Winterferien, Erasmusfeiern und Pfannkuchen zum Früchstück

Zwei Wochen Winterferien – während Andere diese Zeit von Anfang bis Ende nutzen, um möglichst viel von Polen und den Ländern in der Nähe zu sehen, habe ich mich nach einigem Nachdenken und ein paar Zweifeln dazu entschlossen genau das Gegenteil zu tun, hier zu bleiben, in Lublin, meiner kleinen 350.000-Einwohnerstadt. Denn selbst nach 4 Monaten habe ich das Gefühl, noch viel mehr Zeit zu brauchen, um sie richtig kennenlernen zu können.

 

Am Mittwochabend ist für Erasmus-Studenten Feiern angesagt, denn im Club „House of Sound“ gibt es an diesem Tag Rabatte. Nach einem „Predrink“ in Burzuj – dem berühmtberüchtigten Partywohnheim Lublins machen wir uns auf den Weg. Als wir in den Bus einsteigen gibt es eine Polizeikontrolle. Anders als in Deutschland ist es hier nicht erlaubt, Alkohol in der Öffentlichkeit zu trinken.

Nach einer kurzen Fahrt laufen wir durch eine scheinbar immer noch wache Stadt bis zum Club. Hier gibt es Tickets für 10 Zloty, das sind nicht mal 2,50€.

DJ Lipinski legt Chartmusik auf und vom Mischpult aus schießen immer wieder kleine Flammen weit über die Menschenmasse. Wir tanzen, trinken, lachen zwischen Scheinwerfern und bunten Lichtern und die Zeit vergeht schneller als die Wirklichkeit.

 

Am nächsten Morgen klappert es in der Küche und der Duft von süßem Gebäck zieht durch die Wohnung. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen. Noch halb schlafend tappe ich in die Küche und werde von einer fröhlichen Kasia – eine meiner Mitbewohnerinnen – begrüßt.  Sie steht da im Bademantel und backt duftende Pancakes. Als sie mich darum bittet, doch auch ein paar zu essen, weil sie sich in der Teigmenge total verschätzt hat, lasse ich mich nicht zweimal bitten.

Die Sonne scheint durchs Fenster und wir sitzen da, zwischen Pancakes, Tee und unserem ersten richtigen Gespräch (unsere WG ist eigentlich eher eine Zweck-WG, bei der wir immer eher aneinander vorbei gelebt haben. Es hat ein bisschen gedauert, bis ich verstanden habe, dass WG nicht gleich familiäres Zusammensein heißen muss. Dass ich nur brüchiges Polnisch spreche und wir deshalb wegen mir auf Englisch reden müssen, macht die Sache im Alltag auch nicht leichter) und ich denke zurück an den Abend und den Morgen und meine Zweifel und bin froh, hier, in Lublin, geblieben zu sein.

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