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La capital, Dulce de Leche und mein weißer-Hosen-Tag

Seit einer Woche bin ich hier in Lanús. und ich muss gestehen, mich hat zu Beginn eine richtig große Frustrationswelle gepackt (ist aber schonwieder überstanden). Ich hatte mir vorgestellt nach Buenos Aires zu kommen, diese tolle und aufregende Stadt kennenzulernen und mich direkt in sie zu verlieben.

Ja, ich bin in Buenos Aires angekommen. in GRAN Buenos Aires. Gran Buenos Aires ist ungefähr so groß wie Deutschland. Lanús ist auch Gran Buenos Aires. Lanús hat mehr Einwohner als Hannover. Lanús ist kein Ort zum verlieben. Das kann ich eigentlich garnicht so sagen. Ich kenne von Lanús nur dieses Haus, das der Nachbarin, den Weg von hier zur Schule und den Supermarkt. Wenn ich von der Schule nach Hause komme, gehe ich nicht mehr raus. Spazieren gehen? “ Nooo, hier doch nicht!“ in den Park? „Nooo, da geht man nicht hin“ Alleine in den Supermarkt? „chicitita, wir leben am Rande der favelas, du kommst keine 20m weit!“. Dabei scheint Lanús garnicht so hässlich. Die Leute tragen die gleiche Kleidung wie ich, viele Häuser sind richtig schön. Aus den Erzählungen von Heidi und ihrer Familie lässt sich aber nur eines schließen: Lanús ist der gefährlichste Ort, den es gibt. Ich glaube, sie übertreiben. Aber ich bilde mir nicht ein, es besser zu wissen.

Tatsächlich wurden ihre Aussagen schon bestätigt. Als ich am Samstag auf den Bus gewartet habe, rauschte ein (wahrscheinlich gestohlenens) Motorrad mit zwei jauchzenden Fahrern an mir vorbei. Dicht gefolgt von drei (!) Polizei-Motorrädern mit Sirenen und einem Polizei-Auto. Alltag, sagt Fabiano zu mir. Geil, wie im Film, denke ich. Heute hat jemand versucht vor der Schule eine alte Frau zu überfallen. Geschrei, die ganze Schule stürmt ans Fenster. Der Dieb hat nichts gekriegt, davongekommen ist er aber auch.

Samstag war es dann endlich soweit: Mit dem Bus bin ich nach Buenos Aires -perdon- la Capital de Buenos Aires gefahren. Ednlich einmal raus hier! Mit den anderen kulturweit-Freiwilligen haben wir eine Stadtführung ( eine free-walking-Tour, sehr zu empfehlen!) gemacht und endlich habe ich gesehen, was ich sehen wollte: das wunderschöne Buenos Aires zum verlieben. An diesem magischen Tag hat sich sogar direkt eine Wohnung für mich ergeben (nachdem ich die Tage zuvor kurz davor war, wegen dieser bescheurten Wohnungssuche den Laptop gegen die Wand zu werfen).  Am Donnerstag (Zu Beginn des langen Wochenendes) werde ich erstmal in ein Hostel ziehen und dann ab dem 1.April zusammen mit Pia ein Zimmer in einer ziemlich coolen WG in San Telmo (hippes, historisches Viertel) beziehen.

In die Stadt mit dem Bus zu fahren war kein Problem. Zurück habe ich mich leider ein bisschen im Bus geirrt und landete am Ende, na? In den Favelas! Kurz gefasst: Heidi und ihr Familie dachten schon, ich wäre für immer verloren. Ich wurde jedoch gefunden und habe überlebt! Favelas sagt man hier übrigens garnicht sonder „Villas“ (mit dem argentinischen Dialekt „Wischas“ ausgesprochen). Scherzkekse, diese Argentinier!

Sonntag hatte ich mich schon darauf eingestellt, den Tag im Haus mit dem Buch zu verbringen und die 27 grad und Sonne draußen 27grad und Sonne sein zu lassen. Doch ungeahnte Rettung kam: Der Enkel von Lili will mit dir spazieren fahren, willst du? ich: Hä? Heidi: Sie wollen dir die Gegend zeigen. Na gut, dachte ich mir, besser als hier rum zu hocken. Zwei Stunden später kamen Camilla, Deutsch-Übersetzungs-Studentin und ihre Eltern und sind mit mir nach Recolata, einem der schönsetn Stadtteile der Capital gefahren, haben mich zum Kaffee eingeladen (Schokolade, Banane, Walnüsse und Dulce de Leche in einer Torte!) und mir das Grabmal von Evita gezeigt. Nächstes Wochenende haben Camilla und ich uns zum Ausgehen verabredet, wunderbar! Wieso die Familie das gemacht hat? keine Ahnung! Ich frag mich, ob meine Familie eine Stadttour mit einem Mädchen macht, das bei einer Freundin der Oma zu Besuch ist…

Meine Frustration ist entgültig weg und in diese Woche starte ich mit voller Motivation. Nichtmal die Bolognese Sauce auf meiner frischen weißen Hose konnte mir die Laune verderben!

 

 

 

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