Neue Denkanstöße

Ob ich will oder nicht, ich falle hier in Mexiko auf und besonders da Monterrey keine touristische Stadt ist, begegnet man mir mit Neugier. Oft entwickeln sich daraus spannende oder lustige Gespräche, die ich nicht missen möchte, kultureller Austausch und soziale Interaktion finden häufig dadurch statt, dass ich eben auffalle.

Manchmal jedoch kommt es zu Situationen, die mir vor Augen führen, wie die Ungleichheit zwischen  Menschen überall auf der Welt, die wir oft zu ignorieren versuchen und die  mir schon beim Vorbereitungsseminar zu veranschaulichen versucht wurde, im realen Leben umgesetzt wird.

Als ich von dem international Network Meeting in Ciudad de México zurück nach Monterrey wollte, geschah etwas am Flughafen, was mich wirklich sehr beschäftigt.

Ich war mal wieder viel zu früh dort angekommen, weil ich Angst hatte, dass der Verkehr mich aufhalten würde, sah dann jedoch, dass eine riesige Schlange, Familien mit Kindern, Paare usw.  an dem Schalter meiner Fluggesellschaft wartete und war froh, dass ich noch so viel Zeit hatte. Ich nahm also Sack und Pack und machte mich auf den Weg, mich hinten anzustellen. Eine freundliche Dame, die Ordnung in das Chaos der Menschenmenge bringen sollte, fragte mich, wohin ich denn fliegen wolle und wahrheitsgemäß antwortete ich „Monterrey“. Sie wies mir das für mich passende Schlangenende zu und ich stiefelte los. Auf halben Weg hörte ich jedoch plötzlich „Please wait a second, Miss!“(wohlgemerkt auf Englisch, die vorherige Konversation hatte natürlich auf Spanisch stattgefunden). Verwirrt drehte ich mich um, und die Dame kam abermals mit einem entschuldigenden Lächeln auf mich zu, sofort ratterte es in meinem Kopf, ich dachte schon, ich hätte mich in der Airline, dem Tag, der Uhrzeit oder sonst irgendetwas geirrt. Stattdessen aber strahlte sie mich an und meinte, dass ich nicht warten müsste, sondern jetzt sofort mein Gepäck aufgeben könne, sie würde die Absperrbänder für mich kurz lösen, sodass ich ohne Probleme an der Schlange vorbei zum Schalter kommen könne. Verwirrt schaute ich sie an und erklärte, dass ich ein ganz normales Flugticket gebucht hatte, und nicht irgendeine Express Variante und dass ein Missverständnis vorliegen müsste. Sie antwortete nur, dass es ihr sehr unangenehm wäre, wenn ich mich hinten an der Schlange anstellen müsste und leitete alles augenblicklich in die Wege. Ich war so perplex, dass ich ihr vorbei an allen Wartenden folgte und erst am Schalter protestieren konnte, als der freundliche Check-in Beamte nach einem kurzen Tuscheln mit der Dame tatsächlich mich als nächstes drannahm, und noch freundlichen Smalltalk mit mir führte.

Ich möchte hiermit niemandem etwas unterstellen, ich habe absolut überhaupt keine Ahnung, wieso es dazu gekommen ist, vielleicht gibt es irgendeinen anderen Grund im Ablauf eines Flughafenbetriebs, der es begründet hat, mich sofort einchecken zu lassen. Ich weiß nur, dass ich mich unglaublich schlecht gefühlt hatte, so bevorzugt behandelt zu werden,  und unglaublich sauer wurde. Hauptsächlich auf mich, weil ich mich so hilflos gefühlt habe, weil ich nicht entsprechend reagiert habe, weil ich nicht wusste, wie ich diese Situation vermeiden kann. Kulturweit hat uns so gut es geht darauf vorbereitet, trotzdem habe ich mich in diesem realen Moment vollkommen überfordert gefühlt.

Ich habe auch zurück in Monterrey lange mit meinen mexikanischen Freunden darüber diskutiert und interessante Bücher zu diesem Thema bekommen, mit denen ich mich in nächster Zeit beschäftigen werde. Unter anderem über die mexikanische Geschichte und über den Einfluss der Eroberer auf die Entwicklung des heutigen Mexikos. Ich hoffe sehr, dass mir das weiterhelfen kann und bin sehr froh darüber, dass ich hier Menschen gefunden habe, mit denen ich mich auch über solche Themen unterhalten kann und die unermüdlich versuchen, mir Mexiko ein wenig näher zu bringen.

Trotzdem ist mir einfach an Hand dieses einschneidenden Erlebnisses klar geworden, wie sehr dieses Land und seine Gesellschaft noch immer ein Rätsel für mich sind und mit wie vielen Dingen ich mich noch mehr auseinandersetzen möchte.

Achso, anbei bemerkt, das Regional Network Meeting war ein unglaubliches Erlebnis und ich könnte nicht glücklicher darüber sein, die Chance gehabt zu haben, diese Erfahrung machen zu dürfen. Die ganzen spannenden Diskussionen mit Menschen aus unterschiedlichsten Ländern und Bereichen, die aller gleichermaßen zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben und auch uns Kulturweit Freiwillige selbstverständlich willkommen geheißen haben und uns auf Augenhöhe begegnet sind, die interessanten Einblicke in die Welt der Diplomatie, die Atmosphäre des gesamten Events und der Raum, der einem zum Diskutieren geboten wurde- mich haben diese 4 „kurzen“ Tage sehr begeistert und sie haben mich sehr weitergebracht. Vielen  Danke an dieser Stelle auch noch einmal an kulturweit, dass sie es neben der ganzen Organisation und Betreuung des FSJs im Ausland auch noch möglich machen, dass wir an solchen Veranstaltungen teilnehmen können und selbstverständlich auch an das Team des Internationalen Diplomatentrainings vom Auswärtigen Amt, dass sie uns so offen empfangen haben und uns mit viel Mühe und Unterstützung zu einem Teil des Programms gemacht haben. Danke für diese einmalige Chance!

 

 

Entschuldigung dafür, dass momentan alle Bilder aus meinem Blog verschwunden sind, ich bin da gerade ein bisschen am Rumdoktern und Experimentieren…

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