Da ist ein Fluss vor meinem Haus, in dem wohnt Plastik mit seiner großen, bunten Familie

|Plastik in Vietnam |

Ich hatte zuerst vor, hier Fotografien einer immer gleichen Geschichte zu zeigen. Sie handelt von einer Natur, die die schönsten Küsten, Meere und Wasserfälle erschafft, und Menschen, deren Müll dort landet. Menschen, die sich nicht daran stören, ihren eigenen Planeten, ihr eigenes zu Hause zu verschmutzen, wie die Island of Trash (http://www.ladbible.com/trashisles/welcome) zeigt.

Doch wie der mäßige Erfolg unheimlicher Warnungen und Bilder von verdreckten Lungen auf Zigarettenpackungen zeigt, sind Bilder manchmal nicht genug. Manchmal muss man es mit eigenen Augen gesehen haben, bis man begreift, dass man etwas ändern muss.
Und als ich in Da Lat vor dem ElephantWaterfall stehe und seine Wucht mich umhaut, bin ich kurz davor, eine Liebeserklärung an die Welt hinauszuschreien. Doch ich sehe auch den riesigen Müllberg vor mir, der die Schönheit des Wasserfalls verhöhnt und mich nicht vergessen lässt, dass der Mensch die Natur lieber verkommen lässt, als beim Einkaufen die Stofftüten mitzunehmen.

Wenn man in Deutschland nicht auf Plastik verzichtet, fällt es nicht direkt auf. Es gibt etwas Recycling und eine gute Müllabfuhr. Mülltrennung ist ein Wort, das mir hier in Vietnam wie eine verrückte, fortschrittliche Idee aus einem Science-Fiction-Film vorkommt. Wenn du hier durch die Straßen läufst, siehst du den Müll. Du merkst, dass alles was du verbrauchst, genauso durch die Gegend fliegen wird.

die gute alte These 1: Veränderungen beginnen im Kopf.
Plastik zu vermeiden verlangt nach einem Konsens darüber, wie schädlich es tatsächlich ist. Als ich einmal mit Freundinnen essen war, holten die Kellnerinnen eine Vietnamesin von gegenüber, die brüchiges Englisch sprach und für uns übersetzte. Als wir sie fragten, was sie denn sonst so tue, erzählte sie voller Stolz, dass sie etwas mit Plastik mache. Sie arbeitet in einer Anti-Plastik-Organisation! Das jedenfalls folgerte mein Kopf sofort aus ihren schwer verständlichen Sätzen, die sie voller Hochgefühl von sich gab.
Ich lächelte breit und wollte gerade dazu ansetzen zu sagen, wie toll das doch sei, ich wolle auch gerade einen Artikel über die Situation in Vietnam schreiben. Doch meine Freundin bremste mich während ich dabei war, sie zu beglückwünschen, sich gegen Plastik einzusetzen.
Die Frau arbeitet in einer Firma für Plastik. Ein Material, das Wasser abwehrt! Ewig hält! Wirtschaftlich genial!

Wie verändert man Denken? Der Müll liegt doch vor ihrer Haustür, als würde er auf sich aufmerksam machen wollen, ein großer Haufen an Imperativen, seinen Verbrauch an Plastik zu minimieren.

These 2: Veränderungen beginnen von Oben.
Singapur liefert das Kontrastprogramm. Als wir aus dem schmutzigen Vietnam, das wir kennen, in eine Stadt voller Natur und sauberen Straßen reinstolpern, wissen wir gar nicht, wie uns geschieht.

Kaugummis werden nicht verkauft, um zu vermeiden, dass diese zerkaut auf der Straße landen. Die Gesetzte sind dort so streng, dass wir uns, als wir ganz nach vietnamesischer Manier über Rot laufen, nach der Hälfte der Straße erschrocken anschauen und zurückrennen. Müll auf die Straße werfen, trauen wir uns erst gar nicht, sei es auch nur ein Apfelgriebs, den ich in Deutschland unbeschwert ins Gebüsch werfen würde. Die Gesetze erschrecken uns, wir fragen uns, was mit unserer Freiheit geschehen ist.
Aber wir kehren zurück nach Saigon, sehen uns in unserem geliebten Vietnam um und fragen uns: wäre es denn so schlecht?

Da ist ein Fluss vor meinem Haus, der sogar mit einer kleinen Promenade und Bäumen ganz hübsch angelegt ist. Doch ein Blick in das vom Plastikmüll vereinnahmte Gewässer und die Gewissheit, dass später am Tag jemand seinen Müll dort rein kippen wird, weil er es nicht anders kennt und vielleicht auch weil er weiß, dass ihm keine Konsequenzen drohen, lässt mich diesen Ort meiden.

Aber so will ich das nicht lösen. Soll ich demnächst anfangen, die Welt zu meiden?
Ich habe keine Lösung, außer zu versuchen mir selbst das beste Vorbild zu sein. Unser erster Einsatz im Namen der Umwelt war es, sich beim Goethe-Institut dafür einzusetzen, dass auf einem Workshop keine Plastikflaschen für die 80 Pasch-Schüler gekauft werden, sondern Wasser mithife großer Kanister angeliefert werde. Das ist nicht viel, aber wenigstens ein Anfang.

Den Text findest du auch in der Rubrik Informationen auf dieser Seite :
http://www.stay-with-me.de/ (stay with me – Taste Life, Not Plastic)

2 Gedanken zu „Da ist ein Fluss vor meinem Haus, in dem wohnt Plastik mit seiner großen, bunten Familie“

  1. Hey, danke fuer deinen Artikel. Zu diesem Thema haben wir in Uruguay zufaellig einen Workshop in einer Schule gemacht, bei dem ein altes T Shirt in eine Stofftasche umgewandelt wird, die dann im Alltag anstatt einer Plastiktuete verwendet werden kann. Ich bin ueberzeugt, Veraenderung kann von unten beginnen und Kinder kreativ zum Wandel zu ermutigen bringt bestimmt mehr als staatliche Verbote 🙂 Wenn du willst, kannst du mir gern schreiben und ich erzaehl dir mehr zur Methodik 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.