Über Weihnachten und kleine Erfolge

Heute hatte ich ein Treffen mit dem Schülerzeitungsteam. Dabei konnte ich wahrscheinlich mehr lernen, als die Schüler von mir.

 

Die erste Ausgabe der Schülerzeitung

Schon bei meinem Vorstellungsgespräch in Bonn hatte ich die Idee, eine Schülerzeitung mit den Schülern aufzubauen, ganz am Beispiel von dem Jahrbuch meiner Schule. Ich hatte schon genaue Vorstellung, wie diese aussehen könnte. Daher war ich schon fast ein bisschen enttäuscht, dass es an meiner Schule in Tirana schon längst eine Schülerzeitung gibt, denn für mich gab es dabei kaum noch was zu tun. Ich musste lediglich zusammen mit der Koordinatorin (eine Schülerin aus der 12. Klasse und Mitglied seit der Gründung der Zeitung) die Treffen organisieren und schlussendlich die Artikel Korrektur lesen. Dennoch hat mir die Arbeit mit dem Schülerzeitungsteam viel Spaß gemacht und ich bin schon gespannt auf unsere erste Ausgabe.

Diese ist fast fertig. Zurückblickend kann ich wieder einmal nur sagen: vieles lief gut, manches könnte aber auch besser laufen. Momentan müssen noch die letzten Fehler im Layout verbessert werden und dann kann die Zeitung endlich in den Druck gehen. Ich bin stolz auf die Schüler und die entstandene Zeitung! Als ich vor ca. einem Monat mit dem Korrekturlesen der Artikel angefangen habe, war ich erneut wirklich begeistert von den Deutschkenntnissen der Schüler! Auch wenn die Koordinatorin (ohne die gar nichts laufen würde!) und ich manchmal ein bisschen Stress machen mussten, sodass die Artikel noch „relativ pünktlich“ bei mir im E-Mail-Postfach ankamen und ich ein bisschen von dem Layout enttäuscht bin, war es ein kleiner Erfolg – sowohl für die Schüler als auch für mich.

Für dieses Jahr hatte die Koordinatorin das große Ziel, zwei Ausgaben für dieses halbe Jahr heraus zu geben. Daher das übereilte Treffen für die neue Ausgabe, auch wenn die erste noch nicht einmal gedruckt ist. Wir haben heute als unsere Ideen für die Winterausgabe gesammelt und schon erste Artikel zugeteilt. Ich freue mich jetzt schon auf die Texte und umgesetzten Ideen der Schüler!

Weihnachten in einem größtenteils atheistischen Land

Am interessantesten für mich war bei diesem Treffen aber, von den Schülern zu erfahren, wie sie Weihnachten feiern. Ich war so ja schon von den ganzen Namen verwirrt, aber jetzt soll Sankt Nikolaus auch noch der Weihnachtsmann sein?

Weihnachten ist für die Albaner allgemein kein so großes Fest wie für uns in Deutschland. Dennoch hat es der Kommerz auch hier geschafft, einen Hype daraus zu machen. So wird seit einigen Tagen auch schon der Weihnachtsmarkt auf dem Skanderberg-Platz aufgebaut. (Für mich, die das Weihnachtsfeeling vermisst hatte, natürlich perfekt!)

Ganz verwirrend war für mich die Tatsache, dass die Praktikantin mir auf meine Frage ob sie Weihnachten feiere mit ja beantwortet hat und die Frage ob sie muslimisch sei ebenfalls bejahte. (In weiteren Gesprächen kam ich dann darauf, dass sie eher atheistisch als muslimisch ist. Und mit anderen Albanern konnte ich aus Unterhaltungen mitnehmen, dass eigentlich alle Weihnachten feiern, egal welcher Religion sie angehören.)

Hier in Albanien wird also Weihnachten nicht als so großes Fest gefeiert, dafür aber das Neujahr umso mehr. Und das ist auch der Tag an dem der Sankt Nikolaus alias Weihnachtsmann kommt und die Geschenke bringt. Für mich, die mit dem Christkind aufgewachsen ist, ist das etwas befremdlich und verwirrend, auch wenn man natürlich schon damit in Berührung gekommen ist, dass manche gar kein Weihnachten feiern oder der Weihnachtsmann und nicht das Christkind kommt.

Das Ganze hat natürlich auch seinen Grund und beruht auf der Geschichte des Landes. Da Albanien vor nicht allzu langer Zeit noch kommunistisch war, ist es ein eher atheistisches Land und Weihnachten durfte damals (vor fast 30 Jahren) nicht gefeiert werden. Wenn man sich diese Begebenheiten anschaut macht das vorher eher Verwirrende auch wieder Sinn.

 

Da ich diese Seite Albaniens sehr interessant fand, wollte ich euch ebenfalls davon berichten, auch weil ich anfangs nie wirklich die religiöse Seite Albaniens verstanden hatte. Manch einer meinte es sei ein muslimisches Land, andere behaupteten es sei christlich. Jetzt weiß ich es ist irgendwie beides und auch, dass die religiöse Lebensweise auf Grund der kommunistischen Vergangenheit nicht sehr ausgeprägt ist. Und auch, dass das Land sehr stolz darauf ist, dass die verschiedenen Religionen harmonisch nebeneinander existieren können. Ich selbst finde diese religiöse Akzeptanz sehr beeindruckend!

 

Das war es fürs erste von mir. Ich wünsche euch eine schöne Adventszeit und viel Vorfreude auf Weihnachten! 😉

 

Liebe Grüße aus Tirana!

Ein Gedanke zu “Über Weihnachten und kleine Erfolge

  1. Hallo Tamara!

    Es ist wirklich schön zuhören, dass eine Gesellschaft zur Religion ( wenn auch etwas konfus 🙃) UND zur Toleranz zurückfinden kann!
    Es gibt also auch hoffnungsvolle Entwicklungen. Leider schaffen es diese Geschichten viel zu selten in die Schlagzeilen…

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