Tradition und der Blick auf vergangene Jahrhunderte

Allerheiligen. Was bei mir zu Hause in Halle nicht mal ein Feiertag ist, ist hier eine sehr wichtige Tradition. Es ist frei und die Stadt ist auf einmal sehr leer und ruhig. Man besucht seine Familie und denkt an die verstorbenen. Je näher ich dem großen Friedhof komme, desto mehr Menschen treffe ich auf einmal. Es herrscht sehr geschäftiges treiben, noch werden die letzten Blumen und Kerzen verkauft. Der Himmel ist schon völlig dunkel, doch über den Gräbern leuchten Heiligenscheine. Es ist so beeindruckend schön, aber auch Melancholie schwebt in der Luft. Auf jedem Grab stehen Kerzen in bunten Gläsern. Alles ist geschmückt und leuchtet, ganze Friedhöfe verwandeln sich in Licht- und Blumenmeere. Entfernt höre ich klaren Gesang und bekomme eine Gänsehaut. So schön und traurig zugleich. Ich Laufe immer weiter in die tiefen des Friedhofs, nun sind kaum noch die Straßenlichter zu sehen, nur noch Kerzen leuchten für die Seelen. Es ist sehr beeindruckend und faszinierend, dass ich mich kaum lösen kann.

Halloween ist hier aufgrund der Feierlichkeiten am Folgetag noch nicht so wirklich ausgeprägt und eher verpönt. Wir hatten jedoch trotzdem ne Menge Spaß, mein Mitbewohner Pepe hatte mich netterweise zu seiner Uniparty eingeladen. Es war ganz gute Stimmung mit den internationalen Medizin- und Tourismusstudentinnen und Studenten in ihren verschiedensten Halloween Kostümen. Ich habe viele nette Leute, vor allem aus Indien und der Ukraine, kennengelernt und irgendwie konnte sich keiner so wirklich vorstellen, dass ich aus Deutschland komme.

Dieses Wochenende wurde ich von meiner Ansprechpartnerin Gosia zu einem Ausflug nach Kazimierz Dolny eingeladen, eine kleine Renaissance Stadt an der Weichsel. Wir konnten uns endlich mal ein bisschen mehr unterhalten, da sie sonst immer viel zu tun hat, und haben den Ausblick von der Burgruine auf die angeblich schönste Landschaft Polens genossen. Was ich nebenbei gelernt habe: die Weichsel ist der einzige europäische Fluss, welcher noch in seiner natürlichen Form verläuft ;).
Die Residenz von König Kazimierz ist sehr klein, schnuckelig und touristisch. Außerdem sehr beliebt bei vielen polnischen Künstlerinnen und Künstlern. Es gibt leckeres typisches Hefebrot in Form eines Hahns und eine Hundestatue, bei der es möglicherweise Glück bringt, die Nase zu berühren. Die vielen alten malerischen Villen, einige sogar noch aus Holz, erzeugen eine geheimnisvolle Atmosphäre des Vergangenen.

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