Es geht rasant weiter!

Viel ist passiert in den letzten Wochen…viel zu viel eigentlich, um es eben kurz in einen Blogeintrag zu quetschen. Ich versuch es trotzdem mal!

Mittlerweile kenne ich die Stadt fast so gut wie meine Jackentasche. Ich weiß, wo ich über Schlaglöcher springen muss, wo immer noch dieses eine rote Auto mit dem geplatzten Reifen steht und an welchem Kiosk ich meine Lieblingsschokolade ganz sicher nicht bekomme. Ja, und wie ich der Verkäuferin erkläre, dass ich kein Feuerzeug möchte, bekomme ich jetzt auch schon hin. 

Viel kann sich ändern in einem Monat! Und damit meine ich nicht nur das Wetter…es ist kalt geworden. Vor zwei Wochen konnte ich mit T-Shirt und Sonnenbrille die Stadt unsicher machen, während ich jetzt zur gleichen Tageszeit meine Winterjacke mit Fellkaputze und den dicksten Schal benötige. Der Herbst ist also da! 

Ich habe mich aber auch verändert. Meine Einstellung zu manchen Dingen ist nicht dieselbe, die sie war, als ich hier angekommen bin. Damit möchte ich nicht sagen, dass ich jetzt ein völlig anderer Mensch bin, das wäre ja Quatsch. Aber viele Situationen, bei denen ich vor zwei, drei Wochen vielleicht noch schwitzige Hände bekommen hätte, fallen mir jetzt so leicht, dass ich vorher gar nicht groß darüber nachdenken brauche. Wie zum Beispiel ganz spontan einfach 5 Stunden am Tag übernehmen, weil zwei Deutschlehrerinnen nicht da waren. Und das mit Klassen, die mitten in der Phase stecken, in der man wesentlich Wichtigeres zu tun hat, als sich mit der deutschen Sprache und Kultur auseinanderzusetzen. Natürlich ist nicht nur eine der Stunden eher nach hinten losgegangen. Da gibt es Schüler, die sich einfach weigern Deutsch zu sprechen und mir nur auf Englisch antworten oder diejenigen, die einfach keine Lust hatten, einem Mädchen zuzuhören, das ja gerade mal zwei Jahre älter ist und sowieso kaum Serbisch versteht (in der Hinsicht hat sich nichts geändert, ich bin nach wie vor die Lachnummer schlechthin –  macht mir mittlerweile aber nicht mehr wirklich viel aus!). Dann gab es aber die eine Klasse, die von der ersten Minute an mitgearbeitet hat und mit der ich zum Schluss sogar noch ein bisschen quatschen konnte. Und damit habe ich schon etwas geschafft!

Wenn ich schon bei Erfolgserlebnissen bin, kann ich ja auch mal ein kleines Update meiner Deutsch-AG  geben. Ja, die besteht noch! Trotz sinkender Mitgliederzahlen. Von 4 Schülern beim ersten Treffen ging es dann über 3 bis hin zu 0, wo ich einfach allein im Klassenzimmer saß. Sowas soll ja auch mal vorkommen… Ich hab mir dann meine Gedanken gemacht, dass es ja nicht sein kann, dass die Schüler so wenig Lust darauf haben, ein wenig deutsche Musik zu hören, Filme zu schauen oder Spiele zu spielen. Irgendwas musste ich falsch gemacht haben! Und dann fiel es mir irgendwie wie Schuppen von den Augen. Wer „Kinder“ in diesem Alter kennt, weiß, dass 80% nichts freiwillig machen würden, was irgendwie mit Schule und Wissen zu tun hat. Ich habe also mit den Lehrerinnen abgemacht, dass die Schüler ein kleines Plus zu ihrer Note bekommen, wenn sie sich mal bei meiner Deutsch-AG blicken lassen. Die einfachste aber effektivste Lösung. Beim nächsten Treffen saßen 10 Schüler mit gezückten Stiften vor mir! Eine Schülerin entschuldigte sich sogar dafür, dass sie ihr Grammatikheft zuhause vergessen habe. Ich war baff! Die nächsten 10 Minuten habe ich erstmal damit verbraucht, meinen Schützlingen zu erklären, dass das hier kein Intensiv Kurs à la „Wie kann ich innerhalb von 45 Minuten lernen auf Deutsch eine Steuererklärung, eine Doktorarbeit im Fach Physik und eine Goethe-Erörterung zu schreiben, und dabei Kopfstand zu machen“ ist. Nachdem das geklärt war, hab ich mal ein wenig in Millis Spielekiste gekramt und wir haben Bingo mit typisch deutschen Sachen gespielt und zur Belonung gabs für alle einen Bonbon.

Als ich dann am nächsten Tag in die Schule kam, wurde ich vor allem von den jüngeren Schülern freudig winkend begrüßt und einige ließen sogar ein schüchternes „Guten Tag!“ von sich hören. Die Deutschlehrerin erzählte mir später, dass eine Klasse ihr gesagt hatte, wieviel Spaß die Deutsch-AG mit mir doch gebracht habe. Ich hab gelächelt und gesagt, dass mich das sehr freut aber innerlich habe ich schon ein kleines Tänzchen aufgeführt!

Soviel erstmal zum Thema Schule. Wiegesagt, nach den 5 Wochen die ich jetzt hier bin, sehe ich alles etwas gelassener, lasse die Dinge auf mich zukommen und freue mich auch über kleine Erfolge. Und mit diese Einstellung sieht alles schon viel besser aus!

Natürlich habe ich die letzten Wochen und vor allem Wochenende nicht auf der faulen Haut verbracht. Das mache ich nur dieses Wochenende, ausnahmsweise 🙂 Vor zwei Wochen bin ich mit einer Freundin von Freitag bis Sonntag in die Hauptstadt Belgrad gefahren. Dort haben wir bei einer Freundin von ihr geschlafen. Meine Reise begann allerdings abenteuerlich…wie sollte es auch anders sein! Ich musste am Freitag allein losfahren, weil meine Freundin schon seit Donnerstag da war. Ich bin also gemütlich mit dem Reisebus gefahren und natürlich an der ersten Haltestelle ausgestiegen. Nicht, dass ich nicht in Belgrad war, soviel konnte ich noch erkennen. Nur leider war die Haltestelle, an der ich abgeholt werden sollte, auf der anderen Seite der Stadt. Klein Milli konnte ja nicht wissen, dass der Bus in Belgrad zweimal hält. Doof gelaufen! Per Taxi und den heutigen technischen Möglichkeiten des Mobilfunkgeräts haben wir dann allerdings doch zueinander gefunden. Der Rest des Wochenendes verlief entspannter. Am Samstag haben wir die Burg von Belgrad, den Kalemegdan, besucht. Von einer Aussichtsform kann man auf die ganze Stadt und die Mündung von Save und Donau blicken. Anschließend haben wir einen Kaffee vor dieser Traumkulisse getrunken und uns dann den Dom des Heiligen Sava angeschaut. Die größte Kirche Südosteuropas.

Am Sonntagmorgen hatte ich noch die Möglichkeit an einer kostenlosen Stadtführung teilzunehmen. Die Tour begann mit den Worten „We people in Serbia like to party all day, every day!“ und einem Schluck Rakija für jeden. So muss das! Dann haben wir uns das alte böhmische Viertel Skadarlija angeschaut und ich habe mich sofort verliebt! Die einzige Kopfsteinpflaster Straße Belgrads mit einem Kafana neben dem nächsten, alle in unterschiedlichen Farben! Leider musste ich die Tour an dieser Stelle abbrechen, um den Reisebus nach Kragujevac rechtzeigig zu bekommen. Gelohnt hat es sich aber trotzdem!

Vor allem hat mich die Vielfalt der Hauptstadt beeindruckt. Dadurch, dass die Herrschaft über Belgrad im Laufe der Jahre so oft wechselte, wie bei kaum einer anderen europäischen Stadt, sind viele verschiedene architektonische Bauten zu bewundern. Vom österreichisch geprägten Stil, zu jugoslawischen Betonblöcken bis hin zu gläsernen, futuristischen Bürogebäuden ist alles dabei.

Am letzten Wochenende habe ich mich dann noch ein bisschen weiter in den Norden gewagt. Ein Freund, der serbische Familie hat, war für ein paar Tage im Land und hat mich abgeholt und ein bisschen Tourguide gespielt. Wir sind in die Vojvodina, nach Novi Sad, die zweitgrößte Stadt Serbiens, gefahren. Ich war erstaunt über den gewaltigen Unterschied zwischen dem serbischen Norden und Süden. Dadurch, dass die Wirtschaft im Norden um einiges besser ist, sind die Gebäude und Straßen hier wesentlich besser in Stand gehalten. Auch gibt es weniger leerstehende, teilweise unfertige Gebäude, die man im Süden häufig neben der Autobahn sieht.

Aber auch dadurch, dass Novi Sad, anders als Kragujevac, zu Österreich-Ungarn gehörte, unterscheiden sich die Städte gewaltig. Vereinzelt habe ich die Züge diese Ära ja schon in Belgrad bemerkt, aber in Novi Sad ist es wirklich nicht zu übersehen. Persönlich hat mir Novi Sad sogar ein wenig besser gefallen, als die serbische Hauptstadt. Auch hier gibt es eine Burg, den Petrovaradin, der allerdings etwas kleiner ist als der Kalemegdan, und wiedereinmal habe ich eine wunderschöne Aussicht auf das umliegende Land genossen! Neben Novi Sad habe ich an dem Wochenende auch Subotica besucht. Ein kleines, uriges Städtchen, direkt an der ungarischen Grenze. Dort sind wir erstmal auf den Markt gegangen, wo Verkäufer in 5 riesigen Hallen ihre gefälschte Ware aus China oder der Türkei anpreisen. Eine Erfahrung war es auf jeden Fall! 🙂 Da wir noch ein wenig Zeit hatten, haben wir spontan beschlossen der ungarischen Nachbarstadt Szeged einen Besuch abzustatten. Damit gerechnet, dass wir 2 Stunden an der Grenze stehen müssen und der schlechtgelaunte Zöllner mir das Visum einfach aus dem Reisepass stibitzt, haben wir nicht. Soviel dazu! Szeged hat sich allerdings trotzdem gelohnt, vor allem die Kirche hat mich sehr beeindruckt!

Aufgrund des kleine Fauxpas an der Grenze musste ich also am Dienstag erstmal zur Behörde, um mir ein neues Visum zu holen, was aber überhaupt kein Problem war!

Glücklich und legaler als je zuvor, beende ich jetzt meinen kleinen Zwischenbericht und lasse lieber noch ein paar Bilder für sich sprechen 🙂 

Sonnenuntergang in Kragujevac

Sonnenuntergang in Kragujevac

 

Knez Mihailo Statue vor dem Nationalmuseum in Belgrad

Knez Mihailo Statue vor dem Nationalmuseum in Belgrad

 

böhmisches Viertel Skadarlija

böhmisches Viertel Skadarlija

 

Eindrücke aus Belgrad

Eindrücke aus Belgrad

 

Save und Donau

Save und Donau

 

Kalemegdan mit Pobednik

Kalemegdan mit Pobednik

 

versteckte Ecken im Kalemegdan

versteckte Ecken im Kalemegdan

 

Dom des Heiligen Sava

Dom des Heiligen Sava

 

Sonnenuntergang ist immer schön - vor allem in Novi Sad

Sonnenuntergang ist immer schön – vor allem in Novi Sad

 

Novi Sad

Novi Sad

 

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Am Strand von Novi Sad

 

Rathaus von Subotica

Rathaus von Subotica

 

War Hunderwasser schon hier, oder was?! - Subotica

Die Straßen von Subotica

 

Kathedrale von Szeged

Kathedrale von Szeged

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