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Traditionen

Am Sonntag waren wir bei meiner Kollegin zum Asado eingeladen. Asado ist Grillen, nur halt ein bisschen – es gibt kein angemesseneres Wort- geiler.

Zuerst einmal hat mich erstaunt, dass wir nicht bei meiner Kollegin zuhause waren. Wir sind ins Haus ihrer Schwägerin in der Provinz gefahren, weil das einen Garten hat. Die Schwägerin war allerdings mit ihrer Familie verreist. Perfekt also, um mit zwei Familien plus Pia und mir ein Essen zu veranstalten. Ich stelle mir vor, wie ich meiner Tante vorschlage, mit 10 Freunden bei ihr zu kochen, wenn sie nicht da ist.

Beim Asado wird für jeden Esser etwa 1kg Fleisch eingeplant. Teilweise damit man auf jeden Fall genug hat und teilweise, damit man am nächsten Tag nochmal Asado essen kann.

Es kommt nicht irgendein Fleisch auf den Grill. Es gibt bestimmte Sachen, die zu finden sein müssen: Chorizo (deftige Wurst), Nieren, Rippchen, Morcilla (Blutwurst) und gefühlt eine halbe Kuh.

das Fleisch wird einfach nur gesalzen und vom Grillmeister bewacht. Diese Menge Fleisch war für 12 Leute, drei davon unter 10 Jahren.

Mein absoluter Liebling ist die Morcilla, also die Blutwurst, geworden. Wenn sie fertig gegrillt ist, ist die Pelle hart und knackig und innen ist die Wurst ganz weich. Es gibt einmal die normale Variante der Blutwurst oder „Morcilla vasca“, eine süße Wurst mit Rosinen und Zimt drin. Klingt vielleicht komisch, ist allerdings der Hammer.

Ein paar Salate als Beilagen, Saucen gibt es keine. Man trinkt entweder Wein, Bier oder Fernet mit Cola oder alles hintereinander.

Am 20. Juni feiert man in Argentinien den „Día de La Bandera“ also den Nationalfeiertag zu ehren der Argentinischen Flagge. Es ist der Todestag von Manuel Belgrano, der die Flagge mal designt hat. Das heißt freier Deinstag und wieder ein Hoch auf Argentinien mit seinen ganen Feiertagen. Ich trage natürlich in diesem Moment eine Anstecknadel mit der argentinischen Flagge.

Eine andere Kollegin hat mich heute eingeladen, mit ihr zu einem Fest ihrer Gemeinde zu fahren. Es waren unglaublich viele Memschen in der modernen Kirche in Lanus versammelt, die absolut nicht aussieht wie eine Kirche. Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich, wenn ich zwei Katholiken frage, ob sie regelmäßig in die Kirche gehen, die Antwort bekomme: „ja immer, mein Mann spielt bei der Messe die Bassgitarre“. Unorgelich.

Zu Essen gabs Locro beim Gemeindefest. Ein traditioneller, sättigender Eintopf mit Linsen, Bohnen, Gemüse und (natürlich) Fleisch. Auf der Top ausgerüsteten Bühne mit Musikequipment, das mein Musikerherz neidisch gemacht hat, wurde dann noch Folklore getanzt und gesungen. „Gracias a la vida, que me ha dado tanto“, beispielsweise. Danke an das Leben, das mir so viel gegeben hat.

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