Mexiko in Deutschland: 9.447,11 km Entfernung per Luftlinie, unendlich weit weg im Kopf

„Du kannst doch in Mexiko nicht Bus fahren!“

Wie schon im letzten Beitrag erläutert, fahre ich 100x lieber hier Bus, als mich in einen Großteil der europäischen Varianten zu quetschen.

„Wie du gehst abends raus? Da kommst du doch in Schießereien!“

Tatsächlich ist das Nachtleben in Monterrey sehr ausgeprägt und ich für meinen Teil wurde bisher weder erschossen, noch bestohlen, noch vergewaltigt oder entführt.

 „Oaxaca? Veracruz? Wie kannst du da denn hinreisen, schau dir doch mal die Reise- und Sicherheitshinweise an!“

Natürlich leistet zum Beispiel das Auswärtige Amt großartige Arbeit, wenn es darum geht, sich über für einen selbst unbekannte Länder zu informieren. Und natürlich nehme auch ich die dargestellten Informationen und Warnungen ernst. Trotzdem werden diese nicht ohne Grund eher allgemein gehalten: ich bin ich der Meinung, dass es immer sehr darauf ankommt, unter welchen Bedingungen man wo hinreist und man nicht generell ganze Regionen oder Bundesstaaten als „zu gefährlich“ oder „zu kriminell“ abstempeln kann.

„Du magst das Essen dort? Sind die ganze Zeit Tacos nicht langweilig?“

Ich denke, auf diese Frage muss ich nach meinen bisherigen Einträgen tatsächlich nicht mehr eingehen.

„Boa du wirst bestimmt richtig braun da, ist ja die ganze Zeit richtig heiß!“

Jaaaa total. Während ich diesen Blogeintrag schreibe, sitze ich bei 5°C in 3 Decken eingewickelt in meinem Zimmer. Mexiko ist ein sehr diverses Land, und so sind auch die klimatischen Bedingungen. Natürlich laufen die Jahreszeiten hier anders ab, als in Berlin, aber man kann nicht generell davon ausgehen, dass in einem 1.964.000 km² großen Land überall das gleiche Wetter herrscht.

 

Schon bevor ich nach Mexiko gefahren bin, aber auch noch während meiner Zeit hier, sehe ich mich immer wieder mit solchen Kommentaren von Daheimgebliebenen konfrontiert. Manchmal werde ich noch sauer, wenn ich so etwas höre, aber eigentlich kann man niemandem einen Vorwurf machen.

Mir ist nämlich aufgefallen: bevor ich hergekommen bin, ging es mir genauso.

Das Bild, das von Mexiko in Deutschland existiert, maßgeblich durch die Berichterstattung der Medien geprägt, ist ein ganz anders, als das, was sich mir in den vergangenen Monaten gebildet hat.

Natürlich kann ich die Sorge um mich verstehen, man kann auch nicht leugnen, dass es in Mexiko mehr kriminelle Ereignisse gibt, als zum Beispiel in Deutschland. Aber ganz Mexiko über einen Kamm zu scheren, das ist einfach nicht möglich. Wie ich es erlebt habe, kann man schlichteinfach nicht über „Mexiko“ generealisiert urteilen, die Diversitäten im Land sind dafür einfach zu ausgeprägt. So schockt es mich immer wieder, wenn ich höre, dass es Berichte z.B. über einen Amoklauf in Monterrey im Januar oder den Angriff auf einen Nachtclub in Playa del Cármen innerhalb von Stunden auch in die deutschen Medien schaffen. Es gibt detaillierte Artikel, die von Bedrohung und Angst handeln.

Sonst findet Mexiko, wie ich es erlebt habe, kaum Erwähnung.

Selbstverständlich ist es notwendig, dass über solche Ereignisse berichtet wird, auch weltweit. Trotzdem wird das Bild Mexikos durch die Art und Weise der Berichterstattung subtil geprägt, sodass man automatisch die Denkweise übernimmt: Oh Mexiko, Drogenbosse und Kriminalität.

Was man vollkommen vergisst, sind all die schönen Seiten des Landes, die schönen Erlebnisse, die man hier haben kann.

Gerade auch deshalb bin ich kulturweit dankbar, dass es mir möglich gemacht wurde , aus dieser Denkweise auszubrechen und mir selbst einen, wenn auch nur  winzigen, Einblick zu verschaffen.

Ein Gedanke zu „Mexiko in Deutschland: 9.447,11 km Entfernung per Luftlinie, unendlich weit weg im Kopf

  1. Profilbild von Margareta MaierMargareta Maier

    Super Artikel! Wie du auch geschrieben hast „bevor ich hierher gekommen bin, ging es mir genauso“. Ich finde es auch echt spannend, wenn man merkt „wow, das überrascht mich jetzt“ oder „davon hatte ich aus Deutschland ein ganz anderes Bild mitgenommen“. Da spürt man einfach, dass man selber schnell vorgegebene Tatsachen akzeptiert und Länder abstempelt.

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