Zwischen Berlin und Lomé

Berlin. Das Vorbereitungsseminar ist abgeschlossen und nun stehen wir alle im Eingangsbereich des Berliner Bahnhofs und wissen nicht so recht, wohin. Mit einem Bein noch inmitten der Vorbereitungen und Unsicherheiten. Und doch fast auf dem Weg in unsere Einsatzländer. Der Abschied passiert in Raten, nach und nach werden wir abgeholt, verschwinden Richtung S-Bahn, steigen in Züge. Ich habe noch etwa zwölf Stunden, bis mein Flugzeug am nächsten Morgen von Berlin Tegel abhebt und diese kann ich bei Freunden in ihrer WG verbringen. Die Drei kommen aus Ghana und Togo und leisten in Berlin gerade ihren Weltwärts-Freiwilligendienst. Ich werde bekocht: Es gibt Yams und Kochbananen. Ich habe noch so viele Fragen und bringe meine Freunde ein wenig zum Lachen: Nein, es gibt nicht immer Fufu zu essen. Und ja, du kannst mit der linken Hand schreiben. Zuletzt wandern noch ein kleines Geschenk und Schreiben in mein Gepäck, welche ich an die Geschwister der beiden togoischen Freiwilligen übergeben soll. Sie geben mir gute Wünsche mit auf den Weg. Der Strand von Lomé wird schmerzlich vermisst.

Lomé. Bei meiner Ankunft werde ich am Flughafen von Kossi, der für mich eine Gastfamilie gesucht hatte, meinem Mitfreiwilligen Sebastian und meiner Gastmutter Nicole empfangen. Mit dem Taxi geht es in unser Wohnviertel, Be. Ich wohne nun gemeinsam mit Nicole in einem Haus mit großer Terrasse. Ihr Bruder Daniel – er spricht Englisch und nennt sich selbst am liebsten American – wohnt ebenfalls die meiste Zeit über mit im Haus. Auf dem Grundstück gibt es noch diverse Wohnungen für die Mieter; Familien mit Kindern. Bis ich alle Personen und ihre Namen kenne, wird es jedoch noch eine Weile dauern. Die ersten Tage hier in der etwa 1,5 Millionen-Einwohner Stadt an der Küste sind spannend. Abwechslungsreich. Nicole und Daniel zeigen mir den Strand und im Anschluss macht Daniel mit mir auf seinem Moto eine ausgedehnte Tour durch verschiedene Viertel der Stadt: Kotokou Kondji, Souza Netime, Gbenyedji. Auch hier muss ich mich noch orientieren, ich höre so viele neue Worte und vergesse zu viele sogleich wieder. Gegen Abend ziehen dunkle Wolken auf und wir müssen unsere Tour unterbrechen. Bald darauf schüttet es gewaltig, doch wir sitzen bereits zusammen auf niedrigen Hockern in der Küche, trinken Bier und essen. Nicole hat gekocht: Es gibt Yams.

Berlin und Lomé. Von nun an bin ich sechs Monate Freiwillige in Lomé. Freiwillige zu sein bedeutet für mich: Die Tür zur Welt ein wenig aufzumachen. Ich finde es großartig, dass meine togoischen Freunde Deutschland kennenlernen. Dass ich mich gerade in meiner togoischen Gastfamilie in Lomé einlebe. Dass wir alle gerne Yams essen. Dass wir alle etwas Neues lernen dürfen. Dass wir Kontakt haben. Ich weiß, dass die Tür zur Welt leider oft überhaupt nicht offen steht (!!!). Dennoch: Ich träume. Ich träume davon, sie immer und immer wieder etwas aufzumachen.

 

Ein Gedanke zu „Zwischen Berlin und Lomé

  1. That’s already enough. I can now really understand. Your sleepless night, your instability and your nervousness. Du hattest bestimmt zu viel im Kopf. Aber stueck fuer stueck werden alle Tueren hoffentlich aufmachen. Ich freu mich, dich Fufu in Berlin zu kocken 😀

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