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Pferdestärken

Vor genau vier Wochen kam ich in Ulaanbaatar an. Meinen Plan, jede Woche einen Blogeintrag zu verfassen, habe ich  leider nicht umgesetzt, sodass ich einiges nachzuholen hab. Weil es bisher eines der schönsten Wochenenden in der Mongolei war und auch chronologisch auf meinen letzten Eintrag folgt, möchte ich mit meinem zweiten Nationalparkausflug starten.

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Am Freitagabend waren wir, die Kulturweit-Freiwilligen, über verschiedene Bekannte auf einer kleinen Staying-Party eingeladen. Eigentlich sollte es eine Abschiedsparty werden, da die Veranstalterin unerwartet aber doch eine Verlängerung ihres Visums bekommen hatte, wurde die Party umfunktioniert – auch ich sollte in den kommenden Tagen noch lernen, wie kompliziert die Visumsbeschaffung ist und wie dann irgendwie doch alles klappt. Am Abend selbst hatten wir eigentlich eine Studenten-/WG-Party erwartet, stattdessen wurden Häppchen gereicht und das Altersspektrum reichte bis in den 60er-Bereich. Die Party löste sich auch relativ früh auf, sodass ich mit meinem Mitbewohner und zwei Freunden noch in einen nachgelegenen Club weiterzog. Der Tempelclub erinnert, wie der Name schon deutlich macht, an einen Tempel und es wird hauptsächlich elektronische Musik gespielt.

Am nächsten Morgen, der erst gegen Mittag begann, packten wir – mein Mitbewohner, ein Freund und ich – spontan unsre Sachen und fuhren mit den Motorrädern in Nationalpark Hustai. Nach nicht enden wollender Offroad-Strecke kamen wir endlich am Gercamp an und platzierten unser Zelt in einiger Entfernung von der kleinen Ferienanlage. Trotz Verbot – in der Mongolei ist kein Verbot nicht unbedingt ein solches wurde ich belehrt – versuchten wir aufgrund mangelnden Holzes aus Pferdedung ein Feuer zu entfachen. Etwas wärmte es und räucherte uns dabei unglaublich ein – hätte es Stechmücken gegeben, wären wir zumindest vor diesen sicher gewesen.

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Am nächsten Morgen war das Wetter trüb und kalter Wind rüttelte an unserem Zelt. Da meine beiden Begleiter im Gegensatz zu mir Langschläfer sind, wurde aus unseren Pläne, die Przewalski-Pferde, die letzten lebenden Urpferde, im Morgengrauen zu beobachten, natürlich nichts und wir verpassten sogar das Frühstück im Gercamp. Da wir nicht ungestärkt in den Tag starten wollten, blieb einige Zeit bis zum Mittagessen und damit eine Übungsstunde für mich und das Motorrad. Relativ schnell hatte ich den Dreh raus und fuhr schon nach kürzester Zeit eine kleine Runde.dsc04272

Nach dem Mittagessen fuhren wir dann endlich los um Wildpferde zu sehen. Nachdem wir einige Kilometer zwischen den gelbgefärbten Berge zurückgelegt hatten und klar wurde, dass wir weiter kaum mehr gehen konnten, da wir vor Einbruch der Dunkelheit wieder in Ulaanbaatar sein mussten – Guillaumes Motorrad fehlten die Lichter – kehrten wir um. Bis auf freilaufende Kühe, Schafe und domestizierte Pferde hatten wir bisher keine Tiere gesehen, sodass wir entschieden, einen kleinen Umweg zu fahren. Nachdem wir einen Bergpass erklommen hatten und hinter einem Stein Deckung vor dem Wind gesucht hatten, sah ich in der Ferne ebenso gelbgefärbte Pferde. Dank den Motorrädern erreichten wir die kleine Herde nach kürzester Zeit, sodass mein Kindheitstraum – ich war unglaubliche Pferdenärrin – in Erfüllung ging und ich die letzten lebenden Urpferde zu Gesicht bekam.

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