ereignisreich(er)

Seit dem letzten Eintrag:

Theaterwoche mit der 2. Klasse („Wuseltruppe“). Vier Schneewittchen und die sechs Zwerge, Die drei Wölfe und die neun Geißlein. Eingeübt mit zwei Schweizer Schauspielern, die ihren Gong und Herrn Hans Jockerli mitgebracht hatten, um die Wuseltruppe beisammen zu halten. Ob das „Freeze“ beim Gongschlag je klappen wird?

DSD-Seminar von Donnerstag bis Samstag in Mediasch, drei andere kulturweit-Freiwillige (P., A., C.) auch da. Lesefuchs-Wettbewerb, wandern auf den Hügeln um Mediasch, lustige Abendessen mit allen aus DE entsandten Lehrern in der Region. Am Samstag mit P. auf einer abenteurlichen Autofahrt mit nach Deva gefahren, am nächsten Nachmittag über Sibiu im Sauna-artigen Bus zurück. Echt lustiges Wochenende.

Eine Woche Vorschule.

Eintritt Lehrerin: „Ich liebe Euch alle. Ah nein, doch nicht, XXXXX, Dich liebe ich nicht. Du hast nicht gesessen wie ich reingekommen bin. Bist du auf dem Markt? Stell dich die Stunde hin.“

Ungewohnte Pädagogik. Viele Ostereier ausgemalt.

Sonntagnachmittag mit M. und einigen 12. Klässlern nach Sibiu, abends ins Theater. Unfassbar gute Umsetzung von Goethes „Faust“ in einer alten Fabrikhalle mit beeindruckenden Schauspielern.

Diese Woche springe ich zwischen verschiedenen Klassen hin und her. Mein Projekt, ein Briefaustausch zwischen 5. Klässlern aus Mediasch und Berlin, ist im Gange. Am Mittwoch übernahm ich den Deutschunterricht einer 5. Klasse und es wurden Briefe an die noch unbekannten Schüler meiner alten Schule geschrieben. Viele setzten ihre Telefonnummer in den Brief und wiesen auf die Möglichkeit eines WhatsApp-Kontaktes hin. Sieht man mal, wie alt ich bin.

Fotos gibts übrigens in der „GALLERIE“ zu sehen.

easiergoing

Sonntagnachmittag: guter Zeitpunkt für einen Blogeintrag.

In dieser Woche habe ich meine Arbeitszeit hauptsächlich mit einer 3. Klasse verbracht: Hausaufgabenkorrektur und Einzelstunden im sonnigen Schulhof inklusive.

Dienstag ging es mit circa fünfzig 11. und 12. Klässlern auf einen Ausflug nach Cluj-Napoca. Ziel der Fahrt waren eine Uni-Messe und eine große Mall. Hauptattraktion für viele Schüler war der Starbucks, wo fleißig fotografiert und anschließend gepostet wurde. In den setzte ich mich auch und verbrachte die fürs Shopping designierten vier Stunden dort, bevor es zurück ging. Ein Wunder, dass die ganzen Tüten in den Bus passten.

Donnerstagmittag. Ich nahm das Angebot, mit der 30-köpfigen 3. Klasse zwei Stunden auf dem Schulhof zu verbringen und mit ihnen Sport zu machen, an. Aus „Ist doch easy“ wurde schnell „Take it easy.“ Zwischen „Frau, muss ich mitmachen?“, „Frau, ich möchte nicht mitmachen“ und „Frau, kann ich etwas anderes machen?“ klappte das mit demFußballspiel nicht so recht. Dreißig verschiedene Wünsche lassen sich schwierig unter einen Hut bekommen. Einige spielten Volleyball, andere Elfmeterschießen, wieder andere prügelten sich und nochmal andere kletterten auf und über Zäune. Eine ereignisreiche Sportstunde!

Gestern, am Samstag, ging es mit der Lehrerin der 3. Klasse mit nach Târgu Mureș, wo ein kulturweit-Freiwilliger mir die Sehenswürdigkeiten der Stadt zeigte. In einem coolen Café erholte ich mich von der außerordentlich kurvigen und ruckeligen Autofahrt bevor es, erneut kurvig und ruckelig, zurück nach Mediasch ging. Schön, mit einem gleichaltrigen Menschen zu reden, ohne, dass sich eine Sprachbarriere auftut.

So langsam bin ich angekommen. Nach ein paar holprigen ersten Tagen läuft es nun definitiv leichter (das Gleiche kann man von den Straßen, die ich nun bereist habe, leider nicht behaupten). Mal sehen, was die nächste Woche bringt. Die Sonne scheint, take it easy.

innehaltung

Bună! Zeit für ein kleines Update.

  1. Am Freitag schaute ich mich ein bisschen in der Schule um. Neben dem Lyzeum arbeite ich auch in der Grundschule (1.-8. Klasse) nebenan. Highlight: Kennenlernen einer fröhlichen, sehr süßen 2. Klasse.
  2. Ich marschierte im Anschluss zu den Fußballfeldern auf der anderen Seite des Flusses und versuchte mich gegenüber einem Trainer auf Deutsch, Englisch und Französisch verständlich zu machen. Mein Rumänisch begrenzt sich nämlich leider erstmal auf „Nu înţeleg“ (=Ich verstehe nicht). Highlight: Nach einer Stunde hat er dann doch verstanden, dass ich mir erhoffte, mitzutrainieren. Dazu bei Punkt 6 mehr.
  3. Am Samstagmorgen fuhr ich nach Brasov (Deutsch: Kronstadt). Selbstverständlich verlief ich mich mehrmals und stieg ebenso oft in falsche Busse ein. Die restliche Zeit verbrachte ich im Café und nutzte das dortige Internet aus. Highlight: 4x Kaffee.
  4. Sonntag war ein LazyDay, bis auf meine kleine Weltreise zu Kaufland. Beste Errungenschaft ever: ein Wasserkocher. Ich war ansonsten nicht bester Dinge, Friends and Family versicherten: Aller Anfang ist schwer. Highlight: Endlich kann ich schwarzen Tee und Instant Kaffee genießen!
  5. Heute (Montag) in der Schule hospitierte ich in einer 3. Klasse und half bei der Hausaufgabenkorrektur. Highlight: „Cosima, hast du eine Kalaschnikow?“
  6. Nachmittags ein riesen Highlight: Fußballtraining! Irgendwie hat das nämlich geklappt und auf einem Acker-ähnlichen Feld durfte ich mit einer Mannschaft aus 16-jährigen Jungs mittrainieren. Verschwitzt und verschlammt kam nach dem Training ein weiteres Highlight: ich darf weiterhin kommen.
  7. Die letzten vier Nächte habe ich mit der Kunst der Schichtung (#theartoflayering) verbracht. Zwei Paar Socken und viele Shirts ließen mich in der arschkalten Wohnung schlafen. Heute setzte ich mich mit meinem Vermieter zusammen, der erklärte, wie das mit der Heizung so läuft (am besten mit einem tragbaren Heizkörper), wie das mit der Waschmaschine so läuft (man sollte daneben sitzen, wenn sie läuft) und wie das mit dem Herd so läuft (gar nicht: es wird eine neue Platte angeschafft, die nicht raucht, stinkt und/oder glüht, dass man meint, die Wohnung fackelt gleich ab). Dann richtete er mir noch Internet ein, weshalb ich Euch nun auf dem Laufenden halten kann. Highlight, Highlight, Highlight.

Fazit: Haltung bewahren! Zeit zum Innehalten nehmen. Gespräche helfen. Highlights auch.

 

unternehmungslustig und überwEltigt

Bună. Es gibt mich noch. Heute ging ich allein in die weite Welt hinein. Trotz Tegel-Streik und Pass-Konfiszierung bin ich nun in Mediasch angekommen. Mein Ansprechpartner (Deutschlehrer, ab hier als „M.“ bezeichnet) holte mich vom Flughafen in Sibiu ab und bei schönem Wetter fuhren wir über ruckelige Straßen in die Stadt, die ich in den nächsten Monaten mein neues zu Hause nennen darf. Neugierig bezog ich meine (erste eigene) Wohnung, die circa acht Meter von dem Lyzeum entfernt ist, an dem ich arbeiten werde. Kurze Zeit später traf ich wieder M., der mir ein paar Ecken der Stadt zeigte. So lernte ich von der (zugegeben unerwarteten) Existenz eines LIDLs und eines Adidas Ladens in dieser Kleinstadt. Ich begleitete M. anschließend zum Chor, in dem sich circa zehn leidenschaftliche Sänger wöchentlich zusammenfinden. Dort traf ich coolerweise eine Freiwillige, die über eine andere Entsendeorganisation in Mediasch gelandet ist. Später am Abend zog ich dann los zum Supermarkt, der etwas außerhalb der Altstadtmauern liegt. Auf meinem Weg dorthin traf ich ein paar streunende Hunde und neugierige Kinder. Mit einem zum Platzen vollgestopften Rucksack (von einem schicken Topf (20cm, Cratita Inalta Cu Capac, Aluminiu Teflonat, 2.2L, sehr schick!) über unbekanntem Waschmittel bis hin zu schrecklich ungesundem Müsli) spazierte ich zur Wohnung zurück. Klingt vielleicht nicht so aufregend, war aber alles sehr abenteuerlich. (Ich schwörs.)

Ich freue mich auf tausende weitere kleine Erlebnisse. Momentan bin ich allerdings einfach nur platt. Meine Vorstellungskraft reicht nicht aus für die Realisierung, dass ich die nächsten Monate meines Lebens hier verbringen werde. (Muss sie auch nicht, ist ja erst Tag 1.) Morgen früh geht es für mich los im Lyzeum. Bin gespannt. Mal sehen, wie mich das Vorbereitungsseminar darauf vorbereitet hat…

 

Nachtrag: Dieser Beitrag stammt vom 15.03.17. Jetzt habe ich Internet und kann ihn posten!

 

erwartungsfroh

 

Bine ați venit.

=Herzlich Willkommen auf Rumänisch

 

Morgen startet mein FS(h)J und voller Freude und Aufregung bin ich am Kofferpacken. Da ich das unter Zeitdruck am besten tue, verfasse ich nun den ersten Blogeintrag meines Lebens und zögere das Falten und Stopfen noch etwas hinaus. Dabei registriere ich nur langsam, dass „es“ jetzt so weit ist: der Anfang der Ausreise.

Inzwischen habe ich meine anfängliche Skepsis („Kann ich etwas bewirken?“) abgelegt und die darauffolgende Nervosität („Wie kann ich etwas bewirken?“) etwas beiseite geschoben. Es ist ein Haufen Gespanntheit übrig geblieben. Immerhin fliege ich nach dem Vorbereitungsseminar

-in eine Stadt, dessen Existenz mir nicht bekannt war,

-in eine Gegend, von der ich nie gehört hatte,

-in ein Land, das nicht einmal 600km von Deutschland entfernt ist und doch lange nur ein Begriff auf der Weltkarte war („irgendwo östlich von uns“).

Wenn ich diesen Gedanken realisiere, dann steigt in mir eine immense Vorfreude auf neue Menschen, neue Umgebungen, neue Projekte, neue Wörter, neue Landschaften, neue Herausforderungen, neue Ideen, neue Eindrücke und neue Erfahrungen auf.

Es ist schwierig, diese Begeisterung nicht an Erwartungen zu knüpfen. Schließlich wird sowieso alles anders kommen, als ich mir das jetzt ausmale. Ganz ohne Vorstellungen kann ich aber auch nicht sein, und deshalb bin ich erwartungsfroh: gespannt und ready to go. (Das sprachenübergreifende Reden und Reimen lässt sich leider nicht abstellen. Hoch lebe das Denglisch. Und bald vielleicht auch das Deumänisch? Oder doch eher Rumtsch?)

Jetzt widme ich mich wieder meinem Koffer und der Suche nach dem (kultur-)Weiten. Thanks for reading. Und:

 

Pe curând!

= Auf Wiedersehen. Bis bald!