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Auf der anderen Straßenseite

Ich kniffel gerne. Man kann also sagen ich bin ein Mensch, der sich über große Straßen freut. In Buenos Aires gibt es die größte Straße der Welt, genauer gesagt, die breiteste: die Avenida 9 de Julio. Sie führt von Nord nach Süd einmal durch die Stadt. 20 Spuren, 16 für Autos, 4 für Linienbusse. Ziemlich starke Sache. Und manchmal finde ich die 9 de Julio auch richtig toll. So kann man in der Mitte der Straße auf dem Bürgersteig Tag und Nacht spazieren gehen, dort ist immer Polizei. Ein sicherer Weg auch im Dunkeln nach Hause zu laufen. Außerdem kann ich mich leicht an dieser Straße orientieren. In ihrer Mitte steht der Obelisk. Sehe ich den Obelisken vor mir? Nach rechts. Ist der Obelisk hinter mir? Nach links, oder Du bist ganz falsch.

Manchmal finde ich diese Straße aber auch einfach nervig. Ganz besonders, wenn es 7:00 Uhr morgens ist. Dann muss ich die Straße überqueren, um zur Schule zu kommen. Eine grüne Ampelphase reicht jedoch nicht aus, um 20 Spuren zu überqueren. Und um 7 Uhr morgens bin ich nicht bereit für Höchstleistungen im Sprint. So stehe ich also jeden Morgen drei Ampelphasen lang auf der 9 de Julio währen die Sonne hinter mir aufgeht. 

Ich habe heute in der Schule Texte über mich selbst berichtigt. Die Schüler sollten aus meinen Antworten zu Fragen, die sie mir gestellt hatten, einen Fließtext schreiben. Eine Frage war, ob ich Spanisch spreche. Ich sagte Ja, aber dass ich das spanische Spanisch gewöhnt sei und es Unterschiede zum argentinischen gibt und das manchmal ein Problem für mich sei. Ich habe das Beispiel angegeben, dass ich im Spanisch-Unterricht gelernt habe, dass man, wenn jemand niest, im spanischen „Jesús“ sagt. In Argentinien sagt man jedoch „Salud“. Was stand also in der Hälfte aller Texte der Schüler:

Henni hat ein Problem mit Jesus.

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