Dieses Gefühl

Es ist der erste Abend in meinem neuen Zuhause und ich muss sagen, es ist ein komisches Gefühl hier angekommen zu sein und nun mit all den neuen Eindrücken konfrontiert zu werden. Dieses Gefühl ist da und es geht nicht weg…

Aber zuerst möchte ich von meiner Reise berichten, die mich an diesen Ort gebracht hat: Gestern ging es für mich zunächst nach Berlin und von dort mit dem Nachtzug direkt in meinen Einsatzort Nové Zámky. Die beiden Zugfahrten und vor allem das Umsteigen mit so viel Gepäck zu meistern, war schon eine Herausforderung und der ein oder andere hat mich am Bahnhof in Berlin tatsächlich gefragt, warum ich denn so viel Gepäck dabei hätte. Als die Leute meine Antwort hörten, wünschten mir alle viel Glück für meine Zeit in der Slowakei und ich denke dieses kann ich bestimmt gut gebrauchen.

Im Nachtzug hatte ich zum Glück eine Einzelkabine und so konnte ich mir einen ruhigen und gemütlichen Abend machen. Während ich mein Abendessen zu mir nahm, welches aus einem Brötchen und einem Wrap bestand, den ich mir noch in Berlin am Bahnhof gekauft hatte, sah ich das letzte Mal die Landschaft Deutschlands an mir vorbei ziehen. Erst jetzt wurde mir bewusst, dass ich all das, meine Heimat, für das nächste halbe Jahr hinter mir lasse.

Trotz einigen Lärms im Zug konnte ich relativ gut schlafen und als ich morgens wieder aufgewacht bin, war ich gespannt auf meinen ersten Tag in der Slowakei. Dann teilte mir der Schaffner jedoch mit, dass wir 45 Minuten Verspätung hätten. Also musste ich doch noch etwas mehr Zeit im Zug hinter mich bringen. Als ich dann endlich ankam, wartete meine Ansprechpartnerin schon am Bahnsteig auf mich und half mir auch gleich mit meinem ganzen Gepäck. Sie brachte mich dann auch gleich zu der Frau, bei der ich wohnen werde. Da unsere eigentliche Wohnung derzeit aber leider noch nicht fertig ist, wohnen wir zuerst noch in dem Haus ihrer Mutter, in dem Dreitausend-Einwohner-Dorf Veľký Kýr.

Nach einem leckeren Frühstück und etwas Ausruhen, ging es dann mit dem Zug wieder nach Nové Zámky. Dort ging es auch schon wieder mit Essen weiter, denn ich war bei meiner Ansprechpartnerin zum Mittagessen eingeladen. Dabei haben wir dann auch alles über die Schule besprochen und ich bin beruhigt, dass ich jetzt weiß, was meine Aufgaben sind.

Dennoch sitze ich jetzt hier am ersten Abend in meinem Zimmer vor dem Laptop und habe ein komisches Gefühl. Aber warum? Keine meiner Befürchtungen hat sich bewahrheitet, alle sind nett und freundlich. Das Gefühl bleibt. Vielleicht liegt es einfach daran, dass es nun wirklich los geht, dass ich nun wirklich für ein halbes Jahr hier bin und daran, dass es immer noch so vieles gibt, das auf mich zu kommt und das ich nicht voraussehen kann. Aber das ist vielleicht auch gar nicht immer gut, man muss das Leben auch mal auf sich zukommen lassen. Zum Abschied habe ich zu Hause eine Karte geschenkt bekommen, auf der geschrieben steht „Wer loslässt, hat beide Hände frei“. Genau das versuche ich jetzt zu tun, einfach loszulassen…

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