Von einem bisher einzigartigen Jahr, den besonderen Erkenntnissen des Abschieds und vom Suchen und Finden

2017 – was für ein Jahr! Für manche mag es vermessen klingen, das jetzt schon zu sagen – Ende August. Aber dieses Recht räume ich mir ein, auch, wenn man bekanntlich den Tag nicht vor dem Abend loben soll. Aber Lobeshymnen singen will ich gar nicht. Vielmehr möchte ich rekapitulieren und die Ereignisse der letzten Monate irgendwie greifbar machen. 2017 wollte ich die Ausbildung zum Skilehrer machen, volljährig werden und die letzten Monate meiner Schulzeit erleben. Ich wollte die Abiturprüfungen absolvieren und den Sporteignungstest der Uni Leipzig bestehen. Wollte ich – hab ich auch. Und obwohl ich so viele dieser Ereignisse schon Anfang des Jahres fest auf mich zukommen sehen habe, beginne ich einiges erst jetzt zu realisieren. Aber jetzt will ich ins Ausland – nach Georgien um genauer zu sein. Und damit vollzieht sich die wohl tiefgreifendste Veränderung in diesem Jahr, und ich begebe mich, wenn ich diesen Freitag Morgen in den Bus nach Berlin zum Vorbereitungsseminar steige, auf mein bisher größtes Abenteuer.

Wenn ich an die Ereignisse der letzten zwei Monate denke, an die Flugbuchung und die Wohnungssuche, die Impftermine beim Arzt, die Georgisch- und Deutsch-Tandem-Lernstunden und die letzten Urlaube mit meinen Eltern und meinem Freund, fühle ich mich, als wäre mir die Zeit wie Sand durch die Finger geronnen. Stets wirkte „der September“ noch so weit weg und war trotzdem unterschwellig immer präsent. Jetzt sind es noch nicht mal mehr drei Tage, die mir hier zu Hause bleiben. Zeit, die unaufhaltsam läuft, in der sich viele Gedanken gemacht werden über Packlisten, letzte Termine und die richtigen Momente für den Abschied. Aber den passenden Moment um Tschüss zu sagen gibt es, genauso wie die „perfekte“ letzte Zeit vor der Abreise, wohl nicht – zwei der vielen Dinge, die ich in den letzten Tagen gelernt habe. Das Meiste kann man planen, einiges wird sich erfüllen und auf wiederum anderes hat man keinen Einfluss. Das Gefühl, etwas wichtiges vergessen zu haben, wird sich bis zu meiner Ausreise nicht abstellen lassen und mit dem doch Übersehenen, Unerledigten werde ich umgehen. Was nachhaltig zählt, ist, die vielen letzten Male dieser Tage nochmal bewusst zu erleben und mitzunehmen – für eine Zeit voller erster Male. Erste Abschiede habe ich schon hinter mir, andere lassen noch auf sich warten, Tränen wurden – und werden sicherlich – jedes Mal vergossen. Doch auch wenn es schwer fällt wertvolle, wunderbare Menschen loszulassen – ich WILL gehen – zumindest für eine Zeit.

Viel zu lang habe ich diesen Traum vom Auslandsjahr gehabt, viel zu sehr hat mich das kleine fremde Land am Rande Europas, dessen Buchstaben für deutsche Münder so unaussprechbar und dessen Geschichte so alt ist, dass sich darum antike Mythen ranken (die es nebenbei bemerkt sogar in die Pflichtlektüreliste meiner Deutsch-Leistungskurs-Zeit geschafft haben), in seinen Bann gezogen. Wenn mein Flieger am Nachmittag des 11. September Richtung Tbilisi abhebt, kann ich der unstillbaren Neugierde auf Land und Leute und meine neue Heimat endlich Raum geben. Ich freue mich auf eine Zeit, voller neuer Erfahrungen, auf knifflige Herausforderungen und auf einzigartige Bekanntschaften.
Ich freue mich auf eine Zeit, die mir die Augen öffnet, auf die Finger haut und mich über mich selbst hinauswachsen lässt. Und auch, wenn ich das Goldene Vlies im Land der Kolcher wahrscheinlich nicht finden werde, weil es die Argonauten einst längst fortgetragen haben, finde ich innerhalb der 6 Monate vielleicht ein bisschen mehr zu mir selbst.

Inwieweit mir das alles gelingt, wirst du hier lesen können.

Anne SOphie

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