Ramadan – an agnostic’s point of view

Für Deutsch bitte runterscrollen

Ramadan – an agnostic’s point of view

During ramadan, three Tunisian and a German girl lay on a beach to watch the sunrise. One offers everyone something to eat and each takes a bite. As I refuse, I can’t help smiling. That it is only ME who is fasting, would have recently still left me in disbelieve.

Why does an agnostic go on a fast

I am neither Muslim nor differently religious. If I had to define it, I’d call myself an agnostic. Therefore, religion was not the decisive factor for me to fast during Ramadan. However, I was eager to share the everyday life of my host family, besides I was curious.

In the past, I associated Ramadan solely with religion and viewed fasting a limitation in everyday life. Consequentially, I was even more surprised about the joyful and genuine anticipation of the fasting-period. Even if one Ramadan did not make me an Islam-expert: I could experience parts of what Ramadan means to many Muslims. This is a time in which one reflects on one’s belief, which is in some way comparable to Christmas time. However, even to those who did not fast Ramadan was a huge happening: Our morning trip to the beach was only one of many long nights out. From the rooftops of Tunis, by drinks and shisha, we watched the joyful movement in the streets. The crowds stroll between backed goods soaked in honey and little stores, in dimly lit alleys. The magic does not end until shortly before dawn. Smells of the traditional Tunisian cuisine fill the air until the Shour, the last meal before the fasting begins.

Does the fact that I am fasting increase the pressure on those who don’t?

The fact that I fasted provoked different reactions: reaching from head-shaking in disbelieve to great recognition. Just scattered people took their joy about my fasting as a starting point to share their disapproval regarding those Tunisians who do not fast. Their point was basically: “If even a foreigner can fast, why can’t they?”. Some of my friends confirmed that not-fasting requires almost the temperament of a rebel. The fact that they are simply not religious did not seem to play a role in the argument. Thus, without meaning so, me as a fasting European set quite a contrast in this scenario. In some moments, I felt not loyal.

Nevertheless, many cafés discreetly advertised that they serve even at daylight. The serving, however, happens only behind covered windows, to keep other’s from noticing the secret customers.

Ramadan made me feel at home

The special atmosphere that Ramadan created, especially in the nights, created joyful moments for everyone – even those who did not fast. I am glad that I did though. During this time, me and my host family grew closer together. At day-time we were united through our growling stomachs, while in the evening we awaited with childish excitement the call for prayer that marked the end of the fasting. When friends invited me to join their breaking of the fast, I felt like a part of the community for the first time. Moreover, the nightly strolls through Tunis gave me more confidence to move more freely through the city. Ramadan made me feel at home.

Would I fast again during Ramadan? – Probably not, since I am lacking the religious motivation to do so. But to those who do, I wish with all my heart Ramadan Mubarak!


Als Agnostikerin im Ramadan

Während des Ramadans sitzen drei Tunesierinnen und eine Deutsche am Strand und schauen den Sonnenaufgang an. Eine bietet der Runde etwas zum Essen an, woraufhin eine Tunesierin nach der anderen zugreift. Ich lehne ab und muss grinsen. Dass ausgerechnet ICH die einzige Fastende zwischen Tunesierinnen bin, hätte bei mir noch vor kurzem zu ungläubigem Stirnrunzeln geführt.

Warum eine Agnostikerin fastet

Ich selbst bin weder Muslimin, noch anderweitig religiös. Müsste ich es definieren, würde ich mich als Agnostikerin bezeichnen. Religiosität war daher nicht ausschlaggebend für mein Fasten im Ramadan, sondern weil ich den Alltag meiner Gastfamilie miterleben wollte. Außerdem war ich neugierig.

Früher assoziierte ich Ramadan mit Religion und sah das Fasten ausschließlich als Einschränkung im Alltag. Umso mehr überraschte mich die allgegenwärtige und ehrliche Vorfreude auf das Fasten. Zwar macht ein Ramadan noch keine Islam-Versteherin, dennoch konnte ich ein Stück weit die Bedeutsamkeit des Ramadans für viele Muslime erfahren. Es ist eine Zeit, in der man sich auf seinen Glauben besinnt –ein bisschen wie das auch in der Weihnachtszeit der Fall ist. Aber auch für mich und andere, die nicht fasten, war es ein echtes Happening: Besonders in Erinnerung bleiben mir die lebhaften Nächte. Nach dem Fastenbrechen zieht der Ramadan die Menschen aus dem Haus. Unser morgendlicher Ausflug zum Strand war nur eine lange Nacht von vielen. Von den Dächern von Tunis aus, bei Getränken und Shisha, beobachteten wir zuvor das fröhliche Treiben der Straße. In den Erleuchteten Gassen der Altstadt drängten sich die Massen zwischen Kleiderständern und in Honig getränkten Backwaren. Bis zum Suhour, der letzten Mahlzeit vor Sonnenaufgang, duftete aus jeder Ecke die traditionelle Küche.

Erhöht mein Fasten den sozialen Druck auf Nicht-Fastende?

Mein Fasten rief die verschiedensten Reaktionen hervor: von ungläubigen Grinsen, bis hin zu großer Anerkennung. Nur vereinzelt wurde als Reaktion über die Freude, dass ich faste, das Unverständnis darüber geäußert, dass sich manche Tunesier absichtlich dem Fasten entziehen. Quasi: „Wenn sogar ein Ausländer fastet, warum nicht auch diese Leute?” Freunde von mir erzählten, dass es ihnen beinahe rebellisches Temperament abverlangt auf das Fasten zu verzichten. Das Argument, dass sie schlichtweg nicht religiös sind scheint keine Rolle zu spielen. Folglich, stehe ich als fastende Europäerin, unabsichtlicher Weise, im ziemlichen Kontrast zu denjenigen Tunesiern, die im Ramadan aus der Rolle zufallen scheinen. In manchen Momenten fühlte ich mich unsolidarisch.

Tatsächlich, werben viele Cafés auf dezenten Hinweisschildern, dass sich auch zur Tageszeit ein Kaffee ergattern lässt. Dies jedoch nur hinter verhangenen Fenstern, so dass niemand sieht, wer hier heimlich speist.

 „Der Ramadan hat mich in meinem Gastland ankommen lassen.“

Die besondere Atmosphäre im Ramadan, ganz besonders in den Nächten, brachte schöne Momente für alle mit sich – auch die, die nicht fasten.  Ich selbst bin froh, im Ramadan gefastet zu haben. In der Zeit wuchs ich enger mit meiner Gastfamilie zusammen. Tagsüber vereinten uns unserer grummelnden Mägen und abends warteten wir mit kindlicher Aufregung gemeinsam auf den Aufruf zum Gebet, der das Fastenbrechen ankündigt. Erstmals fühlte ich mich als Teil der Gemeinschaft, als Freunde mich abends zum Fastenbrechen einluden. Darüber hinaus, gaben mir die vielen nächtlichen Spaziergänge das Selbstvertrauen, um mich auch nach dem Ramadan freier durch Tunis zu bewegen. Der Ramadan hat mich in meinem Gastland Tunesien ankommen lassen.

Werde ich nochmal im Ramadan fasten? – Vermutlich nicht, denn dazu fehlt mir die religiöse Motivation. Dennoch wünsche ich jenen, die es tun, von ganzem Herzen Ramadan Mubarak!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.