2. Über den Wolken

Und schon sitze ich im Flieger, der mich von Köln nach Wien bringt. Ich tippe diesen Text gerade in das Notizfeld meines Handys. Schließlich möchte ich den netten Flugbegleiter, der mir gerade eine Flasche Wasser geschenkt hat, nicht dadurch verärgern, dass ich meinen Laptop raushole.
Jetzt geht es wirklich los. Plötzlich ging alles so schnell.

Das Vorbereitungsseminar in Berlin verging wie im Flug. Obwohl ich sehr vieles davon mitnehmen werde. Irgendwie habe ich jetzt wirklich das Gefühl vorbereitet zu sein. Nicht nur auf das FSJ sondern auch ein kleines bisschen aufs Leben. So viele neue Bekanntschaften, Eindrücke, Gedanken. Themen mir sehr viel Stoff zum Nachdenken geben. Rassismus, Sexismus, Nachhaltigkeit und noch so viel mehr. Sogar die eigenen Ansichten kritisch sehen. Vor allem der TED-Talk von Chimamanda Adichie (https://www.youtube.com/watch?v=D9Ihs241zeg) ist mir im Gedächtnis geblieben. Außerdem ist es toll so viele nette Leute kennenzulernen, die sich auch auf das FSJ vorbereiten und damit alle Sorgen und Vorfreuden mit mir teilen. Menschen aus ganz Deutschland und auch noch ein paar Incomerinnen aus Ägypten und Tunesien. Alle sind sehr offen hier und alle wollen raus in die Welt. Bei ca. 350 Menschen ist es wahrscheinlich auch nicht verwunderlich, dass ich täglich neue Gesichter sehe. Da ist es ganz schön dass es die Homezone gibt. In Homezone 19 sind ein paar der Teilnehmer*innen die in die Slowakei, nach Tschechien, Polen oder Ungarn gehen. Wir verstehen uns auf Anhieb alle gut und unsere Trainerin Steffi gibt uns Ruhe und Zeit zum Austauschen, was zwischen den ganzen Seminaren, Workshops und vor allem dem Partner*innen- Tag auch dringend notwendig ist. Aber zum Glück gibt es ja auch noch ein bisschen Freizeit die man mit wunderschön sinnlosen Dingen, wie morgens um 7 im See schwimmen gehen (während des Aufstehens bereut man es total, aber das Gefühl danach ist es auf jeden Fall wert), abends durch den dunklen Wald laufen und wenn man Glück hat auf ein Lagerfeuer treffen oder vor der Disco am letzten Abend schnell noch drei Stunden Herr der Ringe gucken, füllen kann. Warum nicht. Es ist schon irgendwie schade, dass ich mich von den ganzen coolen Menschen die ich kennengelernt habe schon wieder verabschieden muss. Aber irgendwie gefällt mir auch der Gedanke, dass wir jetzt in der ganzen Welt verstreut sind.

Der Abschied am Flughafen ist ein Scheiß-Gefühl. Meine Mama, meinen Papa, meine Schwester und meine beste Freundin in den Armen zu halten und zu wissen, dass ich sie erst mal für lange Zeit nicht sehen werde, ist hart. Aber als ich dann im Flugzeug sitze geht es mir gut. Ich habe es wirklich getan. Ich fliege los, ohne richtig zu wissen was mich erwartet. Ich spüre dieses Kribbeln im Bauch. Das habe ich immer wenn ich fliege. Nur das dieser Flug anders ist. Es geht von Köln nach Wien und von Wien nach Kosice. Ich schaue aus dem Fenster, sehe den blauen Himmel, die Sonne und die weißen Wolken, die es auf der Erde regnen lassen. Und bevor ich das Gefühl hatte, dass wir richtig oben sind, kommt auch schon die Ansage, dass nun der Sinkflug startet.

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