Und ewig grüßt das Murmeltier, oder auch nicht?

BIN ICH NICHT ANGETRETEN UM DEM ALLTAG UND DEM TELLERRAND ZU ENTFLIEHEN, NEUES ZU ENTDECKEN? DESHALB DURCHBRECHE ICH DEN ALLTÄGLICHEN ERZÄHLSTIL FÜR DEN BERICHT MEINES ZWISCHENSEMINARS:

Ich lasse die Gedanken fließen und überlasse dem mündigen Leser die Deutung, die Freiheit sich dem Fluss hinzugeben, die Lücken und Sätze zu füllen.

Halbzeit


Stille in Gesellschaft

doch Ruhe nicht keine Arbeit ist

Projekte, Reflexion, Didaktik des Unterrichts

und zwischendrin dann ein Gedicht.

Das gibt´s ja nicht!


In Anzug, Krawatte slowakisch´ Diplomatie,

dazu Erzählungen einer Roma.

Das gab es früher nie!

Steh´n im Gegensatz,

nicht aber die slowakisch´-tschechisch´ Sprach´

teilen sie wie wir eine gemeinsam´ Geschicht´.


Auch über Konflikte sprechen,

und ausgelassen Späße machen,

steht über allem unser Austausch,

Wie steht´s bei dir, erzählst du´s mir?

Wichteln ja das tun wir.

Wandern, Wundern, Kreativ sein

und natürlich viel veganen Speis´ und Trank.


Meine Angst vorm Reisen schwindet,

erblick' ich meinen Zwischenhalt:

kupf'ne Stadt ward sie genannt,

gold´ne Bergstadt b'reits bekannt

modern und alt zugleich

arm und reich

trotzdem freut's mich's Bett in Karviná

mein Heim, mein Gut, mein neues, altes Land.

Ein fremdes Land ganz unbekannt

hab´ ich nun auch mein Heim genannt.

Ich bin angekommen!


Man mag´s mögen oder nicht

meine Geschichte, mein Gedicht!

Doch wo kämen wir dahin, wenn nicht das Leben aus Veränderungen bestände, also zurück zu einer anderen Erzählweise:

Nein, der Titel bezieht sich nicht auf die Wettervorhersagen an Sankt Martin  wie “Ist um St.Martin der Baum schon kahl, macht der Winter keine Qual.” Kahl waren zwar schon einige Bäume, aber der Winter hatte letzte Woche schon mit ein bisschen Schnee und Schneeregen zugeschlagen. Ja, vielmehr bezieht es sich auf den Alltag. Ich habe endlich ein Alltagsgefühl. Nicht jeder Tag ist damit gleich, aber es gibt Konstanten. Das Leben als Formel  mit festen Zahlen, den kleinen Alltagsinseln und Variablen, den Überraschungen und Spontanitäten des Alltags. Doch das Leben ist natürlich zu komplex, um es in einzelne Formeln zu zwängen oder gar Schubladen zu öffnen (Wo kämen wir denn dahin, wenn wir in Schubladen denken würden!;)).

Traditionen sind solche Konstanten. Geschaffen, um den Menschen Halt, Hoffnung und Hochgefühle zu geben. Eine Tradition, die ich in Deutschland besonders mag ist Sankt Martin mit seinen Laternenumzügen und Liedern, die die Straßen füllen und die dunkle Novemberzeit erhellen. Wie würden wir den November ohne solche Festtage durchstehen? Kurzentschlossen wollte ich diese schöne Erinnerung also mit den SchülerInnen an der Handelsakademie teilen. Hier feiert man wohl auch Sankt Martin, nur in deutlich kleinerem Umfang, mit Martinsgans und Martinswein und ab und zu Umzügen. Je mehr ich durch meine Recherche in die Bräuche meiner Heimatstadt eintauche, desto mehr erkenne ich wie besonders es ist (z.B. mit eigenen regionalen Wörtern“Schnörzen”(rheinländisch)).

Doch diese Präsentation macht mir auch wieder ein Problem an meiner Schule bewusst, das mich seit einigen Wochen plagt. Wie soll ich das niedrige Deutschniveau und die Altersklasse (15-20jährige) miteinander vereinen? Am schwierigisten sind die Lieder. Für Anfänger sind Kinderlieder immer hervorragend geeignet, sind ja auch nicht ohne Grund einfach. Dumm nur, dass die Videos und die Texte auch altersgerecht gehalten sind. Die absurd hohen piepsenden Stimmen bei vielen Videos lassen mich ein Lachen kaum unterdrücken. Es gibt einige wenige Ausnahmen, die ich immer wieder finde, doch trotzdem ist es ein Problem.

Warum können die Videos nicht in normaler Stimmlage und mit normalen Bildern vertont werden? Während ich dies schreibe kommt mir meine Projektidee. Warum nicht Kinderlieder jugendgerecht vertonen und veröffentlichen? Ich bin mir sicher, dass dies bestimmt schon häufig gemacht wurde, nur finde ich nirgends Resultate. Also warum nicht? Ich möchte nicht die Welt verändern, aber einen kleinen Schritt doch dazu beitragen. 😉 Also ein paar Lieder für gegen-Kinderlieder-protestierende-Deutschanfänger! Schon am nächsten Tag ist das Projekt in einer Klasse vorgeschlagen und die SchülerInnen sind einverstanden.

Plong macht es da wieder. Wieder ist eine Birne geplatzt. Ah, gehört das wohl jetzt auch schon zum Alltag! Zur Abwechslung hält die Sicherung diesmal. Ich bin gut vorbereitet mit einer zweiten Ersatzbirne und einer Taschenlampe. Doch die Ersatzbirne ist kläglich überfordert und meine Taschenlampe drückt sich vor ihrem Einsatz. Alles halb so wild. Schnell habe ich nun alle erhältlichen Sorten von billigen und einigermaßen vertretbaren Glühbirnen (genau 2) aus dem Supermarkt bei mir zuhause angesammelt. Ich warte noch bis meine Lampe im Flur platzt, dann kann ich meine Sammlung um ein schmuckes paar gedrehte Energiesparlampen erweitern.

Halbzeit:

Das Zwischenseminar, gleichzeitig die Ankündigung der Halbzeit meines Freiwilligendienstes, beginnt für mich mit und zwei mit zwei netten kulturweitfreiwilligen aus der tschechischen Umgebung bereits mit einem Besuch in Bratislava. Dunkel ist es schon als ich am Nachmittag am Bahnhofsgebäude eintreffe. Vielleicht bin ich auch deshalb von der Hässlichkeit und der Unübersichtlichkeit des Gebäudes geschockt. Als ich dann auch noch den Treffpunkt nicht finde und mein Handy genau in diesem Moment seinen Geist aufgibt, war ich vollkommen verzweifelt. Was sollte ich jetzt machen? Allein ohne Plan in einem fremden Land?

Die Lösung liegt aber wortwörtlich genau vor meinen Augen. Ich stehe direkt vor dem Treffpunkt und kurze Zeit später treffe ich auf die anderen, etwas versteckt in einem Winkel des Café. Zugegeben erstaunlich schnell hatte ich  mir einen verzweifleten Notfallplan zurechtgelegt. Trotzdem bin ich unglaublich erleichtert, als ich neben meinen Freunden im gemütliche Büchercafé sitze. Diesen Schock der absoluten Hilfslosigkeit werde ich aber nie mehr vergessen!

Die nächsten Tage spazieren wir durch die wunderschöne Altstadt, die meine schlechte Anfangserfahrung wieder wett macht. Der Bahnhof hat dann endgültig meine Achtung verloren, als uns eine übelgelaunte Dame unsere Fahrkarten für die Weiterreise verkauft. Wunderschöne Gebäude und bunte Kacheln am Rathaus entlohnen unsere Mühen. Vorbei am halbaufgebauten Weihnachtsmarkt, dem  Michaelertor und dem Residenzpalast hinauf zur Burg und einer blauen Kirche wie aus dem Schlaraffenland. So verbringen wir die zwei Tage. Der einzige offene Weihnachtsmarktstand verbreitet aufgeheiterte Stimmung. Belustigt folgen wir den tanzenden Bewegungen einiger junger Männer, die ausgelassen zu einer Straßenband tanzen. Als wir dann am Ufer der Donau vorbeigehen, von der neuen Brücke (Nový Most) mit Ufo-ähnlichen Restaurant obendrauf, zum großen Einkaufszentrum EUROVEA, erinneren mich die Ufer ziemlich an die Promenaden in Bonn. Ein kurzes Heimwehgefühl steigt in mir auf. 

 

   

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