The tanned ghost with Käse and Kimonolocker.

Und die Tage zerfließen momentan nur so dahin. Entweder im Regen, der containermäßig wie gehabt auf Lomé alle paar Tage herunterstürmt, oder in der darauffolgenden Hitze und vor allem Schwüle, die Lomé kaum verlassen mag – wunderbar. Und so strömt Lomé in Regentropfen und/oder wahlweise Schweiß durch die Gegend. Auch wenn die Motofahrten bei Regen leider immer etwas teurer sind, da die Galaktikmegapfützen die Straßen ab und zu ein bisschen lahmlegen (zumindest in den Straßen um mein Zuhause herum), ist der Regen doch irgendwie auch mal ganz angenehm. Diese Woche war das richtig cool, denn es hat das erste Mal tagsüber geregnet (zumindest, dass ich es mitbekommen habe) und man konnte dem Regen schön beim Weltzerfluten vom Bürozimmer zusehen. Zum Glück war ich an dem Tag schon um sieben im Büro, sonst wäre ich klitschnass angekommen.

Letzte Woche konnte ich endlich mein für mich geschneidertes Kleid beim göttlichen Tonton, Master der Nähmaschinen, abholen. Und es ist SO schön! Und wirklich niedlich, wie sich meine Gastfamily und Arbeitskollegen so über das Kleid gefreut haben und wie „stolz“ sie schienen. Als würde man auf einmal auch zum Club gehören. Sie sind schon alle einfach tolle Menschen. Einfach schön. Und der „Kimonolocker“ (eine traumhafte Wortneuschöpfung à la Tontini) und der Ballonrock sind auch cool geworden :) Konnte auch direkt einen neuen Pagnehaufen bei Tonton abliefern, der mir zuhause schon die ganze Kleiderstange weggeschrumpft hat (mir entfiel gerade das passende Wort), habe ihm also direkt wieder mit einem Stoffberg Arbeit zurückgelassen. Jetzt muss ich mich aber demnächst doch langsam mal etwas mehr zusammenreißen beim Stoffe kaufen, sonst geht mein ganzes Gehalt darein :D

Letztes Wochenende bin ich abends noch bei Tonton gewesen und er hat mir sein Zuhause gezeigt. Anschließend haben wir zusammen mit seiner Family gegessen. Ich durfte sogar das Pate, so einen breiartigen, festen Teig umrühren (wobei mich alle ausgelacht haben, da es doch schwieriger war, als es aussah), welches wir dann mit Ademe gegessen haben (einer Sauce, die eine schleimartige Konsistenz hat, mit viel Piment und Fisch, die echt fetzig schmeckte – auf Schleimiges steh ich ja sonst eher weniger). Schon witzig, wenn ich mir überlege, wie extrem wählerisch ich als Kind/Jugendliche war, was das Essen anging. Wenn mir damals wer gesagt hätte, dass ich irgendwann etwas Grünes, Schleimiges essen würde… Nein. Einfach nein. Diese „Essensphobie“ hat sich coolerweise mit jedem Auslandsaufenthalt, den ich gemacht hab, gebessert. Mal schauen ob ich Ende des Jahres schon Schnecken esse ;) [Anm. 20.03.17: Nein.].
Jedenfalls war das wirklich witzig und ganz cool, Tontons Family kennenzulernen. Tonton schläft übrigens ohne Mosquitonetz. Auf meine Frage, ob er gar keine Angst vor Malaria hat, meinte er nur „Ich hab keine Angst vor den Mücken. Die Mücken haben Angst vor Tonton!“ – Malaria hatte er noch nie, an der Story ist dann wohl was dran.
Aber ich lieg trotzdem immer schön unterm Netz. Möchtegern-Malaria hat mir fürs Erste schon gereicht :D
Den Tag vorher kam außerdem Tontons Bruder gerade aus Deutschland zurück – er hatte dort ein fsj im Altenheim für ein paar Monate gemacht und ist für die kurze Zeit, die er da war, echt viel in Deutschland und Europa rumgekommen und geht in zwei Monaten wieder zurück, um eine Ausbildung anzufangen, echt cool :). Finde es jedenfalls fett, dass es fsj-Stellen auch andersherum gibt, so sollte das sein.

By the way, ein kleiner Funfakt am Rande für die, die mich aus dem reallife kennen: Ines, the ghost, ist jetzt braun. BÄMBÄMBÄM. ‚#firsttimeever #justcannotbelieveit.

Und krass – nächstes Wochenende geht’s schon ab nach Kenia. Wir werden in einem Seminarhaus bleiben, das sich direkt neben dem Nairobi National Park befindet, also quasi mitten in Nairobi. Und danach werd ich dann mit ein paar anderen noch weiterfahren zum Campen und zum Hell’s Gate Park anschauen :)
Und witzigerweise (oder tragischerweise, je nachdem) ist mein Supertollermegafranzösischsprachkurs nächste Woche auch schon wieder rum. Dabei war es doch gefühlt gerade erst losgegangen (so wie ungefähr alles andere auch und jetzt sind es nur noch drei Monate bis ich bin schon wieder in Deutschland hock, aber gut). Der Sprachkurs an meiner Uni by the way war allerdings um Einiges anspruchsvoller und intensiver, liebes Institut Francais. Aber naja, es hat aber ja zumindest nicht schaden können… Und James, mein Sprachlehrer, war ja auch ganz lustig. Meistens geh ich vor dem Sprachkurs kurz im Supermarkt vorbei und kauf mir schnell ein paar Kleinigkeiten, die das Inesherz begehrt. In meiner ersten Sprachkurswoche war das unter anderem ein paar Scheiben Käse (welche hier unerhört teuer sind (weshalb ich sie auch nicht nochmal kaufen werde) und leider, da es bei meiner Gastfamily keinen Kühlschrank gibt und die Durchschnittstemperatur bei gefühlten 50 Grad im Schatten liegt, sofort gegessen werden müssen), welche ich dann während des Sprachkurses nebenbei futterte. Seit dem fragt mich der gute James jedes Mal erwartungsvoll „Ines!…Hast du heute Käse dabei?“, in der Hoffnung, wieder etwas Käse zu bekommen :D Käse ist nämlich hier in der Gegend nicht gerade Etwas Alltägliches. Käsestulle wird man wohl eher selten auf dem Frühstücksteller finden. Soweit ich weiß, zählt Käse in Togo, ähnlich wie viele andere Milchprodukte, eher zu den Importprodukten. Milchprodukte sind also hier eher seltener am Start und im teureren Supermarkt zu finden.

Ansonsten ist momentan nicht super viel los. Der Leiter ist auf Dienstreise unterwegs, weshalb ich nicht allzu viel zu tun hatte die vergangene Woche, außer meinen wunderschönen minireiseworanmussichdenkenwennichnachtogoreisenwill-Reiseführer für Gäste des Goethe und künftige Praktikanten/Freiwillige zu perfektionieren und ein paar Plakate in Eva’s Büro zu beschriften, aus- und umzusortieren. Höchstspannungskrams also, der gerade so abgeht im Büro. Ich muss gestehen, dass ich zwischendurch auch einfach ein, zwei Dokus geguckt habe, die mir mein Trainer vom Vorbereitungsseminar hat zukommen lassen, obwohl das aufgrund des nicht perfekten Internets in Lomé eigentlich im Büro während der Arbeitszeiten verboten ist (ini, the bad girl is back), weil sonst die anderen nicht mehr so gut arbeiten können, aber da sich niemand über enorm viel schlechter funktionierendes Internet im Vergleich zu den vorigen Minuten und Stunden aufgeregt hat, nehme ich an, dass das vielleicht auch nur eine kleine Notlüge war, damit Leute nicht random Youtubevideos streamen – wozu sonst natürlich auch nicht wirklich jemand Zeit hätte, da wir hier ja nun mal arbeiten. Nur kurz als kleine Nebeninfo: Internet ist nicht auf dem gesamten Kontinent Afrika in allen afrikanischen Ländern langsamer und/oder ungebräuchlicher, als bspw. in europäischen Staaten – in Kenia kann man beispielsweise ultra viel schon über Handyapps und andere Internetfunktionen bezahlen, was nicht mal in dem ach so schön und toll fortschrittlichen Deutschland üblich ist. Also bspw. die Restaurantrechnung per Handy, oder das Taxi :D Und in Togo habe ich bis jetzt noch in den entlegendsten Orten, Landschaften, beste Internetfunktion genießen dürfen (und ja, die Leute haben hier Facebook, Smartphones, Whatsapp, Emailadressen, usw. ;) ).
Anyway. Auf der Speisekarte stand „Schmutzige Schokolade I und II“. Zum Glück mag ich Schokolade sowieso nicht (im Ernst jetzt, es gibt halt Menschen, die keine Schokolade mögen) und bin doch mal wieder mit der Unternehmensethik europäischer/westlicher Firmen gedanklich überfordert. Ich weiß natürlich, dass es viel Krams gibt, der ziemlich unfäncy abläuft, aber ich muss mir auch eingestehen, dass, zumindest ich (ich kann und will hier natürlich nicht für random alle sprechen), Vieles was ich weiß oder meine zu wissen, zuhause wenig in meinen Alltag integriere bzw. wenig integrieren muss, da die aus den Umständen resultierenden Probleme mich persönlich (noch) nicht oder kaum ernsthaft betreffen. If you don’t have to think about it, it’s a privilege – trifft eben irgendwie doch immer häufiger auf mir vorher nicht bewusste Umstände zu.

6 Gedanken zu „The tanned ghost with Käse and Kimonolocker.

  1. Ini Baby , liebst du die Hitze mittlerweile? Kann man die lieben lernen? Ich freu mich dass es dir so gut geht und bin ebenso völlig excited über Kenia. Hier gibt’s nicht viel! Alles in Ordnung in Cottbus. Kussi, Naddy

    • Ja total, war ja jetzt in Kenia, da wars ohne Luftfeuchtigkeit und Temperaturen um die 20 Grad krass kalt :D
      Blogeintrag über Kenia kommt die Tage :)
      Liebste Grüße nach Cottbus und hab dich sehr lieb <3

  2. Man merkt beim lesen iwie so krass, dass das da drüben für dich schon alles normalität geworden ist. Verrückt! Aber bald ist Halbzeit..verrückt

    • ja man, weil du dann endlich bäck bist. was eigtl sau dumm ist, weil du dann immer noch mega weit weg bist :´(
      btw bei der überschrift muss ich an unser tolles selbstgedrehtes ghost video denken :D

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