Ende und Abschied

Nur eine Notiz:

Noch immer sitze ich im VW Bus , schaue abwechselnd in die Sterne und tippe dies hier in mein Handy. Ich schreibe in dem Wissen, dass das mein letzter Blogeintrag sein wird. Die Wehmut, die mich dabei überkommt, empfange ich erleichtert, habe ich zwischendurch doch durchaus an der Wahl des Landes/Kontinents gezweifelt. Jetzt ist es deshalb schön zu spüren, dass mir Einiges in Argentinien und Südamerika wirklich ans Herz gewachsen ist und fehlen wird.

Manch einer weiß vielleicht bereits, dass ich meinen Aufenthalt hier in Argentinien von 12 auf 9 Monate verkürzt habe. Die Gründe dafür sind so zahlreich und teilweise persönlich, dass ich sie hier nicht thematisieren werde. Wichtig ist jedoch die Bemerkung, dass weder meine Einsatzstelle am Goethe-Institut Buenos Aires, noch kulturweit als Trägerorganisation Anlass für die Entscheidung geliefert haben. Im Gegenteil muss ich mich bei beiden Parteien dafür bedanken, dass sie mir stets konstruktiv begegnet sind.
Mein Rückflug geht Anfang Juni, mir bleibt also noch etwas mehr als ein voller Monat, den ich sogar noch für eine Reise nach Patagonien nutzen kann. Um diese letzte Zeit aber wirklich genießen zu können, werde ich nach diesem keine Blogeinträge mehr verfassen. Hiermit endet für mich das Experiment ‚kreatives Schreiben‘.
Danke an alle interessierten Leserinnen und Leser, die diese Monate begleitet haben.

Natürlich habe ich noch viel mehr erlebt, als ich auf dem Blog berichten konnte, und mehr Bilder geschossen als ich hochladen wollte. Dennoch ist auf dieser Seite ein passabler Querschnitt meines Aufenthalts entstanden. Wenn jemand mehr über Argentinien wissen möchte oder eventuell eine Reise plant, ist er/sie herzlich eingeladen, mich zu konsultieren, wenn ich wieder zu Hause bin.

Nun bleibt mir nichts weiter, als Tschüss zu sagen, oder wie es hier heißt:
¡Chau, nos vemos!

JFK Ende


 

Kurztrip Esteros del Iberá

Liebe Leute,

diesen Eintrag tippe ich in mein Handy, während wir quer durch die Pampa zurück gen Buenos Aires düsen. ‚Wir‘ sind eine bunt gemischte Truppe aus acht Menschen, die etwa aus der gleichen Ecke – der nordwestlichen Provinz Corrientes – zurück in die Hauptstadt wollen oder müssen.
Es ist Ostersonntag. Bereits um 9 Uhr morgens bin ich gleich nach dem Frühstück zusammen mit Dreien der Acht in Carlos Pellegrini losgefahren. In diesem Dorf, inmitten der Esteros del Iberá (ein 13.000 km² großes Sumpf- und Marschland), verbrachten wir zuvor ein herrlich entspanntes Osterwochenende. Mehrmals am Tag unternahmen wir per Lancha, Kayak und zu Fuß Ausflüge in den parque provincial, um die reichhaltige Flora und Fauna zu bestaunen. Die Infrastruktur (inkl. Internet) ist in Carlos Pellegrini auf ein absolutes Minimum reduziert. Dafür laufen einem Pferde und Kühe im ganzen Dorf frei und selbstbestimmt über den Weg. Das reicht, in Kombination mit einem guten Buch und der Natur der Esteros, gut als Unterhaltung.
Der ganze Charme des Ortes bannt einen dann, wenn plötzlich eine Gruppe Jugendlicher in Gaucho-Manier wild an einem vorbei reitet, und nach Sekunden nur noch eine Staubwolke zurück bleibt. Für einen kurzen Moment fühlt man sich in eine andere Zeit zurückversetzt, eine Zeit in der Argentinien blühte, und die sich leider ebenso verflüchtigt hat und heute nur noch verblasst erkennbar ist.
Die natürliche Begrenzung der Touristenzahl dieses Ortes geschieht allein durch seine Lage. Man erreicht Carlos Pellegrini nur über etwa 80 km Schotterpiste, die nach stärkerem Niederschlag durchaus auch zur unpassierbaren Matschgrube werden können. Dennoch lohnt sich die Anreise, wie die folgenden Bilder (unbearbeitet) von unseren Exkursionen bekräftigen sollen:

Die anderen vier Reisenden haben wir in Goya eingesammelt, wo wir sie auf dem Hinweg abgesetzt hatten. Kurz nach 14 Uhr reißen wir uns vom leckeren asado der vorbildhaft gastfreundlichen Familie eines der Mitreisenden los. Die Stärkung für den Rest des Weges war sehr willkommen.
Jetzt ist es Nacht, trotzdem liegen noch 300 km vor uns. Rechts aus dem Fenster des Kombis schweift mein Blick von der eintönigen Landschaft hinauf zum spektakulären Sternenhimmel. Den Gedanken schenkt das viel Raum. Unter diesem Eindruck beginne ich, den nächsten Blogeintrag zu schreiben, der leider mein letzter wird…

Ich hoffe, der kurze Reisebericht hat gefallen. Bis bald,

JFK