesagt habe ich die meiste Zeit damit verbracht „Werwolf“ mit einigen anderen zu spielen.

Als Fazit kann ich sagen, dass die zehn Tage dort für mich sehr bereichernd waren. Ich habe ganz viele neue Informationen erhalten und sehr, sehr nette Leute kennengelernt. Trotzdem freue ich mich nun noch zweieinhalb Tage zu Hause bei meiner Familie und meinen Freunden zu verbringen.

Die Werwolfcrew

Der Werbellinsee