Huhuu, Motivation, hier bin ich

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Blogeintrag schreiben soll, aber er gehört ebenso zu meinem Freiwilligendienst, wie die Sesamringe am Straßenrand, die langen Busfahrten, die wechselnde Schulklingel, die mich spätestens am Donnerstag in den Wahnsinn treibt und das Eis bei Affreddo, in welches ich schon sehr viel Geld investiert habe, auch wenn über dieser Geschichte kein Weichzeichner und kein gelber Filter liegt. Dieser Blogeintrag soll weder ein Vorwurf noch eine Fingerzeig auf was auch immer sein, er soll einfach nur meine Situation beschreiben. Er spricht weder für alle Freiwilligen, er spricht nur von meinem halben Jahr und meinen Erfahrungen, die durch die entsprechenden Umstände entstanden sind.

Ich habe teilweise vielleicht eher kryptisch, teilweise zwischen den Zeilen angedeutet, dass ich in meiner Einsatzstelle nicht so wahnsinnig viel zu tun hatte, dass ich nicht immer mit meinem Arbeitspensum zufrieden war. Zumindest nicht so wie ich erwartet hatte. Das lag einerseits daran, dass meine Betreuerin spontan zum Sommer gewechselt hat und nicht genau wusste, welches meine Aufgaben sind, andererseits aber auch daran, dass am Anfang des Schuljahres eine der sechs Lehrerinnen gekündigt hat und nachdem ich keinen Unterricht mehr vertreten durfte/musste, die anderen Lehrerinnen dafür umso mehr zu tun hatten.

Nach besagtem Vertretungsunterricht waren meine Aufgaben also zwischen kopieren, Ankreuzarbeiten korrigieren, eine Wandzeitung zu gestalten und zu warten sehr beschränkt. Ich bat meine Hilfe an, fragte nach und wartete. Doch nach jedem „Vielleicht nächste Woche“ und jedem „Das passt jetzt wirklich nicht so gut. Ich mache doch nur Grammatik“ schwand meine Motivation. Bis ich irgendwann einfach keine Lust mehr hatte, ich wollte nicht nochmal den Satz „Setz dich doch in die Bücherei und entspann dich“ hören, dazu war ich nicht hier. Aber genau das machte ich irgendwann, blieb einfach in der Bücherei, ich wollte nicht nochmal abgeblockt werden. Was mich noch mehr mitnahm, als die Aufgabenlosigkeit, war die Tatsache, dass ich einfach keine Motivation mehr hatte. Und das wusste. So wartete ich, kopierte, malte ein bisschen am Adventskalender, füllte Listen aus und guckte mittags auf sehr wenig Produktivität zurück. Zwar hatte ich schon gehört, dass es Freiwillige gab, die nichts zu tun hatten, aber als ich das hörte, dachte ich immer nur „Jaa, bei denen war das so, aber Ich finde immer was zu tun, natürlich mache Ich super viel“. Weil ich in den Jahren davor auch immer was gemacht habe, unterwegs war und vor allem, motiviert für neue Sachen war. Mir würde so etwas nie passieren, ich bin zu aktiv, engagiert und ideenreich dafür. An dessen Stelle war jedoch eine Frustration und Müdigkeit getreten.

Im Januar dachte ich plötzlich, dass es das nicht sein kann, zwar hatte ich mehr Aufgaben, leitete die Lesefüchse, bereitete dafür Material vor und traf mich wöchentlich mit den Schülern und übte in den achten Klassen lesen, aber das war nicht das, was ich mich befriedigte und auf einen erfolgreichen Freiwilligendienst zurückblicken lies. Also überlegte ich mir ein Projekt zum Thema „Glücksmomente“ für die 9. Klasse. Eine Lehrerin sagte wirklich für die darauffolgende Woche zu. Da die kostbare Unterrichtszeit nicht so viel genutzt werden sollte, leitete ich nur kurz mit einer Geschichte ein, besprach mit den Schülern alles und gab ihnen den Auftrag eine Geschichte zu schreiben. Nach 25min ging ich motiviert und stolz aus dem Unterricht raus. In der nächsten Woche kam ich zurück um die Texte einzusammeln. Genau fünf von 29 Schülern hatten einen Text geschrieben. Vor dem Raum betrachtete ich die Texte. Natürlich war ich enttäuscht, dass es nicht mehr waren, schließlich wollte ich damit eine 2mx2m Pinnwand schmücken, aber irgendwie merkte ich, dass das nicht der Punkt war. Ich war auch stolz. Die fünf Texte waren süß und ich freute mich, dass sie geschrieben worden waren. Vielmehr freute ich mich aber darüber, meine Motivationslosigkeit überwunden zu haben. Klar ist nichts gigantisches dabei rausgekommen, vielleicht wäre auch bei den anderen Projekten nichts riesiges rauskommen, vielleicht auch gar nichts. Darum geht es aber nicht, mir zumindest nicht, wichtig ist, es wieder zu probieren und trotzdem seine Grenzen zu kennen, sich abzuarbeiten an etwas, das nicht funktioniert bringt auch nichts.

Beim Zwischenseminar habe ich gelernt, dass man in fast allen Fällen Hilfe braucht, sei es bei der Unterstützung der eigenen Ideen, bei der Entwicklung, bei der Umsetzung, dem Raum, der Zeit… Diese Hilfe hat mir in vielen Bereichen gefehlt, vor allem hätte ich jemanden gebraucht, der gegen mein Inneres „Das-klappt-doch-eh-nicht“ angeredet hätte. Vielleicht hätte ich einfach eine andere Freiwillige vor Ort gebraucht, jemand, der in der gleichen Situation ist und das eben nicht nur über Whatsapp, vielleicht hätte ich eine Lehrerin gebraucht, die sagt „Komm mit, wir machen jetzt was zusammen“, vielleicht eine Einsatzstelle, die mehr Aufgaben gehabt hätte, vielleicht auch einfach nur ein bisschen mehr Sonnenschein, ich weiß es nicht. Doch obwohl ich nicht das Megaprojekt auf die Beine gestellt habe, habe ich etwas Wichtiges gelernt, meine Frustration zu überwinden und wieder zu probieren, es nicht persönlich zu nehmen, wenn es nicht klappt und vor allen Dingen mich nicht zu vergleichen.

An alle anderen Freiwilligen, die das lesen, es bringt überhaupt nichts, sich mit den vorherigen Freiwilligen oder denen im Nachbarort oder sonst wo zu vergleichen. Du musst das machen, was zu deiner Zeit an deinem Ort möglich ist, soweit du eben kannst und soweit du willst und darfst dabei natürlich über die Möglichkeiten hinausgehen. Aber vergleiche nicht, weder dich, noch andere. Du kannst nicht die Situation anderer beurteilen, weil du sie nicht kennst. Außerdem ist jeder Mensch unterschiedlich, jeder hat andere Stärken. Manche passen eben perfekt zu der Einsatzstelle oder den Personen, die dort arbeiten, dann hat man Glück gehabt, manche aber eben nicht. Und da kann man sich natürlich anstrengen und sein Bestes geben und versuchen Dinge auf die Beine zu stellen, aber manchmal liegen mehr Steine im Weg als gedacht.

An dieser Stelle möchte ich auch nochmal sagen, wenn einem immer wieder gesagt wird, du musst es einfach nur nochmal versuchen, sei aktiv, such dir doch eine Person, mit der du etwas machen kannst, ist mir bewusst, dass dies total nett gemeint ist und nur als Hilfe dienen soll, aber das oft, obwohl es nicht so gemeint ist, als Vorwurf klingen kann. Vor allem kann es so aufgefasst werden, als wäre es ein persönlicher Vorwurf, als hätte man wirklich noch nicht alles probiert, als wäre man selber dran Schuld, dass es bei einem nicht so läuft, wie bei anderen Freiwilligen. Bitte, nehmt die Dinge nicht persönlich, obwohl viele Freiwillige ähnliche Situationen und Probleme meistern, so ist doch jeder in einer anderen.

Wenn ich schon dabei bin, möchte ich auch nochmal betonen, dass man seine Erlebnisse auch nicht mit anderen Blogs von Freiwilligen vergleichen sollte oder gar als Maß ansehen. Ich für meinen Teil habe eigentlich immer nur aufregende, witzige, manchmal nachdenkliche oder eindrückliche Erlebnisse aufgeschrieben. Das heißt aber nicht, dass ich durchweg solche Geschichten erlebt habe. Die Dinge sind zwar eins zu eins so passiert, aber die Teile dazwischen, in denen ich Nachmittage komplett verschlafen habe, mit weit entfernten Freunden und meiner Familie geskypt und telefoniert habe, die täglichen einstündigen Busfahrten vorbei an tristen Häuserblöcken und die Spaziergänge durch die Stadt, die zwar nicht schlecht, aber auch nicht besonders aufregend waren. Ich genieße die Zeit, mit allen Höhen und Tiefen, ich möchte nur davor warnen, den Blog als vollständiges Abbild der letzten Monate zu nehmen, weil ich euch die Tiefen eben oft im Blog verschweige (und ich entschuldige mich, dass ein, wenn auch kleines Abbild, der letzten zwei Monate komplett fehlt, obwohl diese wohl die ereignisreichten und wahrscheinlich auch glücklichsten meiner Zeit als Freiwilligen waren. Kommt aber noch, versprochen! Geschichten haben sich angesammelt). Dazu noch ein letzter Punkt, die Darstellung meiner Erlebnisse sind wie gesagt, meine Darstellung, sie sind subjektiv, wie ich sie wahrgenommen habe. Dass heißt nicht, dass wenn ich zum Beispiel schreibe, dass diese Jacken mit den knallrosa Fellkragen, die jetzt sehr viele Mädchen in Bulgarien tragen, sehr hässlich sind, auch wirklich hässlich sind. Das ist meine Meinung und ich hoffe, dass ihr das auch immer so wahrgenommen habt und zum Beispiel meine Darstellung über Bulgarien nicht als endgültige Version, wie Bulgarien auch wirklich ist, anseht. Das ist eine Sicht auf die Dinge, nur eine Geschichte und keinesfalls die Grundlage sich eine Meinung über Bulgarien, die Menschen, den Freiwilligendienst oder ähnliches zu bilden. (Obwohl die Jacken wirklich hässlich sind, wie eine andere Freiwillige mir erzählt hat, sind sie durch ein Musikvideo einer serbischen Sängerin total hipp geworden.)

Ich hoffe ich habe euch nicht gelangweilt, aber diese Dinge wollte ich noch loswerden.

Zuletzt möchte ich sagen, dass ich trotz all dem unglaublich dankbar bin, diesen Freiwilligendienst durchgeführt haben zu dürfen. Vielleicht wäre es anderen Menschen in der gleichen Situation anders ergangen, aber das ist egal, weil genau zu der Zeit war ich eben dort und bin meinen Weg gegangen und habe unglaublich viel gelernt. Vor allem wieder aufzustehen, auch wenn es schwierig ist und auch wenn man wieder hinfällt.

Halb vorbei oder noch halb vor mir?

Zeit eine Zwischenbilanz zu ziehen oder die Geschichte wie ich zum Geheimnisvollen X. wurde, lernte das Zugfahren wirklich abenteuerlich sein kann und was der Nikolaus mit einem Fisch zu tun hat.

Wie eine graue Decke liegen die Wolken über Plovdiv, vereinzelte Vögel ziehen als schwarze kleine Punkte vor meinem Fenster vorbei. Ich sitze auf meinem Bett, die grüne Kuscheldecke über den Beinen und zwei Schokoladenpapiere aus meinem Adventskalender zu meiner rechten. Von unten klingt Topfgeklapper und …

Stopp.

Topfgeklapper?

Jaa,ihr habt richtig gelesen und ich habe richtig gehört und obwohl ich es selber immer noch nicht fassen kann und jeden Tag so dankbar bin was ich für ein Glück habe, stimmt es, ich bin umgezogen.

Holterdipolter.

Eine halbe Stunde nachdem ich vor drei Wochen Donka, meine neue Gastmutter kennengelernt hatte fragte sie mich wo ich wohne. Auf meine Antwort „im Schülerwohnheim“ schaute sie mich bestürzt an und meinte sie holt mich daraus. Eine Woche später war ich bei ihr, ihrem Mann und ihrem sechsjährigen Sohn zum Essen eingeladen und sie meinten, dass sie mir leider noch keinen Schlüssel machen lassen haben, aber ich sofort einziehen könnte und 4 Tage später saß ich in meinem neuen Zimmer. Soweit die Kurzfassung. Zwar ist die ausführliche Variante auch nicht viel länger, wie schon gesagt holterdipolter, aber einige Hintergrundinfos. Donka und ihr Mann haben beide in Deutschland studiert und hatten immer den Plan einen Austauschschüler aufzunehmen, da sie aber selber erst vor 4 Wochen umgezogen sind haben sie es noch nicht geschafft sich als Familie zu bewerben. Und dann kam ich, perfekt als Probeperson für 3 Monate geeignet. Zwar habe ich das Wohnheim mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen, hahahaha, ne Spaß, so richtig trauer ich dem einen Duschraum für 50 Leute, den Toiletten, die nur Löcher im Boden sind, dem fehlenden Wlan und der nicht vorhandenen Waschmaschine nicht hinterher. Was ich aber am meisten vermisst habe ist, nach Hause zu kommen und zu wissen nicht alleine zu sein, zusammen Abendbrot zu essen, ein Familienleben zu haben. Ich habe das Gefühl, das ich erst jetzt die Kultur wirklich mitbekommen, vorher habe ich alles gesehen, habe Häuser und Menschen und alles um mich herum beobachtet, jetzt bin ich ein Teil und bekomme das wirkliche Leben mit, die kleinen Aberglauben am Tisch, die Traditionen, wo es das beste Banitza gibt, kleine Geschichten, bulgarische Fernsehsendungen und Rezepte und die Sprache. Dank des Sprachkurses verstehe ich nun auch schon einzelne Wörter und winzige Sätze (Obwohl meine begeisterte Übersetzung „Was willst du?“ von dem vorher lauten „Какво искаш?“ im Auto vielleicht nicht ganz passend waren (der Ausruf galt einem anderen Autofahrer)).

Der Ausblick aus meinem neuen Zimmer am Abend

Zeitsprung

Schon von weitem sieht man das große marineblaue Gebäude, die darauf zuströmenden Menschen, die wie von an einem Magneten angezogen werden und diese vier großen gelben Buchstaben, die meine Augen leuchten lassen. IKEA. Da bin ich wieder. Es ist Samstag und ich bin in Sofia um am Abend mein liebes Schwesterchen vom Flughafen abzuholen. Um das Wochenende noch schön zu nutzen bin ich schon am Freitag gekommen, habe bei Seline genächtigt (und einen lustigen Abend gehabt :D) und sitze jetzt mit ihr bei Ikea vor einer großen Portion Kottbullar. Ich habe mir die beiden Schwedenfahnen in die Haare gesteckt und genieße den Ausblick über den Parkplatz. Hach, wie ähnlich das doch zu meinem Stammikea in Kassel ist. Toll. Die Einzelheiten muss ich jetzt nicht erzählen, das unterscheidet sich nicht so sehr vom Ikea in Deutschland. Nach drei Stunden verlassen wir den großen Klotz wieder, nicht nur die Mägen sind gefüllt. Da wir noch ein paar Stunden bis zu Harris Ankunft haben machen wir uns auf den Weg zu einem Glockendenkmal. Es ist eine Installation im Wald, ein großer Turm und um ihn herum im Kreis ist eine rundes Bauwerk mit Glocken. Aus fast jeder Nation hängt hier eine Glocke. Man kann herum gehen und sie nacheinander zum läuten bringen. Wir haben viel Spaß dabei an den ganzen Glocken entlang zu schreiten und mit den Klöppeln im Inneren die Glocke zum klingen zu bringen. Einige sind aufwendig verziert, es gibt kleine und große, welche mit hohen, durchdringenden Tönen, welche die klar und tief ihren Klang ausbreiten, vibrieren, scheppern, schallen. Schließlich machen wir uns aber auf den Weg zum Flughafen, bewundern die gigantischen Halle des Flughafens (haha, fast) und verbringen unsere Zeit mit Essen und andere Leute beobachten. Endlich erläutet die Durchsage, das Flugzeug aus Berlin Schönefeld sei gelandet und wenige Minuten später kommt auch schon Harri mit ihrer Sporttasche durch den den Eingang gestapft. Auch die Woche will ich nicht weiter ausführlich ausführen, nur so viel, es war super schön und wir sind viel durch die Stadt geschlendert, auf den Youthhill gestiegen und haben natürlich bulgarisches Essen gegessen.

Zu dem Bild muss ich wohl nichts mehr sagen

Glockendenkmal in Sofia

Seline und ich mit der bulgarischen Glocke (meine Güte sind wir stark)

Meine Schwester und Ich auf der Brücke am Ruderkanal

Zeitsprung

Da ich ja jetzt seit einigem an einer Schule bin komme ich mit diesen wunderbar didaktischen Methoden in Berührung komme und dachte ich, dass ich selber mal so eine kreative Schreibart ausprobiere um vom Zwischenseminar zu berichten, da ich eh nicht denke, dass ich wirklich vermitteln kann wie das Seminar war.

Z usammen zu                                                                                                                                    W eihnachtsliedern tanzen.                                                                                                              I rgendwo im nirgendwo in Rumänien.                                                                                          S chneemensch Alex mit Wischmopp auf dem Kopf.                                                                    C hoasspiel.                                                                                                                                      H olzöfen, ausschließlich.                                                                                                                 E lefantengeschichte.                                                                                                                         N eues, frischgebackenes Brot.                                                                                                        S ofiabuch vorlesen.                                                                                                                         E ntentanzohrwurm.                                                                                                                         M ein Kuscheldefizit auffüllen.                                                                                                         I nspiration.                                                                                                                                        N icht mehr weg wollen.                                                                                                                   A udiowanderweg Siebenbürgen.                                                                                                     R eflektion.

Wahrscheinlich sagen diese Stichworte nicht so viel, aber bei Interesse könnt ihr mich auch einfach nochmal fragen und sonst zeigen die Bilder vielleicht noch einen kleinen Eindruck, nur noch so viel, es war soo schön!

Schneeengel in Rumänien

Schneemensch Alex, ein paar Freiwillige und ein Hund

Unser Seminarort 🙂 an dieser Stelle Danke an Leon und Ilka für die Fotos vom Seminar

Ausblick bei unserer kleinen Wanderung

Das Seminarhaus

Zeitsprung

Zugfahren ist abenteuerlich. Punkt.

Zwei Monate ist es her als ich diesen Satz zum ersten mal in der deutschen Botschaft gehört habe,. Ich weiß noch ganz genau wie wir zusammen am Tisch saßen und mich die Abenteuerlust gepackt hat.

Und jetzt endlich steigen wir aus dem Zug in Craiova aus, einen Bahnsteig gibt es nicht, das Trittbrett des Zuges führt runter auf den vereisten Boden und die nächsten Bahnschienen. Das Zwischenseminar ist vorbei und die ersten beiden Züge von Fagaras nach Bukarest und von Bukarest nach Craiova haben wir schon hinter uns. Uns bleiben 15min um die Fahrkarten für den längsten Teil der Reise zu kaufen, von Craiova nach Bulgarien, laut der Deutschen Bahn soll diese Fahrt 9 Stunden dauern. Wir hasten zum Bahnschalter und versuchen schnell kenntlich zu machen, dass wir 6 Fahrkarten nach Sofia benötigen, doch der Stress ist umsonst. Der Zug kommt eine Stunde später erklären uns die zwei Frauen am Bahnschalter. Das verwirft jetzt zwar unseren tollen Essenszeitplan auf dem für 8 Uhr Abendbrot im Zug notiert war, aber lässt uns genug Zeit den Bahnhofsvorplatz von Craiova zu besichtigen, Geld abzuheben und die Fahrkarten zu kaufen . Auf die Frage ob es Schlafwägen gibt, antwortet die Frau nur, dass man die Tickets dafür extra im Zug kaufen muss, glauben wir zumindest. Um kurz nach 9 abends ertönt die Melodie der Zugansage und der Zug rollt auf das stockdunkle Gleis ein. Erleichtert steigen wir ein und setzen uns in unser zugeschriebenes Abteil. Während wir unser mitgebrachtes Brot und eine Art Suppe, bei der wir dachten, dass es Brotaufstrich wäre kauen ruckelt der Zug einige Meter los, bleibt stehen und fährt wieder zurück. Die Prozedur wiederholt sich zweimal und außer zwei Scherzen („deswegen dauert die Zugfahrt solange“ und „wahrscheinlich hat der Zugführer was vergessen“) schenken wir dem Vorgehen auch keinerlei Beachtung, weil Anne in diesem Moment nachguckt wieviel Strecke der Zug eigentlich zu bewältigen hat, Entfernung Craiova-Sofia, Luftlinie: 187km, Autostrecke: 261km. Ok, stopp, wir fahren 9 Stunden für etwa 250km??? Aber gut, wir wussten worauf wir uns einlassen, dachten wir. Am Abteilfenster läuft ein Mann mit Schlagstock vorbei, aus einem Handy spielt Musik und jeder sucht sich eine bequeme Schlafposition während die Luft im Abteil merklich kälter wird. Auch durch die Winterjacke und drei Schichten kricht allmählich die Kälte. Alle gucken neidisch zu Anja rüber, die eingehüllt in ihrem Schlafsack an der Wand angelehnt sitzt. Nach einiger Zeit steht Seline auf und will den Zug erkunden. Ich breite meine Schaldecke über mir aus (nein, kein Teppich) und Toni zieht die obersten Anziehsachen aus ihrem Wanderrucksack als Seline völlig geschockt zurück in den Wagen kommt: „Das war offen. Da war kein Wagen mehr. Nichts. Abgrund.“ (ich erinnere mich nicht mehr an den genauen Wortlaut, aber das war war der Inhalt.) Und ja richtig, da war nichts. Sie hatten wohl bei ihrer Hinundherfahraktion die Hälfte des Zuges abgekoppelt, die Tür wahr natürlich nicht verschlossen und weil es sowohl im Gang relativ-, als auch draußen stockdunkel war konnte Seline nicht sehen das dort vor der Tür nichts war außer schnell (wie mans nimmt, aber schnell genug um super gruselig zu sein) vorbeiziehende Gleise. Geschockt stehe ich 5 min später mit Johanna vor der Öffnung. Wir entschließen uns mit Anne in die andere Hälfte des Zuges zu gehen und nach die Schlafabteile zu suchen. Im zweiten Wagen hören wir plötzlich hinter uns Geräusche (wohlbemerkt in einem dunklen Gang in einem, wie es fast scheint, ausgestorbenen Zug). Es ist ein kleiner zur Glatze neigender beleibter Mann, der uns freundlich anlächelt und die Sprachen Rumänisch, Bulgarisch (einzelne Wörter verständlich), Englisch und sogar Deutsch durchprobiert und uns dann ich deutsch mal eben im Nebensatz mitteilte, dass unser Zug vier Stunden Verspätung hat. Johanna und ich bekommen einen leicht hysterischen Lachanfall, es fühlt sich alles einfach nur ein bisschen absurd an. Allerdings können wir danach für einen kleinen Aufpreis in zwei Schlafwägen umziehen, was die Fahrt definitv komfortabler und wärmer macht. Nach der Grenzkontrolle können wir auch endlich richtig schlafen. Der Schaffner ist super bemüht, bringt uns Decken und am nächsten Morgen Schokocrossaints und Wasser. Als wir 14 Stunden später aus dem Zug aussteigen sind wir erleichtert, aber auch froh es gemacht zu haben. Ich persönlich fand es definitv spannender und auch angenehmer als Bus fahren, aber ich muss sagen, dass ich definitv davon abraten würde alleine über Nacht Zug zu fahren. So richtig vertrauenserweckend sah der Mann mit einem riesigen Hammer in der Hand, der durch den Zug gegangen ist, nicht aus. Aber jetzt kann ich Zug fahren auch von meiner Liste abhacken und wenn ich nochmal Zeit und Mitfahrer habe es sehr gerne wiederholen.

Im Inneren des Zuges am Morgen

Und so sieht er von außen aus 😀

Zeitsprung

Jetzt aber natürlich auch noch die Geschichten aus der Einleitung, obwohl man sagen muss, dass diese eher unspektakulär sind.

Wie es dazu kam, dass ich zum geheimnisvollen X. wurde ist wirklich nicht so aufregend. In meinem Sprachkurs haben wir Beispielsätze mit uns gemacht und manche hat Gina, meine Sprachkurslehrerin an die Tafel geschrieben. Weil sie keine Lust hatte immer die Namen auszuschreiben wurde nur der erste Buchstabe an die Tafel geschrieben, Ende der Geschichte (für alle, die es noch nicht mitbekommen haben: Helli -> хели).

Den Zusammenhang vom Nikolaus und dem Fisch ist im Gegensatz dazu vielleicht ein wenig spannender. Ich habe für den Adventskalender in der Schule nach Nikolaustraditionen recherchiert, für alle die die Geschichte noch nicht kannten. Den Brauch in der Nacht vom 5. auf den 6.Dezember Süßigkeiten in die Stiefel zu packen wird so erklärt, das der heilige Nikolaus früher Geschenke durch die Schornsteine geworfen hat. Diese sind dort in die zum trocknen aufgehängten Socken gefallen. Hier in Bulgarien ist dieser Brauch nicht üblich. Da aber Nikolaus von Myra Schutzpatron der Fischer und Seefahrer ist, ist es Tradition an seinem Todestag, dem 6.12., Fisch zu essen, sehr zu meiner Freude.

Und schon sind wir wieder am Ende meines Blogeintrages angelangt, obwohl ich auch nicht von dem Wochenende in Bukarest vor dem Zwischenseminar berichtet habe. Dafür ist jetzt aber leider kein Platz mehr, ihr könnt nur das Foto von der Freewalkingtour und von einem riesigen, inspirierenden Bücherladen sehen. Nur so viel, wir hatten ein schönes erstes und kaltes Adventswochenende in der Hauptstadt Rumäniens.

Die schöne Bukarestreisegruppe, die dann doch alle aufgestanden sind 😀

Freewalkingtour in Bukarest

Ein wunderbarer vierstöckiger Bücherladen

Ich genieße die letzten Tage vor Weihnachten in Plovdiv, habe am Wochenende mit meiner Gastfamilie sehr viele Plätzchen gebacken und werde nächstes Wochenende noch einen Ausflug zu Anja nach Haskovo machen, bevor ich dann über Weihnachten nach Hause fahre.

Ich wünsche euch eine frohe, stressfreie Adventszeit und allen die das lesen schonmal fröhliche Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Alles Liebe eure Helli

Leider fehlen auf dem Bild die Zimtsterne

Schnappschüsse

„The botanic garden“. Meine Augen bleiben an dem kleinen Schriftzug, der sich quer über eine Grünfläche des Busplans am Rande der Stadt zieht, hängen. Ich hab schon den Duft der Blumen in der Nase, die exotischen Pflanzen in tropisch warmen Gewächshäusern, riesige Farnwedel und Kletterpflanzen, die sich an Stäben und Ästen emporranken, trichterförmige Blüten, die in den strahlensten Farben erbühen, aber nur heimtückisch kleine Fliegen und Insekten in ihrem Nektar fangen wollen und große Seerosenblätter, die auf den Teichen liegen und mit den Bewegungen der Wasseroberfläche mitschwingen, beginnen in meiner Vorstellung wachsen.

Und wiedermal hätte ich realistischer über die Sache nach denken sollen, doch auch die Tatsache das weder eine der Lehrerinnen noch zwei Studenten je von dem botanischen Garten gehört haben wollten meine Motivation nicht trüben.

Das liegt einfach ein bisschen außerhalb der Stadt, da fährt man nicht mal eben vorbei, bestimmt ist er wunderschön, redete ich mir ein. Vielleicht war ich auch einfach aus meiner Heimatstadt verwöhnt und stellte mir den gleichen prächtigen Garten vor, in dem gerade ein Freund von mir in Kolumbien arbeitet.

Bei dieser Vorrede könnt ihr euch bestimmt denken, dass er nicht ganz meinen Vorstellungen entsprach oder überhaupt irgendwelchen Vorstellungen von einem botanischen Garten. Nach einer 40 minütigen Busfahrt stand ich in mitten eines (renovierungsbedürftigen) Wohnviertels mit grauen Hochhäusern, die dank des ebenso trüben Wetters nicht im besten Licht erstrahlten. Nach meinem Plan sollte der Garten direkt eine Straße weiter beginnen doch als ich vor einer verwucherten Heckenwand stand merkte ich das irgendwas nicht stimmen konnte. Einige Meter weiter führte ein kleiner Trampelpfad mitten hindurch. Mit viel Fantasie erinnerte es an Schrebergärten, nur keine kleinen spießigen Sträucher und Zäune und akkuraten Beeten, sondern verwilderte Pflanzen, meterhohe (nicht zurechtgestutzte) Hecken hinter denen man, wenn man Glück hatte einen einzelnen trostlosen Kohlkopf (nicht 1800kg :D) erkennen konnte. Ich schluckte meine Entäuschung herunter, vielleicht kam ja noch was. Hinter dieser „Schrebergartensiedlung“ erstreckte sich nun der Hauptteil des „Botanic gardens“, eine Wiese, vielleicht war es auch ein Feld, auf jeden Fall pflegte niemand dieses Stück Land. Ich glaube ich kann mit Stolz behaupten, das ich die einzige Person bin die sich jemals die Mühe gemacht hatte 40 Minuten zu dieser Wiese zu fahren. Statt dem Duft der Blumen stiegen mir die Auspuffgase der großen Straße in die Nase, die parall zum Botanischen Garten verlief und die einzigen farbigen Tupfer waren bunte Plastikverpackungen die hie und da zwischen den bestimmt bewusst angepflanzten und wertvollen Gräsern und Sträuchern verteilt herumlagen. Ich muss sagen, dass ich mich ziemlich über die Designer dieses Stadtplans ärgerte und mir vorstellte wie sie lachen vor ihren Zeichnungen saßen und sich lustige Namen für die Grünflächen überlegten. Witzig.

Zeitsprung.

Der Sicherheitsmann strecke die Hand aus und gibt mir mit seinem Arm, der die Tür versperrt offensichtlich zu verstehen das ich hier nicht reindarf. Verdutzt bleibe ich stehen. Zwei zurechtgemachte Frauen mit mindestens 10cm hohen Pfennigabätzen stöcklen an mir vorbei in das hell erleuchtete Gebäude. Belustigt beobachte ich wie beide mühevoll am Abflussgitter vor der Tür vorbeitänzelen oder einen unerwartet großen Schritt machen um nicht mit ihren Absätzen zwischen den Gitterstäben hängen zu bleiben. Der Sicherheitsmann vor mir erklärt mir irgendetwas auf bulgarisch, doch meine mittlerweile schon gekonnt verwirrte Miene halten ihn nicht davon ab mir weiter die Tür zu versperren. Da stehe ich nun, Freitagabend vor dem Archäologischen Museum in Sofia mit meinem großen roten Wanderrucksack auf dem Rücken, den natürlich nicht geputzten Dr.Martens(nach dem Wochenende habe ich mir dann Schuhcreme zugelegt) und einem großen grauen Pulli. Hinter mir kommen immer mehr Anzugträger und stark geschminkte Frauen in Kostümen und verschwinden zwischen den beiden alten Säulen die die Eingangstür begrenzen. Eigentlich hatte ich spontan überlegt Toni in Blagoevgrad zu besuchen und weil diese zwei Wochen zuvor in den Unichor eingetreten ist und mit diesem am Freitag ein Konzert in Sofia hat, hatte es nach unserem Plan perfekt gepasst, dass ich zu ihrem Konzert kommen sollte und wir danach zusammen mit ihrem Chorbus zurück nach Blagoevgrad fahren würden. Soweit der Plan. Leider hatten wir außer Acht gelassen bei welcher Veranstaltung dieses Konzert stattfinden sollte und ob ich zugucken durfte. Nach einigen Minuten in denen die Kälte sich langsam durch den dann doch nicht so dicken Pulli fraß kommt eine ebenso herausgeputzte Frau mit strengem Haarknoten und Klemmbrett auf mich zu und fragt mich auf englisch was ich denn hier machen würde. Ich versuche schnell zu erklären, dass ich doch nur eine Freundin aus dem Chor besuche und zugucken wollte. Sie bugsiert mich in den Vorraum, in dem ich in einer Ecke neben den Spinden warten darf und mit den ansässigen Spinnen Kontakt aufnehme, immerhin ist es warm. Nach einigen Minuten kommt sie gestresst zurück und verkündet mir, dass es leider keine Antonia in diesem Chor gibt. Meine Erklärung, dass Toni erst zwei Wochen in dem Chor ist quittiert sie mit einer gerunzelten Stirn und einem knappen Nicken, rein darf ich allerdings immer noch nicht. Nach weiteren Minuten, in denen ich meine Lebensgeschichte mit den Spinnen geteilt habe und mich in einer Diskussion über die kulturellen Unterschiede der Spinnennetze befinde (ok,nicht ganz, eigentlich habe ich nur das offene WLAN genutzt) kommt Toni strahlend auf mich zu in einem langen schwarzen Talar gekleidet (er stellte sich dann doch nur als die Chorkleidung heraus). Das restliche Abend wurde durch viele Käsehäppchen von einem Kellner, der irgendwann einfach bei mir stehen blieb, weil er offenbar keine Lust mehr hatte sich durch die Menschenmengen zu quetschen(höhö), einem schönen Chorauftritt, netten Leuten und einer entspannten Busfahrt sehr vergnüglich. Ebenso das Wochenende in dem wir auf nicht ganz direktem Weg zum weißen Kreuz wanderten, Blagoevgrad besichtigten, selber Spätzle machten, sportlich im Park die öffentlichen Turngeräte ausprobierten, Wäsche wuschen (so eine Waschmaschine muss man ausnutzen, obwohl ich nach dem langen Weg zur Wäscherei auf Handwäsche umgestiegen bin und dies erstaunlich gut geht) und sehr viel Musik hörten super schön.

Das "white cross" auf dem Berg neben Blagoevgrad (wer ist das bessere Kreuz? :D)

Das „white cross“ auf dem Berg neben Blagoevgrad
(wer ist das bessere Kreuz? :D)

Über Blagoevgrad

Über Blagoevgrad

Zeitsprung.

„Skopje ist eine der ältesten Städte des Landes und bietet einen besonderen Charme in der Stadtarchitektur.“ Ebenso wie die Flagge Mazedoniens erwartete uns eine strahlende Sonne als wir mit unserem kleinen Reisebus nach Skopje reinfuhren. Während wir vor einer 23 Meter hohen Statue mit dem Namen „Krieger auf Pferd“ stehen (zuvor hatte mein Vater mir noch ein kleines Rätsel aufgegeben, ein Mann der aus Mazedonien kommt und mit „A“ anfängt und „oße“ aufhört (naa, wer erräts?) und den eben diese Statue darstellt) die von einem erleuchteten künstlichen Wasserfall und Löwenstatuen verziert einen imposanten Anblick bietet. Irgendwie habe ich mir diesen besonderen Charme in der Stadtarchitektur, der im Internet auf einem der unzähligen Touristenseiten angepriesen wurde, anders vorgestellt. Allerdings fiel mir auf, dass auch nicht beschrieben wurde was für ein Charme diese Stadt ausstrahlen sollte. Das man sich wie in Disneyland fühlen wurde hätten wir allerdings nicht erwartet. Um es in einem Satz zusammen zufassen, Skopje wirkt inszeniert. Die Stadt mit der wahrscheinlich höchsten Statuendichte Europas und weißen Häusern mit hohen Säulen, die die Epoche des Barocks, der allerdings nie in Mazedonien stattgefunden hat, darstellen sollen, Springbrunnen und wie gesagt sehr vielen Skulpturen, die aber größtenteils erst in den letzten 10 Jahren gebaut wurden. Zwei Anekdoten, die uns der Stadtführer der Free Skopje Tour berichtet stützen den Eindruck der Stadt. Die Statue „Krieger auf Pferd“ ist momentan die höchste Alexander der Große Statue (wer hats erraten?) in Europa, allerdings wird in Griechenland eine höhere gebaut, doch sobald die wird Mazedonien es sich natürlich nicht nehmen lassen noch eine höhere zu bauen. Nebenbei bemerkt, 10,4 Millionen Euro hat diese Statue gefressen und wurde ebensfalls im Projekt „Skopje 2014“ gebaut. Jedoch sind nicht alle Einwohner dieser Stadt so zufrieden und glücklich mit den (ich erlaube mir das Wort kitschig zu benutzen) Skulpturen. An vielen Törbögen und Statuen sieht man das Werk zerplatzter Farbbeutel. Die zweite war (hoffentlich) mehr ein Witz unseres Stadtführers, als er uns berichtet, das wer in Skopje eine Baugenehmigung wolle. unterschreiben müsse mindestens 5 Statuen auf sein Haus zu bauen. Ahh ja. Jedoch ist nicht ganz Skopje in diesem Stil gebaut, einen großen Teil des Wochenendes verbrachten wir im „Old Bazar“, ein Stadtteil, der mich an das Kapanaviertel in Plovdiv erinnert und an dem sich Bars, Bäcker und Geschäfte für Mode, Schmuck und Mitbringsel an der Pflasterstraße entalng reihen. Einen Großteil verbringen wir auch in kleinen lokalen Restaurants und futtern uns voll mit …. einem typisch mazedonischen Bohneneintopf, Schopskasalat, der wie Seline erzählt eigentlich in Bulgarien für Touristen erfunden wurde um die bulgarische Flagge nachzuahmen und Nafura, geröstetes und kleingeschnittenes Weißbrot mit geraspeltem Schafskäse.

Reiter auf Pferd

Reiter auf Pferd

Herbstlicher Straßenanblick in Skopje

Herbstlicher Straßenanblick in Skopje

Die Free-Skopje-tour-Reisegruppe

Die Free-Skopje-tour-Reisegruppe

Zeitsprung.

Immer noch Skopje. Johanna hackt neben mir mit meinem Opinell auf einen Hokkaidokürbis ein und ich rutsche vorsichtshalber aus der Reichweite der scharfen Klinge. Es ist der 31. Oktober und nach dem Johanna erst enthusiastisch vorgeschlagen hat doch etwas tolles an Halloween zu unternehmen, zum Beispiel einen Kürbis zu schnitzen, und nicht ganz auf die erwartete Euphorie stieß versicherte sie im Supermarkt, dass wir das auch wirklich nicht machen mussten, doch dieses

mal protestierten alle anderen Teilnehmer (inklusive mir), die schon in vorfreudiger Erwartung an die Fratze des beleuchteten Kürbis dachten. Gegenüber von Johanna versuchen Leonie, Toni und Anja ihr Glück an einem zweiten Kürbis mit einem weitaus stumpferen Messer aus dem Repertoire des Hostels. Ich beginne nach ein wenig übermotiviert die schon ausgeschnittenen Deckel der Kürbisse zuzerhacken und gerade als ich das letzte Stückchen um beide Strunken der Kürbisse kleinengehäckselt hab fragt Anja mich was ich da eigentlich machen würde. Auf die Antwort unser Abendbrot zubereiten starren mich alle fassunglos an. Normalerweise behält man wohl die Deckel und setzt sie wieder auf den ausgehöhlten Kürbis, hoppala. Die deckellosen Kürbisse leuchteten trotzdem wunderbar (nacheinander) mit dem einzigen wechselnden Teelicht und der Kürbis schmeckte trotz fehlendem Backofen (daran hab ich mich langsam schon gewöhnt) wunderbar in der Pfanne. Und auch die Halloweenspotifyplaylist und die Haarklammern in Form einer Skeletthand von Jumbo taten ihr bestes um uns auf Halloween einzustimmen.

Da nicht viel Platz ist lasse ich den Rest des Wochenendes in Fotos sprechen, nur noch eine letzte kleine Geschichte aus Skopje. Während der letzten Minuten die wir in Skopje verbringen wollten sitzen wir wieder zurück im Reisebus nach Sofia auf der Rückbank und ich kann sagen, dass es nicht das beste Gefühl ist noch halbverschlafen von dem Busfahrer namentlich aufgefordert und aus dem Bus gewunken zu werden. Zum Glück bin ich nicht alleine, ich wechsele mit Anja und Johanna einen leicht verängstigt-irritierten Blick während uns der Busfahrer zurück in den Bahnhof leitet und zum Schalter bringt. Dort erklärt uns die Dame, das wir in Sofia zwar eine Rückfahrt gebucht haben, aber das Datum in Skopje nicht bestätigt hatten und somit Glück haben das überhaupt Platz im Bus war. Es ist etwa so, als würde man in Berlin mit einem nicht gestempelten U-Bahnticket fahren.

Beleuchteter Kürbis

Beleuchteter Kürbis

Mit dem Boot auf dem Weg zum Canyon Matka, einer Tropfsteinhöhle in der Nähe von Skopje

Mit dem Boot auf dem Weg zum Canyon Matka, einer Tropfsteinhöhle in der Nähe von Skopje

Die Tropfsteinhöhle

Die Tropfsteinhöhle

Der wahrscheinlich größte Schlaghaken (ich habe ein wenig wehmütig auf die eingeböhrten Routen geschaut)

Der wahrscheinlich größte Schlaghaken (ich habe ein wenig wehmütig auf die eingeböhrten Routen geschaut)

Zeitsprung.

Ich hoffe wiedermal die kleinen Geschichten haben euch einen kleinen Eindruck in mein Leben vermittelt, jetzt noch eine kleine Zusammenfassung was sonst so in meinem Leben passiert ist. Die letzten Wochenenden war ich immer entweder unterwegs oder wurde besucht. Ich war zusammen mit Seline nochmal bei Toni und wir haben das älteste Kloster Bulgariens, das Rila Kloster besichtigt und schon frühweihnachtliche Plätzchen gebacken. Das Wochenende davor haben mich Anne und Anja besucht, ich habe ihnen Plovdiv gezeigt, wir sind auf den Youthhill gewandert/spaziert, waren im Kino und haben natürlich viel gegessen, ich sage euch, das Essen in Bulgarien ist wunderbar! Außerdem hat letzte Woche mein Sprachkurs begonnen (3 Stunden am Stück). Es war anstrengend, aber ich habe es sehr genossen mal wieder geistig gefordert zu werden und freue mich bald ein bisschen mehr zu verstehen. In der Schule muss ich nach mehreren Wochen Vertretungsunterricht nun nicht mehr „unterrichten“ und kümmere mich eher um organisatorische Dinge, gestalte eine Wandzeitung und erledige die üblichen Kopier-/Sortieraufgaben die sonst so anfallen. In meiner freien Zeit treffe ich mich viel mit den Studenten und ein paar Schülern, besichtige weiter Plovdiv und koche viel.

Das Rilakloster (mit verschneiten Bergen im Hintergrund)

Das Rilakloster (mit verschneiten Bergen im Hintergrund)

Aus dem Busfenster auf die Landschaft Bulgariens (Danke Toni für dieses und einige andere Bilder)

Aus dem Busfenster auf die Landschaft Bulgariens (Danke Toni für dieses und einige andere Bilder)

Mit Anja und Anne in Plovdiv

Mit Anja und Anne in Plovdiv

Ich hoffe es geht euch allen gut und ihr haltet dem kalten Wetter Deutschlands stand!

Liebste Grüße

eure Helli

Momentaufnahmen

Tropf, tropf, tropf.
Ich drehe den Wasserhahn leicht nach rechts.
Pause.
Tropf, tropf, tropf, tropf.
Ich drehe den Wasserhahn weiter nach rechts. Das Wasser kommt erst in einem dünnen, dann je weiter ich den Wasserhahn drehe dicker werdenden Strahl heraus. Das ist wohl eine tolle neue Erfindung, egal in welche Richtung man den Wasserhahn dreht, immer kommt Wasser heraus. Gerade für Morgenmuffel, die nicht ganz wissen wo rechts und links ist (oder allgemein Leute, die damit Schwierigkeiten haben :D) ist es sehr praktisch.
Tropf, tropf, tropf.
Mich nervt es aber gerade ziemlich. Und das im ohnehin schon stillen Wohnheim, das an Wochenenden mit seinen vier leeren Stockwerken wie ein Geisterhaus dasteht, und in dem abends nur drei Fenster erleuchtet sind. Außer mir ist noch noch die spanische Freiwillige anwesend und größtenteils ein Sicherheitsmann unten am Eingang, doch die sonstigen Geräusche der bulgarischen Schüler fehlen.
Tropf, tropf, tropf.
Ich binde einen Bindfaden um den Wasserhahn um zumindest kurzzeitig das Tropfgeräusch zu unterbinden.

Zeitsprung.

„How far is it?“, neben mir höre ich ein Keuchen. Es ein warmer Herbsttag, einer der letzten. Die Sonne fällt durch die Blätter der langsam gelb, rot, orange und braun werdenden Bäume. Der Waldboden ist noch leicht nass vom Regen am morgen. Ich nehme an einem Ausflug des Erasmusprogramms der Uni teil und bin nahe der der Klosteranlage Bachkovo etwa eine halbe Stunde von Plovdiv entfernt. Mit insgesamt 70 anderen, größtenteils Erasmusstudenten wandere ich den leicht ansteigenden Waldweg zu einem Wasserfall in der Nähe des Klosters den Berg hinauf. Von hinten hört man „Guacamoli, Guacguacamoli..“, (ja, nicht nur mein liebstes Schwersterchen kennt dieses Lied, das zwar im ersten Moment witzig ist, aber nach 3 Tagen Ohrwurm zur Qual werden kann. Anbei ein Link für alle die dieses wunderbare Werk der Lernmusik für Kinder noch nicht kennen: https://www.youtube.com/watch?v=JNsKvZo6MDs). Alle Teilnehmer des Ausflugs sind in vier Gruppen eingeteilt worden und haben eine Reihe von Bildern und Aufgaben bekommen, die sie auf dem Gelände suchen und fotografieren sollten. Nachdem unser wunderbar kreativer Name „Team Red“ (alle Gruppenmitglieder haben rote Armbänder bekommen) durch „Meltingpot“ ersetzt wurde wurde auch direkt Guacamoli mit samt Tanz als Teamlied auserkoren (weltweit bekannt, vorgeschlagen wurde es von einer Stundentin aus England). Der Ausflug ist toll, zwar stellt sich heraus, dass der Wasserfall ausgetrocknet ist, was ich trotzdem als Sensation abstempeln würde, denn wie viele von euch haben schonmal einen Wasserlosenwasserfall gesehen? Aber endlich lerne ich auch andere englischsprechende Menschen in etwa meinem Alter kennen. Die Studenten aus Brasilien, Frankreich, Tschechien, England, Griechenland und und und stellen sich als unglaublich nett heraus. Mit 3 von ihnen habe ich mich direkt für die nächste Woche verabredet.

Auf dem Weg zum Wasserfall

Auf dem Weg zum Wasserfall

 

Der Wasserlosewasserfall

Der Wasserlosewasserfall

bachkovo

Team Meltingpot

Team Meltingpot

Zeitsprung.

Team Meltingpot hat nun mittlerweile einen eigenen Facebookchat und sich für den Samstag um acht zum Essen gehen verabredet. Zehn Minuten nach acht stehen schon 22 der 36 zugesagten bibbernd vor Torro, einem großen Lokal in der Nähe der Innenstadt. Die Tischreservierung (trotz zweimaliger Nachfrage) muss irgendwie verloren gegangen sein und jetzt sind nur 16 Plätze frei(wie konnte das nur passieren? (diesmal ist eine Klammer in der Klammer nötig, denn für alle die dies nicht verstanden haben möchte ich an dieser Stelle ein imaginäres Ironieschild hochhalten und daran erinnern, dass die deutsche Bürokratie zwar manchmal nervtötend ist, aber man sie auch schnell vermissen kann). Noch ist die Stimmung ist ausgelassen, doch der Hunger und die Kälte fangen langsam an sie ein wenig zu untergraben. Zehn Minuten später sind die meisten eingetroffen, die Mitarbeiter des Restaurants teilen jedoch wieder holt mit, dass ihnen keine Reservierung vorliegt und sie wirklich keinen Platz haben. Nach einer kurzen Guacamolieinlage wird die Entscheidung getroffen einfach wo anders hinzugehen. Als wir uns gerade 25 Minuten nach 8 auf den Weg machen kommt einer der Kellner heraus und meint sie könnten vielleicht ja doch noch irgendwas hin und her rücken. Aaachsooo. Man muss jedoch sagen, dass das Essen sehr lecker war und auch der folgende Abend noch sehr vergnüglich.

Im Torro

Im Torro

Zeitsprung.

Ich sitze mit einem mehr als drei Pfund schweren Kohlkopf in meinem Zimmer. Ähhh ja, ihr habt richtig gelesen, um genau zu sein einem 1800g schweren Weißkohlkopf. Es war der kleinste in der Gemüseauslage. Vielleicht kurz wie es dazu gekommen ist: Als ich zwei Stunden zuvor nach einem halbstündigen Spaziergang das große rotweiße Kauflandschild hinter einer Kreuzung aufragen sah empfand ich ein merkwürdiges Gefühl von Zuhause. Nicht das ich so unglaublich viel Zeit meines Lebens bei Kaufland verbracht hatte oder es mein Stammgeschäft war, aber es hatte so etwas vertrautes, etwas vertraut deutsches. Ich mich fühlte als würde ich nur eben mal in der Innenstadt noch ein Stück Butter kaufen. Ok, ganz so extrem war es nicht, doch obwohl die meisten Schilder auf kyrrillisch waren und auch der Laden anders aufgebaut war fühlte es sich vertraut an. Vielleicht löste dieses Gefühl, der Hunger(geht niemals hungrig einkaufen!) und der Mann vor mir, der insgsamt(ich hab mitgezählt) 9 Kohlköpfe kaufte das Verlangen aus auch unbedingt einen Kohlkopf kaufen zu wollen. In meinem Kopf köchelte schon der erste Jägerkohl vor sich hin als ich die sperrliche Auslage betrachtete, die der Mann zurückgelassen hatte. In einer unterliegenden Kiste stieß ich jedoch noch auf einen kleinen, runden und gutaussehenden Kohlkopf. Als ich jedoch an der Kasse versuchte neben dem Kohlkopf auch noch die drei Gläser Apfelmus(der erste Laden in dem ich es endlich gefunden hatte, da musste man auf Vorrat kaufen, ne Mareile? :)), den Frischkäse, Joghurt, Müsli, Äpfel, Zwiebeln und Kekse unterzubringen kam mir zum ersten Mal der Gedanke, dass es ja relativ viel war. Und jaa, auch die Tatsache, dass ich noch nicht super einschätzen kann welche Mengen man für eine und nicht 4 Personen kocht täuscht nicht darüber hinweg das dieser Kohlkopf schon ganz schön groß war. Ich glaube ihr könnt euch denken was es die nächsten Tage zu essen gibt, ein Viertel ist schon in Form einer vegetarischen Kohlcarbonara verputzt worden. Sehr lecker! Chefkoch sei dank.

Das erste Kohlgericht in meiner neuen Schüssel

Das erste Kohlgericht in meiner neuen Schüssel

Zeitsprung.

Sonntag. Ich stehe hinter einem Stand mit drei riesigen Kisten Scones. Selbstgebackener Scones. In 14stündiger Arbeit. Jedoch nicht von mir, ich bin nur dort um zu helfen die Scones mit Marmelade oder Nutella zu bestreichen. Ja gut, auch um zu helfen die Scones zu verputzten (ich möchte ja nicht angeben, aber darin war ich wirklich nicht schlecht). Aber nun wie es zu dieser Situation gekommen ist. Ich war mit Shireen, Lisa und Angelos, drei der Medizinstudenten die ich beim Bachkovoausflug kennengelernt habe zum Kapanafest verabredet. Kapana ist, wie in einem früheren Blogartikel schon beschrieben, ein Stadtteil von Plovdiv, auch bekannt als das Künstlerviertel, in dem von Freitag bis Sonntag in unterschiedlicher Weise gefeiert wurde. Tagsüber reihten sich Stände mit handgemachtem Schmuck, Honig und Taschen, kleine Bühnen, Essensständen aus unterschiedlichen Bereichen der Welt und Getränkewagen quer durch das verwinkelt Viertel aneinander. Ich hörte die ein oder anderen deutschen Wortfetzen, was wirklich sehr irritiernd war. Den Abend zuvor hatte ich mir mit Shireen, Lisa, Angelos und noch einigen anderen zu erst ein Teil eines Metalkonzertes angeguckt und war dann noch mit ihnen durch die Stadt gezogen, bzw. als es zu kalt wurde zu dem Cousin von Angelos nach Hause gegangen. Sonntag stellten sich nun einige Stände von der Universität mit unterschiedlichen Nationalitäten hinter kleine Tische und verteilten gegen Spenden ihre Speisen. Und da sie dort versprochen haben zu helfen bin ich ihrer Einladung ich solle doch einfach mitkommen gefolgt und stand nun neben Brian, einem Engländer und Schöpfer dieser Scones, verteilte fließig und lauschte dem Gesang und Gitarren der drei Italiener am Nachbartisch, die ihre(ich glaube nicht ganz selbstgemachte Pizza) lautstark in den Pausen der Lieder anpriesen.

Zeitsprung.

„Und ich flieg, flieg, flieg, wie ein Flieger, bin so stark, stark…“. Vor mir stehen 26 Jugendliche, die ihre Arme zur Seite ausgebreitet haben und wie ein Flugzeug durch die Klasse fliegen. Aus dem CD-Player dringt sehr laut die Stimme von Tim Toupet, der nun alle dazu auffordert zu springen und zu schwimmen. Nach einigen etwas spontanen und nicht immer so erfolgreichen Vertretungsstunden habe ich mich dieses Mal besser vorbereitet. Die Idee habe ich von meiner Vorgängerin und auch in dieser 8. Klasse ist das Lied ein voller Erfolg. Zwar haben die 14jährigen anfangs nichts verstanden, doch noch einigen Zeichnungen an der Tafel, Bewegungen und der Hilfe des Wörterbuchs wurde auch der Inhalt dieses Liedes abgenickt bzw. wie in Bulgarien üblich mit dem Kopf abgeschüttelt (so oder so ähnlich sagt man das). Eine der 8Klässlerinnen interpretiert die Schwimmsektion anders als die anderen und beginnt in der Luft zu kraulen. Ich begnüge mich mit Brustschwimmen und auch wenn in der ganzen Klasse nur 6 Leute der Aufforderung „Und ich nehm dich an der Hand, weil ich dich mag“ nachkommen (unglücklicherweise sitzt jeweils ein Mädchen neben einem Jungen) kann ich Tim nur zustimmen. Heut ist so ein schöner Tag, lalala.

Ich hoffe euch hat mein etwas anderer Blogeintrag gefallen, ich dachte ich probiere mal etwas neues aus und gebe ich kleine Einblicke in mein Freiwilligendienst. Auch wenn es immer nur einzelne „Schnappschüsse“ sind hoffe ich das es euch gefallen hat! Ich hoffe das ihr auch einen schönen Tag habt!

Alles Liebe eure Helli <3

Quer durch Bulgarien

Drei Wochen sind vergangen und irgendwie habe ich es schon geschafft einmal quer durch Bulgarien vom Westen aus Sofia hinüber nach zum Schwarzen Meer nach Burgas zu fahren. Dazu aber später.
So langsam gewöhne ich mich an meine neue Umgebung, die neuen Sitten und die Lebensweise.
Zwar fühle ich mich immer noch nicht ganz angesprochen, wenn jemand „Chelenna“ sagt (da es im Bulgarischen kein „H“ gibt, fällt es den meisten schwer meinen Namen auszusprechen, obwohl er in kyrillisch geschrieben schon ziemlich cool aussieht: хелена фин), aber ich lebe mich ein, nicke mir mit den Sicherheitsmännern in meinem Wohnheim freundlich zu und fühle mich im Supermarkt, beim Busbahnhof oder im Lehrerzimmer nicht mehr heillos ueberfordert. Ebenso haben sich meine Lebensstandards gebessert, ich habe ein Pfanne, bei der ich nicht bei jedem Kochvorgang Angst habe giftige Stoffe backen sich durch die zerkratzte Oberfläche in die Pfannkuchen mit ein. Außerdem konnte ich endlich zusammen mit Beatriz, der spanischen Freiwilligen, meine erste Wäsche in einem nahegelegenen Waschsalon waschen, denn auf meine Frage im Lehrerzimmer ein paar Tage zuvor kam nur ratloses Schweigen und die Antwort, ich sollte doch mal meine Vorgaengerin fragen, einen Waschsalon kennen sie auch nicht. Zum Glück bekam Beatriz mehr Auskunft!
Mittlerweile habe ich auch die Stadt weiter besichtigt, den Tsar Simons Garden und zwei weitere Berge erklommen und bei einer Stadttour, der „Free Plovdiv Tour“ mitgemacht.

Im Tsar Simons garden

Im Tsar Simons garden

Leider fing es gegen Ende an zu regnen, deswegen konnten wir die letzten Stationen nicht mehr besichtigen, trotzdem war es super interessant.
Hier ein paar Hintergrundinformationen über Plovdiv(Пловдив):
Plovdiv ist mit ersten Ansiedlungen um etwa 6000 v.Chr. eine der aeltesten Staedte Europas. Es liegt in der thrakischen Ebene zu beiden Seiten des Flusses Mariza (knapp 5 Minuten von mir entfernt).

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Das Stadtwappen Plovdivs

Ihr Stadtmotto „ancient and eternal“ wurde zurecht gewählt (auf dem Stadtwappen in bulgarisch – Древен и вечен). Die 7 Berge, die ebenfalls auf dem Stadtwappen zu erkennen sind haben sich im Laufe der Zeit dezimiert, da zwei der Berge für bauliches Material abgetragen und danach nicht mehr aufgebaut wurden. Für weitere Hintergrundinformationen müsst ihr selber nachlesen, mich besuchen kommen oder die Stadt zu einem späteren Zeitpunkt besichtigen(lohnt sich auf jeden Fall!).
Zurück zu meinen Aktivitäten, da am Donnerstag, den 22.09., bulgarischer Unabhängigkeitstag war, hatten Toni, Seline und Ich überlegt übers lange Wochenende ans Schwarze Meer zufahren. Gesagt, getan, Mittwochabend trafen beide mit dem Bus aus Blagoevgrad und Sofia bei mir ein, damit wir alle zusammen am nächsten Morgen nach Burgas fahren konnten. Die Busse fuhren leider nur um 6:10,6:45 und 14:30 und da die Busfahrt etwa 4h dauern sollte entschlossen wir uns den frühen Bus um 6:45 zu nehmen. Trotz des Entschlusses wurde der Abend mit viel Erzählbedarf lang und die Nacht sehr kurz. Um 6 standen wir in der Dunkelheit und Kälte an der Bushaltestelle vor meiner Schule um den Bus zum Busbahnhof zunehmen. Zwar wurde uns gesagt, dass um 6 Busse fahren würden, doch Dank nicht existierender Buspläne und keiner Garantie für irgendwelche Ankunftszeiten wollten wir ein Taxi rufen. In der Theorie gut, praktisch stellte es sich als schwieriger heraus. Nachdem das erste Taxiunternehmen uns nach dem Satz „Do you speak english?“ einfach weggedrückt hatte verstand die zweite zwar wo wir waren und wo wir hinwollten, aber die Antwort war trotzdem „No Taxi“. Die letzte Option war eine TaxiApp, die total zuverlässig Taxis schicken und den Preis anzeigen sollte, doch als wir die Nachricht „Taxi arrived“ erhielten, war auf der menschenleeren Straße weit und breit kein Taxi zu sehen und so mussten wir uns wohl oder übel nochmal hinlegen und den Bus um 14:30 nehmen. Trotz anfänglicher Startschwierigkeiten unserer Reise erreichten wir gegen Abend Burgas und machten uns zu Fuß auf den Weg zu unserem schon gebuchten Hostel. Auch wenn das Hostel mehr oder weniger unseren Vorstellungen eines Hostels entsprach, unteranderem da das Frühstück vielleicht so ab neun bereit stehen sollte, es eher ein privates Haus war in dem der Besitzer ein Zimmer acht Menschen für die Nacht vermietete und bis abends um 4 noch laut Musik gespielt wurde, der Besitzer einen Tag einfach weg fuhr und uns direkt am Anfang versichert wurde, dass wir uns doch wie Zuhause fühlen sollten, konnte man für den Preis nirgends sonst ein Bett, Dusche, Frühstück und freies Wlan finden. Zusammengefasst war das Wochenende einfach nur entspannt, wir spazierten den Strand entlang, trafen uns abends mit Freunden von Toni und kochten zusammen, schlenderten durch die Fußgängerzone und stöberten durch Buchläden, aßen Cupcorns, das ist warmer Mais in Bechern, meistens mit Parmesan zubereitet, jedoch auch beliebig mit anderen Zutaten wie Schokosoße(wir haben es am zweiten Tag probiert, mein Fall ist es nicht, aber mit Parmesan, mhmm, köstlich!) und ließen auch eine nächtliche zum-ersten-Mal-im-schwarzen-Meer-bade-Aktion nicht aus.

Cupcorns mit Parmesan

Cupcorns mit Parmesan

Pippi Langstrumpf und James und der Riesenpfirsich auf bulgarisch

Pippi Langstrumpf und James und der Riesenpfirsich auf bulgarisch

Über den Dächern Burgas zusammen mit Seline, Toni und Hagen

Über den Dächern Burgas zusammen mit Seline, Toni und Hagen

Der Blick über Burgas ohne störende Menschen

Der Blick über Burgas ohne störende Menschen

Unser gemeinsam gekochtes Abendessen

Unser gemeinsam gekochtes Abendessen

Das Schwarze Meer (auf dem Bild relativ blau,aber das sieht nur so aus)

Das Schwarze Meer (auf dem Bild relativ blau,aber das sieht nur so aus)

Der Blick in die Ferne

Der Blick in die Ferne

Dies und die sehr zugige Rückfahrt im Bus nach Plovdiv hatten jedoch leider zu Folge, dass ich Montag erkältet im Bett lag. Dienstag ging es mir zum Glück wieder besser und die Woche verbrachte ich vormittags in der Schule, lernte einige Klassen kennen, machte mir einen Überblick über meine Aufgaben, begann die Pinnwände zu aktualisieren und korrigierte Mappen für die DSD-Prüfung aus der 11. Klasse. Die Nachmittage schaute ich mich weiter in Plovdiv um, entdeckte eine Markthalle, in der große Stände mit frischem Obst und Gemüse, Kräuter und Nüsse angeboten wurden, aß sehr empfehlenswertes Eis bei Afreddo, kochte und schlenderte durch Läden und Parks. Freitagnachmittag wollte ich zu einer Veranstaltung, die in der Erasmusfacebookgruppe angekündigt war, ich hatte mir allerdings nicht allzu genau durchgelesen worum es ging und als ich im großen Hörsaal zwischen vielen Studenten saß und zum Thema „Medicine meets archaeology“ abwechselnd etwas auf englisch und bulgarisch vorgetragen wurde fühlte ich mich etwas fehl am Platz. Zum Glück war das nicht der einzige Programmpunkt und nach einem (nach meinem Empfinden sehr langem Quiz über medizinische Artefakte und ähnliches) kam der kulturelle Teil. Zwei Chorgruppen sangen und drei Gruppen aus Indien, Nepal und Bulgarien tanzten. Danach gab es zum Abschluss ein großes Buffet mit Speisen aus aller Welt bei dem ich endlich drei sehr nette Studenten kennen lernte und einige Gerichte probierte, bei denen ich mich im Nachinein sehr ärgere, dass ich mir weder die Namen noch die Region aus der das Essen typischer weise stammte genauer angeguckt bzw. gemerkt hatte. Am nächsten morgen machte ich mich auch schon wieder auf nach Sofia um mein verlängertes Wochenende dort zu verbringen. Toni und ich quartierten uns wieder bei Seline ein und nutzen ihr Sofa in Sofia voll aus. Der Samstag wurde mit erneutem Picknick im Park, leicht verbranntem Apfelkuchen(trotzdem bis zum letzten Krümmel auf gegessen), Diskussionen über ulkige Wörter(ja, dieses Wort ist normal Seline!) und die richtige Aussprache von Käse und abendlichen Tanzeinlagen in der Küche, bei dem der Mülleimer nicht ganz so glimpflich davon kam, gefüllt.

Apfelkuchen(noch vor dem zu heißen Bräunungsvorgang)

Apfelkuchen(noch vor dem zu heißen Bräunungsvorgang)

Am Sonntag machten wir einen Ausflug auf den Berg Vitosha. Zum Aufstieg musste man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bis zu Ikea fahren (ich fühlte mich fast wie Zuhause) und von da aus noch einen Kilometer quer über eine Wiese zur Gondel laufen.

Wer entdeckt Ikea?

Wer entdeckt Ikea?

Nach einem sonnigen Nachmittag mit ein bisschen wandern (die einen hatten mehr Freude daran als die anderen) und einem Nickerchen auf dem Berg mit anschließendem leichten Sonnenbrand hatten wir den Plan bei Seline auf dem Flachdach ihres Hauses zu grillen.

Der Ausblick vom Vitosha

Der Ausblick vom Vitosha

Wiedermal zeigte sich das der Plan sich weit besser anhörte als die Durchführung. Zwar hatten wir einen Grill, nötiges Zubehör und eine wundervolle Aussicht(überkrass!), doch als wir hungrig den Grill anzünden wollten klappte dies mehr schlecht als recht. Eine Packung Streichhölzer, vier verputzte Kräuterbaguettes und eine Packung Schupfnudeln, eine halbe Packung merkwürdig weichen Grillanzünder und vielen verbrannten Klopapierrollen später begann der Grill endlich zu glühen. Da wir aber alle nicht mehr so viel Hunger hatten und auch der Grill sehr lange brauchte diente er letztendlich nur als glühende Heizung auf dem Dach (und leider auch als unfreiwilliger Duftmaschine mit Raucharoma), auf dem wir noch lange Zeit saßen und uns fragten was wohl am nächsten Abend auf uns zu kommen würde.

Grillen bei Nacht

Grillen bei Nacht

Am Montag waren wir nämlich zum Empfang zum Tag der deutschen Einheit bei der deutschen Botschaft eingeladen. Seline hatte zum Glück noch von den Lehrern an ihrer Schule erfahren, das sich dort alle schick anziehen würden, denn als wir vor dem Eingang eines großen Gebäude mit einer Blaskapelle davor standen waren wir froh doch noch ein Kleid bzw. Rock angezogen zu haben. Die Verantstaltung war geschmückt mit deutschen Flaggen, wurde eröffnet mit der deutschen Nationalhymne und einer Rede und einem „deutschen“ Buffet mit Brezeln, Sauerkraut und Würstchen. Trotz anfänglicher Irritation hatten wir auf dem folgenden Sektempfang zwischen vielen in Anzug gekleideten Herren unseren Spaß. Nach drei Stunden wurde die Veranstaltung jedoch wieder aufgelöst und die vielen großen, teilweise verdunkelten Autos fuhren zurück. Auch ich machte mich am nächsten Nachmittag nach dem Kulturmittlertreffen und Mittagessen zurück auf den Weg nach Plovdiv. Während ich weg war hatte sich auch in der Schule einiges getan, eine der Lehrerinnen, die im Sommer neu angefangen hatte, hat aus heiterem Himmel gekündigt. Dementsprechend chaotisch war meine Rückkehr und mein vorraussichtlicher Terminplan für die nächste Woche, in der ich einige achte und neunte Klassen vertreten soll. Ich bin sehr gespannt wie das wird und werde euch natürlich ausführlich berichten.

Vielen Dank allen, die bis hierhin durchgehalten haben! Ich hoffe es geht euch allen gut und ihr trotzt dem, wie ich hörte, eher kalten Wetter Deutschlands.

Alles Liebe!

Eure Helli <3

Die ersten Tage

Mein Freiwilligendienst startete offiziell am 1. September zusammen mit 250 anderen Freiwilligen beim Vorbereitungsseminar am Werbellinsee. Über die 10 Tage kann ich leider nicht ausführlich berichten, nur eine kleine Kurzzusammenfassung, wir haben inhaltlich unglaublich viel zum Thema interkulturelle Kompetenz, Diskriminierung und Rassismus, eigene Grenzen, Identität und und und gelernt und gemacht, manchmal aber auch einfach nur Spiele gespielt oder im stillen Raum geschwiegen. Es war super interessant und teilweise auch sehr anstregend. Ich hatte tolle Mitbewohner und Mitmikroblickler(alle Freiwilligen wurden in 12er Gruppen, die sogenannten Mikroblicks eingeteilt), hab die anderen sehr netten Freiwilligen, die sich auch auf den Weg nach Bulgarien machen, kennen gelernt und auch sonst viele tolle Menschen getroffen. Nur eine Anekdote am Rande, als ich am 6. Tag mit zwei anderen Freiwilligen in deren Zimmer saß und geplaudert hab, verirrte sich eine Hornisse in das Zimmer und flog in die Deckenlampe, aus der sie sich nicht alleine befreien konnte. In der halben Stunde Rettungsaktion wechselten die Emotionen zwischen Lachanfall(meinerseits), Hysterie und Verzweifelung. Ich denke in diesem Moment überlegten wir alle ernsthaft wie wir ein halbes bzw. ganzes Jahr im Ausland verbringen sollten, wenn wir schon zu dritt mit einer Hornisse in Deutschland überfordert waren(nicht war Isi und Theresa? :D). Ansonsten verbrachten wir viel Zeit am Werbellinsee, rangen uns sogar einmal früh morgens durch baden zu gehen, und ja, es war zwar schön aber auch bitterkalt, und verdrückten sehr viel Bananen mit Nutella. Den Bericht über das Vorbereitungsseminar schließe ich mit der Frage: „Was ist das für 1 Freiwilliger?“ ab, über die sich viele Menschen Gedanken gemacht haben und bestimmt noch machen werden.

Werbellinsee

Werbellinsee am morgen

Werbellinsee mit Boot

Werbellinsee mit Boot

Der Blick über das Gelände

Der Blick über das Gelände

Von rechts nach links Marvin(Slowakei), Georg(Ägypten), Theresa(Chile), Ich(Bulgarien), Isi( Ungarn) und Iris(Mongolei)

Von rechts nach links
Marvin(Slowakei), Georg(Ägypten), Theresa(Chile), Ich(Bulgarien), Isi( Ungarn) und Iris(Mongolei)

Fingerkampf mit Marvin

Fingerkampf mit Marvin

Das Seminarhaus von oben

Das Seminarhaus von oben

Aber jetzt zum eigentlichen Inhalt meines Blogeintrags, meinen ersten Tagen in Plovdiv.

Dum dum dum duuuum. (Ich muss hoffentlich nicht erklären wie das zu lesen ist :D)

Nach sehr viel Abschied, Tränen und übergewichtigem Gepäck wurde ich nach meinem 1,5 stündigen Flug von Mariana und ihrer Familie abgeholt. Mariana ist Lehrerin am Ivan Vasov Fremdsprachengymnasium, an dem ich die nächsten 6 Monate bestmöglich mithelfen werde, und meine Betreuerin vor Ort. Sie ist sehr herzlich und bemüht. Von Sofia aus fuhren wir zwei Stunden mit dem Auto nach Plovdiv, aßen in einem Imbiss meine erste bulgarische Mahlzeit (unteranderem den für bulgarisch typischen Schopskasalat, eine Art Hirtensalat aus Tomaten, Gurke und (Kuh/Schafs?)-käse). Nach dem Essen brachte sie mich zu meinem Zimmer im Schülerwohnheim. Offen gesagt war das anfangs alles noch sehr gewöhnungsbedürftig, der Kühlschrank und die Mikrowelle, die einmal in diesem Zimmer waren, waren nicht mehr da, ebenso wenig wie Vorhänge, immerhin besaß ich meine eigenen beiden Herdplatten. Zum Glück hat sich das nach drei Tagen geklärt, Kühlschrank und Mikrowelle befinden sich in einem seperaten Zimmer, welches ich mir mit der spanischen Freiwilligen teile.

Erster Blick auf Sofia

Erster Blick auf Sofia

Am nächsten morgen holte mich Mariana ab, zeigte mir die Schule und stellte mir einige der Deutschlehrer und die Schulleitung vor. Danach machte ich mich alleine auf meine erste Entdeckungstour. Ich ging in den nahe gelegenen riesigen Supermarkt Leksi. Er ist zwei stöckig und ich irrte mind. eine Stunde durch die Gänge und kauft völlig überfordert nur Spülmittel und Kekse. Vom Supermarkt aus nahm ich den Bus ins Zentrum. Mir wurde zuvor erklärt, dass eine Busfahrt 1 Lew, also umgerechnet 50 ct. kostet, also betrat ich mit einem Lew in der einen und einem Stadtplan in der anderen den Bus. Ich drückte den Lew der Buskartenfrau in die Hand, doch offenbar setzte man sich in Bulgarien erst auf den Platz und die Dame kam zum Platz um die Karte zu verkaufen, somit war nicht nur ich überfordert. Sie redete aufgeregt auf bulgarisch auf mich ein und als ich einen meiner einzigen auswendig gelernten Sätze (Ich verstehe nicht) aufsagte redete sie einfach nur lauter. Ich zeigte ihr auf meinem Stadtplan, dass ich in die Stadt wollte und fuchtelte irgendwo über der Innenstadt rum. Sie redete weiter, nahm dann meinen Plan und lief damit im Bus herum und sprach mit den anderen Passagieren, bis zwei jüngere Mädchen mir in gebrochenem englisch erklärten wann ich aussteigen musste und mir in kyrillisch „Old town“ auf einen Zettel schrieben. So oder so ähnliche Situationen hatte ich den letzten Tagen öfter. Zwar wurde ich so gut wie nie verstanden, aber nicht nur im Bus, auch in der Uni auf der Suche nach einem zuständigen für die Sprachkurse und in der Stadt waren alle unglaublich freundlich, hilfsbereit und versuchten ihr bestmögliches. In der Stadt lief ich erst ein bisschen alleine herum, guckte mir das Amphietheater von oben an und setzte mich an einen Brunnen. Für den Nachmittag hatte ich mich mit zwei Schülern aus der Schule verabredet, die mich bei facebook angeschrieben haben. Nachdem sie mich versucht hatten anzurufen und ich deutsch ins Handy gesprochen hatte (leider erfolglos) drehte sich mein Sitznachbar auf der Bank um und so lernte ich Pankow, seine Frau und seinen Schwager Ilin kennen. Pankow arbeitet seit längerem in Deutschland als Tischtennis- und Sportlehrer, er war nur die Woche zurück in Plovdiv in seiner Heimat. Ilin ist schon im Ruhestand, er hatte vor 30 Jahren in Deutschland als Masseur beim HSV und danach in einer Rehaklinik gearbeitet. Nun wohnt er wieder in Bulgarien. Er hat erzählt, dass Deutschland zwar von den Regeln, Gesetzen und der Ordnung besser wäre, aber seine Heimat immer in Bulgarien sein wird. Außerdem meinte er, dass die Bulgaren ein wunderbar gastfreundliches Volk sein. Zum Schluss gab er mir noch seine Nummer, für alle Fälle. Kurze Zeit später kamen die beiden Schüler Yanko und Triffon und zeigten mir ein bisschen die Stadt.

Am nächsten morgen begann um halb 11 die Eröffnungsfeier für die neuen 8 Klässler und das neue Schuljahr. Alle Schüler standen geordnet in einer Art Viereck mit Blick auf den Schuleingang. Nachdem feierlich die Nationalhymne gespielt und die bulgarische Flagge gehisst wurde, hielten allerlei wichtige Personen wichtige bulgarische Reden. Eine der deutschen Schülerin übersetzte mir ein bisschen, meinte aber, dass der größte Teil eh jedes Jahr gleich und langweilig sei. Zum Schluss sangen noch zwei Schüler ein Lied und die stellvertretende Schulleiterin kippte, das ist hier ein Brauch, eine Schüssel Wasser über die Treppenstufen zum Schuleingang. Den restlichen Tag lief ich noch ein bisschen in der Stadt rum, kaufte ein und packte die Sachen für den nächsten Tag.

Eröffnungsfeier

Eröffnungsfeier

Übers Wochenende ging es nach Sofia, da am Freitag alle Freiwilligen aus Bulgarien in der deutschen Botschaft eingeladen waren. In Bulgarien werden eigentlich alle Strecken mit dem Bus zurückgelegt. Von 7-20:00 fährt jede Stunde ein Bus von Plovdiv nach Sofia für umgerechnet 7 Euro. Es gibt wohl auch Züge, aber wie uns oftmals berichtet wurde, sind diese sehr abenteuerlich und man muss viel Zeit mit einplanen. So brachte mich einer der Schüler, Yanko, den ich tagszuvor kennengelernt hatte, zum Busbahnhof. Meine Betreuerin rief ihn an, weil mir eine andere Lehrerin eine Karte von Sofia hätte geben sollen. Sie war sehr besorgt, da diese Karte mich nicht erreicht hatte und aus Spaß meinte er, er könne ja mit nach Sofia fahren und mich zur Botschaft bringen und da wohl alle sehr spontan sind saßen wir 20 Minuten später im Bus nach Sofia. Er hatte zwar nichts mit, aber wurde vom Unterricht freigestellt und wollte seine Oma in Sofia besuchen. Nach einer zweistündigen Busfahrt trafen wir Toni, eine andere Freiwillige aus Blagoevgrad wieder und fuhren zusammen zur Botschaft. Kennenlernen, viele Zettel, Einladungen, Projektbeschreibungen und bulgarisches Bildungssystem waren für die nächsten 2 Stunden Programm. Den Abend verbrachten wir gemeinsam, erhaschten einen ersten Blick in die Sofioter Innenstadt und aßen im „Happy“ (ein sehr beliebtes Restaurant) zu Abend. Die Nacht verbrachten Toni und Ich bei Seline, die von ihrer Schule eine große Wohnung zur Verfügung gestellt bekommen hat. Es war toll nicht alleine frühstücken und Abendbrot essen zu müssen. Den Samstag genossen wir wie echte Touristen. Mit allen Freiwilligen, die sich zu diesem Zeitpunkt in Sofia befanden, schlossen wir uns einer Stadtführung, der free Sofia tour, an. Zweieinhalb Stunden besichtigten wir die wichtigsten Gebäude und Parks und lernten einiges über die Stadtgeschichte Sofias. Der Rest des Wochenendes verging im Flug, picknicken im Park, einem kurzen Jazzkonzert vor der National Oper lauschen, im Art Cafê Grapefruitschorle trinken, lange Austausche über unsere vergangenen Tage und viel U-Bahn fahren.

Die anderen Freiwilligen (von links nach rechts) Toni, Fanny, Lukas, Ich, Seline und Anne

Die anderen Freiwilligen
(von links nach rechts)
Toni, Fanny, Lukas, Ich, Seline und Anne

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Auf der Stadtführung in Sofia

Auf der Stadtführung in Sofia

Jazzkonzert

Jazzkonzert

Eh ich michs versah war ich schon wieder in Plovdiv und wartete auf meinen ersten richtigen Schultag, der sich als relativ ereignislos herausstellte. Ich stellte mich in den 12. Klassen und einer 11. Klasse vor, verschaffte mir in der deutschen Bücherei einen Überblick und sortierte ein Regal neu und half mit die Namenslisten für die DSD (Deutsches Sprachdiplom) zu überprüfen. Nach der Schule spazierte ich mit einer sehr netten Schülerin aus der 11. Klasse durch Plovdiv und sah endlich warum immer alle sagen Plovdiv sei die schönste Stadt. Wir gingen durch das Kapanaviertel. Kapana heißt übersetzt Falle, weil hier alle Straßen und Gassen klein und verwinkelt sind. Es ist das Künstlerviertel von Plovdiv. Weiter ging es durch Parks mit Springbrunnen und Blumenbeeten (die Fotos davon folgen später, zu diesem Zeitpunkt habe ich noch keine gemacht, aber es ist wirklich sehr schön!). Abends traf ich mich mit einigen Medizinstudenten, die zum Teil englisch, zum anderen Teil deutsch sprachen und wir wanderten auf einen Berg in Plovdiv. Insgesamt gab es mal 7 Berge, heute gibt es nur noch 5 (ich weiß leider nicht mehr genau warum), aber von jedem Berg hat man eine sehr schöne Sicht auf die Stadt.

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Plovdiv von oben

Landschaft von Bulgarien aus dem Busfenster

Landschaft von Bulgarien aus dem Busfenster

Ich hoffe ihr habt noch einen wunderschönen Tag! Ich mache mich jetzt schnell auf den Weg in die Stadt zu einer Stadtführung durch Plovdiv.

Alles Liebe eure Helli <3

Die ersten Schritte

Zu meiner Person:

Ich bin Helli, 18 Jahre alt und gehe, Überraschung, mit kulturweit und dem PAD (Pädagogischer Austauschdienst) ein halbes Jahr nach Bulgarien. Dort mache ich ein FSJ an dem Fremdsprachengymnasium Ivan Vasov in der Stadt Plovdiv. 🙂

Zu meinem Ziel:

Bulgarien. Ach. Wo war das nochmal?

So oder so ähnlich liefen meine Gespräche in den letzten Wochen. Da man Bulgarien weder aus dem Fußball (ganz, ganz knapp in der Em-Quali ausgeschieden), noch durch besondere Prominente Persönlichkeiten (außer natürlich Christo Wladimirow Jawaschew) kennt, ist die Frage berechtigt. Um dieses Problem beiseite zu schaffen, Bulgarien liegt oberhalb von Griechenland und der Türkei am Schwarzen Meer und grenzt im Norden an Rumänien. Es hat etwa 7 Millionen Einwohner und ist 110.994 km² groß.

Zu meinem Blogtitel:

Da ich mir einen kreativeren Titel als „Helli in Bulgarien“ überlegen wollte, habe ich ein bisschen überlegt woher man den Bulgarien kennen könnte und was man damit assoziert. Nachdem Fußball ausgeschieden ist, ist mir aber eine andere Sportart eingefallen, bei der es bei dem Stichwort „Bulgarien“ geklingelt hat.

Und? Erratet ihr es?

Natürlich Quidditch! Denn wie wir uns sicher alle erinnern verlor die bulgarische Nationalmannschaft im Endspiel 1994 in Großbrittanien gegen Irland 160:170, obwohl Viktor Krum nach einer Verletzung durch einen Klatscher den Schnatz fing. Hach. Direkt nach dem Spiel sind die Maskottchen Bulgariens, die vor dem Spiel noch so bezaubernden Veelas, milde gesagt wütend geworden. Vielleicht wäre es sogar besser, wenn ich diesen Kreaturen nicht begegne.

Der nächste Punkt im Titel ist Orpheus. Der Sänger und Dichter der griechischen Mythologie soll in der Geschichte von Orpheus und Eurydike aus Liebe in die Unterwelt abgestiegen sein (die vollständige Geschichte folgt zu einem passenden Zeitpunkt). Er stammt aus Thrakien und ist laut der Mythologie in den Rhodopen durch die Teufelsrachenhöhle (Dyavolsko Garlo) in die Unterwelt hinabgestiegen und diese liegt, oh Wunder, in Bulgarien.

Der letzte Punkt ist боб чорба, auf deutsch Bob tschorba (Bohnensuppe), das bulgarische Nationalgericht (ich höre euch alle beim Lesen das R rollen). Ich habe es gewählt, weil ich schon sehr gespannt auf das Essen in Bulgarien bin, kyrillisch ziemlich cool aussieht und sich gut im Titel macht und man immer drei Dinge für eine gute Aufzählung braucht.

Zu Ende:

Ich bin unglaublich gespannt und freue mich riesig auf die Zeit in Bulgarien, habe den Flug gebucht und bin fleißig dabei bulgarisch zu lernen. Ich möchte euch versuchen in dem halben Jahr einen Einblick in mein Erlebnisse zu geben und freue mich, wenn der ein oder andere mal auf meinem Blog vorbeischaut. Bei Fragen, Anregungen oder anderen Dingen kontaktiert mich doch einfach!

Alles Liebe und einen weiteren wunderschönen Tag,

eure Helli <3