Franks Frères und der Nichtakademiker.

Und wieder ein paar Tage länger in Lomé, aber doch schon wieder viel gesehen, erlebt und gefühlt. Samstag morgen sind wir in unserem Viertel zusammen mit einer Freiwilligen, die über weltwärts hier ist und seit knapp einem halben Jahr in Lomé wohnt, ein bisschen herumgelaufen. Nach einer Stunde in einer Strandbar unter kokosnussbehangenen Palmen erstmal direkt den krassesten Sonnenbrand meines Lebens auf den Schultern begrüßen dürfen. Sein Name ist Frank. Seit Tagen wird er nun schon mit Aloe-Vera-Kühlschrank-Gefriertruhen-Lotion gepflegt, dass er sich wieder davon machen kann, aber leider gefällt es ihm bis jetzt noch zu gut bei mir. Hoffentlich kommt er nicht demnächst noch mit seinen ganzen Frères vorbei. C. hat quasi die ganze restliche Verwandtschaft von Frank abbekommen.
Aber immerhin waren wir jetzt zum ersten Mal am Wasser und haben den Strand genauer unter die Lupe nehmen können. Der Strand direkt an der Innenstadt ist nicht so ein Badeparadiespalmenmeerentspannungsaufenhaltsort, wie man sich das vielleicht vorstellt, da die Brandung viel zu krass zum Baden ist. Aber etwas weiter Richtung Benin soll es buchtartige Strände geben, an denen man schön rumchillen kann, was wir uns morgen mal anschauen werden :)
Da dieses Wochenende Ostern ist, haben wir fetzige vier Tage frei, an denen wir Lomé ein bisschen genauer erforschen können. Sonst müssen wir nach der Arbeit immer etwas hetzen, um noch im Hellen nachhause zu kommen, was wir bis jetzt fast nie schaffen (sobald es dunkel ist, soll man eigentlich nicht random durch die Gegend spazieren, da es doch an manchen Stellen etwas einsam ist). 
Letzte Woche Sonntag bin ich zusammen mit C.’s Gastfamily und ihr zu der katholischen Kirche um die Ecke gegangen und habe das erste Mal eine togoische, katholische Messe miterlebt. War wirklich super spannend, wenn ich davon absehe, dass ich auf französisch nichts verstanden habe :D. Irritiert hat mich jedoch schon etwas, dass eigentlich alle Menschen, die die Messe besucht haben, Togoer waren (also schwarz, POC, etc.), der Priester hingegen war weiß – hallo postkoloniale Spuren. Die Messe war jedenfalls proppenvoll. 
Gestern hab ich auf dem Grand Marché jedenfalls endlich den Pagne (so nennt man eine bestimmte Anzahl von Metern dieser Stoffe, wenn ich das richtig verstanden habe) meiner Träume ergattert. Nachdem ein Händler ihn nur für 3000 Francs verkaufen wollte und auch nicht mit sich handeln ließ (c’est le prix de yovo), hab ich schließlich eine Frau gefunden, die genau den gleichen Stoff für nur 2500 Francs hergab. Welch ein Glück, die umgerechneten 75 Cent waren die überschwängliche Freude natürlich total wert! Hoffentlich schaffe ich es demnächst, mir daraus ein fetziges Kleid schneidern zu lassen. Noch schau ich den wunderbarsten Stoffgott der Stoffgötter sehnsüchtig entgegen, wenn ich mein Zimmer betrete und er mir vom Schrank erhaben entgegenblickt :) Umgerechnet kostet der Spaß zusammen dann wahrscheinlich ca. 8000 Francs, was umgerechnet etwa 12 Euro sind :)
Am Wochenende waren wir noch ein bisschen herumgelaufen und ich habe meine erste frische Kokosnuss getrunken/gegessen, ultra fetzig! Überall gibt es kleine Läden und Stände an den Bürgersteigen/Straßenränden, an denen frisches Obst, Gemüse, Wasser, Berge von Zwiebeln, Waschmittel, Seife oder Stoffe verkauft werden. Manchmal muss man etwas suchen, bis man gefunden hat was man braucht, oder man stolpert zufällig drüber! Die nette Frau am Straßenrand mit ihrem Kokosnusshaufen hat die von mir ergatterte Kokosnuss direkt geköpft, dass ich sie austrinken konnte, und hat sie anschließend geschält und mir das Fruchtfleisch „to go“ zum Mitnehmen gegeben, sehr cool :)
Am Dienstag war endlich die Veranstaltung für die Künstler in der Botschaft, was echt spannend war und in Kombination mit frischem Saft auch temperaturenmäßig erträglich. Neben der ganzen künstlerischen Hochkultur, die geboten wurde, konnte man unter anderem auch lauschen, wie sich deutsche Expatriates darüber beschweren, wie man aufgrund der schlechten Connection nicht mal deutsche Bundesliga gucken könnte. First World Problems, ist schon ein hartes Leben hier.
Eine interessante Begegnung hatten wir auch mit zwei deutschen Typen Mitte/Ende 20, von denen der Eine auf die Frage, was sie nach Lomé verschlagen hat, stolz mit „Wir sind Akademiker.“ antwortete (.. was ja noch nicht mal die Frage beantwortet hatte, aber gut). Nach einigen Minuten Gespräch kam heraus, dass eben jener noch nicht mal seine Bachelorarbeit geschrieben hatte (der fehlende Akademikertitel mag wohl nur einer der vielen Gründe für die inkompetente Antwort gewesen sein). Faszinierend, was (das Wort ist bewusst gewählt) heute alles meint, sich Akademiker nennen zu dürfen.
Mittlerweile haben C. und ich auch endlich nach drei Anläufen das Institut Francais gefunden, was sicherlich nichts mit Inkompetenz zu tun hatte, sondern vielmehr damit, dass es im Internet keine aktuelle Adresse des Instituts gibt und an Straßenecken häufig keine Straßenschilder zu finden sind. Von Kossi wurde uns eigentlich ja schon an unserem zweiten Tag erläutert, dass sich hier nicht mit Stadtkarten orientiert wird, sondern mit Gebäuden, Denkmälern, Shops usw. (@Mum: „Hier sind so drei große, rote Häuser!“ würde hier wahrscheinlich funktionieren!). Aber letztlich haben wir es doch gefunden (YES!) und stehen nun auf der Warteliste. Wir werden angerufen, sobald der Kurs genug potentielle Teilnehmer aufweist, um ihn zu starten. Bin mal gespannt, wann das sein wird, hoffentlich nicht erst im Juli, habe den Sprachkurs nämlich dringend nötig!
Anyway, meine Lieben, ich hoffe es geht euch gut und in Deutschland ist es schön angenehm kühl und frisch (schon bei dem Gedanken bin ich trotz meines liebsten Ventilators im Nacken neidisch)!

9 Gedanken zu „Franks Frères und der Nichtakademiker.

  1. Studenten, Akademiker, Schüler … wie sie auch alle heißen.
    Widerliches Pack! :D

    Wie dem auch sei: Rundum schöner, teils amüsanter, facettenreicher Einblick den du hier gibst. :)

    Viel Glück mit Frank. Ich hoffe du kriegst es ihm noch verklickert, dass das mit euch keine Zukunft hat. :D

    Alles in allem: Freut mich zu hören, dass es dir dort scheinbar verdammt gut geht. Hier ist es auch nicht so übel und dennoch infizierst du mich gerade mit etwas fernweh! :D

    Allerliebste Grüße und nur das allerbeste wünscht dir Danu :*

    • Aw Danu <3 Als ich dein commi gelesen hab, musst ich richtig lachen, du liebes ding :D frank ist allergisch gegen sonnencreme, deswegen ist er momentan nicht allzu häufig around! aber am sonntag gehts wieder ins palmenparadies,und ich hoffe dass frank sonntag LEIDER vielleicht doch was anderen vor hat :D
      fühl dich gedrückt! und wenn das fernweh zu krass wird und der geldbeutel zu dick, sag bescheid, mein bett is riesig :D

  2. Ich bin ganz stolz auf dich und wünsche dir weiterhin viel Spaß bei deinem Abenteuer . Denke dran wir freuen uns auf jeden post und lesen gespannt mit , vor allem ich natürlich ? Geht’s dir ansonsten gut? Ja? Ok, dann kann ich ja jetzt gehen ????? kussi, Naddy

    • tahhahaha, ja dann geh mal :D
      by the way, danke nochmal für deine putzige sprachnachricht, ich hatte es einfach verpeilt drauf zu antworten, hatte mich aber mega gefreut :*

  3. Du ProfiFotograf du!!!! Sonnenbrand ist ja nichts Neues (; ich schau schon ganz fleißig nach Flügen aber irgendwie ist das schon schweineteuer(;! Ich bin einfach so mega neidisch ???! Ich hoffe bei dir ist alles ganz flauschig ( dein bettchen find ich übrigens super süß) hab dich lieb ???

    • also wenn du im april kommen wolltest, wäre der flug ja nur 650, also ein schnäppchen :D
      der sonnenbrand am freitag war die hölle, is noch richtig schlimm geworden, dudum :D
      fühl dich gedrückt, herzl <3

  4. Das mit dem Sonnenbrand war ja abzusehn..kann mich noch allzu gut an den dockville sonnenbrand erinnern. Das mit den ständen hört sich ja echt col an, keinen kaffee to go, aber ne kokosnuss to go. Und wat für wannabeakademikeraffen ey, unglaublich. Ab wann wirds denn bei euch dunkel und was willst du dir für ein kleid nähen?

    Und viel spaß am strand heut!

  5. Das mit dem Sonnenbrand war ja abzusehn..kann mich noch allzu gut an den dockville sonnenbrand erinnern. Das mit den ständen hört sich ja echt col an, keinen kaffee to go, aber ne kokosnuss to go. Und wat für wannabeakademikeraffen ey, unglaublich. Ab wann wirds denn bei euch dunkel und was willst du dir für ein kleid nähen?

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