Von Abschieden und letzten Malen

Heute ist mein letzter Schultag, geprägt von Abschieden und letzten Malen. Ein letztes Mal mit meinen netten Kolleginnen plaudern über Pläne, Eishockey und lustige Unterrichtsstunden. Ein letztes Mal einkaufen und Miete bezahlen und auch ein letztes Mal durch Těšín und Karviná laufen. Ich genieße diese letzten Stunden in vollen Zügen. Mir wird immer mehr bewusst, dass ich das Leben hier vermissen werde. Auch wenn ich mir nicht vorstellen kann in einer Kleinstadt, einem Dorf zu leben, vermisse ich die Freundlichkeit der Leute und die kleinere Welt, die es meiner Orientierung leicht macht und in der man sich leichter über den Weg läuft.

Darf ich das mein zuhause nennen? Schließlich war ich hier nur Gast für 6 Monate. Trotzdem fühlt sich hier alles so bekannt an und das Leben in Deutschland ist in weitere Ferne gerückt. Doch die Leere meiner Wohnung und der aufkommende Frühling, leider nicht in den Temperaturen (seit Wochen Minusgrade und Schnee) machen mir bewusst, das ich eine andere Heimat habe. Für mich fühlt sich die Reise in diese Heimat fast wie ein Neuanfang an.

Die letzten Wochen nutzte ich, um meine Umgebung besser kennenzulernen, also vor allem Ostrava. Ich hatte mir den Besuch bis jetzt aufgehoben, da es nur ein Kurztrip von einer halben Stunde ist, der spontan zu machen ist. Leider hatte mein Handy wegen der Kälte schon nach kurzer Zeit seinen Geist aufgegeben. So bin ich durch die Stadt geschlendert und habe die Stadt auf mich wirken lassen. Hört man das erste Mal von Ostrava ist der Ausdruck die “schwarze Stadt” eigentlich ganz passend. Die Stadt ist durch den Bergbau groß geworden und durch seine vielen Bergwerke bekanntz.B. Důl Michael oder Důl JIndřich, das mitten in der Innenstadt ziemlich ungenutzt und verlassen steht. Doch die Stadt wird immer bunter. Landesweite Bekanntheit hat Ostrava durch das jährliche Musikfestival  Colour´s of Ostrava auf dem Bergbaugelände Důl Hlubina. Ostrava hat sich zu einem bekannten Kunst- und Kulturstandort entwickelt. Nicht umsonst ist das Motto der Stadt Change!!! (mit drei Ausrufezeichen). Denn im Wandel ist die ganze Region hier, wie ich bereits im letzten Beitrag zu Urteilen zu Vorurteilen erwähnt hatte. Es ist sehr interessant diese Stadt zu entdecken, die viele Elemente in sich vereint: Das industrielle Ostrava mit seinen Bergwerken und auch das schöne Ostrava mit seinen Bürgerhäusern, Villen und schönen Gebäuden und natürlich das moderne Ostrava mit seinem verglasten Rathausturm und der modernen Kunstszene. Wie ein Phoenix, der sich langsam aus der Asche, in diesem Fall der Kohle erhebt und in neuen schillernden Farben erstrahlt. Es war jedenfalls eine toller Ausflug, der mit einem leckeren Kuchen und einer heißen Schokolade im Cáfe “Bei Oma”.

Plötzlich wieder fremd

Am nächsten Wochenende begannen dann die  Frühjahrsferien. Donnerstags kam schon Anne aus Lublin, um mich ein paar Tage zu besuchen. Nach einem obligatorischen Spaziergang zum Supermarkt und zum Park mit dem “Schloss” in Karviná, ging es zu meiner kleinen Wohnung. In dieser wurde es später mit Annika aus Brno dazu, trotz nur zwei Stühlen erstaunlicherweise nicht zu klein. Es war in den ersten Tagen echt seltsam als Ausländer in meinen Straßen erkannt zu werden, fast zu unangenehm. Ich brauchte ein paar Tage brauchte um mich daran zu gewöhnen. Man wird dann anders angesehen und fühlt sich isolierter. Vorher hatte ich nämlich das Gefühl dazu zu gehören, vor allem wenn man häufig nach dem Weg oder der Uhrzeit gefragt wird.

Am Freitag haben wir die schöne schlesische Stadt Opava besucht, eine schöne kleine schlesische Stadt mit dem ältesten Schlesischen Landesmuseum. Man findet auch hier viele e Spuren von Deutschen, z.B. deutsche Inschriften. Trotzdem heißt das keineswegs, dass wir alles verstehen. Wir essen in einer Art Kantine zu Mittag, von aussen durch die dreisprachige Beschreibungen der böhmischen Küche als Touristenfänger erkennbar, stehen wir im Inneren vor einer riesigen Tafel mit Gerichten von denen wir nur smazený sýr s hranoulkem verstehen. Nach einer verwirrenden Ewigkeit kommt unser überbackener Käse mit Pommes. Satt und zufrieden schlendern wir durch die bunten Gassen und halten Ausschau nach den bekannten Opavia- Süßwaren, die aus dieser Stadt kommen.

in den darauffolgenden Tagen zeige ich Annika und Anne meine Gegend, Český Těšín und Ostrava. Wir liefen diesmal auch zur Ostrauer Burg, die nicht auf einem Berg liegt sondern nur auf der anderen Seite des Flusses Ostravice. Später steigen wir auf den neuen Rathausturm, um den Ausblick über die Stadt zu genießen. Ich lausche ein bisschen der Erklärung einer Frau auf Tschechisch, doch der Überblick über die Stadt sagte bereits genügend über Ostrava aus. Bergwerke, Hochhäuser und Kirchen… Eigentlich wollten wir dann noch in den Landekpark ins Bergbaumuseum fahren, doch bei den horrenden Preise für Führungen in einer Fremdsprache, war uns der Besuch, trotz des Attributs größtes Bergbaumuseum nicht wert.

Den letzten Tag brachten wir damit den Bahnhof in Cieszyn zu suchen, was eine wirklich schwere Aufgabe war. Fünf Minuten vor Abfahrt des Fernbusses fanden wir es dann heraus und rannten uns die Seele aus dem Leib. Gerade noch rechtzeitig, denn wir sahen den Bus, gerade aus dem Bahnhof abfahren. Erschöpft von dieser Rennerei gönnte ich mir mit Annika dann Kuchen und Kaffee in Cieszyn. Wir ließen den Tag dann gemütlich ausklingen mit meiner Gitarre in meiner Wohnung.

Denn schon am nächsten Tag gings mit Zug und Schienenersatzverkehr nach Brno zu Annika nach Hause. Bei ihr konnte ich auch eine Stunde in ihren Sprachunterricht mitkommen und mich später mit den TeilnehmerInnen unterhalten. Das ist etwas was mir hier in Karviná gefehlt hat, sich mit netten Leuten in ein Café zu setzten und zu plaudern. Es mangelt an Zeit und guten Cafés. Gute Cafés habe ich vor allem in Cieszyn in Polen gefunden.

Wir hatten den etwas unsinnigen Plan am nächsten Tag nach Kroměříž zu fahren (ja die Hälfte des Tages haben wir mit der Aussprache des Ortes verbracht). Die Stadt ist bekannt für ihre UNESCO Gärten und das Schloss. Im Winter hatte aber fast alles, außer dem winterlichen Garten und einigen Geschäften geschlossen. So verbrachten wir den ganzen Tag in der Bücherei und einem netten Bistro. Wir testeten unser Tschechisch aus und planten die nächsten Tage.

Denn es sollte nach Budapest gehen. Durch zwei Länder fuhr unser Zug, bis wir plötzlich nichts mehr verstanden, nichteinmal Bahnhof. Ungarisch eine Inselsprache, definitiv. Gewöhnungsbedürftig war auch die Währung, ein Euro ist etwa 310 Forint. Lachend standen wir vor den Regalen und staunten über die Preise.

Unser Hostel machte seinem Namen alle Ehre. Mit uns bewohnte ein weißes Kaninchen das Hostel. Zu unserer Überraschung wurden wir auch in perfektem Deutsch begrüßt. Nicht ganz so freundlich war das Wetter. Es regnete den ersten Tag fast nur und wir hatten nach ein paar Stunden absolut keine Lust mehr. Zu allem Unglück hatte die Terme, welche für Budapest bekannt sind, heute und morgen (und vier Tage in der Woche) Männertag. So fielen alle unsere Pläne ins Wasser. Trotzdem waren wir von der Schönheit dieser Stadt beeindruckt, besonders dem Parlament, der Fischerbastei und den Tuchhallen. Die Architektur war ganz anders schön wie in Tschechien. Und man spürte hier auch noch die reiche jüdische Vergangenheit. Mit der zweitgrößten Synagoge und einigen Mahn- und Denkmäler wird der Besucher an das frühere große blühende Gemeindeleben erinnert. So gibt es hier auch sehr viele Hummusbars, in denen man sehr gutes Essen aus dem nahen Osten bekommt. Am letzten Tag trafen wir noch eine Freiwillige aus Budapest und lernten sehr viel über die derzeitige politische Stimmung in Ungarn und das Bildungssystem. Als Beispiel soll der ungarische Körper mit täglichen morgendlichen Sportstunden in der Schule gestählt werden…

Soviel zu den Ferien, die Wochen danach waren recht stressig. Alle Deutschprojekte mussten beendet werden, ich musste packen und eine Woche ohne Wlan auskommen (schwieriger als gedacht). Und Verabschiedungen natürlich, womit wir wieder am Anfang wären…

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