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Ein kulturweit-Freiwilliger ist auch nicht perfekt

Was für ein Wochenende. Plötzlich hatte ich keine Wohnung mehr, dafür gute Freunde und viel Kuchen.

Das mit der Wohnung ist eine lange Geschichte, die einen verrückten Vermieter und zwei panische Mädels enthält. Am Ende des Liedes strandeten Pia und ich mit einem Haufen Koffern und kaum noch Nerven bei Manuel und Anita. Neue Wohnung muss her, zumindest noch für zwei Wochen bis zu den Winterferien. Diesen Gedanken blendeten wir erstmal aus, machten es uns für die Nacht auf dem Sofa gemütlich mit Eis, Hamburgern und Wein. Die nächste Nacht auf dem Sofa meiner Kollegin. Geburtstagsfeier mit ganz viel Kuchen und Selbstgebackenem. Die nächste Nacht bei einem anderen Freiwilligen und Schwupps. Ergab sich irgendwie alles einfach so. Manuel hat eine Freundin, die ein Zimmer vermietet. Die Französin, die dort grade wohnt ist genau bis zum Anfang der Winterferien im Urlaub, ich könne direkt einziehen. Friede Freude Eierkuchen. Natürlich gehört zu der Geschichte noch ein bisschen mehr Drama, Angst und Tränen, aber davon will ich garnicht erzählen. Sondern davon, dass ich gemerkt habe, was für gute Freunde ich hier mittlerweile habe und dass sich irgendwie immer alles irgendwie ergibt.

Und das hat mich angeregt, jetzt diesen Beitrag zu schreiben. Weil irgendwann immer etwas schief geht, weil nichts perfekt laufen kann. Hier meine – nicht ganz so dramatische- Hitliste der Lowlights und Fettnäpfchen. Da ich noch fast zwei Monate hier bin, werde ich die bestimmt auch nochmal aktualisieren müssen.

  1. Als ich für ein Wochenendtrip meine Busfahrtickets in der Schule ausdrucken wollte und der Drucker nicht ging. Erster Reflex: tausend Mal auf den Druck-Knopf drücken. Tatsächlich hatte ich einfach nur den falschen Drucker ausgewählt und ein paar Minuten später kam Gabi aus dem Sekretariat stinksauer zu mir mit unzähligen Busticktes, gedruckt auf steifem, ofiziellem Zeugnispapier.
  2. Als ich mit zwei Schülern Deutschaufgaben machte und den einen, sehr kleinen und dünnen Schüler fragte, ob er in der 7. oder schon in der 8.Klasse sei, und er antwortete, er würde grad die 10. wiederholen.
  3. Als ich beim Mittagessen im Lehrerzimmer eine verbogene Gabel hatte und mir ausversehen damit in den Mund stach. Halb so wild, aber wegen des Schocks konnte ich über eine Stunde nicht aufhören zu heulen und so nach der Pause nicht wieder in den Unterricht.
  4. Als ich in meiner ersten Woche den falschen Bus nahm, irgendwo in den Armenvierteln gelandet bin und sich alle gefreut haben, dass man mich überhaupt noch lebend und mit meinem Handy wieder gefunden hatte.
  5. Als ich der Fachleiterin von Deutsch stöhnend erzählte, dass die eine Klasse so laut war, dass ich Kopfschmerzen bekommen hatte und sie darauf hin die zuständige Lehrerin anmeckerte, Henni hätte gesagt, sie hatte ihre Klasse so garnicht im Griff.
  6. Als ich einen Kollgen etwas zu den Falkland-Inseln fragte und er nur total wütend fragte „DEN WAAAAS???“ (Man muss in Argentinien unbedingt Islas Malvinas sagen, der britische Name ist hier absolut nicht gern gehört).
  7. Als ich mir den selbstgestrickten Schal von Pia ausgeliehen hab, um ihn am nächsten Tag im Bus zu vergessen.

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