Endspurt…

Wir schreiben den 17. Juli 2017, Tag 139 meines Freiwilligendienstes – noch 40 Tage bis zu meiner Rückkehr nach Deutschland.

Nach zahlreichen Aufs und Abs – privat, sowie auf der Arbeit – habe ich das Gefühl, es geht jetzt nur noch bergauf. Drei Wochen ist mein Umzug nach Hanoi jetzt her und ich bin viel glücklicher! In Hưng Yên waren meine Arbeit und Freizeit einseitig und nicht besonders erfüllend. Mit den Kursteilnehmenden habe ich mich toll verstanden und mit wenigen sogar angefreundet. Ansonsten hatte ich bis Mitte Juni allerdings nicht das Gefühl, einen tollen Freiwilligendienst zu haben. Denn Freiwilligendienst ist für mich nicht nur das Reisen an wundervolle Orte, sondern auch – und vor allem – das alltägliche Leben im Einsatzland.

Jetzt lebe ich inmitten der lauten, lebhaften, unverwechselbaren Hauptstadt Vietnams in einem kleinen Haus in einem Labyrinth aus schmalen Gässchen. Mein neues Heim teile ich mir mit fünf Jungs, die, genauso wie ich, auch nur eine begrenzte Zeit ihres Lebens in Hanoi verbringen. Zusammen sind wir eine ganz coole Gruppe, unternehmen viel zusammen, essen gemeinsam, putzen gemeinsam, gehen aus… eine richtige WG eben. Ich genieße die Freiheit, meine Tage eigenständig planen zu können, mein Haus verlassen zu können, wenn ich es möchte – zu jeder Tages- oder Nachtzeit. Mit dem Mototaxi oder meinem Fahrrad kann ich in wenigen Minuten jeden beliebigen Ort dieser riesigen Stadt aufsuchen. Ich kann essen, was ich möchte (mein Lieblingsessen im Moment: Cơm rang trứng -> gebratener Reis mit Ei und dazu Trà đa -> Eistee in der Garküche in meiner Straße) und wann ich möchte. Ich bin niemandem Rechenschaft schuldig und fühle mich frei. All das konnte ich in den letzten vier Monaten nicht und jetzt merke ich, wie sehr es mir gefehlt hat. In Hanoi merke ich auch zum ersten Mal, dass mein anstrengender Vietnamesischkurs fruchtet. Es bieten sich mir viel mehr Möglichkeiten, meine leider immernoch spärlichen Kenntnisse anzuwenden und ich bin täglich überrascht, wieviele Wörter ich eigentlich schon kenne.

Seit meinem Umzug nach Hanoi arbeite ich nicht mehr in der Unterrichtsstätte in Hưng Yên, sondern im Büro der Sprachabteilung des Goethe-Instituts. Da wir uns gerade im „Sommerloch“ befinden und viele Angestellte und Schüler im Urlaub sind, bin ich die einzige Freiwillige und auch die zahlreichen Praktikanten, die sonst im Goethe-Institut antreffbar sind, gibt es momentan nicht. Ich habe das Büro die meiste Zeit für mich allein und arbeite still vor mich hin. Eineinhalb Stunden täglich setze ich mich in die Bibliothek und helfe den Kursteilnehmenden, die dort lernen, bei den Hausaufgaben oder unterhalte mich mit Ihnen. Jeden Mittwoch Nachmittag darf ich den Phonetikkurs im Berufsmigrationsprojekt in Đông Anh unterrichten. Dort werden Altenpfleger_Innen auf B2-Deutschniveau trainiert, damit sie ab August in Berlin arbeiten können. Die restliche Arbeitszeit verbringe ich im Büro, sortiere Unterlagen, pflege das Multimedialaufwerk und erledige kleinere Aufgaben. Außerdem plane ich momentan ein Projekt, das ich gerne noch vor meiner Rückkehr nach Deutschland durchführen möchte: einen Schreib- und Videowettbewerb.

Nächste Woche habe ich Urlaub und muss mir noch überlegen, wo es hingehen soll. Das darauffolgende Wochenende kommen ein paar Verwandte für wenige Tage nach Hanoi und noch eine Woche später kommt meine liebe Freundin Franzi aus Deutschland, um zwei Wochen mit mir durch Vietnam zu reisen, bevor wir gemeinsam wieder nach Deutschland zurückkehren. Es bleibt mir also nicht mehr viel Zeit in meinem neu gewonnenen spannenden Freiwilligenleben in Hanoi, aber ich werde die letzten Wochen genießen und alle sich mir bietenden Möglichkeiten ausschöpfen!

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