So langsam angekommen

Salut Salut, liebe Leser*innen,

ja, ich weiß, der letzte Eintrag ist jetzt schon deutlich über einen Monat her. Warum? Zum einen ist es sicherlich Faulheit, ich hatte oft schlicht keine Lust. Zum anderen hatte ich aber auch teilweise das Gefühl, einfach nicht zu wissen, wie ich denn meine ganzen Eindrücke, Gefühle, Erfahrungen und so weiter in Worten festhalten soll. Dieses Gefühl habe ich auch jetzt während ich das hier schreibe. Ich schreibe, weil ich versprochen habe zu schreiben und euch auf dem Laufenden zu halten. Ich will auch mit euch teilen, was ich erlebe, was ich sehe, was ich fühle. Nur irgendwie geht das nicht. Sagt mir wiederum mein Gefühl. Egal, ich fang einfach nochmal von vorne an…

„Hey, wie gehts dir eigentlich so?“
Das, liebe Leser*innen, ist eine Frage, die mir immer gestellt wird, wenn ich mit Familie und Freunden aus Deutschland (die sich jetzt zum Teil selbst irgendwo anders auf diesem Planeten befinden) in Kontakt bin.

„Total gut, ich fühl mich richtig wohl hier und ja…“
So in etwa ist dann die Antwort, man möchte erzählen, aber man weiß gar nicht, wo man anfangen soll. Ja, ich habe mich gut eingelebt und ich fühle mich manchmal schon wie ein richtiger Einwohner Bukarests. Ich weiß mittlerweile wo sich bestimmte Orte befinden und finde immer häufiger den Weg ohne Google Maps. Zwei kleine Anekdoten machen mich ein bisschen stolz und beweisen mir selbst, dass ich mittlerweile mehr bin als ein Tourist:
1. Auf dem Weg zur Schule werde ich von zwei jungen Männern auf Englisch gefragt, wo es denn zum McDonalds geht. Ich antworte direkt und souverän, ich glaube sie halten mich tatsächlich für einen Rumänen.
2. Ich schaffe es mittlerweile, im Supermarkt nicht mehr als Ausländer aufzufallen. Das war mir am Anfang tatsächlich immer etwas unangenehm, wenn ich etwa auf Englisch nachfragen musste, was ich denn jetzt gerade gefragt wurde. Mittlerweile kenne ich gewisse rumänische Wörter und die Fragen sind immer die gleichen: Zunächst natürlich Begrüßung: Buna ziua/dimineata/seara (Guten Tag/Morgen/Abend), dann kommt die Frage nach der Tüte: punga? – Da!/Nu! (selbsterklärend 😉 ). Schließlich wird der Betrag genannt. Da ist es die Kunst, so unauffällig auf den Bildschirm zu gucken, dass nicht auffällt, dass man die Zahlen nicht kann. Oder man versteht die Zahlen. Oder man hat vorher im Kopf den Preis überschlagen. Ersteres klappt immer häufiger, letzteres mach ich nicht mehr. Nachdem man das Geld gegeben hat, kommt manchmal noch ne Frage, irgendwas mit „…bani…?“. Das ist die Frage nach eventuell vorhandenem Kleingeld. Nach Empfang des Rückgeldes noch ein freundliches „Multumesc frumos! La Revedere!“ (Schönen Dank! Auf Wiedersehen) und es ist geschafft, niemand hat gemerkt, dass ich kein Rumänisch spreche. Und dann wird man was gefragt, hat keine Ahnung und muss sich doch „outen“.  Aber ein Problem ist das nicht, entweder switchen die Leute in perfektes Englisch oder sie lächeln und fragen jemand anderes. Ja, was dazwischen habe ich bislang nicht erlebt.

Das mag jetzt natürlich sehr unwichtig klingen und ja, letztendlich ist es das auch. Aber für mich beschreibt es ganz gut, wie stark ich hier schon angekommen bin. Ja, ich finde mich gut zurecht. Aber ich bin eben nicht von hier, spreche die Sprache nicht und muss vieles googeln (Google Maps und Translator sind übrigens meine wichtigsten Apps). Das führt mich dann auch schon zum nächsten Punkt: Sprachkurs. Eigentlich hätte meiner schon beginnen sollen, doch es gab ein Kommunikationsproblem mit der Sprachschule, lange Geschichte, sodass ich jetzt erst im Januar beginnen werde. Wie ihr aber oben lesen konntet, klappt es im Alltag auch gut ohne Rumänisch.

An der Schule habe ich jetzt auch schon öfter Vertretungsunterricht gemacht, was mir im Großen und Ganzen richtig Spaß gemacht hat. Highlight: vier Tage alleine in einer Grundschulklasse. 33 Drittklässler sind zwar schon manchmal ziemlich anstrengend, besonders wenn sie dumme Frage stellen (ohja, es gibt definitiv dumme Fragen, Beispiel: „Ihr macht jetzt bitte Aufgabe 2.“ Zwei Minuten später, Kind hat Aufgabe fertig: „Soll ich auch Aufgabe 3 machen?“ Ich will was Sarkastisches sagen, jedoch schreien gleich zehn Kinder irgendetwas wie „man, bist du doof!“ auf Rumänisch und die Sache ist erledigt 😀 ). Andererseits sind sie verdammt süß, sie kommen einfach und umarmen dich.
Auch kein Zuckerschlecken: Mit 33 Kindern alleine Laternen für St. Martin basteln. Klappt aber 🙂
Letzte Woche Freitag war dann auch das dazu passende Laternefest, was mich ein bisschen ans ostfriesische Martini erinnern ließ und bei dem es sogar Glühwein gab.

Puh. Wenn man erstmal anfängt zu schreiben, fällt einem doch ne ganze Menge ein. Ich könnte zwar noch einiges schreiben. Aber erstens will ich euch nicht überlasten 😉 und zweitens muss ich noch Tasche packen: morgen früh geht’s zunächst mit Caro und Kim (die anderen beiden kulturweit-Freiwilligen in Bukarest) nach Sibiu (Hermannstadt) und dann Montag nach Timisoara (Temeschwar) zum Zwischenseminar. Ich freue mich schon mega, endllich die anderen Freiwilligen aus Rumänien und Moldawien wiederzusehen! <3

Vielleicht konnte ich euch ein bisschen teilhaben lassen an meinen Eindrücken, ihr solltet aber gemerkt haben: es geht mir prima und ich freue mich auf die kommenden 9 Monate 🙂

Bis dahin, euer Hauke

Herbst im Herastrau-Park
See im Herastrau-Park

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