Reisefieber

Endlich Ferien, endlich Sachen packen weg und Ukraine, endlich Friedi wieder sehen.
Fünf Tage, in denen ich merke, wie glücklich mich Freunde machen, wie glücklich mich Sonnenschein nach monatelanger Trübheit macht und wie froh ich sein kann, dass es mir so gut geht und ich reisen kann und im Prinzip machen kann, was ich will.
Mein erster Halt: Lviv/Lwów/Lemberg, eine wunderschöne und bezaubernde Stadt. Was mir als erstes auffällt, so viele tolle Gebäude, jedoch auch ein wenig mitgenommen, an jeder Straßenecke kleine Kaffeestände und Sonne. Angekommen und erstmal mit der Straßenbahn zum Hostel, ein Erlebnis für sich. In der Bahn, welche in Deutschland bestimmt niemals den Tüv bestanden hätte, kauft man das Ticket bei der Fahrerin bzw. beim Fahrer. Das Entwerten macht mir besonders Spaß, es gibt Metallteile, in die man sein Ticket irgendwie hinein schiebt, einen Hebel runter zieht und das Papier auf individuelle Weiße durchlöchert. Ein Mann mit vollem Kaffeebecher und Zigarette steigt ein, setzt sich neben mich und fängt gleich an zu erzählen und möchte mir ständig seinen Kaffee und die Kippe andrehen, ich lehne mehrmals dankend ab und zur Freude der ganzen Bahn holt er nun nacheinander Bananen und Mandarinen heraus und erzählt auch noch von Zitronen und Orangen, die ich haben könne.
Wir besuchen die Kaffeemanufaktur, wo es so unglaublich gut duftet und der Kaffee unten im Keller gelagert wird. Es gibt auch eine Schokoladenfabrik und man kann Becher voll geschmolzener Schokolade trinken/löffeln.
Auf dem Dach vom Haus der Legenden steht ein Trabi und man kann auf die Stadt hinunter sehen oder bei Tee in einer Art kleinen Bibliotheksraum sitzen. Wir finden sogar auch deutsche Texte und schmökern in alten Schulbüchern und Ernährungsratgeber.
Nach vielen Treppenstufen sind wir oben beim Eiffelturm und schauen auf die wunderschöne Stadt, in der man so viel machen und sehen kann, wie z.B. die Oper, eine sitzende Freiheitsstatue, nur blau gelbe Spielplätze, eine alte armenische Kirche oder eine sehr gute und bewegende Fotoausstellung „Two feet under the ground“ und „Live the war“ über den Krieg in der Ukraine.
Wir fahren mit dem Nachtzug nach Chmelnytsky, ein riesiger Zug. Die Wagongs bestehen nur aus Betten und jeder Wagong hat seine eigene Schaffnerin oder Schaffner. Beim einsteigen gibt man sein Ticket ab und wird dann sogar rechtzeitig kurz vorm Ziel persönlich geweckt. Zugfahren ist schon toll. In Chmelnytsky wollten wir uns eigentlich nochmal hinlegen, jedoch lag der Schlüssel nicht unter der Fußmatte, also fahren wir morgens um 6 mit dem Bus in das kleine Dorf Antoniny. Doch während der 2h Strecke kann ich nicht, wie erwartet noch ein wenig weiterdösen. Es ist zwar schön dunkel im Bus, doch dieser springt mehr über die ausbaufähigen Straßen, als das er fährt. So schaukeln wir und währenddessen läuft laute ukrainische Musik und die Sonne geht auf, das hat auf jeden Fall auch seinen Charme.
Antoniny begegnet mir mit einer ganz besonderen Atmosphäre durch die Ruhe und den Sonnenschein. Wir wohnen im Kinderheim, wo Friedi arbeitet. Die Kinder lieben sie und geben mir auch ein wenig ihrer Liebe ab. Wir tanzen und spielen zusammen, wobei ich schnell noch kyrillisch und die ukrainischen Zahlen lernen muss.
Im Dorf sieht man noch die Reste eines Palais von einem polnischen Fürsten, dazu sehen wir uns auch eine kleine Fotoausstellung in der Bibliothek an. Die super Bibliothekarin freut sich riesig und lädt uns noch herzlich zum Tee ein.
In Chmelnytsky haben wir sehr viel gegessen, Karten gespielt, Kaffee mit frischem Orangensaft getrunken und versucht irgendwie die Stadt von oben zu sehen.

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