Ein Bisschen Klassik

Über ein halbes Jahr durfte ich im Orchester der Universidad Central Bogotá als Gast mitspielen. Das hieß: mit dem Cello quer durch Bogotá bis ins Zentrum, zweimal in der Woche 3 Stunden Probe, neue und bereits bekannte Orchestermusik, ein Konzert alle zwei Monate, aber vor Allem neue Kontakte zu 60 Musikstudent*innen, die sich mit der Zeit izu guten Freundschaften weiterentwickelten. Jede Woche wieder im schönsten Konzertsaal, in dem ich bisher auf regelmässiger Basis proben durfte. Teppichbedeckt, moderne Architektur, weiträumig, sehr gute Akustik. Besonders mit den 4 anderen Cellistinnen verstand ich mich von Anfang an bestens. Umso mehr Spaß machte es, Stücke wie Beethovens erste Sinfonie, Tchaikovskys Slawischen Tanz oder Mozarts Zauberflötenovertüre zu spielen, aber auch Tolú, im Ursprung bekannt durch den kolumbianischen Cumbiakomponisten und -interpreten Lucho Bermúdez und später für sinfonisches Orchester adaptiert.

Es ist kurz vor den Semesterferien und das Orchesterjahr endet mit zwei Highlights. Zum Einen verleiht die Universidad Central einen Ehrendoktor an Humberto de la Calle- einen kolumbianischen Anwalt und Politiker, der Verhandlungsführer auf Seiten der Regierung bei den Friedengesprächen mit der FARC in Havanna war. Wir dürfen die Zeremonie musikalisch mit Händel umrahmen.

Zum anderen findet die erste große interuniversitäte Chor- und Orchesterbegegnung statt. Für uns bedeutet dass, zusammen mit dem Orchester der Universidad Distrital in einem der bedeutendsten Säle Bogotás ein Konzert geben zu dürfen: im Auditorium „Leon de Greiff“ der Universidad Nacional. Erst spielt das eine Orchester, dann das andere und am Ende vereinen wir uns, um Tchaikovsky und Bermúdez mit noch grösserer Klangfülle zu spielen.

Am Sonntag folgt dann das grosse Abschlusskonzert des Treffens. Dazu waren alle Musiker*innen der teilnehmenden Orchester eingeladen, mit den Student*innen der Universidad Nacional mitzuspielen. Die Nacho, wie die Uni kurz genannt wird, ist national in vielen Fachbereichen führend. Auch die Musikfakultät ist die beste des Landes, was man am Niveau der einzelnen Student*innen und auch am Gesamtorchesterklang klar merkt. Eine Ehre also, für ein Konzert einmal mit diesem Orchester spielen zu dürfen.

Auf dem Programm stehem die Estancia-Suite von Ginastera und Beethovens Chorfantasie. Wir spielen das Konzert vor ausverkauftem Saal. Der Klaviersolist, durch einen interuniversitären Wettbewerb ausgewählt, spielt makellos und wunderbar musikalisch. Die Gesangssolisten leiten mit Ausdrucksstärke hin zum majestätischen Finale, das besonders durch den Einsatz des Chores an unglaublicher Grösse gewinnt. Ich sitze mit Gänsehaut auf der Bühne, tausche ein zufriedenes Lächeln mit meinem lieben Pultnachbarn aus und bin gleichzeitig ein Bisschen traurig, dass dies mein letztes Konzert in Kolumbien sein wird.

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