Kuriositäten

Nach schon über einem Monaten Aufenthalt hier in Lublin (was ich ehrlich gesagt noch gar nicht realisieren kann), wollte ich einfach ein paar Dinge aufzählen, dich mich anfangs bzw. immer noch ein wenig verwirren. Was jedoch in keinem Fall irgendwie kritisch oder negativ gewertet werden soll.
Fangen wir ganz grundlegend an ;). ‚Ja‘ und ‚nein‘ heißt auf polnisch ‚tak‘ und ‚nie‘. Allerdings bedeutet ‚no‘ ebenfalls ‚ja‘ und ‚ja‘ steht für ‚ich‘. Während ich also noch völlig im deutschenglisch Modus steckte, harbe ich wie‘s aussieht ständig ‚ichichich‘ gesagt, wenn ich ‚ja‘ meinte und ‚jaja‘, wenn ich eigentlich mit ‚nein‘ antworten wollte. Selbst heute passiert mir das noch von Zeit zu Zeit. Allerdings bin ich, dank der verständnisvollen Leute doch ganz gut damit durchgekommen, zum Glück.
Viel offener als in Deutschland, wird man hier einfach angesprochen, bevorzugt von älteren Damen. Ob im Bus, beim Einkaufen oder einfach auf der Straße. Soweit mein polnisch es zulässt entschuldige ich mich vielmals, dass ich nicht helfen kann und kein polnisch verstehe. Daraufhin wird mir mit einem lächeln und ein paar Worten auf die Schulter geklopft und sie gehen weiter. Dabei würde mich es wirklich interessieren, was eigentlich zu mir gesagt wird. Aber leider gehört polnisch ja offiziell zu den 10 schwersten Sprachen weltweit und auch mein Sprachkurs an der Uni hat erst seit dieser Woche angefangen. Zugegeben bin ich mehr als ein wenig überfordert von den vielen kaum zu unterscheidenden ‚tsch‘ ‚dz‘ ‚dsch‘ ‚ts‘ und ‚eauö‘ Lauten. Es gibt 32 Buchstaben und angeblich 7 Fälle, ich freu mich schon drauf ;).
Traditionen, Feste und Familie stehen in Polen unter anderem an oberster Stelle. Ein sehr groß gefeiertes Ereignis ist der 14. Oktober, der „Tag der Lehrerinnen und Lehrer“. Plötzlich kommen die Lehrpersonen in Abendkleid und Anzug mit Abzeichen. Ich kam mir auf jeden Fall sehr fehl am Platz vor. Es gibt mehrere Auszeichnungen und jeweils Geschenke von den Klassen, Blumen und Schokolade aber sogar auch Kleidung und riesige Präsentkörbe. Ich habe unerwarteter Weise auch etwas bekommen, eine Kuscheldecke und ein kleines Ständchen, was mich natürlich sehr gefreut hat, aber andererseits weiß ich nicht ob ich das wirklich so will, von den Schülerinnen und Schülern als Lehrerin gesehen zu werden.. eigentlich nicht. Wir haben schon eine eigenartige Rolle als Freiwillige in den Schulen. Man steht überall dazwischen und gehört nirgends so wirklich dazu. Weder Schüler noch Lehrer. Und auch im Wohnheim und Sprachkurs fall ich raus, unter den ganzen Studentinnen und Studenten.
Aber es gibt nicht nur den „Tag der Lehrer“, sondern auch einen „Tag der Mädchen“ und einen „Tag der Jungen“. Letzteren durfte ich sogar miterleben. Die sms meiner Ansprechpartnerin: ‚komm von 17-20 Uhr in die Schule, da ist die Disko‘. Ich komme also nichtsahnend und ein wenig verwirrt an, wo ich in die Turnhalle geschickt werde. Nebelmaschine, bunte Lichter und Schüler die sich als DJ‘s versuchen. Die Atmosphäre war für mich schon irgendwie seltsam, die ältesten Schüler immer noch 2-3 Jahre jünger, von Lehrerinnen und Schülern genau beobachtet und wie gesagt immer irgendwo dazwischen. Auch standen die Lehrer an der Tür und haben niemanden aus der „Disko“ rausgelassen, bis das Programm zu ende war und es Pizza gab. Ganz schön war allerdings mal die Möglichkeit zu haben, die Schülerinnen und Schüler außerhalb des Unterrichts zu sehen. Es war plötzlich viel lockerer und offener.
Um noch einmal auf die Pizza zurück zu kommen, die isst man hier in Polen so gut wie überall mit Soße, also Ketchup oder Mayo aber auch ausgefalleneres. Natürlich total undenkbar für meine beiden italienischen Mitbewohner. Und Bier gibt’s, wie schon mal erwähnt mit Sirup und Strohhalm oder sogar auch heiß, hat dann ein bisschen was von Glühwein. Alkohol darf man offiziell übrigens nicht in der Öffentlichkeit, also draußen auf Straßen und Plätzen, trinken.
Im Supermarkt findet man immer wieder einen Käse, der ‚Salami‘ heißt. Ehrlich gesagt hab ich mich noch nicht getraut ihn zu probieren.
Generell ist das mit den Supermärkten interessant. Viele Läden haben immer bis 23 Uhr offen und sogar auch sonntags, dann allerdings ‚nur‘ bis zehn. Es gibt mehrere französische Supermarktketten hier, ich persönlich gehe jedoch lieber in die polnischen, schon allein wegen der Namen. Das ist wirklich süß, während man bei uns Aldi, Rewe oder Edeka findet, heißen die polnischen Discounter Übersetzt Marienkäferchen (übrigens der günstigste), Blümchen oder Fröschchen mit jeweils den entsprechenden Bildern dazu. Auch die Vornamen werden immer und überall mit Spitznamen verniedlicht, wenn auch teilweise nicht ganz nachvollziehbar. So wird Alexandra z.B. zu Olla, Jakob zu Cuba oder Jo(h)anna zu Ascha.
Ach ja und nicht zu vergessen, in Polen gibt es nicht die allseits bekannten Toilettenmännchen, sondern noch hauptsächlich die Symbole Kreis (weiblich) und Dreieck (männlich), welche immer wieder gern für Verwirrung sorgen. Interessanterweise wird in der polnischen Sprache kaum gegendert. Es gibt z.B. alle Berufe nur in männlicher, nicht aber in weiblicher Form.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.