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Life, im Seifenoper Bus!

Wir setzten uns endlich in den Bus der uns zurück nach Serbien bringen sollte und wer hätte gedacht, dass man genau in diesem Bus Zeuge einer realen „Seifenoper“ wird. Zu Beginn schien alles wie üblich. Alle setzten sich hin, stöpselten sich die Ohren zu oder schliefen ein. Neben mir saß Olivera, hinter mir der liebe Israeli Abraham und links von mir eine ältere Dame mit einem sehr gepflegten und akkuratem Äußeren, die eine Sonnenbrille trug. Bis zur Grenze verlief alles glatt. Passkontrolle, Stempel wieder reinsetzten. Alles super. Unser Busfahrer wollte gerade durch die letzte Schranke fahren, als sich einer der Grenzpolizisten vor den Bus stellte und einstieg. Nach kurzem Gespräch wurde klar, dass er nach der Arbeit nur bis zum nächsten Dorf nach Hause gebracht werden wollte, aber irgendwas erschien mir komisch. Nach einer Stunde machten wir eine kurze Pause. Die gepflegte „Lady“ stellte sich draußen vor den Bus und der Polizist gesellte sich dazu, immer noch soweit so gut. Alles erschien idyllisch. Nach dem Vertreten der Beine kamen wir wieder in den Bus. Ein starker Geruch nach Wein und Alkohol stieg mir in die Nase und verstand zuerst nicht woher der kam. Der liebe Grenzpolizist war nun vollkommen auf die stolze Dame fixiert. Und obwohl ich nicht alles Verstand, war zu Hundertprozent klar das er mit ihr Flirtete und das war wie folgt: „Du bist eine der hübschesten Frauen die ich je gesehen habe, siehst fantastisch aus“ Sie lächelte nur kokett. Er lehnte sich etwas vor um ihr Näher zu kommen und etwas zu erzählen, dabei taumelte er nur leicht hin und her. Erst jetzt begriff ich, das der liebe Grenzpolizist Sturz betrunken war.

Hoppla! Wenn ich ehrlich bin dachte ich immer, dass das nur in russischen Seifenopern gezeigt wird… Nach 10 Minuten „Ljubim te“ (Ich liebe dich) packte er eine Champagnerflasche aus und überreichte sie ihr. Sie versuchte ihn mit Samtweicherstimme zu beruhigen und abzulehnen, doch er behaarte. Sie musste dankend annehmen. Er legte ihr immer wieder die Hand aufs Knie oder nahm ihre Hand. Die „Lady“ lächelte immer noch über die vielen Komplimente zurückhaltend, aber irgendwie hatte ich das Gefühl dass sie damit umzugehen wusste. Nach weiteren 20 Minuten Liebesbeweisen, erklärte der Polizist dem Busfahrer dass er jetzt auf eine Landstraße abbiegen sollte. Dieser erschien leicht genervt, aber folgte dem „befehl“. Der Grenzpolizist stand auf und küsste die Wange der Dame, danach etwas länger ihre Hand, schaute sie dann an und sagte: „ Mein Haus ist hier, magst du nicht bei mir bleiben?“ „Nein mein lieber, ich muss weiter.“ Wir kamen an. „Ruf mich an, versprichst du es mir?“, fragte er etwas schleppend. Sie nickte leicht. Er musste aussteigen, er kam nur bis zum Türrahmen, dann drehte er sich um und stand gefühlte 5 Minuten da und schaute ihr tief in die Augen. Wiederholte immer wieder: „Ruf mich an.“ Ich und Olivera mussten kichern, er sah ein klein wenig aus wie ein etwas verlorener Pudel und so hoffnungsvoll. Der Busfahrer seufzte laut. Die „Lady“ erklärte ihm: „Ich ruf dich an, du musst jetzt aussteigen.“ „Versprichst du es? Du kannst doch auch bleiben?“ Sie: „Nein, ich kann nicht“ Er:“Ich liebe dich.“ Danach stieg er eine weitere Stufe herunter und drehte sich nochmal um. Es war wirklich ein allgemeines Seufzen im Bus zu hören. Ich und Olivera versuchten die Kicher Anfälle unter Husten zu verbergen. Die Situation war irgendwie Urkomisch. Der Polizist stand etwas zusammengesunken und schwankend da, man hätte fast Mitleid mit ihm gehabt. „Molim te (Bitte dich)“ Sie schüttelte liebevoll den Kopf. Er stieg aus. Der Busfahrer schloss aufatmend die Tür und drückte aufs Gaspedal. Ich sah noch wie der Grenzpolizist dem Bus treu hinterher sah, dann waren wir schon in der nächsten Straße abgebogen. Das erste was die „Lady“ machte, sie verschenkte die Flasche an die Person hinter ihr und zerknüllte die Telefon Nummer. Dann lehnte sie sich entspannt zurück. Das nenne ich mal mit Stil…

Warum erzähle ich euch das. Nun ja, nicht um die Grenzpolizei oder die Menschen hier schlecht zu reden, keinesfalls. Ich wollte nur Folgendes erwähnen, so absurd, abstrakt und vielleicht taktlos dieses Vorkommnis erscheinen mag, so liebevoll, sensibel und feinfühlig und menschlich erscheint mir Serbien von Tag zu Tag. Ja der Polizist war betrunken, aber er machte der Frau ohne Wenn und Aber Komplimente, sagte ihr in einem etwas zu ehrlichen Zustand alles war er dachte und hetzte sich ihr nicht auf. Sie antwortete ihm nur mit kleinen Gesten  und er Verstand trotz allem wo die Grenze war. Eine ähnliche Erfahrung hatte ich auch in serbischen Clubs gemacht. Wenn an dir ein Mann vorbei will, schiebt er dich leicht an der Schulter weg oder tippt dich an. Im bulgarischen oder deutschen dagegen wird man eher angerempelt oder angetatscht. Ich beschönige es nicht, das ist bisher nur meine Erfahrung. Wenn dich jemand sympathisch findet oder umgekehrt, kommst du einfach ins Gespräch und wenn man eine Grenze zieht wird sie akzeptiert und nicht überschritten. Man Versteht ebenfalls woran man ist. Mir erschien das in Deutschland immer viel zu kompliziert. Ein ständiges Versteck Spiel, wer wenn gut findet. Womit ich hier überhaupt nicht gerechnet hatte war das Beziehungen zwischen Mann und Frau ziemlich offen demonstriert werden… Und das Verständnis untereinander erscheint irgendwie viel leichter als es häufig im Balkan vermutet wird…

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