Wie heißt du? Wohin gehst du?

10 Tage Vorbereitungsseminar am Werbellinsee in Berlin

So schnell können 10 Tage vergehen. Noch vor kurzem war ich zuhause, dann in Berlin, dann wieder für 24h zuhause und jetzt sitze ich schon auf dem Balkon in Tirana. In diesen Tagen konnte ich viel mitnehmen und habe auch viel gelernt. Ich möchte euch durch einen tagebuchartigen Eintrag einen Einblick geben.

 

Freitag, 01.09.17

Nach einer ca. zehnstündigen Busfahrt einmal quer durch Deutschland kam ich müde aber  gleichzeitig auch gespannt auf die nächsten Tage in Berlin an. Am Bahnhof konnte ich Annchristin (sie wird ihr FSJ in dem Nachbarland Montenegro machen) endlich persönlich kennenlernen. Es war schön, in der Masse von Unbekannten eine Person schon etwas zu kennen. Wir fuhren gemeinsam mit anderen Freiwilligen in Bussen zum Gelände der EJB. Dort angekommen gab es eine Begrüßung, bei der alle 320 (!) Freiwilligen dabei waren. Es wurden unsere TrainerInnen für die kommenden Tage vorgestellt und wir wurden in HomeZones eingeteilt – das sind kleinere, länderspezifische Gruppen.

In meiner HomeZone begann dann auch das Vorbereitungsseminar. Mit unserer Trainerin Anja haben wir uns erstmal kennengelernt. An diesem Tag begann ganz offiziell mein Freiwilligendienst und an diesem Tag realisierte ich auch das erste Mal so richtig in was für ein Abenteuer ich mich da stürze. Mir wurden die Dimensionen bewusster und Bedenken größer als sie davor waren. Was mache ich hier überhaupt? Kann ich das? Macht das wirklich Sinn?

Samstag, 02.09.17

Dieser Tag begann mit einer kleinen Überraschung von drei unserer Trainerinnen. Innerhalb von drei HomeZones zogen wir geheime Freunde, um die wir uns über das Seminar hinweg kümmern müssen – tolle Idee! So konnten wir noch mehr Leute kennen lernen, die in die gleiche Gegend gehen werden. Gleichzeitig stellte es sich als eine schwierige Aufgabe heraus, einer unbekannten Person unbemerkt etwas Gutes zu tun. Schlussendlich entschied ich mich, meinem „geheimen Freund“ eine kleine Süßigkeit und einen Motivationsbrief zu kommen zu lassen. Damit kann man doch nicht allzu viel falsch machen, oder? Ich hoffe du hast dich gefreut, „geheimer Freund“!

Den restlichen Vormittag haben wir damit verbracht, uns mit Privilegien zu beschäftigen. Ein abstrakter Begriff wurde für mich klarer und ich kam dabei mit den Leuten aus meiner HomeZone ins Gespräch, wodurch ich einige näher kennen lernen konnte. Am Nachmittag bekamen wir Informationen über Kulturweit selbst. Es wurden Fragen zu Versicherung, Arbeitszeit und vieles mehr geklärt.

Sonntag, 03.09.17

An Tag 3 besuchte ich den Workshop über die Macht der Medien –  ein sehr aktuelles Thema, mit dem ich mich davor schon ein bisschen auseinander gesetzt hatte. Daher war es für mich sehr interessant, die Sichtweise und Erfahrungen von dem Trainer, der auch als Photojournalist arbeitet, zu erfahren. Mit neuem Input, vielen Büchertipps und angeregt zu Diskussionen kam ich aus diesem Workshop wieder heraus.

Mittags konnten wir uns in Schutz- und Reflexionsräume zu bestimmten Themen austauschen – bei mir war es das Thema „Weißsein“. Dafür haben wir erst einen kleinen Dokumentarfilm „Fuck White Tears“ (empfehlenswert!) angeschaut; dieser Film stellt den Konflikt der Hautfarben aus einer ganz anderen Sicht dar und regt auf jeden Fall zum Nachdenken an. Obwohl ich in Albanien nicht mit meiner Hautfarbe konfrontiert sein werde, war es ein interessanter Denkanstoß, den ich hier bekommen habe.

Montag, 04.09.17

Exkursion nach Berlin! Morgens ging es mit dem Bus nach Berlin, wo wir im Auswärtigen Amt offiziell begrüßt wurden. Ein Vergleich, der mir von einem der Reden hängen geblieben ist, ist der von Freiwilligen mit einem Schwamm. Klingt erstmal absurd und ist wahrscheinlich deswegen in meinem Gedächtnis geblieben. Die Erklärung dazu: als Freiwilliger geht man vollgesogen mit Werten, Normen, Erfahrungen, etc. in das jeweilige Einsatzland und kann sich dort ausdrücken, um sich dann mit den dortigen Erfahrungen, Werten, und vielem mehr wieder aufzusaugen. So kommt man dann wieder nach Deutschland und bereichert die hiesige Gesellschaft. Die Bewertung von diesem Vergleich überlasse ich euch. Ich selbst werde nach meinem Freiwilligendienst eine Bewertung dazu abgeben.

Nach einem kleinen Snack, ging es dann mit außergewöhnliche Führungen durch Berlin. Meine Stadtführung bezog sich auf Flüchtlinge und wurde – wie man sich denken kann – auch von einem geführt. Wir erfuhren viel über sein Leben in Syrien, die Gründe seiner Flucht, seine Flucht selbst, seine Erfahrungen mit der Bürokratie und sein Leben als Flüchtling in Berlin. Dadurch dass man auch so gut wie alles fragen konnte, war es sehr persönlich und dadurch umso interessanter!

Dienstag, 05.09.17

Wir verbrachten den ganzen Tag in der HomeZone und ließen zuerst die vergangenen Tage Revue passieren. Dabei kam ich erneut mit den Leuten ins Gespräch und auch schnell in Diskussionen über kontroverse Themen wie Feminismus.

Nachmittags wurde es dann persönlicher, witziger und sentimentaler. Gleich bei der ersten Aktion mussten wir uns zum Affen machen und zwar bei dem Spiel ‚Zapfenkacken‘ – und ja das darf man recht wörtlich nehmen! Eurer Fantasie soll hier keine Grenzen gesetzt werden 😉 Das Fazit ist auf jeden Fall: Es macht unglaublich Spaß, wenn einfach jeder mitmacht und über sich und die anderen lachen kann – bei den bescheuertsten Sachen die es überhaupt gibt. Es wird deutlich wie sehr wir uns in der Gruppe wohlgefühlt und nach gerademal fünf Tagen aufeinander vertraut haben. Noch deutlicher wurde es als wir über unsere Bedenken, Sorgen und Ängste gesprochen haben. Dabei flossen auch einige Tränen… Doch unsere Trainerin wusste bewiesenermaßen genau wie sie uns wieder aufmuntern konnte.

Ich habe nach der HomeZone noch einiges über das Gesagte nachgedacht und durch Telefonate nach Hause auch weiter darüber gesprochen. Meine Bedenken und Sorgen, die am Anfang des Seminars größer geworden waren, konnte ich durch die neuen Bekanntschaften einigermaßen wieder beiseite legen. Dennoch gibt es so einige Sachen die einen einfach nicht loslassen. Darauf möchte ich vielleicht in einem anderen Beitrag genauer eingehen.

Mittwoch, 06.09.17, und Donnerstag, 07.09.17

An diesen beiden Tagen konnten wir unsere Entsendeorganisationen genauer kennenlernen. Es wurden außerdem Workshops zu bestimmten Themen wie dem DSD (Deutsches Sprachdiplom) angeboten. Ich persönlich fand den Notfallkoffer für den Deutschunterricht am besten. Dort haben wir gelernt wie man mit den einfachsten Spielen mal einen Unterricht sinnvoll überbrücken kann, wenn man z.B. spontan eine Stunde übernehmen muss. Die anderen Workshops, die ich besucht hatte, haben mir nicht viel gebracht. Aber ich war an den Tagen auch krank, wodurch ich nicht viel aufnehmen konnte und einfach nur ins Bett wollte…

Freitag, 08.09.17

So langsam neigte sich das Seminar dem Ende zu und es wurden die ersten Pläne für Besuche und Urlaubstage mit anderen Freiwilligen gemacht, um die neu gewonnenen Freundschaften trotz der anstehenden Trennung nicht zu verlieren. Ich hoffe, dass sich diese Pläne in die Realität umsetzen lassen!

Es gab an diesem Tag noch einen Workshop zu „Bildung – ein Exportschlager“. Doch am achten Tag passte einfach keinerlei Input mehr rein… Daher tat die eher chillige Runde in der HomeZone mega gut! Wir haben uns überlegt was wir die letzten Tage machen wollen und auch noch eine Teambuilding-Aufgabe gelöst.

Samstag, 09.09.17

Den ganzen Tag HomeZone – yes! Wir haben erst einmal einen kritischen Text über kulturweit gelesen und darüber zu zweit diskutiert. Es ist ganz gut seine Organisation auch mal kritisch zu betrachten bevor man sich mit ihr ins Ausland begibt.

Später haben wir noch Ideen für mögliche Projekte gesammelt, die wir als Gruppe angehen könnten. Unsere Ideen haben wir auch schon teilweise in die Tat umgesetzt bzw. einfach geplant. Heraus kam dabei z.B. „die Entenplaylist“ mit Liedern, die uns helfen sollen, wenn es uns mal nicht gut geht oder auch einfach um etwas von den Leuten zu haben, die man jetzt mittlerweile so gut kennen gelernt hat. Außerdem haben wir Namen für ein Weihnachtswichteln gezogen und eine Kettenbrief-Mail gestartet. So werden wir hoffentlich immer in Kontakt bleiben und auch voneinander erfahren was wir so machen.

Sonntag, 10.09.17

Der Tag der Abreise und Verabschiedung ist gekommen. In unserer HomeZone haben wir ein letztes Mal den Insider-Tanz „den Ententanz“ zusammen getanzt. Das war wieder mega witzig, einfach weil man sich selbst nicht so ernst nehmen muss! Unter anderem wird mir das fehlen. Als Gruppe sind wir noch ein letztes Mal an den See, um dort Gruppenfotos zu machen.

Mit Imme und Annchristin habe ich noch ein wenig Zeit am Bahnhof verbracht, bis die beiden dann jeweils in ihre Züge gestiegen sind. Der Abschied war dann doch schwerer als gedacht. Nachdem wir 10 Tage lang wirklich von morgens bis abends zusammen verbracht habe, reist man jetzt in drei verschiedene Länder. Zum Glück werde ich einige auf dem Nachbereitungs- und Zwischensseminar wieder sehen! Ich bin schon gespannt auf eure Berichte und Erfahrungen!

Das Gruppenfoto am See. Meine HomeZone vom Vorbereitungsseminar – eine tolle Truppe!

2 Gedanken zu “Wie heißt du? Wohin gehst du?

  1. Meine Liebe,
    danke für den Blogeintrag. Ich bin gespannt, was du bereits erlebt hast und was du noch mit mir teilen wirst.
    Du fehlst mir unglaublich und ich hoffe wir sehen uns schon ganz bald!
    Fühl dich gedrückt, ich hab dich lieb.

    Annchristin

    • Liebe Annchristin,
      vielen lieben Dank! Ich werde auf jeden Fall noch über meine letzten Tage schreiben;)
      Du fehlst mir ebenfalls! Das werden wir sicher; geplant wird ja schon:)
      Ich hab dich auch lieb, deine Tamara

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