Einfach lieben

Dieser Text ist ein Gruß an meine liebe Freundin Julia, die gerade mit kulturweit in Sri Lanka ist und die ich sehr vermisse. Dieser Text ist ein unglaubliches Dankeschön an all die Menschen, die mir in Lomé täglich begegnen. Dieser Text ist ein großes Lächeln, weil ich hier so glücklich bin und gleichzeitig eine kleine Träne, weil die Hälfte meiner Zeit nun vorüber ist.

Wie immer möchte ich darauf hinweisen: Es ist meine Wahrnehmung meiner Zeit in Togo. Eine einzige Geschichte. Und: Ich kann auf keinen Fall berichten, wie Togo so ist. Aber: Ich kann Momente beschreiben. Ich kann euch berichten, welch wunderbare Augenblicke ich auch in den letzten Wochen wieder erleben durfte. Ich kann euch berichten, was ich hier einfach liebe.

Auf dem Grundstück meiner Gastmutter habe ich eine kleine Freundin gefunden. Delphine ist 14 Jahre alt. Gestern machten wir gemeinsam Hausaufgaben, wir lernten etwas über China. Delphine grüßt meine Familie in Deutschland jeden Tag drei Mal, sie möchte am liebsten Sängerin werden und vielleicht gehen wir bald zusammen ins Schwimmbad. Oft laufen wir durch unser Viertel und machen Besorgungen. Die Zeit, die wir teilen, ist super. Oder wie Delphine sagen würde: Super. Plus que le mot super!

Vor einigen Wochen wurde vom Deutschklub der Studierenden ein Theaterstück auf dem Campus organisiert: Goethes Die Geschwister. Mein Französisch war an vielen Stellen nicht ausreichend, aber ich werde die Handlung nachlesen. Was gibt es Spannenderes, als auf dem Campus mitten in Togo auf Goethe zu stoßen? Was gibt es Spannenderes, als die Buchempfehlungen von meinem togoischen Mitpraktikanten Brice? Immer, wenn ich in die Bibliothek des Goethe-Instituts komme, hat er einen Tipp für mich: Stefan Zweig, Heinrich Böll, Elfriede Jelinek.

Delphines Mutter Joséphine hat einen kleinen Stand vor unserem Haus: Sie verkauft eine Art Klöße aus Maisteig mit scharfer Soße und Fisch. Manchmal setze ich mich abends dazu und rufe mit ihr gemeinsam: Coma le zozo! M aple come zozo! Es ist interessant, so den Passanten des Viertels zu begegnen und den heißen Snack zu verkaufen. Im Goethe-Institut habe ich von meiner abendlichen Beschäftigung erzählt. Mein Kollege Siméon wollte daraufhin auch gerne Come von mir kaufen. Ich nahm ihm im Scherz eine Portion mit ins Institut. Coma le zozo! Abends brachte er mir die Box mit einem Lächeln zurück in mein Büro. Zuhause, als ich die Box meiner Gastmutter geben wollte, entdeckten wir eine kleine Überraschung: Schokolade!

Am Samstag fand mein kulturweit Projekt statt: Eine Schreibwerkstatt für Schülerinnen und Schüler aus Abschlussklassen verschiedener Gymnasien in Lomé. Den gesamten Tag gestalteten wir für sie: Mit Spielen, mit Vorträgen, Input, kreativen Schreibmethoden und am Ende der Möglichkeit, selbst eine Kurzgeschichte zu verfassen. Ich war unglaublich nervös, doch es klappte gut. Vor allem auch durch die Hilfe meines Teams: Meine Kollegen vom Goethe und Brice, Deborah und Eugène unterstützen mich, führten durch die Präsentationen und griffen ein, wo es gebraucht wurde. Und noch dazu mit guter Laune: Bereits in der Mittagspause starteten wir Musik im großen Auditorium des Instituts. Und tanzten.

Das waren vier Momente. Momente, die mich wie immer eines lehrten: Was bleibt. Was bleibt nach diesen drei bereits vergangenen Monaten?

Es sind die Menschen. Es sind immer die Menschen.

Ein Gedanke zu „Einfach lieben

  1. Super super super! Wao ich werde dich vermißen liebe Eva. Du kannst immer auf brice und mich zahlen. Was ich bei dir mag, ist das, du sehr schnell lernst und DU BIST SEHR OFFFEN.
    Viel Spaß für die nächsten Monaten.

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