viele Punkte und ein Komma

Ich bin schon lange angekommen. Die dunkle Jahreszeit ist lange vorbei. Während das bedeutet, dass die Stadt immer mehr wieder zu der wird, die sie war, als wir das erste Mal herkamen – voller Springbrunnen, Menschen vor den Restaurants, Eisdielen und Musik – heißt das auch, dass mein Freiwilligendienst ebenfalls fast vorbei ist. Es ist nicht mehr so ein atemloses Auf-und-Ab wie am Anfang, um ehrlich zu sein geht es weder auf noch ab und atemlos ist es auch nicht. Das soll jetzt auf gar keinen Fall negativ klingen – nein, ich glaube, ich bin nun da, wo hinter meinen Sätzen eher ein Punkt steht als ein Fragezeichen und gelegentlich sogar ein Ausrufezeichen.


Es fällt mir schwer, zu glauben, dass der Großteil meiner Zeit in Ungarn nun schon um ist. Nach meinem Gefühl könnte es ewig so weitergehen wie in den letzten Wochen – von Bar zu Picknick zu Park zu Eisdiele zu See, von Nagykálló nach Nyíregyháza nach Budapest nach Pécs nach Miskolc. Ja, die dunkle Jahreszeit ist schon lange vorbei, und auch, wenn ich müde bin, bedeutet das doch, dass ich mehr Energie habe. Denn, verdammt, es bleibt mir nur noch ein Monat hier und ich habe es weder nach Szeged geschafft noch nach Győr, war nicht im Höhlenbad und auch nicht im Schönfrauental – was soll mir das jetzt sagen? Ich setze an dieser Stelle mal ein Komma, denn wer weiß schon, was in der nächsten Zeit noch passiert? Wenn ich eines gelernt habe hier in Ungarn, dann, dass die wenigsten Dinge nach Vorstellung oder Plan laufen. Und das ist gut so.

Vielleicht bin ich auch so voller Energie und Motivation, etwas zu unternehmen, weil mich dieses Sommerferiengefühl seit ca. drei Wochen nicht loszulassen scheint. Es ist nicht nur das (für mich als Norddeutsche) Übermaß an Sonnenschein und die Temperaturen, von denen ich es nicht gewöhnt bin, dass sie in diese Regionen klettern (und dann auch noch im April!)*. Nein, es sind auch die Aktivitäten, die mit der Sonne aus den dunklen Ecken kriechen. Hier ein Geburtstag, da eine weitere Runde Jugend debattiert, wusstest du, dass man im Teehaus draußen sitzen kann und lass uns mal den Kuchen mit in die Stadt nehmen, den kann man auch im Park essen (ich weiß nicht, ob ihr es mitbekommen habt, aber ich verbringe sehr viel Zeit in Parks).

Ich schreibe diesen Post in einem Flixbus**. Kaum überraschend, wenn man bedenkt, dass ich einen Großteil meines FSJ in Zügen und Bussen verbracht habe, gehörten sie jetzt zum ungarischen MÁV, dem Szabolcser Nahverkehr, ÖBB oder eben Flixbus. (An dieser Stelle will ich kurz meine Stimme nutzen, um mich für ein Vielfahrerpunktesystem bei Flixbus starkzumachen. Falls einer meiner Leser*innen Einfluss in diesem Unternehmen hat: bitte, so etwas ist lange überfällig!)

Das war’s eigentlich auch schon von mir. Zum Abschluss noch ein paar Notizen, die sich im Laufe der Zeit so auf meinem Handy gesammelt haben, und dann ist meine Meldung auch schon vorüber.

Nicht alle Busfahrer und Fahrkartenkontrolleure sind schlechte Menschen. Manche sind:

  • sehr interessiert an meinem ausländischen „Schüler“ausweis (oder: nicht besonders legitimierten Freiwilligenausweis *hust*)
  • beeindruckt/erstaunt, wenn ich mich in meinem (zugegebenermaßen gebrochenen) Ungarisch mit ihnen unterhalte

Meine Ungarischkenntnisse dagegen sind:

  • immer noch peinlich unausgebaut, ABER
  • deutlich besser als am Anfang

Ich werde versuchen, in den kommenden Wochen noch ein oder zwei Posts rauszuhauen, bevor auch in Ungarn die Sommerferien anfangen und es für mich aufgeht Richtung Rumänien. Aber selbst dieser Aufbruch soll kein Punkt hinter meiner Zeit in Nagykálló sein, nein, wie mein Titel schon sagt: da soll ein Komma stehen. Dieser Blog ist noch nicht beendet, genauso wie mein FSJ nicht beendet ist, und auch Nagykálló werde ich nicht das letzte Mal gesehen haben. Bis dahin: macht’s gut.

 

*Update: Inzwischen hat es sich etwas abgekühlt und in den letzten Tagen wurden wir von ein paar Wolkenbrüchen überrascht, die Schleswig-Holstein alle Ehre gemacht hätten.

**Dieser Post ist auf keinster Weise gesponsert, weder von Flixbus noch einem der anderen genannten Unternehmen. Ich wünschte aber, er wäre es.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.