Kritik einer Reise

Myanmar lockt mich und auch andere Backpacker mit seinen unendlichen Möglichkeiten Abenteuer zu erleben. Hinauf auf Berge, hinunter in Schluchten, rein ins Wasser, raus in die Wildnis, hindurch zwischen Pagoden. Rasend über holprige Straßen auf Mopeds, Pick-ups oder in VIP-Bussen.

Der Wind peitscht mir ins Gesicht und ich fühle mich frei…

Frei in einem Land, in dem so viele Menschen noch unfrei sind. Frei in einem Land, in dem Menschen verhaftet werden, weil sie die Politik kritisieren. Frei in einem Land, in dem nur etwa ein Viertel der Bevölkerung Zugang zu Elektrizität hat. Frei in einem Land, in dem in den letzten Monaten über eine halbe Millionen Menschen wegen ihrer Religion verfolgt, vergewaltigt, um ihre Existenz beraubt und vertrieben wurden…

Aufgrund meiner Privilegisierung kann ich es mir leisten die Schönheit des Landes zu bestaunen und kann den Müll zwischen den Häusern ignorieren. Aufgrund der Auswüchse der Kolonialzeit werde ich mit „Hello! Beautiful!“ auf der Straße begrüßt und kann mich darüber ärgern, dass es fast nur Duschgel mit Whitening-Effekt gibt. Aufgrund von Umständen, denen ich jeder Zeit entkommen kann, steigt mein Adrenalinspiegel und löst Freiheitsgefühle aus, wenn ich auf dem Rücksitz eines Motorrads durch die Wildnis gefahren werde.

Für mich war dies auch ein bitterer Geschmack, den ich auf meiner Reise erleben durfte… Doch nicht all den Reisenden, denen ich begenete, ging das auch so. Vielen gefiel gerade diese (privilegiserte) Position manchmal etwas zu gut und Sätzen wie „diese Betel-kauenden Männer widern mich an“ machten das leider des öfteren deutlich.

Dennoch möchte ich auch diese Erfahrungen nicht missen, sondern ich möchte sie teilen. Diese Eindrücke sollen nicht davon abhalten die Welt zu bereisen und anderen Menschen zu begegnen. Sie sollen nicht davon abhalten Abenteuer zu erleben. Aber sie sollen dazu anregen, nicht blind und selbstsüchtig von einem Abenteur ins nächste zu stolpern. Vor allem sollte es auch einmal die eigenen Haltung sein die kritisiert, korrigiert und ent-privilegisiert werden muss!

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