Should I stay or schould I go

Oft fühle ich mich wie ein kleines Kind am Kiosk, das mit großen Augen auf die fantastische Auswahl an Süßigkeiten starrt.

Ein Bonbon sieht leckerer aus als das andere.

Manche sind sogar in lustigen Tierformen.

Zum Glück kann ich die mit Lakritz und die mit Marzipan sofort ausschließen.

Doch die Auswahl ist immer noch viel zu groß.

Soll ich lieber die roten oder doch lieber die grünen kaufen?“

Hinzukommt, dass ich heute die Klamotten meiner Eltern angezogen habe.

Selbstverständlich habe ich in meinem Schrank auch Kleidung in meiner Größe, aber ich würde doch so gerne erwachsen sein.

Mama und Papa schaffen immer alles so toll. Sie denken immer an alles Wichtige, kennen den Weg und ihr Zimmer ist nie unaufgeräumt.

Ich will das auch.

Ich hatte gehofft, ihre Klamotten anzuziehen würde mich in sie verwandeln. Doch es bringt überhaupt nichts. Eher behindere ich mich selbst.

Die Ärmel hängen immer über meine Hände, sodass alles, was ich anfasse nie meine Haut berührt. Es ist immer etwas dazwischen. Es ist zwar nur ein dünner Stoff, aber er lässt mich nicht so richtig an die Sachen heran. Vor allem, wenn ich etwas hochheben will, weil es mir gefällt und ich es gerne behalten würde, sind mir die viel zu langen Ärmel im Weg.

Schlimmer sind aber die viel zu hohen und einfach zu großen Schuhe von Mama.

Ich kann nicht grade stehen. Ich wackele die ganze Zeit und kann mich auf nichts anderes mehr konzentrieren.

Jeder kleinste Schubs kippt mich aus den Schuhen.

An Vorwärts gehen ist gar nicht zu denken.

Als ich sie anzog dachte ich, dass es schon irgendwie gehen würde.

Konnte es nicht erwarten, mich in ihnen zu zeigen.

Selbstbewusst schritt ich aus der Haustür.

Schaut liebe Leute, schaut auf meine schönen, großen Schuhe!

Doch schon nach wenigen Schritten traf mich pure Ernüchterung. Mir wurde bewusst, dass es eine blöde Idee war.

Aber ich wollte es mir nicht eingestehen.

Wollte, dass alle denken, dass ich reinpasse.

Wollte es mir selber glauben.

Jetzt steh ich hier im kleinen Laden und fühle mich noch kleiner.

Würde am liebsten alle Bonbons kaufen. Alle ausprobieren.

Was würden die Erwachsenen jetzt tun?

Ich habe Angst, dass wenn ich die grünen nehme, diese mir nicht schmecken, und mein Taschengeld würde nicht auch für die roten reichen, die bestimmt viel leckerer gewesen wären.

Angst, genau wie bei meiner Kleiderwahl, die falsche Entscheidung zu treffen.

Doch was genau sind falsche Entscheidungen?

Jeder kennt die kleinen Zweifel: „Hätte ich mich doch vielleicht anders entscheiden sollen?“

Aber hier stellt sich die Frage, ob man nicht die gleichen Bedenken hätte, wenn man sich eben anders entschieden hätte.

Nehmen wir mal an es gäbe weder gegen die roten noch gegen die grünen Bonbons etwas auszusetzen. Jetzt kauft man die einen und allein der Gedanke, die anderen könnten besser schmecken, verdirbt einem den Genuss derer, die man hat.

Man denkt, man hätte eine falsche Entscheidung getroffen aber ist das dann nicht eher ein falsches Denken? Warum nicht die genießen, die man hat und das nächste Mal kann man dann die anderen genießen.

Das was im schlimmsten Fall passieren kann ist, dass beide Scheiße schmecken. Aber dann weiß man, dass man diese eben nicht mehr kaufen sollte.

So kann es auch sein, dass man sich bei der einen oder anderen Entscheidung einen blauen Fleck oder eine tiefe Schnittwunde holt (manchmal verliert man sogar den Kopf), aber nehmen wir jetzt an, ich hätte die viel zu großen Klamotten nie angezogen, wäre damit nie auf die Straße gegangen, wäre mit den großen Schuhen nicht auf die Klappe gefallen, hätte nicht gemerkt, dass ich durch die langen Ärmel keine Details mehr erfühlen kann.

Stellen wir uns vor, ich hätte mich nie aus meinen gewohnten Kleidern heraus getraut.

Ich hätte ein Erlebnis versäumt, dass mich zum Nachdenken angeregt hätte.

Und ich werde immer wieder mit der Situation konfrontiert sein, dass ich mir zu große Kleider anziehe, und ich werde mich jedes Mal klein und unbeholfen fühlen, obwohl ich vielleicht das Gegenteil bewirken wollte.

Und wer weiß, vielleicht passe ich auch eines Tages perfekt in genau die Klamotten, die mir zuvor noch zu groß waren.

Das soll nicht heißen, dass man blind durch das Leben gehen, durchgängig Sachen machen soll, die für einen zu gigantisch sind, und darauf hoffen soll, dass es irgendwann passt. Viele Entscheidungen müssen gut überlegt sein, und es ist auch vollkommen in Ordnung, mal den einfachen Weg zu gehen. Doch egal wie man wählt: Man muss darüber reflektieren, um daraus zu lernen.

Wichtig ist auch, dass man sich entscheidet und an der Gabelung nicht elendig verdurstet.

Kein Bonbon ist auch keine Lösung.

Entscheide dich jetzt.

Ein Gedanke zu “Should I stay or schould I go

  1. Muy bien hijita, creo que escribes muy bien y tu criterio resulta sereno y maduro. Seguro que más adelante veremos algunos „fuegos artificiales“. Besos.

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