Ungarisch lernen. Ungarisch lernen?!

Liebes Ungarischbuch,

Als du in mein Leben kamst, an einem verregneten Nachmittag Ende Juni, da nahm ich leider nicht die Zeit, dich so zu würdigen, wie du es verdient gehabt hättest. Nein, ich stolperte direkt in mein Bett, denn leider war es der Tag des Abistreiches und ich war *ein bisschen* müde. Auf diesen holprigen Anfang folgten ein paar Wochen, in denen wir uns kaum sahen, und wenn, dann war mein Lachen bald eher einem Schluchzen nah. Die Schuldgefühle, die mich hin und wieder heimsuchten, hielten sich jedoch in Grenzen, denn auf dem Seminar merkte ich, dass ich nicht die einzige mit einem Wortschatz war, der sich auf hallo, danke, eins beschränkte.

Du halfst mir durch meine ersten Wochen in Ungarn – zugegebenermaßen schimpfte ich bei unseren Begegnungen mehr als dass ich lernte, aber das soll sich nun ändern.
Ich denke, ich bin dir eine Entschuldigung schuldig.

Entschuldigung, dass ich dich als nutzlos und kompliziert bezeichnete, dass ich sagte, deine Struktur wäre meiner Lernart nicht angemessen.

Entschuldigung, dass ich dich durch ein anderes Ungarischbuch austauschte und vier Monate nicht ansah.
(Wobei dieses andere Ungarischbuch und meine Stunden mit ihm den Grundstein für unseren Neuanfang legten.)

Als ich dich heute morgen aus dem Regal nahm, auf dem du dein Dasein fristetest, dich aufschlug, meine gekritzelten Notizen sah und mich daran erinnerte, wie ich dich zum ersten Mal aufschlug, da musste ich schmunzeln. Ja, ich habe es nicht mal bis Lektion zwei geschafft, ich habe dich verflucht und mich über Ungarisch geärgert (warum musste ich in einem Land landen, dessen Sprache mich so wenig begeistert, deren Wörter so unbekannt und unaussprechbar klingen?), aber liebes Ungarischbuch, so viel hat sich geändert seitdem! Ich bin überzeugt, wenn wir es jetzt noch mal versuchten, meine Motivation wäre da, ich würde nicht so viel schimpfen, deutlich mehr verstehen, mich mit Leidenschaft in die Abgründe der ungarischen Grammatik stürzen können. Denn – ich sagte es bereits – so viel hat sich geändert in den letzten fünf Monaten. Ich kann nicht mehr sagen, dass mich Ungarisch kaum begeistert, und vielleicht ist das der Moment, in dem wir uns aussprechen und unsere Differenzen überwinden sollten.

Bitte, liebes Ungarischbuch, willst du mir noch eine Chance geben? Ich würde mich freuen, wenn wir gemeinsam die Hürden bis zum A2-Diplom überwinden könnten.

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5 Kommentare zu Ungarisch lernen. Ungarisch lernen?!

  1. Anton sagt:

    Wirklich gut geschrieben, sehr unterhaltsam.

  2. GerdV. sagt:

    Daniel – Glückwunsch!
    Einer der wichtigsten russischen Alltagsbegriffe original in kyrillischen Buchstaben. …😂
    Karen – wieder ein unterhaltsamer und aufschlussreicher Beitrag!

  3. Daniel Krüger sagt:

    привет!
    Unterhältst du dich häufiger so ausfürlich mit irgendwelchen Gegenständen, ist irgendwie ein bisschen weird oder?
    Naja ich geh jetzt erst mal raus und unterhalte mich mit meinem Auto, evtl. macht das ja doch mehr Spaß als ich mir grade Vorstellen kann.

    • Karen sagt:

      solltest du mal ausprobieren, kann durchaus euer Verhältnis verbessern und evtll. negative Energien eliminieren! Grüß den Wagen von mir.

    • Daniel Krüger sagt:

      Hab ich gemacht, fuhr sich heute auch richtig gut.
      Bin heute mal die gute alte B77 nach Schuby(Schleswig) gefahren.
      Warum hab ich hier eigentlich ein Profilbild? Ich hab nie eins angelegt.
      Das Bild, welches ich hier hab, hatte ich vor 6 Jahren mal in einem Computerspiel aber ich versteh da nicht den Zusammenhang, woher die das haben.

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