Atmen in der Nacht…

…denn am Tag ist es manchmal wirklich kaum möglich. Nachdem ich gestern die unendliche Weite Moskaus von einem Balkon im 24. Stock spüren konnte, wurde ich heute durch den öffentlichen Verkehr wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgequetscht. Wenigstens haben mir die hartgesottenen Metrofahrer meine Lunge nicht ganz plattiert…Meine Vermieterin meint, dass die Menschenmassen durch den bald folgenden Frauentag, der wohl ein Feiertag in Russland ist, in der Stadt zu Besuch oder Einkaufvergnügen zusammenkommen. Wenn Frau aber Tage vorher um ihr Überleben in der Metro kämpfen muss, würde ich jede Pedition zur Abschaffung dieses Tages unterschreiben. Es haben mich definitiv noch nie so viele fremde Körperteile auf einmal zusammengedrückt. Aber zurück zum Balkon…

Die Sicht ist vom mittleren Ring (es gibt wohl drei an der Zahl) mit Blick in die Innenstadt und ganz hinten die monikleinen Spitzen, das ist der Kreml. Lesha, denn ich über Couchsurfing kennengelernt habe, hat uns in das Mietshaus irgendwie reingebracht und es war schon sehr schön da oben. Ich konnte den vielen Schmutz und Lärm vergessen, der Moskau sonst in nicht vogelicher Perspektive umgibt. Aber noch weitere Entdeckungen habe ich gemacht. So ist es zum Beispiel Schornsteinfegern untersagt den Zoo zu besuchen. Das sieht dann ungefähr so aus:

Ich wundere mich auch über diese Berufsdiskriminierung, aber wenn ich sehe, durch welche vergitterten Minischlitze die Zooticketverkäuerinnen die Eintrittskarten reichen müssen, wundert mich nichts mehr. In Moskau scheint mir sowieso ab und an jede Logik ausgeschaltet, also wieso nicht Bademeister und Rettungsschwimmer im Feibad verbieten? Sie könnten die Gäste durch ihr Bekleidung in unangenehme Situationen bringen und manchmal, ganz plötzlich, bleibt einem dann der Atem weg.