Irány Pécs – Auf dem Weg nach Pécs

Aufgeregt stehe ich am Fenster und blicke über die Stadt. Ich halte mein Handy fest in der Hand und überlege, was in der Email stehen könnte. Was wird es verändern? Werde ich meine Wohnung kündigen? Den Job? Eine Fernbeziehung führen? Will ich es überhaupt? Alles aufgeben und dann wieder neu starten. Noch einmal hole ich tief Luft, atme die Meeresluft über den Dächern Neapels ein und öffne die Email.

Mit dem Pädagogischen Austauschdienst (PAD/ZfA) nach Ungarn. Pécs. Hmm, wie das wohl ausgesprochen wird? Wo genau das wohl liegt? Sofort öffne ich Google Maps, schaue mir die Lage an und recherchiere über das Land. Langsam kommt Freude auf. Kann es denn aber wirklich Freude sein? Freude über etwas vollkommen Fremdes, einen Ort, den ich wohl nicht als oberste Priorität auf meine „Was ich unbedingt sehen will“-Liste gesetzt hätte? Interessant, denke ich, lasse es sich erst mal setzen, umarme meinen Liebsten und genieße die paar wenigen Tage meines Resturlaubs in Italien.

Die kommenden Monate werden nervenaufreibend, vieles wird sich verändern. Aber genau das wollte ich ja. Nach anstrengenden, herausfordernden und doch auch wunderbaren elf Monaten in Australien im Jahr 2014 wurde mir eines bewusst: Bist du unzufrieden, ändere was und rede nicht nur! Taten zählen, nicht Worte. Zu schnell kann das Leben vorbei sein oder man wird durch heftige Schicksalsschläge aus dem Alltagstrott gerissen. Eine junge Arbeitskollegin, vor kurzem Mutter geworden, traf es sehr schwer: Diagnose Brustkrebs. Sie starb nach hartem Kampf. Ein junger Farmer, Glenn, drei Wochen gekannt und eine tolle Zeit miteinander verbracht, erkrankte an einer seltenen Form des Blutkrebs. Mittlerweile hat auch er den Kampf ums Leben verloren. Diese Nachrichten brachten mich vor Ort zum Nachdenken, vor allem aber zum Umdenken. Glücklicherweise.

Nun befinde ich mich an dem Punkt, wo es so nicht weitergeht wie bisher. Ich möchte mich weiterbilden, vorankommen, Gutes tun. An meinem Arbeitsplatz gibt es keine Möglichkeit hierfür. „Kulturweit“ ist die letzte Chance für mich – tatsächlich bin ich nun schon 26 Jahre alt –,  einen erneuten Auslandsaufenthalt mit einem tollen Projekt zu verbinden.

Die Vorbereitungen hierfür laufen. Die ersten Kontakte nach Ungarn sind geknüpft und von Herzlichkeit geprägt. Der Flug und die anschließende Bahnfahrt sind gebucht, nun heißt es warten, bis der neue Lebensabschnitt beginnt.  „Die Komfortzone endet am Tellerrand“ –  ich möchte darüber hinausschauen, es kann losgehen!