Neue Seiten eines Buchs 1

Die Welt ist ein Buch – wer nie reist, sieht nur eine Seite davon. ~ Aurelius Augustinus

Die erste Seite meines Buches ist voller Wörter und Bilder. Sie zeigt Deutschland und alles, was ich als Deutsche von der Welt kenne. Es folgen einige andere Seiten, die ein bisschen weniger voll und ein bisschen weniger bunt sind. Aufgeschlagen vor mir liegt die Ungarnseite. Darauf folgen einige andere Seiten, die osteuropäische Städte thematisieren.

Aber lasst mich, bevor ich euch aus diesem Buch vorlese, ein wenig über das Reisen an sich erzählen. Sollten euch vor allem das was und nicht das wie interessieren, könnt ihr auch schon auf den nächsten Beitrag klicken, da zeige ich euch nämlich das Buch 😉

Es überrascht mich immer wieder, wie aus digitaler Kommunikation und Onlinebooking irgendwann tatsächlich eine Reise wird. Es ist irgendwie ziemlich verrückt, man hat überhaupt nicht das Gefühl, wirklich etwas handfestes organisiert zu haben, und plötzlich ist man dann zusammen mit anderen Freiwilligen, mit denen man ausschließlich über WhatsApp kommuniziert hat, in einem fremden Land. Ja, das Internet macht vieles einfacher. Flixbus und Airbnb sind inzwischen fast unersetzlich geworden, Online-Banking sowieso, und ohne Google-Maps käme ich noch nicht mal zum Zugbahnhof in Tata, weil ich nämlich keine Ahnung habe, wann der Bus dorthin fährt – Maps allerdings schon.

Ein riesiger Vorteil ist auch die EU. Ohne Visa und lange Kontrollen reisen zu können ist wirklich ein riesiges Privileg. Glücklicherweise ist Datenroaming inzwischen EU-weit angeglichen worden, und ich kann überall über mobile Daten verfügen. Abgesehen von den Sprachen, die ich ja eh nicht verstehen kann, fällt als einziger krasser Unterschied die Währung auf. Ein Euro sind etwa 300 ungarische Forint, das bedeutet, dass ich oft mehrere Tausenderscheine im Portemonaie habe und es 200-Forint-Münzen gibt. Das ist schon schräg, ich habe erst einmal zwei bis drei Wochen gebraucht, um ein Gefühl für das Geld, das ich ausgebe, zu bekommen. In der Slowakei gibt es glücklicherweise Euro, in Polen allerdings Sloty.

Verkehrsmittel in Osteuropa sind erstens echt billig und zweitens (in den Großstädten) ziemlich gut ausgebaut. Außerdem gibt es eine Menge Rabatte. So bekommen Schüler und Studenten zum Beispiel 50% Rabatt auf sämtliche Verkehrsmittel und Senioren können kostenlos fahren. Die Liste an Rabatten ist wirklich lang, es gibt sogar einen 33%-Rabatt für unter 26-Jährige. Der gilt leider nur von Freitag bis Sonntag, aber da ich ja vor allem am Wochenende reise, benutze ich ihn bei fast jeder Fahrt. Deshalb kostet mich eine einstündige Zugfahrt nach Budapest umgerechnet etwa drei Euro, und für ein Fünftageticket, bei dem ich innerhalb von 30 Tagen fünf Tage lang sämtliche Verkehrsmittel in Budapest nutzen kann, zahle ich etwa 15 Euro.

Meine Arbeit gefällt mir wirklich sehr gut, aber ich muss zugeben, dass es wirklich gut tut, mal etwas anderes zu machen. Mit den anderen Freiwilligen zu reisen, sich über die Arbeit auszutauschen und neue Städte kennenzulernen hat etwas sehr erfrischendes. Ich habe die Zeit mit euch sehr genossen 🙂

Airbnb kann ich übrigens sehr empfehlen! Vor allem das Apartment in Krakau war echt super modern und gleichzeitig preiswert. Mag sein, dass Laura (Ukraine) und ich das nicht wirklich objektiv beurteilen konnten, wir schlafen nämlich alle beide zuhause auf dem Sofa 😀 Aber Jasmin (Tschechien) und Sophia (Ungarn) waren durchaus derselben Meinung, also gehe ich mal davon aus, dass ich nicht übertreibe, wenn ich sage, dass das Bett superweich war und die Dusche den perfekten Wasserdruck hatte.

Langsam aber sicher verstehe ich den Ausdruck überall zuhause zu sein. Wenn ich in Krakau sage, zuhause hätten wir noch Nudeln, meine ich damit das Airbnb, wenn ich sage, ich hätte meinen Laptop zuhause gelassen, meine ich damit Tata, und trotzdem gibt es ja uch noch Deutschland, das logischerweise auch mein Zuhause ist. Überall zuhause zu sein ist ein sehr schönes Gefühl.

Überraschenderweise hat es mich dann aber trotzdem sehr gefreut, wieder zuhause in Tata zu sein. Vor der Reise nach Krakau hatte ich noch gedacht, kaum Ungarisch zu können, und dass es kaum auffallen würde, wenn andere Leute Polnisch statt Ungarisch sprechen würden. Zurückzukommen und festzustellen, dass die wenigen Floskeln und Vokabeln, die ich jetzt kann, einen wirklich großen Unterschied machen, war wirklich schön. Ich verstehe zwar nur einzelne Wörter, aber die wichtigsten Sachen kann ich organisieren. Heute habe ich die Sekretärin zum Beispiel gebeten, Unterlagen für kulturweit einzuscannen – und wir haben uns verstanden! Nur einzelne Wörter, aber wir wussten beide, was der jeweils andere wollte. Super Sache 😀

Und auch die Ruhe meiner Wohnung hat mich sehr freundlich empfangen. Die Lampe in der Küche hingegen hat vor Schreck tatsächlich einen Lichtinfarkt bekommen – sehr schade, ich bin nämlich zu klein, um an die Decke zu kommen und ihr ein neues Licht zu transplatieren. Aber vielleicht finde ich ja noch irgendwo hier im Haus eine Leiter.

Das war Teil eins meines Reiseberichts, wenn ihr endlich im Buch stöbern wollt, klickt auf Teil Nummer zwei 😉

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