Auf der Zielgerade

Auf der Zielgerade

Liebe Leser*innen,

vergleiche ich mein Jahr mit kulturweit in Windhoek/Namibia mit einem 400m-Lauf bin ich seit dem 01. Juni auf den letzten hundert Metern, der Zielgerade. Doch werden die Beine beim 400-Meterlauf schwerer und schwerer und der Körper will und kann eigentlich nicht mehr, läuft es auf meiner Zielgeraden richtig gut und ich kann die letzen Meter des Weges genießen! Auf der Südhalbkugel ist es nun Winter, die tage sind kürzer und die Temperaturen sind niedriger. Zwar hat es über den Tag eigentlich immer über 20 Grad und die Sonne scheint. Doch ab 18 Uhr, wenn die Sonne untergegangen ist, kann es doch empfindlich kalt werden (bis hin zum Gefrierpunkt) und das bin ich nach über einem Jahr Sommer nicht mehr gewohnt.

Gleichfall stehen aber die Vorbereitungen für die Zeit nach meiner Ziellinienüberquerung an: Studien- und Stipendienbewerbungen müssen geschrieben und abgesendet werden. Ich bin bereits mit meinem Nachfolger, der schon feststeht, in Kontakt und helfe ihm bei Visum und Wohnungssuche. Ebenso werden die Veranstaltungen im Goethe-Institut nach meiner Zeit hier, also ab dem 22. August, geplant und organisiert.

Jetzt habe ich mich hier knapp zwei Monate gemeldet. Viel ist passiert, Zeit euch aufs Laufende zu bringen:

Das ganze Start-Up!-Team – 16.04.2018

Als ich meinen letzten eintrag schrieb, war ich beim zweiten Start-Up!-Workshop bei Windhoek. Am letzten Tag fand das Pitching statt, bei dem die Gruppen ihre Geschäftsideen vor einer Expertenjury in jeweils zwei Minuten vorstellten. Alle Teilnehmer machten das wirklich gut und überzeugten die Jury. Nachdem es aber ja ein Siegerteam kürte die Jury das Team „Monitoring Drones to make Namibian Roads Safer“ von der Martin-Luther-High-School zum Sieger.

Das Start-Up!-Gewinnerteam – 16.04.2018

Der Preis für die drei Nachwuchsgründer ist ein zweiwöchiger Workshop in Berlin im August, in dem sie mit den Gewinnern der anderen afrikanischen Ländern die deutsche Start-Up-Szene kennenlernen werden. Hier der Radiobeitrag zu Start-Up! von meiner kulturweit-Mitfreiwilligen Luisa, die beim NBC-Funkhaus arbeitet.

Im Köcherbaumwald bei Keetmanshoop – 21.04.2018

Eine Woche später ging ich mit meinem Onkel, der bereits eine einwöchige Rundreise durch Namibia hinter sich hatte, auf einen roadtrip in den Süden Namibias. Unser erstes Ziel war Lüderitz, ein kleines Hafenstädtchen, das ein relativ abgeschiedenes Dasein fristet. In Lüderitz begann Ende des 19. Jahrhunderts die deutsche Kolonialherrschaft in Namibia, damals Deutsch-Südwestafrika, als im Auftrag des deutschen Kaufmanns Adolph Lüderitz den dort ansässigen Nama Land in einer betrügerischen Art abgekauft wurde, weil man dort Rohstoffe vermutete. Heute wirkt Lüderitz vor allem an Wochenenden wie ein fast ausgestorbenes Nest, in dem sich immer noch alte deutsche Kolonialarchitektur befindet. Hauptsächlich dort betrieben werden neben dem Tourismus Fischerei und Austernzucht.

Nachdem man in Lüderitz Anfangs doch keine Rohstoffe fand, begann zu Beginn der 20. Jahrhunderts ein wahrer Diamantenrausch im heutigen Diamantensperrgebiet. Von diesem Rausch zeugen heute noch einige verlassene Geisterstädte wie Kolmanskop, knapp 10km von Lüderitz entfernt, welche wir am nächsten Morgen besichtigten. In dieser noch gut erhaltenen Stadt mitten in den Dünen kann man die alten Gebäude noch besichtigen, teilwiese mit Originalausstattung und findet sogar eine vollständig eingerichtete Turnhalle und eine Kegelbahn.

Danach ging es an den wilden Pferden von Klein-Aus, Nachfahren der Kavalleriepferde aus dem ersten Weltkrieg, vorbei nach Bethanien und dann zum Duwisib-Castle, einem Schloss, dass sich ein deutscher Soldat in die namibische Landschaft stellte. Nach knapp 2000 Kilometern und vier Tagen erreichten wir schließlich wieder Windhoek, wo sich mein Onkel dann wieder nach Deutschland verabschiedete.

Duwisib Castle – 23.04.2018

Am folgenden Samstag betätigte ich mich einmal wieder sportlich und nahm mit einer Kollegin am Color-Run in Windhoek teil.

Petty und ich beim Colour-Run – 28.04.2018

Während man läuft, wird man mit Farben beworfen und erreicht dann das Ziel mit total bunten Kleidung. Eine ganz lustige Erfahrung! Im Mai standen einige Feiertage an. Daher war der Mai wirklich sehr entspannt. Allerdings hatte ich schon einen Großteil meines Urlaubes abgeleistet und verplant, was bedeutete, dass ich die Möglichkeiten eines langen Wochenendes nicht wahrnehmen konnte, aber gut:) Anfang Mai stand NUTS wieder auf dem Programm. Diesmal mit dem Ongoma Drum Cafe Namibia, eine Drumkombo, die sonst auch Trommelkurse jeden Mittwoch in Joe’s Beerhouse geben. Ein weiteres schönes Konzert in der Goethe-Konzertreihe.

Flug nach Deutschland – 19.05.2018

Alllerdings stand Ende Mai eine ganz besondere Überraschung an: Ich flog nach Deutschland und überraschte meine Freunde und Familie, die nichts ahnten. Zehn Tage lang genoss ich den deutschen Frühsommer, sah meine Familie, meine Freunde und traf mich sogar mit anderen ehemaligen kulturweit-Freiwilligen und Praktikanten, die ich in Windhoek kennenlernte. Dennoch gingen die zehn Tage sehr schnell rum, vielleicht auch meinem vollen Kalender geschuldet und flog dann wieder nach Windhoek, wo mich der namibische Winter wieder erwartete. Das Gefühl am Flughafen vor dem Rückflug war zwar, dass ich mein Zuhause wieder verlasse, aber dass ich in meinem zweiten Zuhause, The Land of the Brave, ankomme. Jetzt nach fast zehn Monaten in Namibia ist dieses Gefühl von Zuhause bei mir schon so präsent und eingebrannt, dass ich mich jedes Mal freue, wenn ich aus dem Ausland zurückkomme oder innerhalb Namibias nach Windhoek zurückkomme. Namibia ist für mich in einer gewissen Weise auch ein Zuhause geworden. Es wird mir uf jeden Fall schwer fallen, das alles im August zurückzulassen. Der Aufenthalt in Deutschland hat mir aber auch gezeigt, dass ich mich wieder auf Deutschland freue.

Wieder angekommen in Namibia begann der Juni. Bereits drei Viertel des Freiwilligendiensts sind vorbei. Zu diesem Zeitpunkt hatten die kulturweit-Freiwilligen, die im März ausgereist waren, Zwischenseminar in Windhoek, wodurch ich dann die Freiwilligen aus Ghana, Senegal, Kamerun und Lesotho kennenlernen konnte. Freitagabends war es wieder Zeit für NUTS  mit Paradox, was wir alle gemeinsam besuchten. Samstags ging es dann zusammen auf den Biomarkt und Nachmittags dann zum Rugbypiel. Am Sonntag flogen die anderen dann wieder in ihre Einsatzländer.

In der folgenden Woche ging ich seit Februar das erste Mal wieder in die Schule, nachdem dort nur Ferien und Examen stattfanden. Ich übernahm die Klassen allerdings direkt alleine, da die Deutschlehrerin auf einem Seminar in München war. Es war schön, wieder einmal in der Schule zu sein und Unterricht zu machen, gerade weil man sich mit vielen Schülern sehr gut versteht.

Am folgenden Sonntag ging es nach Swakopmund, der Tag der deutschen Sprache an der Privatschule Swakopmund (PSS) stand an. Ich reiste bereits anfangs der Woche an, um die Schule bei ihren Vorbereitungen zu unterstützen und spielte mit einer Kollegin an vier Schulen in drei Tagen das Autobahnspiel, bei dem die Schüler Deutschland und die deutsche Sprache spielerisch kennenlernen. Im Laufe der Woche kam der Rest des Goethe-Teams, sodass wir am Freitag den Tag der deutschen Sprache feiern konnten. Die PSS wurde an diesem Tag in einem Festakt zur neuesten PASCH-Schule in Namibia gekürt. Gleichzeitig wurden Aktivitäten, Aufführungen und leckeres Essen angeboten. Ich war an diesem Tag für eine Ausstellung über deutschsprachige Musik und Karaoke verantwortlich, was sehr gut lief:) Auch hier findet ihr einen Radiobeitrag meiner Mitfreiwilligen Luisa von NBC Funkhaus Namibia über diesen Tag.

Den Samstag verbrachten wir dann noch entspannt in Swakopmund an der Küste und gingen am Strand spazieren, bevor es am Sonntag wieder nach Windhoek zurückging.

In Windhoek fand direkt die nächste Veranstaltung statt: WM-Public-Viewing im Goethe-Institut, allerdings an diesem Tag mit schlechtem Ausgang für das deutsche Team. Die nächste Woche stand dann ganz im Zeichen der Fußball-WM, wir erstellten ein Fußball-Quiz für die DaF-Schüler in Windhoek, mit dem sie einen Essens- und Getränkegutschein für ein Public-Vieweing am Goethe-Institut gewinnen können. Gleichzeitig war ich aber auch wieder in der Schule, diesmal als Unterstützung der Lehrerin. Samstag war wieder Fuball angesagt. Und diesmal gewannen die Deutschen wenigstens, auch wenn ich nach dem Spiel ein nervliches Wrack war. Sonntag machten wir einen schönen Braai alle zusammen und jetzt bin ich hier und schreibe meinen Blogeintrag.

Auf geht’s Deutschland! – 17.06.2018

Meine 400-Meter Bestzeit liegt knapp über 55 Sekunden. Zwar ist das Jahr hier deutlich länger, doch fühlt es sich trotzdem so an, als ob die Zeit fliegt. Es ist unglaublich, dass ich in zwei Monaten schon beim Nachbereitungsseminar sitzen werde. Aber gut, so ist es eben. Auf jeden Fall werde ich diese letzte Zeit genießen. Es wird noch nach Johannesburg und zu den Victoriafällen gehen, worauf ich mich sehr freue!

In diesem Sinne auf wunderschöne zwei letzte Monate und liebe Grüße nach Deutschland, wo ich hoffe, dass ihr ein wenig Sommer abbekommt!

Liebe Grüße und bis bald!

Jonathan

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