Strč prst skrz krk

Lang, lang ist´s her!

Doch was zum Geier soll diese Überschrift bitte bedeuten?, fragt ihr euch sicher. Es ist das Ergebnis meines Versuchs Umlaute mit den tschechischen Schülern zu üben. Meine „Foltermethode“: Deutsche Zungenbrecher. Und so kam es prompt zurück: Tschechische Zungenbrecher ohne Vokale: Strč prst skrz krk! Das bedeutet so viel wie „Steck den Finger durch den Hals“. Ja, so habe ich mich auch gefühlt. Ich ernte amüsiertes Gelächter bei meinem Versuch das auszusprechen. Dagegen war mein deutscher Zungenbrecher „Früh fressen freche Frösche Früchte“ langsam gesprochen noch relativ leicht. Aber ich muss mich korrigieren: Vorgestellt habe ich den Zungenbrecher zuerst in der polnischen Klasse. Es gibt an dieser polnisch-tschechischen Schule nämlich extra Unterricht für die polnische Minderheit hier in Tschechien. Sie lernen Tschechisch und Russisch als Fremdsprache und freiwillig Deutsch. Den Unterricht haben sie zum Teil auf Polnisch.

Vor etwas mehr als einem Monat habe ich nun angefangen, hier in der Schule in Český Těšín als Freiwillige zu arbeiten. Offiziell eingeführt wurde ich vor ein paar Wochen durch meine Rede, eine kurze Filmvorstellung, vor versammelter Schulmannschaft. Ich war ganz schön aufgeregt, schließlich waren 300 erwartungsvolle Blicke auf mich gerichtet. Nicht besser wurde es, als ich in einer für Einige, fremden Sprache zu sprechen begann. Anlass waren die PASCH-Tage, an denen die SchülerInnen Kinositze statt die Schulbank drücken durften. Auf dem Programm standen ein deutscher Film, zur Erleichterung der SchülerInnen mit tschechischen Untertiteln und eine Buchvorlesung von „Die Geschichte von Herrn Sommer“ von Patrick Süskind. Dabei durfte ich im wunderschönen, gemütlichen Grenzcafé Avion sitzen und auf das andere Ufer, die polnische Seite blicken. Leider bekam ich von der tschechischen Lesung außer den illustrierenden Bildern, nicht sonderlich viel mit. Nach der Rede war ich erfolgreich in die Schulgemeinschaft eingegliedert und werde nun auf Deutsch begrüßt und verbschiedet.

Alltag ist bei mir im Unterricht noch nicht eingetroffen. Ich kann nicht vorhersagen, welche Stunden ich in der nächsten Woche alles haben werde, weil sich spontan immer etwa ändert oder Stunden verändert werden oder ausfallen. Ich werde mich wohl daran gewöhnen, spontan zu sein, nicht einfach wenn man gerne plant!

Die letzten Wochen waren von Ausflügen, tschechisch-deutschen Begegnungen
und äußerst wechselhaftem Wetter geprägt. So wechselhaft, dass ich mir jetzt eine Erkältung eingefangen habe. ;(

Meine Freizeitgestaltung war sehr abwechslungsreich. Erst lernte ich mit zwei netten tschechischen Schülerinnen die nähere Umgebung kennen und spielte mit ihnen Badminton. Später machte ich selbst Ausflüge zum Zoo von Ostrava und zur weitläufigen Burg in Hukvaldy (Ja das ist ein Dorf!). Beides sind wahre Pilgerorte für Familien mit Kindern. Ich hatte mir auch genau das Wochenende ausgesucht, das viele Tschechen als Brückentag genutzt hatten.

Ein Wochenende später verließ ich meine Kleinstadtumgebung und fiel fast von allen Wolken als ich das wunderschöne Prag erblickte. Es war ein ganz schöner Kontrast zu meinem Einsatztort in Český Těšín, der von Industrie und Bergbau geprägt ist. Es gibt dort eine wirklich schöne aber viel kleinere Altstadt. Besonders erschreckend waren die vielen Menschen auf einmal. People make the difference hatte mir ein Werbefilm der Region Ostrava am Bahnhof eingetrichtert. In der Tat! Obwohl diese Stadt nicht viel größer ist als Köln, das ich ganz gut kenne, war ich zuerst ziemlich eingeschüchtert. So sehr hatte ich mich anscheinend schon an die Kleinstadt Karviná gewöhnt!

In Prag erwartete mich bereits Sturmtief Xavier. Mit tiefen Zügen blies er mir und meinem Handy erst einmal die Puste aus. Doch so schlimm das Wetter am Vortag war, so schön wurde es in den nächsten Tagen. Ich verbrachte meine Zeit mit einer Freiwilligen aus Liberec und drei Freiwilligen aus Prag, mit denen ich Prag erkundete. Der Grund meines Pragbesuchs war das Kennenlernen des Goetheinstituts und die Zusammenarbeit mit den anderen Freiwilligen, die im Goetheinstitut arbeiten. Freitag stand also die obligatorische Besichtigung des wunderschönen Instituts direkt an der Moldau, auf dem Plan.

Wir berichteten dort alle ausführlich über unsere Erlebnisse und Erfahrungen in unseren Einsatzstellen. Es tat gut, sich mit anderen Freiwilligen austauschen zu können. Aber es war auch wirklich schön, die ganzen Tage etwas zusammen zu unternehmen, den Prager Eiffelturm, den Rathausplatz und die Prager Burg, sowie die Karlsbrücke zu erobern. Und nicht zuletzt meinen äußerst schlechten Orientierungssinn zu testen, weshalb ich schon mal in der Stadt im Kreis laufe. 😉 Zu meiner Verteidigung: Als ich am Sonntagmorgen aus meinem Hostel heraustrat, war ich völlig verwirrt: Die Straße, am Abend zuvor noch mit Touristen überfüllt, war nun menschenleer, die Geschäfte geschlossen und die Wände kahl. War ich in einem schlechten Traum? Ohne den Touristenstrom, der mich am Abend zuvor noch ziemlich genervt hatte, war ich nun völlig orientierungslos. So langsam kam die Stadt dann aber wieder zum Leben und war gegen Mittag wieder genauso überfüllt wie am Tag zuvor.

Jedes Gebäude in der Prager Altstadt ist bewundernswert. Stundenlang könnte ich über die Schönheit dieses Stadtteils schwelgen. Lieber schildere ich jedoch die Kontraste, die Anblicke, die mir auf der Rückfahrt nach „Hause“ auffielen. Farbenfrohe Hochhaussiedlungen, rauchende Fabrikschornsteine und verwitterte Rohre zogen sich durch die weiten Landschaften. Ab und zu kleine Dörfer oder Städte. Das Ganze besitzt einen gewissen Charme, den Charme der Industriestädte, der so anders ist als der Prager Charme, aber mich trotzdem in seinen Bann zieht, wohl der Grund warum ich nicht sofort wieder zurück nach Prag wollte.

Nach meiner Eingewöhnungszeit merke ich jetzt besonders, dass ich hier in meiner Einsatzstelle alleine bin. Nur langsam knüpfe ich Kontakte zu Erasmus-Studentinnen, den tschechischen SchülerInnen und Freiwilligen anderer Organisationen. Zwei Eramus-Studentinnen habe ich in Prag getroffen (Alle Wege führen nach PRAG) und ich habe Kontakt zu einer Freiwilligen in Český Těšín. Nicht zuletzt wurde ich letzte Woche dem Verein der Deutschen des Teschner Schlesiens vorgestellt und darf nun immer vorbeikommen und mir Bücher aus der kleinen deutsch-tschechischen Bibliothek ausleihen oder an Ausflügen teilnehmen. In Prag habe ich dann eine kostenlose App gefunden (use-it), mit der ich Tipps für Attraktionen von Einheimischen in meiner Stadt finden kann. All das wird mir hoffentlich helfen keine Langeweile und damit kein Heimweh aufkommen zu lassen.

Bis bald !

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