Der Alltag kehrt ein!

Schon bin ich mittendrin in Woche fünf meiner Zeit in Vietnam. Die letzten Wochen vergingen wie im Flug. Meine Aufgaben im Berufsmigrationsprojekt haben sich nochmal verändert und eingependelt. Die Situation im Gästehaus hat sich etwas verbessert und anfängliche Schwierigkeiten werden immer weniger. An den Wochenenden bin ich viel unterwegs und entdecke das Land zusammen mit Julia und manchmal auch den Kursteilnehmenden.

Meine Aufgaben am ASEAN College sind nun andere, als noch in der ersten Arbeitswoche. Nach einer Besprechung mit dem stellvertretenden Leiter des Goethe-Institutes, Hr. Flucht, widme ich mich nun nachmittags an vier Wochentagen der Hausaufgabenbetreuung. Das heißt die Kursteilnehmenden bearbeiten in der Klasse, in Kleingruppen oder einzeln die Hausaufgaben, die die Klassenlehrkraft ihnen aufgegeben hat, und anschließend verbessern wir sie miteinander oder besprechen Fragen und intensivieren schwierige Themen. Jede Klasse hat hierfür 1 1/2 Stunden Zeit. Seit dieser Woche habe ich zudem begonnen gemeinsam mit meinen beiden Klassen eine deutsche Serie anzuschauen. Zum Thema Serien im Deutschunterricht hatten wir zuletzt eine Fortbildung am Goethe-Institut. Uns wurde gezeigt, wie wir Serien einsetzen können und wie sie am besten didaktisiert und in den Unterricht eingebunden werden. Die meisten Kursteilnehmenden sind sehr begeistert von der Idee und beschäftigen sich vor allem zuhause intensiv mit den einzelnen Folgen. Das Ziel ist den Wortschatz zu erweitern und das Hörverstehen zu trainieren.

Die Konversationskurse, die ich in der ersten Arbeitswoche angeboten habe, fallen somit weg und lediglich der Phonetikkurs bleibt bestehen, wurde jedoch ebenfalls auf einen Termin in der Woche reduziert. Mittwochs können die Kursteilnehmenden also freiwillig an vier Phonetikkursen à 45 Minuten teilnehmen, in denen wir auf bestimmte Laute eingehen und die Aussprache üben. Thuy, meine Ansprechpartnerin vor Ort, möchte gerne, dass Julia und ich kleine Projekte mit den Teilnehmenden durchführen, sodass sich wahrscheinlich in den nächsten Wochen nochmal ein paar Kurse ändern werden, aber im Großen und Ganzen ist die Hausaufgabenbetreuung zu meiner Hauptaufgabe geworden. Seit zwei Wochen gibt es auch eine neue Klasseneinteilung, da 17 Schüler_innen die B1-Prüfung zum zweiten Mal in allen vier Modulen (Lesen, Schreiben, Sprechen, Hören) nicht bestanden haben und deshalb nicht länger am Berufsmigrationsprojekt teilnehmen dürfen. Die restlichen Teilnehmenden haben somit das B1-Sprachniveau erreicht und arbeiten nun auf die B2-Prüfung im Juli hin. Diese ist Grundvoraussetzung, um nach Deutschland reisen und dort eine Ausbildung machen zu dürfen. Es bestehen jetzt noch fünf Kurse mit jeweils ca. 15 Personen, wovon ich nur für Klasse 3 und 4 zuständig bin.

Vor drei Wochen fand das Schulfest des ASEAN Colleges statt. Alle Schüler_innen, außer die Deutschklassen, hatten sich auf der Wiese des Schulgeländes versammelt, bastelten, kochten und bauten zahlreiche Festzelte auf. Der Nachmittagsunterricht an diesem Tag war schwierig, da die Musik sehr laut war und alle Kursteilnehmenden aufgeregt vor sich hin schwätzten. Julia und ich wurden persönlich vom Präsidenten eingeladen, an der Abendveranstaltung teilzunehmen, durften, als es soweit war, in der ersten Reihe vor der Bühne Platz nehmen und wurden sogar namentlich in der Begrüßungsrede erwähnt. Als Freiwillige war es für mich sehr skurril so stark im Mittelpunkt zu stehen. Nach dem Bühnenprogramm, zu dem neben den Reden auch die Wahl der Miss ASEAN, sowie einige Tänze und Gesang gehörten, wurde ein Lagerfeuer angezündet und die einzelnen Klassen gingen in ihr jeweiliges Festzelt, das sie selbst gestaltet haben. Aus jedem Zelt war laute Elektromusik zu hören und überall leuchteten bunte Lichter und es wurde getanzt. Einige Deutschkursteilnehmende verkauften kleine Snacks und Getränke. Es war ein lustiger, bunter Abend, an dem ich die Möglichkeit hatte auch die Teilnehmenden der anderen Projekte etwas kennenzulernen.

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